Atlantik-Brücke

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Atlantik-Brücke e. V.
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Typ Netzwerk
Gründer John J. McCloy

Eric Moritz Warburg

Gründung 1952
Sitz Am Kupfergraben 7, 10117 Berlin
Personen

Friedrich Merz (Vorsitz)

Mitglieder ca. 500
Website www.atlantik-bruecke.org

Die Atlantik-Brücke e. V. wurde 1952 als private, überparteiliche und gemeinnützige Organisation mit dem Ziel gegründet, eine wirtschafts-, finanz-, bildungs- und militärpolitische Brücke zwischen der Siegermacht USA und der Bundesrepublik Deutschland zu schlagen. Zu ihren Mitgliedern zählen heute über 500 führende Persönlichkeiten aus Bank- und Finanzwesen, Wirtschaft, Politik, Medien und Wissenschaft. Die Atlantik-Brücke fungiert als Netzwerk und privates Politikberatungsinstitut. Sitz des Vereins ist das Magnus-Haus in Berlin.[1][2][3]

Verein und Zweck[Bearbeiten]

Das Magnus-Haus, Sitz der Atlantik-Brücke e. V. in Berlin-Mitte

Der Verein führt den Namen Atlantik-Brücke e. V. und ist im Vereinsregister des Amtsgerichts Berlin-Charlottenburg unter der Nr. 20196 B eingetragen.

Der Verein verfolgt laut Satzung „Bildungs-, wissenschaftliche, kulturelle und mildtätige Zwecke sowie die Förderung der Völkerverständigung. Hierbei will der Verein die Berufs- und Volksbildung auf nationaler und internationaler Ebene, hier insbesondere in den Vereinigten Staaten von Amerika, in Kanada und in Europa fördern. Darüber hinaus will der Verein das Verständnis für Deutschland in anderen Staaten, insbesondere in den Vereinigten Staaten von Amerika, in Kanada sowie den europäischen Staaten, ebenso das Verständnis für die vorgenannten Staaten in Deutschland fördern und damit einen Beitrag zur Freundschaft zwischen Deutschland und anderen Staaten leisten.“[4][5]

Die Organe des Vereins sind die Mitgliederversammlung sowie der Vorstand (§ 5), der von einem International Advisory Council in der Ausübung seiner Aufgaben unterstützt wird (§ 8).[4]

Die Atlantik-Brücke finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge. Einzelne Veranstaltungen werden selektiv gefördert durch Firmen und Institutionen wie der Deutschen Bank, dem Privatbankhaus M.M.Warburg & CO, der Nomura Holdings Investment-Bank, der Deutschen Bundesbank, der DZ Bank, dem Technologiekonzern IABG, der Volkswagen AG und dem Auswärtigen Amt.[6]

Regelmäßige Mitglieder- und Young-Leader-Alumni-Treffen finden in New York City und Washington, D.C. statt.[7]

Geschichte[Bearbeiten]

Initiator der Atlantik-Brücke John Jay McCloy

Der transatlantische Verein wurde 1952 in Hamburg von den Bankiers Eric(h) Moritz Warburg und Gotthard Freiherr von Falkenhausen, dem Unternehmer und Politiker Erik Blumenfeld, den beiden Publizisten und Herausgebern der Wochenzeitung Die Zeit, Marion Gräfin Dönhoff und Ernst Friedlaender, dem Unternehmer Hans Karl von Borries sowie dem Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelstages, Albert Schäfer zunächst als Transatlantikbrücke gegründet. Als Initiator wirkte der ehemalige Präsident der Weltbank, Direktor der privaten US-Denkfabrik für die Gestaltung der US-Außenpolitik Council on Foreign Relations (CFR) sowie Vorstandsvorsitzender von Rockefellers Chase Manhattan Bank, John J. McCloy, entscheidend mit. Als Schirmherren fungierten der Hamburger Bürgermeister Max Brauer und der Oberbürgermeister West-Berlins, Ernst Reuter. Am 18. Januar 1955 wurde der Verein beim Amtsgericht Hamburg eingetragen. Das am 4. Juli 1956 offiziell in Atlantik-Brücke umbenannte Elite-Netzwerk gilt als „eine der einflussreichsten und exklusivsten Organisationen der Berliner Republik“.[8][9][10]

