Asiatischer Eschenprachtkäfer

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Asiatischer Eschenprachtkäfer
Asiatischer Eschenprachtkäfer (Agrilus planipennis)

Asiatischer Eschenprachtkäfer (Agrilus planipennis)

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Käfer (Coleoptera)
Unterordnung: Polyphaga
Familie: Prachtkäfer (Buprestidae)
Gattung: Agrilus
Art: Asiatischer Eschenprachtkäfer
Wissenschaftlicher Name
Agrilus planipennis
(Fairmaire, 1888)
Agrilus planipennis von unten
Agrilus planipennis bei der Paarung
Puppen von Agrilus planipennis
Typische Gänge unter der Rinde der Esche, durch Larvenfraß verursacht
Aufgrund Befall durch den Asiatischen Eschenprachtkäfer abgestorbene Rot-Esche (Fraxinus pennsylvanica)

Der Asiatische Eschenprachtkäfer (Agrilus planipennis) ist ein grün-metallisch gefärbter Käfer aus der Familie der Prachtkäfer (Buprestidae). Die Art entwickelt sich an Eschen. Der Käfer ist im Osten Asiens (Nordosten Chinas, Japan, Südkorea, Taiwan, Mongolei) und im fernöstlichen Russland heimisch.[1] Vor Jahrzehnten wurde er auch nach Nordamerika eingeschleppt, wo er sich als invasive Spezies etabliert hat und eine große Bedrohung für die dortigen Eschenbestände darstellt.

Merkmale[Bearbeiten]

Die Imagines von A. planipennis schimmern dunkelgrün metallisch, weswegen der Käfer auch seinen englischen Namen emerald ash borer („smaragdgrüner Eschenbohrer“) erhalten hat. Im Aussehen ähneln die Käfer dem in Europa heimischen Zweipunktigen Eichenprachtkäfer (Agrilus biguttatus).[1] Der Käfer hat einen länglichen, zum Ende hin konisch zulaufenden Körper und ist etwa 13 Millimeter lang und 2,0 Millimeter breit.[2]

Lebensweise[Bearbeiten]

Der Asiatische Eschenprachtkäfer besiedelt sowohl gesunde als auch vorgeschädigte Bäume. Er bevorzugt ganz überwiegend Eschen, man findet ihn jedoch auch auf einigen wenigen anderen Baumarten. Nachgewiesen wurde der Käfer an Weiß-Esche (Fraxinus americana), Fraxinus chinensis, Fraxinus japonica, Fraxinus lanunginosa, Fraxinus mandshuriana, Schwarz-Esche (Fraxinus nigra), Rot-Esche (Fraxinus pennsylvanica) und Fraxinus rhynchophylla. Außerdem ist er auch an Juglans mandshurica, Japanische Flügelnuss (Pterocarya rhoifolia), sowie den Ulmenarten Ulmus davidiana und Ulmus propinqua.[1]

Die Käfer schlüpfen im Frühjahr aus der Rinde der befallenen Bäume und sind überwiegend an warmen und sonnigen Tagen aktiv. Sie leben nur etwa drei bis sechs Wochen. Auf der Suche nach paarungsbereiten Partnern entfernen sie sich nie mehr als maximal etwa 1 ½ km von ihrem Ursprungsbaum. Nach der Paarung legt das Weibchen 60 bis 90 etwa einen Millimeter große Eier in die Ritzen der Eschenrinde. Etwa zwei Wochen nach der Eiablage schlüpfen die Larven und beginnen unmittelbar, sich in den Eschenstamm hineinzubohren.[3] Unter der Rinde entstehen danach durch Larvenfraß ausgedehnte Gänge.

Nach einer Entwicklung von ein oder zwei Jahren erreichen die Larven eine Länge von 26 bis 32 Millimetern und verpuppen sich in einer kleinen Kammer. Die aus den Puppen schlüpfenden Käfer bohren sich durch die Rinde und der Lebenszyklus beginnt von Neuem.

Schadwirkung[Bearbeiten]

Die betroffenen Bäume werden je nach Art in sehr unterschiedlicher Weise mit dem Befall durch den Käfer fertig. Während die meisten ostasiatischen Baumarten nur wenig geschädigt werden, hat der Befall bei den Eschenarten auf dem amerikanischen Kontinent, insbesondere der Weiß-Esche, Schwarz-Esche und Rot-Esche schwerwiegende Folgen. In der Regel stirbt der Baum aufgrund des Befalls nach wenigen Jahren ab. Bei den asiatischen Eschenarten hat die über Jahrtausende bestehende Koexistenz von Käfer und Baum zu einer partiellen Resistenz der Wirtsbäume geführt, die eine übermäßige Vermehrung der Käfer verhindert, deren Hintergründe aber bisher noch nicht völlig verstanden sind. Die amerikanischen Eschenarten kamen aber erst vor einigen Jahrzehnten mit dem Insekt in Kontakt, so dass hier keine Schutzmechanismen bestehen und sich der Käfer zum Schaden des Wirtsbaums ungebremst ausbreiten kann.

Die Schädigung des Baums wird durch die Larven verursacht, die Käfer selbst richten kaum nennenswerten Schaden durch Blattfraß an. Die Larvengänge zerstören die Bastschicht (das Phloem) und damit die Gefäßstruktur des Baumes, was zum Absterben der weiter oben liegenden Baumabschnitte führt. Dieser Prozess zieht sich typischerweise über zwei bis vier Jahre hin, wobei das früheste äußerlich sichtbare Zeichen das Absterben der Baumkrone ist.

Der Asiatische Eschenprachtkäfer als invasive Spezies[Bearbeiten]

Vereinigte Staaten und Kanada[Bearbeiten]

Im Jahr 2002 wurde der Asiatische Eschenprachtkäfer erstmals auf verschiedenen Eschenarten im US-Bundesstaat Michigan als Schädling entdeckt.[1] Es wird vermutet, dass der Käfer schon in den 1980er oder 1990er Jahren aus Ostasien eingeschleppt wurde, vermutlich unbeabsichtigt durch Verwendung von Eschenholz als Verpackungsmaterial. Der Käfer breitete sich in den Eschenwäldern Michigans aus, wo er nur wenige natürliche Feinde hat. Es wird geschätzt, dass durch den Käfer im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten bisher etwa 50 Millionen Eschen zugrundegegangen sind.[4] Besonders betroffen sind die Bundesstaaten um die Großen Seen. Beispielsweise wird geschätzt, dass im Bundesstaat Wisconsin mehr als 770 Millionen Eschen stehen, die etwa 7 % des gesamten Baumbestandes ausmachen.[4]

Im Jahr 2009 wurde der Asiatische Eschenprachtkäfer schon in insgesamt 12 US-Bundesstaaten und zwei kanadischen Provinzen nachgewiesen.[5][6] In Reaktion auf die biologische Bedrohung der Eschenbestände wurde ein umfangreiches Programm zur Eindämmung der Ausbreitung des Käfers aufgelegt und es wurden Regeln zur Emerald Ash Borer (EAB) quarantine beschlossen.[7][5]

Der Umstand, dass sich das Insekt so schnell über weite Gebiete ausgebreitet hat, obwohl die Käfer selbst nur eine geringe Flugstrecke zurücklegen können, hat zu der Vermutung geführt, dass die Ausbreitung unbeabsichtigt wesentlich durch Menschen erfolgt ist, und zwar über den Transport von befallenem Eschenholz, z. B. in Form von Feuerholz. Dementsprechend wurden gesetzliche Regularien erlassen, die den Transport von Holz aus Bezirken verbieten, die unter EAB-Quarantäne stehen.[8][9]

Russland[Bearbeiten]

