Askania-Nowa (Naturschutzgebiet)

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Biosphärenreservat Askania-Nowa
Przewalski-Pferde in der Steppe von Askania-Nowa
Przewalski-Pferde in der Steppe von Askania-Nowa
Askania-Nowa (Naturschutzgebiet) (Ukraine)
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46.45194444444433.880833333333Koordinaten: 46° 27′ 7″ N, 33° 52′ 51″ O
Lage: Cherson, Ukraine
Nächste Stadt: Askania-Nowa
Fläche: 333.08 km²
Gründung: 1921
Adresse: Біосферного заповідника „Асканія-Нова“
Херсонська область, Чаплинский район, смт. Асканія-Нова, вул.Фрунзе 13, індекс 75230 / Ukraine
offiz. Webseite
i3i6

Askania-Nowa (deutsch Neu-Askanien) ist ein Naturschutzgebiet in der südukrainischen Oblast Cherson. Das in der Steppenzone gelegene Naturschutzgebiet umfasst insgesamt eine Fläche von 33.308 ha (333,08 km²). Es ist eines der wenigen Gebiete in Europa, in dem eine relativ natürliche Steppenvegetation anzutreffen ist. Im Zentrum des Naturschutzgebiets liegt die Siedlung städtischen Typs Askania-Nowa, die dem Territorium seinen Namen gab. Der Ort verfügt über einen akklimatisierten Zoo und einen Botanischen Garten. Auf dem Territorium sind mehr als 50 seltene Tierarten beheimatet bzw. angesiedelt worden (u.a. Przewalski-Pferde und Saigas). In Askania-Nowa befindet sich das ukrainische Forschungsinstitut für Steppenrinderzucht. Die Große Tschapelskyj Depression ist ein Feuchtgebiet innerhalb des Naturschutzgebietes, welches nach der Ramsar-Konvention geschützt ist. Die natürliche flache Vertiefung ist von Wasser aus geschmolzenem Schnee und Regen gefüllt, das dank zusätzlichem Wasser aus artesischen Brunnen im zentralen Teil der Depression, nie versiegt. Hunderttausende Vögel nutzen die Depression im Herbst und Frühjahr als Durchzugsgebiet.[1] [2]

Jährlich kommen etwa 200.000 Besucher nach Askania-Nowa.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Askania-Nowa (Naturschutzgebiet) (Oblast Cherson)
Askania-Nowa
Askania-Nowa
Cherson
Cherson
Biosphärenreservat Askania-Nowa

Das Biosphärenreservat liegt im Rajon Tschaplynka im Süden der Oblast Cherson 145 km östlich der Oblasthauptstadt Cherson, 31 km östlich vom Rajonzentrum Tschaplynka und 55 km nördlich vom Sywasch. Die nächsten Eisenbahnstationen befinden sich im 72 km entfernten Kalantschak und im 76 km entfernten Nowoolexijiwka.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Gut Askania-Nowa wurde 1828 durch Herzog Ferdinand von Anhalt-Köthen (russisch: Anhalt-Ketenski) als Kolonie des Herzogtums Anhalt-Köthen gegründet. Im Herbst 1826 bekundete dieser in einem Brief an den russischen Geschäftsträger in Leipzig Interesse, in Russland eine Kolonie für Schafzucht einzurichten; für die Erweiterung der eigenen Zucht bei Nienburg (Saale) fehlte es in Anhalt an Weidefläche. Da der russische Staat sich damals um die Einfuhr veredelter Schafsrassen aus Deutschland bemühte, genehmigte er im Herbst 1827 einer Delegation, in der Südukraine nach geeignetem Terrain zu suchen. Die Wahl fiel auf Steppe 71, einem Gebiet von 50.000 Desjatinen (ca. 550 km²), wobei die Köthener wegen der kargen Bodenpunkte 48.000 Desjatinen geschenkt bekamen. Weiterhin erhielten sie noch ca. 6.000 Desjatinen am Schwarzen Meer. Die Übertragung des Landes erfolgte am 3. März durch einen Ukas des Zaren. Der Name Askania-Nowa bezieht sich auf das anhaltische Herzogsgeschlecht der Askanier.

10-Hrywnja Silber-Gedenkmünze von 1998
„100-Jahre Przewalski-Pferde in Askania-Nowa“

Am 11. August 1828 verließen 25 Personen mit 2.286 Schafen, zwei Stieren, sechs Kühen und acht Pferden ihre anhaltische Heimat. Auf der Reise nach Askania-Nowa gingen lediglich 35 Schafe verlustig. Die Schafställe wurden nach Bandhauers klassizistischem Nienburger Modell erstellt. Bis 1829 wurde der neue Betrieb auf 5.300 erweitert, 1830 zählte man bereits über 8.000 Schafe. In den ersten zehn Jahren war die Kolonie steuerfrei, dennoch musste sie aufgrund von Misswirtschaft wiederholt durch das Herzogtum finanziell unterstützt werden. Nach dem Tod Herzog Heinrichs, des letzten Regenten von Anhalt-Köthen, ging Askania-Nowa in den Besitz des Herzogs von Anhalt-Dessau über. Dieser verkaufte das unrentable Unternehmen mit 30.000 Schafen am 6. Oktober 1856 für etwa 1,5 Mio. Goldmark an den deutsch-russischen adligen Gutsbesitzer Friedrich Fein. Insgesamt betrugen die Verluste etwa eine Mio. Goldmark.

Dessen Nachkommen begannen, neben der Zucht von Nutzvieh, 1874 einen Zoo und 1887 einen Botanischen Garten zu errichten. Ende der neunziger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts wurden die Erzeugnisse der Falz-Feinschen Güter auf den Landwirtschaftsausstellungen in Russland stets stark beachtet. Man bezeichnete sie als die Könige der Schafzüchter Russlands. Der Zar lobte auch die gute Qualität der Pferde, die in großer Zahl für das russische Militär gezüchtet wurden.

Der Urenkel von Friedrich Fein, Friedrich von Falz-Fein, erwarb 1896 eine Herde wilder Elenantilopen, um sie zu domestizieren. Diese Herde existiert heute noch und wird von berittenen Hirten betreut. Die Elenantilopen-Kühe geben eine sehr fettreiche Milch. Ende des 19. Jahrhunderts ließ Friedrich von Falz-Fein mehrere Fangexpeditionen nach wilden Przewalski-Pferden im Bereich der Wüste Gobi durchführen. 1899 kamen die ersten fünf Fohlen nach Askania-Nowa. 1901 wurden 52 weitere gefangen, von welchen allerdings nur 28 die Fang- und Reisestrapazen überlebten. Sie wurden an den deutschen Tierhändler Carl Hagenbeck in Hamburg verkauft.

Am 23. April 1914 wurde Askania-Nowa vom russischen Zaren Nikolaus II. besucht. Damals verfügte das Gut über etwa eine halbe Million Schafe sowie 58 verschiedene Arten Säugetiere, darunter viele exotische Tiere wie Antilopen, Bisons, Zebras, Strauße und darüber hinaus beherbergte das Gut 402 Vogelarten. Während der Oktoberrevolution wurde der Hof stark verwüstet; die Familie Falz-Fein musste vor den Bolschewiken nach Deutschland fliehen. Lediglich die alte Mutter Friedrich von Falz-Feins verblieb auf dem Gut zurück, und wurde auf ihrem Schloss Preobraschenka von Rotarmisten erschossen. Das derzeitige Oberhaupt der Familie, Baron Eduard Alexandrowitsch von Falz-Fein (*14. September 1912 Gawrilowka), lebt in der Villa „Askania Nova“ im Fürstentum Liechtenstein. Er und sein Verwandter Boris Sadovsky setzten sich für die Erforschung der Geschichte der Deutschen in Askania Nowa und der Südukraine ein.

1921 wurde Askania-Nowa zum Naturschutzgebiet erklärt, womit es das älteste in der heutigen Ukraine ist. 1940 wurde der Freilandpark wieder eingerichtet. Im Zweiten Weltkrieg war Askania-Nowa zeitweise von den Deutschen besetzt und zeitweiliger Befehlsstand der 11. deutschen Armee unter Generalfeldmarschall Erich von Manstein während der Kämpfe zur Eroberung der Zugänge zur Halbinsel Krim. Durch den Krieg gingen viele Tiere sowie alle wissenschaftlichen Unterlagen verloren. Seit 1956 ist Askania-Nowa der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften unterstellt und trägt den Namen Ukrainisch-Wissenschaftliches Iwanow-Institut. Das Naturschutzgebiet ist seit 1984 in das Internationale System der Naturschutzgebiete der UNESCO eingetragen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernhard Grzimek: Wildes Tier, Weißer Mann. Kindler, Zürich 1965, S. 42–46, DTV, München 1976. ISBN 3-423-01177-7
  • Lisa Heiss: Das Paradies in der Steppe. Der abenteuerliche Weg nach Askania Nova. Union, Stuttgart 1970, Bitter, Recklinghausen 1981. ISBN 3-7903-0283-X
  • Anita Maaß: Man glaubt, in einem Märchenlande zu sein. Zum ökonomischen Aufstieg und zur soziokulturellen Integration der sächsischen Familie Falz-Fein in Russland 1807–1914. Bausteine aus dem Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde. Bd 1. Thelem, Dresden 2005. ISBN 3-937672-00-1

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Askania-Nowa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kommentierte Ramsar-Konvention (englisch)
  2. Feuchtgebiete in der Ukraine (ukrainisch)