Asherman-Syndrom

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Klassifikation nach ICD-10
N85.6 Intrauterine Synechien
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Das Asherman-Syndrom, auch als Fritsch-Syndrom oder Fritsch-Asherman-Syndrom bekannt, bezeichnet Verwachsungen beziehungsweise Verklebungen (Synechien) der Gebärmuttervorder- und -rückwand,[1] die häufig traumatisch bedingt ist, meist durch eine Kürettage. Folgen können eine Amenorrhoe, Hypomenorrhoe, habituelle Aborte und eine sekundäre Sterilität sein. Das Krankheitsbild wurde nach den Erstbeschreibern Joseph G. Asherman (1889-1968), einem tschechisch-israelischen Gynäkologen und Heinrich Fritsch (1844–1915), einem deutschen Gynäkologen, benannt.[2][3] Einzelfälle wurden bereits früher durch Ernst Wertheim (1864–1920), Otto Ernst Küstner (1849–1931), Gustav Veit (1824–1903) und anderen beschrieben.

Ursachen[Bearbeiten]

Verwachsungen und Narbengewebe können entstehen, wenn die Gebärmutterschleimhaut während eines operativen Eingriffs in ihrer Tiefe verletzt wurde. Da in und nach einer Schwangerschaft die Gebärmutterschleimhaut besonders empfindlich ist, besteht hier ein erhöhtes Risiko.

Folgen[Bearbeiten]

Ultraschall-Längsschnitt durch die Gebärmutter mit Hinweisen auf Verwachsungen in der Gebärmutterhöhle
Verwachsungen in der Hysterosalpingografie

Das Asherman-Syndrom ist selten Ursache einer Unfruchtbarkeit[1] führt jedoch häufig zu Amenorrhoe, Hypomenorrhoe und habituellen Aborten. Ist die Gebärmutterwand so stark verletzt worden, dass keine Schleimhautreste verblieben sind, entstehen häufig nach einer Entfernung der Verwachsungen sofort neue. Dies trifft besonders jene Frauen schwer, bei denen das Asherman-Syndrom nach einer Ausschabung wegen einer Fehlgeburt entstanden ist.

Diagnostik[Bearbeiten]

Das Asherman-Syndrom ist am besten mit einer Gebärmutterspiegelung zu diagnostizieren. Dies kann heute als ambulanter Eingriff - teils sogar unter örtlicher Betäubung - geschehen. Zuweilen lassen sich im Ultraschall Hinweise auf das Krankheitsbild finden. Früher konnte man solche Zeichen auch in einer Hysterosalpingografie finden.

Prophylaxe[Bearbeiten]

Bei Ausschabungen in oder nach einer Schwangerschaft werden ausschließlich stumpfe Instrumente (Küretten) benutzt und es wird nur mit sanftem Druck gearbeitet.

Therapie[Bearbeiten]

Die Verwachsungen werden während einer Gebärmutterspiegelung - also unter Sicht mit Hilfe eines Endoskops - mit Spezialinstrumenten entfernt. Im günstigen Fall ist noch gesunde Schleimhaut in der Gebärmutter vorhanden, die sich anschließend ausbreiten und erneute Verwachsungen verhindern kann. Die Patientin hat dann wieder eine Chance, schwanger zu werden, wenngleich Folgeschwangerschaften als Risikoschwangerschaften gelten.

Literatur[Bearbeiten]

  • J.G. Asherman: Syndrome d'Asherman. In: Rev Fr Gynecol Obstet. 61 (1966), S. 542–544, PMID 5940503
  • J.G. Asherman: Intrauterine adhesions. In: Bull Fed Soc Gynecol Obstet Land Fr. 4 (1952), S. 807–814.
  • S. Friedler, E. J. Margalioth, I. Kafka, H. Yaffe: Incidence of post-abortion intra-uterine adhesions evaluated by hysteroscopy - a prospective study. In: Hum Reprod. 8 (1993), S. 442–444.
  • W. Pschyrembel, G. Strauss, E. Petri: Praktische Gynäkologie. 5. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin 1991, ISBN 3-11-003735-1, S. 517–519.
  • Rebecca Deans, Jason Abbott: Review of Intrauterine Adhesions. In: J Minim Invasive Gynecol. 17 (2010), S. 555–569, PMID 20656564, doi:10.1016/j.jmig.2010.04.016

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Baltzer u. a.: Praxis der Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2004, S. 406f.
  2. J. G. Asherman: Amenorrhoea traumatica (atretica). In: J Obstet Gynecol Br Emp. 1948, S. 23–30.
  3. H. Fritsch: Ein Fall von völligem Schwund der Gebärmutterhöhle nach Auskratzung. In: Zentralbl Gynäkol. 1894; 18, S. 1337–1342.
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