Für eine gewisse Alarmstimmung sorgte im September 2013 der Bericht, dass der Asiatische Eschenprachtkäfer auch etwa 250 km westlich von Moskau gefunden wurde.[10] Von Wissenschaftlern wird befürchtet, dass sich die Art weiter westlich in Richtung Mittel- und Westeuropa ausbreiten wird.[11] In den dortigen Eschenbeständen wurde der Käfer bisher nicht entdeckt, jedoch ist bekannt, dass die europäische Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) durch den Käfer ernsthaft geschädigt werden kann. Diese Entwicklung ist besonders bedenklich, da die europäischen Eschenbestände schon seit Jahren durch ein massives Eschensterben, verursacht durch den Pilz Chalara fraxinea, dem nach Schätzungen bis zu 90 % der Eschenbestände zum Opfer fallen werden, dezimiert worden sind. Es wird befürchtet, dass die wenigen europäischen Eschen, die sich gegen Chalara fraxinea als resistent erweisen, möglicherweise dann Agrilus planipennis zum Opfer fallen werden.[10] Den amerikanischen und europäischen Eschen könnte somit ein ähnliches Schicksal drohen wie der Amerikanischen Kastanie (Castanea dentata) beim Auftreten des Kastanienrindenkrebses (Cryphonectria parasitica).

Bekämpfung[Bearbeiten]

Gegen die Ausbreitung von Agrilus planipennis wurden verschiedene Insektizide eingesetzt.[12] Allerdings bestehen gegen den Einsatz in großen Waldgebieten erhebliche ökologische Bedenken. Es gibt auch Konzepte zur biologischen Schädlingsbekämpfung. So ist beispielsweise Cerceris fumipennis, eine in Nordamerika natürlich vorkommende Grabwespenart aus der Familie Crabronidae, die ihre Eier in die Larven von Prachtkäfern ablegt, als möglicher Parasitoid von Agrilus planipennis im Gespräch.[13][14]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Thomas Schröder: Der Asiatische Eschenprachtkäfer. waldwissen.de, 2004, abgerufen am 15. Oktober 2013.
  2. What does EAB Look Like? Wisconsin’s Emerald Ash Borer Information Site, abgerufen am 15. Oktober 2013 (englisch).
  3. Gould, Juli S.; Bauer, Leah S.; Lelito, Jonathan; Duan, Jian (May, 2013), Emerald Ash Borer Biological Control Release and Recovery Guidelines (PDF; 2,9 MB), Riverdale, Maryland, USA: USDA-APHIS-ARS-FS, abgerufen am 28. August 2013.
  4. a b Why is EAB important? Wisconsin’s Emerald Ash Borer Information Site, abgerufen am 15. Oktober 2013 (englisch).
  5. a b Cooperative Emerald Ash Borer Project. 1. Oktober 2013, abgerufen am 15. Oktober 2013 (pdf; 2,0 MB, englisch, Karte der betroffenen Regionen in den Vereinigten Staaten).
  6. EAB locations in North America. United States Department of Agriculture: Animal and Plant Health Inspection Service, abgerufen am September 2013 (pdf; 3,2 MB, englisch).
  7. State and Federal Quarantines. Wisconsin’s Emerald Ash Borer Information Site, abgerufen am 15. Oktober 2013 (englisch).
  8. Risk Assessment of the Movement of Firewood within the United States. United States Department of Agriculture: Animal and Plant Health Inspection Service, abgerufen am 15. Oktober 2013 (pdf; 3,4 MB, englisch).
  9. Moving Firewood. Wisconsin’s Emerald Ash Borer Information Site, abgerufen am 15. Oktober 2013 (englisch).
  10. a b Ania Lichtarowicz: Ash trees also face insect threat. BBC News, 26. September 2013, abgerufen am 16. Oktober 2013 (englisch).
  11. Spiegel (online)
  12. Daniel A. Herms, Deborah G. McCullough, David R. Smitley, Clifford S. Sadof, R. Chris Williamson, Philip L. NixonBorer: Insecticide Options for Protecting Ash Trees from Emerald Ash. 2009, abgerufen am 15. Oktober 2013 (pdf; 382 kB, englisch).
  13. Cerceris fumipennis – A Biosurveillance Tool for Emerald Ash Borer. Canadian Food Inspection Agency, abgerufen am 16. Oktober 2013 (pdf; 2,4 MB, englisch).
  14. Rupa Shenoy: Stingless wasps latest tool in fight against emerald ash borer. Minnesota Public Radio News, 26. Mai 2011, abgerufen am 16. Oktober 2013 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Asiatischer Eschenprachtkäfer (Agrilus planipennis) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien