Athanasius Schneider

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Athanasius Schneider ORC feiert die traditionelle lateinische Messe in Tallinn, Estland
Wappen von Athanasius Schneider

Athanasius Schneider ORC, bürgerlich Antonius Schneider (* 7. April 1961 in Tokmok/Kirgisien, damalige UdSSR) ist Weihbischof im Erzbistum der Allerheiligsten Jungfrau Maria zu Astana in Kasachstan.

Leben[Bearbeiten]

Antonius Schneider wurde als jüngstes von vier Kindern in eine schwarzmeerdeutsche Familie geboren. Seine Eltern Josef Schneider und Maria geb. Trautmann waren nach dem Zweiten Weltkrieg als sowjetische Internierte von Berlin in den Ural verschleppt worden. 1969 siedelte die Familie nach Valga in Estland über - wo Antonius die russische Schule besuchte - bis sie 1973 nach Deutschland ausreisen konnte und sich in Rottweil in Baden-Württemberg niederließ. Nach dem Abitur 1982 trat er im selben Jahr in den dem Engelwerk angeschlossenen Orden der Regularkanoniker vom Heiligen Kreuz (Kreuzorden) auf der Burg St. Petersberg bei Silz in Tirol ein und nahm den Ordensnamen Athanasius an. Von 1984 bis 1990 studierte er Philosophie und Theologie an der ordenseigenen Hochschule im brasilianischen Anápolis. Das Sakrament der Priesterweihe empfing er am 25. März 1990 durch den Bischof von Anápolis, Dom Manuel Pestana Filho. Danach war er ein Jahr in der Seelsorge in Aparecida tätig und gleichzeitig Spiritual des dortigen Klosters des Ordens.

P. Athanasius Schneider studierte von 1991 bis 1993 Patristik in Rom, erwarb 1993 das Lizenziat an der Dominikaner-Universität Angelicum und gab danach Vorlesungen an der ordenseigenen Hochschule in Anápolis/Brasilien über die Kirchenväter. Den Doktortitel erwarb er 1997 durch seine Dissertation am Augustinianum in Rom bei den Professoren Prosper Grech und Vittorino Grossi über den Hirten des Hermas. Von 1993 bis 2001 war er in der Ordensleitung in Rom als Generalrat tätig. Seit 1999 gab er theologische Gastvorlesungen am Priesterseminar im kasachischen Karaganda, wohin er 2001 übersiedelte und zum Spiritual und Direktor der Studien wurde.

Im Oktober 2005 nahm er an der Bischofssynode in Rom über die Eucharistie teil und sprach über seine eucharistischen Erfahrungen im ehemaligen Kommunismus. Er beherrscht neben seiner Muttersprache Deutsch auch Italienisch, Englisch, Russisch, Lateinisch, Griechisch und Portugiesisch.

Bischof[Bearbeiten]

Am 8. April 2006 wurde Athanasius Schneider von Papst Benedikt XVI. zum Titularbischof von Celerina und zum Weihbischof für das Bistum Karaganda ernannt. Die Bischofsweihe empfing er am 2. Juni 2006 durch Kardinalstaatssekretär Angelo Kardinal Sodano. Mitkonsekratoren waren Erzbischof Józef Wesołowski, Apostolischer Nuntius in Usbekistan, Kasachstan, Tadschikistan und Kirgisien sowie Jan Paweł Lenga MIC, Erzbischof von Karaganda in Kasachstan. Seine Bischofsprimiz feierte er am 30. Juli 2006 in der Heimatgemeinde St. Pelagius in der Rottweiler Altstadt. Seine Mitra mit Kreuz, Lamm und M für Maria hat ihm seine leibliche Schwester Erika angefertigt, die mit dem Namen Sr. Maria Therese als Ordensfrau im Klarissenkloster Maria Vesperbild bei Augsburg lebt und liturgische Kleidung herstellt. Sein Hirtenstab enthält Christus das Lamm; sein Bischofsring zeigt die Wundertätige Medaille. Bischof Schneider baute in der Diözese Karaganda kleine Gemeinden (Hauskirchen) und Kirchen auf und war gleichzeitig diözesaner Kanzler und Generalvikar. Ebenfalls fungiert er als Sekretär der liturgischen Kommission der russischen Bischofskonferenz.

Er hat die Erlaubnis, die slawisch-byzantinische Liturgie zu feiern. In seinem liturgischen Buch Dominus est kritisiert er die gegenwärtige Handhabung der Handkommunion in der katholischen Kirche und plädiert für eine Wiederbelebung der Mundkommunion im Knien. Er war Gast beim internationalen Kongress Treffpunkt Weltkirche 2008 des Hilfswerks Kirche in Not.

Am 5. Februar 2011 ernannte ihn Benedikt XVI. zum Weihbischof im Erzbistum der Allerheiligsten Jungfrau Maria zu Astana.[1]

In einem Interview im Juni 2014 gab er seine Ansicht kund, die katholische Kirche befinde sich in der vierten großen Krise seit ihrem Bestehen. Anthropozentrisches Denken spalte seines Erachtens die Kirche, die christozentrisch sei. Liturgie stelle kein Treffen von Freunden dar, sondern solle dem ersten Gebot, nur Gott anzubeten, entsprechen, und so solle auch das Leben gestaltet werden.[2]

Bischof Schneider feiert regelmäßig Pontifikalämter in der außerordentlichen Form des römischen Ritus, etwa 2010 und 2011 zum Fest Mariä Namen in der Wiener Karlskirche oder bei verschiedenen Anlässen in Rom.[3]

Werke[Bearbeiten]

  • Propter Sanctam Ecclesiam Suam: Die Kirche als Geschöpf, Frau und Bau im Bußunterricht des Pastor Hermae (Dissertation); ISBN 88-7961-030-9.
  • Dominus est – Gedanken eines Bischofs aus Zentralasien über die Heilige Kommunion; SJM-Verlag, Neusäß 2008; ISBN 978-3-932426-44-5.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vatikan/Kasachstan: Neue Bischöfe; Artikel bei Radio Vatikan vom 5. Februar 2011
  2. Bishop Athanasius Schneider: ‘We are in the fourth great crisis of the Church’ | CatholicHerald.co.uk. Website CatholicHerald (engl.). Abgerufen am 13. September 2014.
  3. Weihbischof Athanasius Schneider: Ein Geschenk für die Kirche; Interview auf Zenit.org vom 16. Mai 2011.