Atkinson-Maß
Mit Atkinson-Maß (nach Anthony Atkinson [* 1944]) werden eine Menge von Ungleichverteilungsmaßen bezeichnet, mit denen beispielsweise die Einkommens- oder Vermögensungleichheit in einer Gesellschaft berechnet werden kann.
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[Bearbeiten] Ursprung/Geschichte
Der von Hugh Dalton eingeführte Dalton-Index D ist nicht invariant gegenüber positiven linearen Transformationen der persönlichen Einkommenswohlfahrtsfunktionen ist.
Atkinson hat 1970 versucht, den Index so neu zu definieren, dass er die entsprechende Invarianz aufweist.
[Bearbeiten] Definition
Jedem Atkinson-Maß liegt eine konkave Nutzenfunktion zugrunde. Wie stark das Atkinson-Maß auf Ungleichheiten reagiert wird von dieser zugrunde gelegten Nutzenfunktion bestimmt.
Üblicherweise wird eine Arrow-Wohlfahrtsfunktion verwendet, die durch einen die Ungleichheitsaversion angebenden Parameter ε festlegt, wie groß der Wohlfahrtsunterschied eines zusätzlichen Euros zwischen einer Person mit einem hohen und einem niedrigen Einkommen ist. Je größer Epsilon ist, desto stärker reagiert das Atkinson-Maß auf Ungleichheit. Ist
bedeutet dies, dass die Verteilung der Einkommen gesellschaftlich gesehen unerheblich ist.
Dieser Atkinson-Index ist wie folgt definiert:
wobei yi das individuelle Einkommen (i = 1, 2, ..., N) und μ das Durchschnittseinkommen ist.
[Bearbeiten] Eigenschaften
Der Atkinson-Index hat folgende Eigenschaften:
- Symmetrie in den Argumenten:
für alle Permutationen σ. - Der Index liegt zwischen Null und Eins.
und
für alle 
- Der Index ist nur bei Einkommensgleichheit Null:
gdw. yi = μ für alle i. - Invarianz gegenüber Vervielfachung: Wird die Population (mehrfach) identisch repliziert, bleibt der Index gleich:

- Invarianz gegenüber Inflation: Werden alle Einkommen mit einer positiven Konstante multipliziert, bleibt der Index gleich:
für alle k > 0 - Der Index lässt sich in Untergruppen zerlegen.[1] Es gilt
, wobei G die Anzahl der Untergruppen angibt, μg das Durchschnittseinkommen der Untergruppe g, und die Gewichte wg = f(μg,μ,N,Ng) für eine von der konkreten Situation unabhängige Funktion f.
[Bearbeiten] Anwendung
Für den sich aus der „verallgemeinerten Entropie-Klasse“[2] mit
ergebenden Theil-Index I1 gilt, dass er in ein von Atkinson entwickeltes Entropiemaß[3] umgewandelt werden kann, das in der Literatur auch als „normalisierter Theil-Index“ auftrat.[4] Das Maß errechnet sich aus der Funktion 1 − e − T.
[Bearbeiten] Literatur
Originalaufsatz:
- Anthony B. Atkinson: On the Measurement of Inequality. In: Journal of Economic Theory. Bd. 2 (3), 1970. S. 244–263.
Zur Vertiefung:
- Yoram Amiel: Thinking about inequality. Cambridge 1999.
- Frank Alan Cowell: Measurement of Inequality. In: Anthony B. Atkinson, François Bourguignon (Hg.): Handbook of Income Distribution. Bd. 1, Amsterdam et al. 2000. S. 87–166.
- Amartya Sen, James Eric Foster: On Economic Inequality. Oxford University Press, Oxford 1996. ISBN 0-19-828193-5. (Python script mit wichtigen Formeln aus dem Buch, darunter auch Formeln zur Berechnung des Atkinson-Indexes)
[Bearbeiten] Weblinks
- Pramod Kumar Chaubey (eGyanKosh, IGNOU/Indira Gandhi National Open University): Unit 11: Measures of Inequality – PD/gemeinfrei (PDF-Datei; 3,34 MB).
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Shorrocks, AF (1980). The class of additively decomposable inequality indices. Econometrica, 48 (3), 613-625, doi:10.2307/1913126
- ↑ „Generalized Entropy Class“, Janes E. Foster im Annex A.4.1 (S. 142) von Amartya Sen: On Economic Inequality. 1973/1997.
- ↑ Anthony B. Atkinson entwickelte verschiedene Maße. Das mit dem Theil-Index verwandte Maß findet sich bei Lionnel Maugis in: Inequality Measures in Mathematical Programming for the Air Traffic Flow Management Problem with En-Route Capacities (Veröffentlichung für IFORS 96). 1996.
- ↑ Juana Domínguez-Domínguez, José Javier Núñez-Velázquez: The Evolution of Economic Inequality in the EU Countries During the Nineties. 2005.

für alle Permutationen
und
für alle 
gdw. 
für alle