Asexualität

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Dieser Artikel behandelt Asexualität im Sinne einer sexuellen Orientierung eines Menschen.

Fehlender Fortpflanzungstrieb als Krankheit bzw. Symptom einer Krankheit wird im Artikel Anaphrodisie beschrieben.

Für die asexuelle Fortpflanzung siehe Ungeschlechtliche Vermehrung.

Flagge der Asexuellen

Asexualität bezeichnet die Abwesenheit sexueller Anziehung zu anderen,[1] oder Mangel an Interesse beziehungsweise Verlangen nach Sex.[2]

Asexualität ist nicht gleichbedeutend mit sexueller Abstinenz, welche den selbst auferlegten Verzicht auf sexuelle Aktivitäten trotz vorhandener Fähigkeit und Motivation dafür bezeichnet.[3] Manche Asexuelle haben einvernehmlichen Sex, die Gründe dafür können sehr unterschiedlich sein. Unter den am häufigsten genannten Gründen befinden sich der Wunsch nach Kindern oder weil sie sich gerade in einer Beziehung mit einem sexuellen Partner befinden.[2][3]

Typen

Die Internet-Plattform „Asexual Visibility and Education Network“ (AVEN) verwendete früher als Orientierungshilfe vier verschiedene Typen der Asexualität bei Menschen (diese Einteilung ist mittlerweile dort nicht mehr gebräuchlich):

Typ A
Personen, die einen sexuellen Trieb verspüren, sich aber sexuell nicht von anderen Personen angezogen fühlen. Diese Personen haben eine Art biochemisches Bewusstsein von Sex, praktizieren vielleicht auch Masturbation, würden aber nie mit einer Person sexuell interagieren.
Typ B
Personen, die sich von anderen angezogen fühlen, aber keinen Sexualtrieb verspüren. Sie haben tiefe emotionale Verbindungen zu anderen, sie lieben vielleicht auch eine andere Person – aber ohne jedes Bedürfnis, mit ihren Geliebten sexuell zu interagieren, was körperliche Zärtlichkeiten nicht ausschließt.
Typ C
Personen, die sowohl sexuelle Triebe verspüren als auch die emotionale Anziehungskraft anderer Personen, die jedoch trotzdem nicht sexuell interagieren. Sie masturbieren im Zweifelsfall und lieben eine andere Person. Aber sexuelle Interaktion mit ihren Geliebten und die Liebe zu dieser Person sind für sie etwas völlig Verschiedenes, das nicht zusammengehört.
Typ D
Personen, die weder einen sexuellen Trieb verspüren noch die emotionale Anziehungskraft anderer Personen. Das heißt jedoch nicht, dass diese Personen keine engen und emotionalen Freundschaften kennen oder haben, aber sie verspüren keinen Reiz an Liebe oder sexueller Interaktion.

Problematik der Kategorisierung

Diese Kategorien sind jedoch nicht als umfassende Definitionen zu verstehen, sondern eher als eine Bandbreite der Erfahrungen von Menschen, die sich selbst als asexuell bezeichnen. Sie werden auch nicht durchgehend als brauchbare Klassifizierung angesehen, da sich Menschen, die sich in mehrere oder auch keine dieser Kategorien einordnen würden, selbstverständlich trotzdem als asexuell sehen können. Umgekehrt können sich selbstverständlich auch Menschen, die sich selbst in die Kategorien A bis C einordnen, als nicht asexuell sehen, weil sie beispielsweise Masturbation als Sexualität mit sich selbst verstehen und erleben oder Fetischismus als Sexualität mit einem unbelebten Gegenstand (Objektsexualität), usw.

Verbreitung

Die Anzahl von Asexuellen in der Gesellschaft ist unbekannt, da zu diesem Thema bisher noch keine statistischen Erhebungen durchgeführt wurden. In einer englischen Studie von 1994, in der 18.000 Briten nach ihren sexuellen Praktiken befragt worden waren, kreuzten 1 % der Befragten die Option „Ich habe mich noch nie von jemandem sexuell angezogen gefühlt“ als für sie zutreffend an.[1] Eine im selben Jahr in den USA durchgeführte Studie mit dem Thema „The social organization of sexuality: sexual practices in the United States“ fragte nicht explizit nach Asexualität, gibt jedoch Hinweise über die Verbreitung eines asexuellen Lebensstils. 13 % der 3500 Befragten hatten nach eigenen Angaben seit mindestens einem Jahr keinen Sex und 2 % überhaupt noch nie in ihrem Leben.

Siehe auch

Literatur

  • Anthony F. Bogaert: Understanding Asexuality. Rowman & Littlefield, 2012. ISBN 1442200995.
  • Nicole Prause, Cynthia A. Graham: Asexuality: a Preliminary Investigation

Weblinks

 Commons: Asexualität – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Anthony F. Bogaert: Asexuality: Its Prevalence and Associated Factors in a National Probability Sample. In: Journal of Sex Research. 41, Nr. 3, 2004, S. 279–287. Abgerufen am 11. September 2012.
  2. a b Nicole Prause, Cynthia A. Graham: Asexuality: Classification and Clarification. (PDF) In: Archives of Sexual Behavior. 36, 2007, S. 341–356. Abgerufen am 11. September 2012.
  3. a b  Carol Haefner: Asexual scripts: A grounded theory inquiry into the intrapsychic scripts asexuals use to negotiate romantic relationships. Proquest, Umi Dissertation Publishing, 2012, ISBN 1249062608.