Asmus Finzen

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Asmus Finzen

Asmus Finzen (* 24. Februar 1940 auf einem Bauernhof bei Taarstedt in Angeln im Kreis Schleswig-Flensburg) ist Arzt, Professor für Sozialpsychiatrie, und Wissenschafts-Publizist.

Leben und berufliche Tätigkeit[Bearbeiten]

Geboren wurde Asmus Finzen 1940 in Angeln. Nach dem Abitur an der Domschule in Schleswig im Jahr 1959 folgte das Studium der Medizin und der Soziologie 1959-1965 in Hamburg, Berlin, Tübingen und Kiel, 1966-68 die Medizinalassistentenzeit, in Bad Segeberg, Nevers/Frankreich, Kiel, Tübingen und Gießen, anschließend die Weiterbildung zum Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie bei Walter Schulte und Rainer Tölle in Tübingen. 1968 erfolgte die Promotion in Kiel. Im gleichen Jahr begegnete Finzen Ronald D. Laing. Dieser Einfluss wurde 1969 durch Kontakte zu der sozialpsychiatischen Gruppe John Wing und zu Douglas Bennett, dem Leiter der Tagesklinik am Maudsley Hospital („Maudsley Day Hospital“), bestärkt. Seit 1969 war Finzen mit wissenschaftsjournalistischer Arbeit vor allem für die FAZ beschäftigt. Seit 1970 erhielt er Lehraufträge für Sozialpsychiatrie und Medizinsoziologie in Tübingen. 1973 erfolgte seine Habilitation; ab 1974 hielt er Vorlesungen als Professor für Sozialpsychiatrie in Tübingen, ab 1978 an der MH Hannover, ab 1988 an der Universität Basel. Finzen war 1970 Gründungsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP). Seit der Eröffnung einer Tagesklinik an der Universität Tübingen im Jahr 1972 setzte sich Finzen als Vorkämpfer für die tagespsychiatrische Behandlung ein, die er als Alternative zu einer dauerhaften stationären Behandlung in psychiatrischen Anstalten betrachtete. Zu diesem gemeindenahen Konzept zählte auch die Eröffnung psychiatrischer Abteilungen an Allgemeinkrankenhäusern. Finzen war Mitbegründer und Herausgeber der sozialpsychiatrisch orientierten Zeitschrift „Psychiatrische Praxis“ von 1974 bis 2007. Von 1971 bis 1975 war er Mitarbeiter bei der Psychiatrie-Enquête. Als Direktor des Niedersächsischen Landeskrankenhauses in Wunstorf von 1975 bis 1987 und Professor an der Medizinischen Hochschule Hannover versuchte er, die psychiatrischen Reformideen zu konkretisieren. Seine Werke „Die Tagesklinik – Psychiatrie als Lebensschule“ sowie „Das Ende der Anstalt“ verdeutlichen diese Zeit. 1981 übernahm Finzen eine Gastprofessur in Lausanne. Im gleichen Jahr begann er eine beratende Funktion im Bundesministerium für Gesundheit. Von 1987 bis 2003 war er stellvertretender ärztlicher Direktor und Leiter der allgemeinen und Sozialpsychiatrie der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel. Dort baute einen sozialpsychiatrischen Bereich mit dem Schwerpunkt schizophrene Erkrankungen auf.

Leistungen[Bearbeiten]

Abgesehen von seiner bereits erwähnten Tätigkeit als Klinikleiter und Hochschullehrer sind die thematischen Schwerpunkte der wissenschaftlichen Publikation von Asmus Finzen:

  • Suizid psychisch Kranker während und nach der Behandlung (Der Patientensuizid);
  • Euthanasie (Massenmord ohne Schuldgefühl)
  • Stigma und Stigmabewältigung (Psychose und Stigma)
  • Schizophrenie (Schizophrenie – die Krankheit verstehen, behandeln bewältigen)
  • Neuroleptikadebatte (Internetveröffentlichungen siehe Kap. „Weblinks“)
  • Medizinische Grundsatzfragen (Arzt, Patient und Gesellschaft und Warum werden unsere Patienten eigentlich wieder gesund?)

Eine Publizistische Verbandstätigkeit wurde durch Asmus Finzen wie folgt gefördert:

Werke[Bearbeiten]

(Auswahl)

  • Arzt, Patient und Gesellschaft. Die Orientierung der ärztlichen Berufsrolle an der sozialen Wirklichkeit. G. Fischer 1969.
  • Argumente für eine gemeindenahe Psychiatrie (Habilitationsschrift). Werkstattschriften zur Sozialpsychiatrie 10, 1974, 4. Aufl. 1979.
  • Die Psychiatrie-Enquête kurz gefasst (mit Hilde Schädle-Deininger). Werkstattschriften zur Sozialpsychiatrie 15, 1976.
  • Die Tagesklinik. Psychiatrie als Lebensschule. Piper 1977.
  • Die Angehörigengruppe. Familien mit psychisch Kranken auf dem Wege zur Selbsthilfe. (Hg. mit M. C. Angermeyer). Enke 1984.
  • Das Ende der Anstalt. Der mühsame Alltag der Psychiatriereform. Psychiatrie Verlag 1985.
  • Der Patientensuizid. Psychiatrie Verlag 1988, 2. Aufl. 1990.
  • Suizidprophylaxe bei Psychischen Störungen. Psychiatrie Verlag l989, 4. Aufl. Psychiatrie Verlag und Thieme Verlag 1997.
  • Was ist Sozialpsychiatrie? (Hg. mit Ulrike Hoffmann-Richter), Psychiatrie Verlag 1995.
  • Massenmord ohne Schuldgefühl. Edition Das Narrenschiff im Psychiatrie Verlag 1996, (1.Fassung: Auf dem Dienstweg, 1984)
  • Das Pinelsche Pendel. Die Dimension des Sozialen im Zeitalter der Biologischen Psychiatrie. Edition Das Narrenschiff im Psychiatrie Verlag 1998.
  • Psychose und Stigma. Psychiatrie Verlag 2000, 2. Aufl. 2003 (Russisch 2001).
  • Kurze Geschichte der Psychiatrischen Tagesklinik. Psychiatrie Verlag 2003.
  • Medikamentenbehandlung bei Psychischen Störungen, Psychiatrie Verlag 1979, 14. Aufl.2004, Neufassung: 2. Aufl. 2009.
  • Das Sterben der anderen. Sterbehilfe in der Diskussion. Psychiatrie Verlag 2009.
  • Schizophrenie – die Krankheit verstehen, behandeln, bewältigen. Psychiatrieverlag 2011.
  • Warum werden unsere Kranken eigentlich wieder gesund? Räsonnieren über das Heilen. Edition Das Narrenschiff im Psychiatrie Verlag 2002. Neuausgabe: Mabuse-Verlag 2012.

Weblinks[Bearbeiten]