Astrapotheria

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Astrapotheria
Schädel von Astrapotherium

Schädel von Astrapotherium

Zeitliches Auftreten
Oberes Paläozän bis Oberes Miozän (Tortonium)
58,7 bis 7,25 Mio. Jahre
Fundorte
Systematik
Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Amnioten (Amniota)
Säugetiere (Mammalia)
Höhere Säugetiere (Eutheria)
Südamerikanische Huftiere (Meridiungulata)
Astrapotheria
Wissenschaftlicher Name
Astrapotheria
Lydekker, 1894

Die Astrapotheria sind eine vollständig ausgestorbene Ordnung pflanzenfressender Säugetiere aus der Überordnung der Südamerikanischen Huftiere (Meridiungulata). Sie lebten vor 58,7 bis 7,25 Millionen Jahren, also vom oberen Paläozän bis zum Miozän, auf dem südamerikanischen Kontinent. Wahrscheinlich stellen sie eine Schwestergruppe der Xenungulata dar.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die höher entwickelten Astrapotheria (Astrapotheriidae) hatten einen oft groß dimensionierten und länglichen Körper auf vergleichsweise schlanken Gliedmaßen. Das Körpergewicht war teilweise beträchtlich und reichte von rund 320 kg bis 500 kg bei Comahuetherium bis hin zu 4,1 t bei Parastrapotherium. Vor allem die späten Vertreter der Astrapotherien, bei denen Riesenformen gleich mehrfach belegt sind, stellten die größten landlebenden, endemischen Säugetiere ihrer Zeit in Südamerika dar.[1][2] Der Hals war teilweise verlängert und endete mit einem recht großen und schwer gebauten Kopf. Aus der Schädelstruktur, insbesondere aus den zurückversetzten Nasenknochen lässt sich auf das Vorhandensein eines kurzen, kräftigen Rüssels schließen. Oberflächlich betrachtet hatten die Astrapotheria eine Ähnlichkeit mit rezenten Tapiren, ohne näher mit diesen verwandt zu sein. Die Eckzähne (Dentes canini) waren stoßzahnartig verlängert, an sie schloss sich eine breite Lücke (ein sogenanntes Diastema) vor den Backenzähnen (Prämolaren und Molaren) an. Die Molaren des Oberkiefers zeigten auf den Kauflächen ein Muster, das in etwa den Nashörnern ähnelte. Vor allem die späten Astrapotherien hatten teilweise eine reduzierte Anzahl an Prämolaren.[3] Die Funktion der Eckzähne ist unbekannt. Der Unterkieferknochen ragte weit über den Oberkiefer hinaus. Es scheint, dass die Astrapotheriidae durch konvergente Evolution einen Habitus zwischen dem der heutigen Nashörner und Elefanten entwickelt hatten und eine vergleichbare Lebensweise aufwiesen. Die ebenfalls zu den Südhuftieren gehörenden Pyrotheria waren allerdings Elefanten noch ähnlicher.

Innere Systematik[Bearbeiten]

Die frühen Eoastrastylopidae waren die kleinsten und primitivsten unter den Astrapotheria. Von ihnen ist nur eine Art bekannt. Sie lebten von Paläozän bis ins frühe Eozän vor etwa 55 Millionen Jahren. Die Trigonostylopidae wurden lange als eigene Ordnung angesehen.[4] Sie sind bis vor 45 Millionen Jahren verbürgt. Der im Wesentlichen aus Schädelfunden bekannte Trigonostylops aus dem Paläozän wird aber als primitive Form der Astrapotherien angesehen. Er war mit etwa 1,5 Metern Länge deutlich kleiner als die zu den Astrapotheriidae gehörenden Xenastrapotherium, Uruguaytherium und das 2,5 bis 3 Meter große Astrapotherium. Vor allem die späteren, stärker spezialisierten und großen Vertreter der Astrapotheriidae prägen das Bild der Astrapotheria. Diese werden in zwei Unterfamilien unterteilt. Dabei waren die Astrapotheriinae weitgehend auf Patagonien beschränkt, während die Uruguaytheriinae weiter nördlich vorkamen bis hin ins nördliche Südamerika. Studien zur stammesgeschichtlichen Verwandtschaft ergaben, dass beide jeweils eine monophyletische Gruppe bilden.[5][1] Die Astrapotherien starben am Ende des Miozän vor rund 10 Millionen Jahren aus.

Innere Systematik der Astrapotheria nach Vallejo-Pareja et al. 2015[2]
Astrapotheria 

 Eoastrapostylops


 Trigonostylopidae 

 Trigonostylops


     

 Tetragonostylops


 Astrapotheriidae 

 Albertogaudrya


     

 Scaglia


     

 Astraponotus


     

 Maddenia


     

 Comahuetherium


     

 Parastrapotherium


 Astrapotheriinae 

 Astrapotherium


     

 Astrapothericulus



 Uruguaytheriinae 

 Uruguaytherium


     

 Hilarcotherium


     

 Xenastrapotherium


     

 Granastrapotherium














Die Innere Systematik nach McKenna & Bell:[6]

  • Ordnung Astrapotheria Lydekker, 1894
  • Familie Eoastrastylopidae Soria & Powell, 1981

Quellen[Bearbeiten]

  • Malcolm C. McKenna, Susan K. Bell: Classification of mammals above the species level. Revised edition. Columbia University Press, New York NY 2000, ISBN 0-231-11013-8.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Alejandro Kramarz und Mariano Bond: A new early Miocene astrapotheriid (Mammalia, Astrapotheria) from Northern Patagonia, Argentina. Neues Jahrbuch für Geologie und Paläontologie Abhandlungen 260, 2011, S. 277–287
  2. a b c M. C. Vallejo-Pareja, J. D. Carrillo, J. W. Moreno-Bernal, M. Pardo-Jaramillo, D. F. Rodriguez-Gonzalez und J. Muñoz-Duran: Hilarcotherium castanedaii, gen. et sp. nov., a new Miocene astrapothere (Mammalia, Astrapotheriidae) from the Upper Magdalena Valley, Colombia. Journal of Vertebrate Paleontology 2015 ([1])
  3. a b Alejandro Kramarz und Mariano Bond: A new Oligocene astrapothere (Mammalia, Meridungulata) from Patagonia and a new appraisal of astrapothere phylogeny. Journal of Systematic Palaeontology 7, 2009, S. 117–128
  4. George Gaylord Simpson: The beginning of the age of mammals in South America Part II. Bulletin of the American Museum of Natural History 137, 1967, S. 1–259 (S. 209–235)
  5. a b Steven J. Johnson und Richard H. Madden: Uruguaytheriine astrapotheres of tropical South America. In: Richard F. Kay, Richard H. Madden, Richard L. Cifelli und John J. Flynn (Hrsg.): Vertebrate Paleontology in the Neotropics. The Miocene Fauna of La Venta, Colombia. Smithsonian Institution Press, Washington, 1997, S. 355–382
  6. Malcolm C. McKenna und Susan K. Bell: Classification of mammals above the species level. Columbia University Press, New York, 1997, S. 1–631 (S. 466–468)
  7. Mariano Bond, Alejandro Kramarz, Ross D. E. MacPhee und Marcelo Reguero: A new astrapothere (Mammalia, Meridiungulata) from La Meseta Formation, Seymour (Marambio) Island, and a reassessment of previous records of Antarctic astrapotheres. American Museum Novitates 3718, 2011, S. 1–16

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Astrapotheria – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien