Atari (Go)

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Alle acht schwarzen Gruppen sind im Atari. Gekennzeichnet ist jeweils die letzte Freiheit.

Atari (jap. 当たり; zu Deutsch etwa „Treffer“ oder „Erfolg“) bezeichnet im japanischen Brettspiel Go eine Stellung, in der Steine geschlagen werden können.

Im Go ist eine Gruppe mit (nur noch) genau einer Freiheit im Atari. Im Bild auf der rechten Seite sind alle schwarzen Gruppen im Atari, jedoch keine weiße. Die durch Kreise markierten Punkte sind jeweils die letzten Freiheiten der Gruppen. Wie das Feld C4 zeigt, ist es durchaus möglich, dass sich mehrere Gruppen eine gemeinsame letzte Freiheit teilen. Dies können maximal vier sein, da jedes Feld maximal vier Nachbarfelder haben kann (an Rand und Ecken sind drei und zwei).

Eine Gruppe ohne Freiheit kann nach den Regeln des Spiels nicht auf dem Brett existieren. Wird also ein Stein gesetzt, der einer oder mehreren gegnerischen Gruppen die letzte Freiheit nimmt, muss damit automatisch diese Gruppe vom Brett genommen werden. Folglich ist es in den meisten Go-Varianten (auch in der japanischen, welche die verbreitetste ist) auch verboten einen Stein zu setzen, dessen Gruppe nach dem Setzen keine Freiheit mehr hätte, also einen sogenannten „Selbstmord“-Satz zu machen. In den Varianten, in denen Selbstmord erlaubt ist, muss danach der Stein und die restlichen der Gruppe vom Brett genommen werden. Die Steine zählen als Gefangene des Gegners.

Ein Sonderfall tritt jedoch ein, wenn der gesetzte Stein nicht nur die letzte Freiheit der eigenen Gruppe, sondern auch die mindestens einer gegnerischen nimmt. In diesem Spezialfall darf der Stein gesetzt werden und die gegnerischen Steine werden gefangen. In unserem Beispiel wäre ein weißer Stein auf J9 kein Selbstmord, sondern würde drei schwarze Steine schlagen. Damit hat die eigene Gruppe auch wieder mindestens eine Freiheit und kann existieren (es werden also nicht etwa beide Gruppen vom Brett genommen). Eine Ausnahme ist die Ko-Regel.

Gerettet werden kann eine Stellung, wenn ein Zug die Anzahl der Freiheiten erhöht. Eine Gruppe, bei der es keinen solchen Zug oder keine solche Zugfolge gibt, sie also bei jedem Zug wieder im Atari steht, heißt Oi-otoshi - „todgeweiht“. Der Umkehrschluss ist allerdings nicht zu ziehen. Findet sich also ein Zug, mit dem die Anzahl der Freiheiten erhöht werden kann, so kann die Gruppe lediglich im nächsten Zug nicht geschlagen werden.

Atari-Stellungen sind insofern im Spiel von großer Bedeutung, als der „Todesstoß“ meist nicht sofort ausgeführt wird, weil die Vorhand im Go von so zentraler Bedeutung ist, so dass dieser im lokalen Gefecht letzte Zug also ein in der Gesamtlage „verlorener“ Zug ist, der dem Gegner Vorteile bringt. Die Gruppen im Atari bleiben daher des Öfteren im Spielverlauf als „so gut wie tot“ stehen, und können dann unter Umständen später wieder ins Geschehen eingreifen, etwa wenn eine der sie einschließenden Gruppen selbst ins Atari gerät.

Dieser seltsame Zwiespalt des aufgeschobenen Schlagens macht eine der zentralen taktischen und strategischen Aspekte des Go-Spiels aus: Ob eine Gruppe den Atari überlebt, zeigt sich oft erst in den letzten Phasen des Spiels. Am sich füllenden Spielbrett bilden die jeweils im Atari stehenden Gruppen der Gegner (jap. 詰め碁, Tsumego verwandt mit Tsumeshōgi für „Schachmatt“) ein „Gleichgewicht des Schreckens“, das das Spiel gegen Ende hin immer komplexer werden lässt.