Das Hauptaugenmerk des Vereins liegt seit ihrer Gründung auf der Förderung persönlicher Begegnungen zwischen deutschen und amerikanischen Führungskräften aus Wirtschafts- und Geistesleben. Gräfin Dönhoff benannte bereits kurz nach Vereinsgründung das Fernziel, politikberatende Privatinstitutionen wie dem britischen Chatham House und dem US-amerikanischen Council on Foreign Relations ähneln zu müssen. Die Atlantik-Brücke sah sich im Zeitalter von Massendemokratie und Medienwirksamkeit als ein Teil der öffentlichen Meinung, die es mit allen Möglichkeiten des Vereins zu beeinflussen galt. Die Atlantik-Brücke hatte demzufolge den Anspruch, als privater, nichtstaatlicher Think Tank zu fungieren und mit Lösungsvorschlägen meinungsbildend zu wirken. 1981 widmete die FAZ diesem Grundansatz der Atlantik-Brücke ausführlichlichen publizistischen Raum. In Anspielung auf das in den USA verbreitete System privater Gesellschaften, „die nicht zu entscheiden haben, aber dennoch zum Entscheidungshintergrund gehören“ und von daher in Deutschland eine unerhört neue Erfahrung bilden, hieß es, „ein Purist der Demokratie könnte Bedenken gegen derartige elitäre Mitbestimmungsgruppen haben“.[11][12][13]

Gründungsmitglied Gräfin Dönhoff
Mitglied Altkanzler Helmut Schmidt

Von 1957 bis 1970 gab der Verein das englischsprachige Informationsblatt Meet Germany für in Deutschland stationierte US-Soldaten heraus. 1963 wurde dies durch Seminare für US-Offiziere ergänzt, die bis heute fortgesetzt werden. Seit 1990 finden im Magnus-Haus jährliche Expertengespräche mit dem United States European Command statt, bei denen deutsche und amerikanische Generäle mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Medien zusammenkommen. Bis zum fünfzigjährigen Jubiläum der Atlantik-Brücke im Jahre 2002 hatten über neuntausend amerikanische Offiziere an diesen Seminaren teilgenommen.[14]

Weitere Seminare, Konferenzen, Young-Leader-Treffen, Round-Table-Diskussionen und Ehrungen werden regelmäßig in Räumlichkeiten des Vereins freundschaftlich verbundenen Institutionen und Konzernen abgehalten. Die Atlantik-Brücke ist Gründungsmitglied des New Traditions Network, einem Netzwerkzusammenschluss von 60 in Deutschland ansässigen pro-amerikanischen Think Tanks, Stiftungen und Regierungsorganisationen, der von der US-Botschaft Berlin koordiniert wird.[15][16]

Während 2002/2003 das deutsch-amerikanische Verhältnis zerrüttet war, schaltete die Atlantik-Brücke am 16. Februar 2003 die Solidaritätsanzeige A Message from Germany – Eine Botschaft aus Deutschland für 140.000 US-Dollar in der Sonntagsausgabe der New York Times. Die ganzseitige Botschaft wurde zudem in deutscher Sprache in der FAZ, DIE WELT und der Financial Times Deutschland abgedruckt.[17][18][19]

Am 12. März 2010 wurde in Kooperation mit dem Fernsehsender Phoenix erstmals eine Veranstaltung der Atlantik-Brücke im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gesendet. Die Atlantik-Brücke veranstaltete am 10. März 2010 ein Gespräch in der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg mit den Mitgliedern Bundeskanzler a. D., Helmut Schmidt, und dem Bundesminister der Verteidigung, Karl-Theodor zu Guttenberg, zu dem Thema „Bundeswehr im Einsatz: Krisenherd Afghanistan“. Die Diskussion moderierte der Vorsitzende der Atlantik-Brücke Friedrich Merz.[20][21]

Anlässlich der 60-Jahr-Feier des Vereins im Deutschen Historischen Museum in Berlin am 2. Juli 2012 hielt Bundeskanzlerin Angela Merkel die entsprechenden Festreden an „den lieben Friedrich Merz, der Familie Warburg, Bundeskanzler Helmut Schmidt, Exzellenzen und lieben Freunden und Mitgliedern der Atlantik-Brücke“. Unter dem Motto 60 Years of Transatlantic Relations kamen rund 170 Young-Leaders-Alumni der Atlantik-Brücke am Morgen des 2. Juli 2012 in Berlin zusammen. Anlass der Konferenz war ebenfalls das 60. Gründungsjubiläum der Atlantik-Brücke. Der damalige Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach vor den Young Leaders zum Thema „Partner in Verantwortung“. Gastgeber war die European School of Management and Technology.[22][23][24][25] Zum 60. Geburtstag veröffentlichte die Atlantik-Brücke auf Youtube 14 Interviews mit Henry Kissinger, Angela Merkel, Guido Westerwelle, Kai Diekmann, Richard von Weizsäcker, Walther Leisler Kiep und anderen langjährigen Mitgliedern.[26]

Die Geschäftsstelle des Vereins befand sich anfangs in Hamburg, zog 1983 nach Bonn, um den unmittelbaren Kontakt zur Politik zu suchen, und sitzt demzufolge seit November 1994 in Berlin, im Nachbarhaus der Privatwohnung von Bundeskanzlerin Angela Merkel.[27][28][29]

Mitgliedschaft[Bearbeiten]

Mitglied Kanzlerin Angela Merkel

Die Mitgliedschaft ist nur durch Nominierung und Kooptation durch den Vorstand möglich. Am 1. Juni 2010 hatte der Verein 493 Mitglieder, davon 252 aus der Wirtschaft, 82 aus der Politik, 40 aus den Medien, 27 aus der Wissenschaft, 14 aus Verbänden, Gewerkschaften und Stiftungen und 78 aus freien Berufsgruppen. Der Mitgliedsbeitrag liegt bei jährlich 300 Euro für Bundestagsabgeordnete sowie 1000 Euro für andere Mitglieder.[30][31]

Aktuelle Mitglieder sind u. a. Bundeskanzlerin Angela Merkel, der ehemalige Bundesaußenminister Guido Westerwelle, der Vorsitzende der Deutschen Bank AG Jürgen Fitschen, der Vorstandsvorsitzende von Goldman Sachs Deutschland Alexander Dibelius, der Vorsitzende der Axel Springer AG Mathias Döpfner, der zu Daimler Benz gewechselte, ehemalige Staatssekretär von Angela Merkel Eckart von Klaeden, der Leiter für Regierungsbeziehungen der Axel Springer AG und Bruder von Merkels Staatssekretär Eckart von Klaeden Dietrich von Klaeden, der SPD-Vorsitzende und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, der Vorstandsvorsitzende von EADS (Airbus) Thomas Enders, sowie VW- und Porsche-Vorstand Martin Winterkorn. Zudem der Präsident der Deutschen Bundesbank Jens Weidmann und der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bundesbank und ehemalige Rothschild-Banker Andreas Raymond Dombret, die gemeinsam im Board of Directors der als „Bank der Zentralbanken“ geltenden Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel sitzen. Kuratoriumsmitglieder der angeschlossenen Stiftung Atlantik-Brücke sind u.a. der ehemalige Bundesverteidigungsminister Volker Rühe sowie der Moderator und Leiter der ZDF-Nachrichtenredaktion Claus Kleber.[32]

Vorstand (Stand: 1. März 2011):

Die Anzahl der Mitglieder steigt stetig. Bei der Gründung hatte die Atlantik-Brücke sieben Mitglieder, Ende 1957 25, Ende 1962 47, Ende 1967 57, Ende 1972 75, Ende 1977 79, im Frühjahr 1982 159, im Jahre 1992 bereits 280 und im Jahre 2010 waren es schließlich 493 Mitglieder.[34][35]

Young Leaders[Bearbeiten]

Young Leader Christian Wulff

Das Young-Leaders-Programm (engl. "Junge Führungskräfte") der Atlantik-Brücke richtet sich an junge, aufstrebende Führungskräfte, die zu den jährlich stattfindenden deutsch-amerikanischen und europäischen Konferenzen eingeladen werden. Während der Konferenzen diskutieren die Teilnehmer in Plenarsitzungen und Arbeitsgruppen über aktuelle sicherheits-, außen- und wirtschaftspolitische sowie soziale Themen. Praktische Lösungsvorschläge und Empfehlungen für transatlantische Entscheidungsträger werden auf diesem Wege gefunden.[36] Seit 1973 wird alljährlich die deutsch-amerikanische Young-Leaders-Konferenz abgehalten. Mitglieder des Young-Leaders-Programmes waren u. a. Cem Özdemir, Silvana Koch-Mehrin und Kai Diekmann. Nach der Bundestagswahl am 27. September 2009 saßen eine ganze Reihe von „Young-Leaders“-Alumni in der Bundesregierung, darunter der Bundesminister des Innern Thomas de Maizière, der Bundesminister der Verteidigung a. D. Karl-Theodor zu Guttenberg, der Staatsminister im Bundeskanzleramt Eckart von Klaeden sowie die Staatssekretärinnen Katherina Reiche, Julia Klöckner und Ursula Heinen-Esser. Auch der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff ist ein Young-Leaders-Alumnus.[36][37]

Atlantik Forum e. V. der Young Leaders
Am 23. Juni 2010 gründeten sieben Alumni (lat., Zöglinge) das selbständige Atlantik Forum e. V. – die Young-Leaders-Alumni der Atlantik-Brücke. Beate Lindemann wurde zur geschäftsführenden stellvertretenden Vorsitzenden und Alexander Graf Kalckreuth zum Schatzmeister des Vereins gewählt. Die Alumni-Organisation ist eng an die Atlantik-Brücke angegliedert, operiert jedoch selbständig. Monatlich werden Atlantik-Gespräche abgehalten, u. a. mit dem Bundesvorsitzenden der Partei Bündnis 90/Die Grünen Cem Özdemir, mit Botschafter James A. Dobbins, RAND Corporation und dem deutschen Botschafter in London, Georg Boomgaarden.[38]

Konferenzen, Seminare, Arbeits- und Regionalgruppen[Bearbeiten]

Mit Konferenzen und Expertengesprächen bietet der Verein deutschen und amerikanischen Experten und Entscheidungsträgern aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Medien und den Streitkräften eine Dialog-Plattform.[39] Dazu gehören beispielsweise:

Expertengespräche mit dem United States European Command
US-Kommandeur James G. Stavridis
Der Verein lud am 1. Februar 2011 bereits zum 19. Mal zum Treffen des Kommandeurs des United States European Command und der U.S. Component Commanders mit der militärischen Führung der Bundeswehr sowie hochrangigen Vertretern aus Politik, Medien und Wissenschaft ins Berliner Magnus-Haus. Bei den eintägigen Treffen werden u.a. die Zukunft der Bundeswehr und die NATO-Strategie erörtert. Diese jährlichen Treffen zwischen der militärischen Führung der US-Streitkräfte in Deutschland und Europa und der Bundeswehr wurden nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ins Leben gerufen. Traditionell eröffnet der amerikanische Botschafter mit einem gemeinsamen Abendessen in seiner Residenz am Vorabend das Treffen. Der aktuelle Kommandierende General des US European Command sowie Supreme Allied Commander Europe der NATO, James G. Stavridis, äußerte sich folgendermaßen über die Expertengespräche: „These meetings, with the mix of military, politicians, business leaders, think tanks and media that Atlantik-Brücke brings, continue to create important venues for honest dialogue required to keep our Atlantik-Bridge strong. We are in fact stronger together.“[40][41][42]
Begegnungsseminare für deutsche und amerikanische Offiziere
Die Seminare werden bereits seit den 1960er Jahren mehrmals jährlich durchgeführt und vom Verein und der Bundeszentrale für Politische Bildung gefördert. Vertreter aus Politik und Think Tanks präsentieren hierzu Analysen, die sie mit den Teilnehmern intensiv diskutieren.[43]
Arbeitskreis USA
Mitglieder der Atlantik-Brücke treffen sich seit 1984 dreimal jährlich mit externen Experten aus Think Tanks und Medien zu einer intensiven Round-Table-Diskussion zu transatlantischen Themen, dem Arbeitskreis USA. Dabei geht es jeweils einmal im Jahr um den Schwerpunkt Wirtschaft und Finanzen, einmal um Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik und einmal um ein tagesaktuelles Thema. Traditionell geben zwei Gastredner Impulse, die dann unter der Leitung von Wirtschaftsexperten wie Ulrich Steger gemeinsam diskutiert werden.[44][45] Das erste Treffen im Jahr findet traditionell in Frankfurt am Main in den Räumen der zweitgrößten Anwaltskanzlei der Welt, Freshfields Bruckhaus Deringer LLP statt.[46]
Arbeitsgruppen
Edelgard Bulmahn, AG Klima und Energie
Die transatlantisch ausgerichteten Arbeitsgruppen werden von den Vorständen der Atlantik-Brücke geleitet. Derzeit bietet der Verein die Arbeitsgruppen Wirtschaft, Finanzen und Märkte, die AG Klima und Energie, die AG Kultur, Bildung und Wissenschaft, eine AG Kommunikation sowie eine AG Außen- und Sicherheitspolitik für ihre Mitglieder an.[47]
Regionalgruppen
Ziel der Regionalgruppen ist die intensivere Einbindung jedes Einzelnen in die Aktivitäten und Entwicklung der Atlantik-Brücke und die bessere Vernetzung untereinander.
Die Regionen unterteilen sich in Berlin/Brandenburg mit Leiter Kai Diekmann, Chefredakteur der Bild-Zeitung und BamS, München/Region Süd mit Leiterin Angelika Gifford von Microsoft, der Region Frankfurt/Hessen mit Leiterin Ingrid Hengster von der Royal Bank of Scotland, dem Gebiet Rhein-Ruhr mit Leiter Alexander Graf Lambsdorff sowie der Region Dresden/Leipzig mit Minister Roland Wöller als Leiter. Die Region Hamburg/Nord leitet Max Warburg (Enkel des Bankiers Max Warburg), M.M.Warburg & CO.[47]

American Council on Germany & Council on Foreign Relations[Bearbeiten]

Ehemals Vorsitzender der FED Paul Volcker

Die Atlantik-Brücke ist nicht zu trennen von ihrer Schwesterinstitution American Council on Germany, ebenfalls 1952 von John J. McCloy und Eric M. Warburg gegründet. Der American Council on Germany ist eine Nichtstaatliche Organisation (NGO), welche mit dem Council on Foreign Relations affiliiert ist. Heute umfasst der American Council on Germany 800 Mitglieder aus Wirtschaft, Politik und Medien sowie juristischen und akademischen Bereichen von beiden Seiten des Atlantiks. In den wichtigsten Positionen, dem Board of Directors dieses Netzwerks finden sich wiederum folgende Mitglieder des Council on Foreign Relations wieder: Präsident William Drozdiak, der Vorsitzende Robert M. Kimmitt, der Ehrenvorsitzende Paul Adolph Volcker jr. sowie Henry Kissinger, Lee Cullum, Richard Fisher, Guido Goldman, Andrew Gundlach, Francis Kelly, Brent Scowcraft und Garrick Utley.[48][49][50]

Zwischen der Atlantik-Brücke und dem ACG herrscht seit jeher ein reger Informations- und Personalaustausch. Ein Beispiel für diese Art von Zusammenkünften waren die Deutsch-Amerikanischen Konferenzen, die 1959 ins Leben gerufen wurden und in enger Zusammenarbeit mit dem American Council on Germany abwechselnd in Deutschland und den USA durchgeführt wurden. “The American Council on Germany has always been a strong actor in our relations with the United States”, wie der Staatsminister des Auswärtigen Amtes und Atlantik-Brücke-Mitglied Werner Hoyer im Dezember 2011 feststellte.[51][52]

Verdienstpreise bzw. Awards[Bearbeiten]

Die Atlantik-Brücke hat ihrem Charakter entsprechende Verdienstpreise geschaffen. Den Vernon A. Walters Award, benannt nach dem US-Geheimdienstgeneral Vernon A. Walters, sowie den Eric-M.-Warburg-Preis, in Erinnerung an den Weltbänker Eric M. Warburg. Geehrt werden Persönlichkeiten, die sich für besondere Verdienste des transatlantischen Verhältnisses und im Falle von Bertelsmann AG-Erbin Liz Mohn für die deutsch-israelischen Beziehungen bewährt gemacht haben. Unter den Preisträgern finden sich Henry Kissinger, George Bush sen., Condoleezza Rice, Helmut Kohl sowie Angela Merkel.[2] 2012 wurde Gründungsmitglied, enger Freund Eric M. Warburgs und Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt mit dem Preis bedacht. Die Laudatio im Deutschen Historischen Museum hielt Bundeskanzlerin und Atlantik-Brücke-Mitglied Angela Merkel.[53]

Kritik[Bearbeiten]

Aufgrund der Verschwiegenheit und der mehr als dürftigen Berichte über Treffen, Seminare und Konferenzen wird über die Atlantik-Brücke, neben anderen Denkfabriken, spekuliert und kritisiert. Im Wesentlichen ist die unmittelbare Nähe der Politik zur Wirtschaft und mangelnde Transparenz, Ursache für Vermutungen. Hans-Jürgen Krysmanski, emeritierter Professor für Soziologie an der Universität Münster, bezweifelt zudem den privaten Charakter von Konferenzen wie Bilderberg oder Davos und Vereinigungen wie der Atlantik-Brücke, des Council on Foreign Relations, des European Council on Foreign Relations oder der Trilateralen Kommission.[54] Der an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main promovierte Soziologe und Volkswirt Rudolf Stumberger stellt fest, dass zwischen Wirtschaft und Politik alle Schranken verschwunden sind, und dieses auch an Personen festzumachen ist. Stumberger erkennt Tendenzen der Re-Feudalisierung, d.h. dass neben den offiziellen Strukturen, eben den demokratischen Strukturen, die inoffiziellen Strukturen selbsternannter Eliten zunehmend wieder an Gewicht gewinnen.[55]

Mitglieder der Atlantik-Brücke waren maßgeblich an der Schwarzgeldaffäre Ende der 1990er Jahre involviert und wurden rechtskräftig zu mitunter mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.[56]

Der Künstler Xavier Naidoo erwähnt die Atlantik-Brücke und den Eric-M.-Warburg-Preis im Lied Goldwaagen / Goldwagen. Im Text setzt sich Naidoo kritisch mit der uniformen Berichterstattung der Medien und einigen den Massen unbekannten Fakten auseinander.[57] Ebenso kritisch beleuchtet das Polit-Hip-Hop-Duo Die Bandbreite das transatlantische Privatbündnis im Lied Die Mafia.[58]

Kiep gegen Merz – Debatte
2010 waren mehrere Vorstandsmitglieder, darunter zunächst auch der Vorsitzende Friedrich Merz, von ihren Ämtern zurückgetreten, nachdem der Ehrenvorsitzende Walther Leisler Kiep heftige Kritik an Merz geübt hatte und ihn in einem Schreiben zum Rücktritt aufforderte. Merz hatte zum Missfallen Kieps öffentlichkeitswirksam „der politischen Klasse, insbesondere Angela Merkel, mangelnde politische Führung“ vorgeworfen. Merz, der als Modernisierer der „in Ehren ergrauten Institution“ Atlantik-Brücke angetreten ist, stellte sich erneut zur Wahl und wurde mit großer Zustimmung wiedergewählt. Der neue Kurs von Merz sieht u.a. eine Emanzipation von wirtschafts- und finanzpolitischen Zukunftsstrategien amerikanischer Think Tanks vor.[59][60][61][62]

Zitate[Bearbeiten]

