Athalia (Oratorium)

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Athalia (HWV 52) ist ein Oratorium in drei Akten von Georg Friedrich Händel.

Entstehung[Bearbeiten]

Anders als Händels übrige Oratorien entstand Athalia für eine Aufführung in Oxford, zu einer Zeit, als Händel noch vorwiegend Opern komponierte. Bei den Jubiläumsfeiern der Universitätsgründung sollte – gemäß einem Zeitungsartikel – die Ehrendoktorwürde verliehen werden. Aus unbekannten Gründen nahm er die Verleihung nicht an, aber neben der Athalia wurden in Oxford auch seinen früheren Oratorien Esther, Deborah und die Masque Acis and Galatea vorgestellt.

Es ist nicht genau bekannt, wann Händel mit der Komposition begann. Seinem üblichen Arbeitsstil nach aber nimmt man an, dass dies nicht vor Ende der Saison 1733, also im April, gewesen sein kann. Der Abschluss der Arbeit ist in der Partitur mit dem 7. Juni 1733 angegeben.

Die Uraufführung fand am 10. Juli 1733 im Sheldonian Theatre in Oxford statt, am nächsten Tag wurde das Oratorium wiederholt.

Libretto[Bearbeiten]

Das Libretto schrieb Samuel Humphreys. Es ist inspiriert von der Tragödie Athalie, die Jean Racine 1691 gedichtet hatte. Diese wiederum basiert auf einer in den Büchern der Könige (2 Kön 11) und der Chronik (2 Chr 22) geschilderten Geschichte.

Personen[Bearbeiten]

Die Uraufführungsbesetzung bestand aus folgenden Sängerinnen und Sängern:

  • Athalia, Königin von Juda, Baalsanhängerin – Mrs. Wright (Sopran)
  • Joad, ein Hohepriester – Walter Powell (Countertenor)
  • Josabeth, Gattin von Joad – Anna Maria Strada (Sopran)
  • Joas – ein Knabenalt
  • Mathan, ein Baalspriester – Philip (Gaetano Philippo) Rochetti (Tenor)
  • Abner, Heerführer – Gustavus Waltz (Bass)

Handlung[Bearbeiten]

Erster Akt[Bearbeiten]

Die Juden bereiten ihr Erntefest vor. Der Hohepriester Joad klagt darüber, wie Königin Athalia tyrannisch über das Land herrscht und den Götzen Baal anbetet.

Athalia wacht erschrocken auf und erzählt Mathan von ihren Träumen. Der Geist ihrer Mutter sei auf sie zugeschwebt und habe sie vor Judas Gott gewarnt. Als sie die Mutter habe umarmen wollen, habe diese sich entzogen und sei von wilden Tieren zerfleischt worden. Dann habe sie einen Knaben im Priestergewand gesehen, der sie zwar sanft angelächelt, ihr dann aber einen Dolch in die Brust gestoßen habe. Mathan versucht sie aufzumuntern, es sei nur ein Traum gewesen. Da Athalia aber weiterhin bedrückt ist, will Mathan von den Tempelpriestern die Identität des Jungen erfahren und ihn töten.

Joad und seine Gattin Josabeth haben den Königssohn Joas aufgezogen, der aber von seiner wahren Abstammung nichts weiß. Abner warnt sie vor der Absicht der Königin. Josabeth ist besorgt, doch der Hohepriester vertraut darauf, dass Gott den Jungen schützen werde.

Zweiter Akt[Bearbeiten]

Die Juden feiern das Erntefest. Abner möchte das Land von der Unterdrückung befreit sehen. Joad eröffnet ihm, dass es einen legitimen Thronfolger gibt – nämlich den von ihm aufgezogenen Jungen. Daraufhin erklärt Abner, dass er diesen mit dem Schwert schützen werde.

Athalia erscheint und fragt, ob der Junge Josabeths Kind sei. Josabeth verneint, und Joas gibt sich als Waisenkind Eliakim aus. Athalia will ihn in ihren Palast holen, aber er lehnt ab, weil er keinen Götzendienst leisten will. Athalia entbrennt in Rachegedanken. Josabeth ist wieder verzweifelt und wird von Joas ermutigt.

Joad und Josabeth drücken ihr Vertrauen auf einen guten Ausgang aus.

Dritter Akt[Bearbeiten]

In einer göttlichen Erleuchtung prophezeit Joad, dass die frevlerische Herrschaft ein Ende haben und Athalia sterben wird. Er fragt Joas, wessen Herrschaft er sich zum Vorbild nehmen würde, wenn er die Wahl hätte. Joas antwortet „Davids“, woraufhin der Hohepriester und seine Gattin bekanntgeben, dass Joas ein Königssohn und der neue Herrscher sei.

Mathan kommt auf Josabeth zu, wird aber als Heuchler abgewiesen. Athalia erscheint und verlangt die Auslieferung des Kindes, aber Joad führt ihn ihr als neuen König vor. Abner verweigert ihr den Gehorsam, und Mathan erkennt, dass Judas Gott gesiegt hat. Athalia schwört Rache.

Als Abschluss lobpreisen und danken die Juden Gott für seine Güte.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Winton Dean: Handel's Dramatic Oratorios and Masques. Clarendon, Oxford 1989, ISBN 0-19-816184-0, (Originalausgabe: Oxford University Press, Oxford 1959), (englisch).
  • Hans Joachim Marx: Händels Oratorien, Oden und Serenaten. Ein Kompendium. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1998, ISBN 3-525-27815-2.
  • Albert Scheibler, Julia Evdokimova: Georg Friedrich Händel. Oratorien-Führer. Edition Köln, Lohmar 1993, ISBN 3-928010-04-2.