  • „Dass von den Aktivitäten der Atlantik-Brücke wenig in der Öffentlichkeit bekannt wird, ist Absicht. Es ist kein Verein, der nach außen wirken will. Vielmehr wird in aller Stille agiert, was dem Verein zuweilen das Image eines Geheimbundes verleiht – und den Ruf eines elitären Clubs. Um eine Mitgliedschaft in der Atlantik-Brücke bewirbt man sich nicht, man wird dazu aufgefordert. Ihr Einfluss gilt als bedeutend. Die Atlantik-Brücke wird unterstützt von allen großen deutschen Unternehmen. Die Namensliste des Vorstands (…) liest sich wie ein Who's who der Politik und Wirtschaft. Und auf der anderen Seite des Atlantiks engagieren sich nicht weniger einflussreiche Gesprächspartner.“ Berliner Zeitung vom 17. April 2002[63]
  • „Seit fast 60 Jahren schafft die Atlantik-Brücke Verbundenheit, Verständnis und Austausch und ist ein Eckpfeiler in der modernen Wirtschaft, Politik und zwischen den Medien. Es ist eine Ehre, ein Teil davon zu sein.“ Kai Diekmann, BILD-Chefredakteur auf der Homepage der Atlantik-Brücke e. V. am 1. April 2012
  • „Die transatlantischen Partner können auf eine lange, enge Freundschaft zurückblicken. Diese Verbundenheit wird durch einen offenen und vertrauensvollen Dialog lebendig gehalten, für den die Atlantik-Brücke den perfekten Rahmen bietet.“ Andreas Dombret, Mitglied des Vorstands, Deutsche Bundesbank auf der Homepage der Atlantik-Brücke e. V. am 1. April 2012
  • „Die USA werden von 200 Familien regiert und zu denen wollen wir gute Kontakte haben.“ Arend Oetker, damaliger Vorstandsvorsitzender der Atlantik-Brücke in der Berliner Zeitung vom 17. April 2002[63]
  • „Im 20. Jahrhundert war Europa für die USA ein Dilemma. Der Kernpunkt unserer Europapolitik seit 1910 war, Deutschland in seine europäische Umgebung einzubetten. Dieses Problem war für die Vereinigten Staaten 1990 erledigt. Und da wir nun keine Angst mehr haben, was Deutschland macht, haben wir auch keine Angst, was in Europa passiert. An den Problemen, die es nach wie vor in Mittel- und Osteuropa gibt, herrscht kein großes Interesse.“ John C. Kornblum, US-Botschafter a. D. im Interview des Jahresberichts 2010/2011 der Atlantik-Brücke e. V.[64]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Manager Magazin über die Atlantik-Brücke
  2. a b Liz Mohn für ihre internationale Dialogarbeit mit dem Vernon A. Walters Award geehrt
  3. Ludger Kühnhardt: Atlantik-Brücke: Fünfzig Jahre deutsch-US-amerikanische Partnerschaft, S. 189
  4. a b Satzung der Atlantik-Brücke e. V. gemäß Beschluss vom 20. Januar 2010
  5. Toast auf den Spender – Die feine "Atlantik-Brücke", ein Club zur Vertiefung der deutsch-amerikanischen Freundschaft, war für einige Beteiligte der CDU-Affäre eine ideale Kontaktbörse. Von Werner Bloch; Matthias Gebauer; Christoph Schult; Der Spiegel, Ausgabe 6/2000 vom 7. Februar 2000
  6. Sponsoren der Atlantik Brücke im Jahresbericht 2009/2010, S. 7 (PDF; 6,7 MB)
  7. Jahresbericht 2011/2012, S. 43
  8. Wissenschaftlicher Dienst des Deutschen Bundestag: „Eric M. Warburg und der Eric-M.-Warburg-Preis“ (PDF; 82 kB)
  9. „Historical Roster of Directors and Officers“ auf den Seiten des CFR
  10. Atlantik-Brücke, Süddeutsche Zeitung vom 30. Juni 2010
  11. Ludger Kühnhardt: Atlantik-Brücke: Fünfzig Jahre deutsch-amerikanische Partnerschaft, S. 11
  12. Ludger Kühnhardt: Atlantik-Brücke: Fünfzig Jahre deutsch-amerikanische Partnerschaft, S. 37
  13. Ludger Kühnhardt: Atlantik-Brücke: Fünfzig Jahre deutsch-amerikanische Partnerschaft, S. 71
  14. Ludger Kühnhardt: Atlantik- Brücke: Fünfzig Jahre deutsch-amerikanische Partnerschaft, S. 81
  15. New Traditions Network-Homepage der US-Botschaft in Berlin
  16. Liste der Think Tanks, Stiftungen und Regierungsorganisationen des New Traditions Network
  17. DER SPIEGEL am 13. Februar 2003: Deutsch-amerikanische Beziehung "Message from Germany"
  18. A message from Germany Ganzseitige Anzeige der Atlantik-Brücke in der WELT, FAZ und Financial Times Deutschland, Februar 2002 (PDF; 1,0 MB)
  19. A message from Germany ganzseitige Anzeige der Atlantik-Brücke in der New York Times, 16. Februar 2002 (PDF; 1,9 MB)
  20. PHOENIX Bibliothek: Atlantik-Brücke: Helmut Schmidt und Karl-Theodor zu Guttenberg am 12. März 2010 Diskussion steht zum freien Download zur Verfügung. Dauer: 1h43min.
  21. Altkanzler und Verteidigungsminister diskutierten in Hamburg, BILD-Zeitung am 11. März 2010
  22. Rede von Angela Merkel anlässlich der 60-Jahr-Feier der Atlantik-Brücke e. V. im Deutschen Historischen Museum; Presse- und Informationsamt der Bundesregierung
  23. Dankesrede von Helmut Schmidt für Eric-M.-Warburg-Preis (PDF; 183 kB)
  24. Bilder/Fotos zur Verleihung des Eric-M.-Warburg-Preises an Helmut Schmidt
  25. "Partner in Verantwortung" – Rede von Außenminister Westerwelle bei der Atlantik-Brücke; Pressestelle Auswärtiges Amt
  26. 60 Jahre Atlantik-Brücke: 14 Interviews mit führenden Atlantik-Brücke-Mitgliedern
  27. Jahresbericht 2010/2011, S. 70 (PDF; 5,0 MB)
  28. Eveline Y. Metzen, Geschäftsführerin der Atlantik-Brücke im Interview mit TV Berlin, ab 6:35 min vom 4. Mai 2011
  29. Ludger Kühnhardt: Atlantik Brücke: Fünfzig Jahre deutsch-amerikanische Partnerschaft, S. 296: November 1994, Eröffnung des Büros in Berlin
  30. Atlantik-Brücke: Kalter Krieg, Die Zeit Nr. 26/2010 vom 24. Juni 2010, online abgerufen am 10. April 2012
  31. Jahresbericht 2009/2010, S. 2 (PDF; 6,7 MB)
  32. Kuratoriumsmitglieder der Stiftung Atlantik-Brücke: Claus Kleber, ZDF
  33. Gremien der Atlantik-Brücke: Vorstand
  34. Ludger Kühnhardt: Atlantik-Brücke: Fünfzig Jahre deutsch-amerikanische Partnerschaft, S. 187
  35. Ludger Kühnhardt: Atlantik-Brücke: Fünfzig Jahre deutsch-amerikanische Partnerschaft, S. 197
  36. a b Jahresbericht 2009/2010, S. 18 (PDF; 6,7 MB)
  37. Offizielle History der Young Leader; S. 2; Herausgeber: Atlantik.Brücke e. V. (PDF; 45 kB)
  38. Jahresbericht 2010/2011, S. 46 f. (PDF; 5,0 MB)
  39. Jahresbericht 2010/2011, S. 25 (PDF; 5,0 MB)
  40. Jahresbericht 2010/2011, S. 36 f. (PDF; 5,0 MB)
  41. Jahresbericht 2009/2010, S. 71 (PDF; 6,7 MB)
  42. James G. Stavridis auf der Homepage der Atlantik-Brücke e. V. am 21. Juni 2012
  43. Jahresbericht 2010/2011, S. 50 f. (PDF; 5,0 MB)
  44. Jahresbericht 2010/2011, S. 28 (PDF; 5,0 MB)
  45. „Arbeitskreis USA“ der Atlantik Brücke
  46. Jahresbericht 2010/2011, S. 31 (PDF; 5,0 MB)
  47. a b Jahresbericht 2010/2011, S. 60–62 (S. 32/45 im PDF-Modus; 5,0 MB)
  48. Board of Directors des American Council on Germany
  49. Membership list of The Trilateral commission (PDF; 451 kB)
  50. Offizielle Mitgliederliste des Council on Foreign Relations (PDF; 588 kB)
  51. Rede Staatsminister Werner Hoyers beim Dinner des American Council on Germany, Berlin (englisch)
  52. Bundeskanzlerin Angela Merkel im Gespräch mit Henry Kissinger, ehemaliger Außenminister der USA, am Rande eines Mittagessens mit dem American Council on Germany
  53. 60 Jahre „Atlantik-Brücke“: Angela Merkel ehrt Altkanzler Helmut Schmidt BILD-Zeitung, 2. Juli 2012
  54. Stellungnahme von Prof. Krysmanski zu den „privaten“ Treffen und Vereinen
  55. Re-Feudalisierung und Privatisierung der Macht? Deutschlandfunk, 2. Juni 2010
  56. Dossier des Spiegels
  57. Liedtext von Xavier Naidoos "Goldwaagen / Goldwagen"
  58. Die Bandbreite: Die Mafia Videoclip
  59. Merz wieder am Steuer Süddeutsche Zeitung, 30. Juni 2010
  60. "Die Atlantik-Brücke ist eine in Ehren ergraute Institution", Walther Stützle zum Stand der transatlantischen Beziehungen Deutschlandradio
  61. „Friedrich Merz spricht auf dem Podium beim "Atlantik-Gespräch der Berliner Young Leaders Alumni" in der Staatskanzlei Niedersachsen“
  62. Atlantik-Brücke: Kalter Krieg – In der vornehmen Atlantik-Brücke streiten Friedrich Merz und Walther Leisler Kiep wie die Kesselflicker Die Zeit Nr. 26/2010 vom 24. Juni 2010, online abgerufen am 10. April 2012
  63. a b Ein Whos who der Politik und Wirtschaft Berliner Zeitung vom 17. April 2002
  64. Jahresbericht 2010/2011, S. 33 (PDF; 5,0 MB)