Atlantik (Film)

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Filmdaten
Originaltitel Atlantik
Produktionsland Großbritannien[1]
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1929
Länge 114 Minuten
Stab
Regie E. A. Dupont
Drehbuch E. A. Dupont, Victor Kendall
Produktion E. A. Dupont
Musik John Reynders (musikal. Ltg.)
Kamera Charles Rosher
Besetzung

Atlantik ist ein deutschsprachiges, britisches Film-Seedrama von Ewald André Dupont aus dem Jahre 1929. In den Hauptrollen spielen Fritz Kortner, Lucie Mannheim, Willi Forst und Franz Lederer.

Handlung[Bearbeiten]

Anlehnend an den Schiffsuntergang der "Titanic" im April 1912 wird in diesem Film die Geschichte eines Passagierkreuzfahrtschiffes namens "Atlantic" nacherzählt. Der Luxusliner befindet sich auf der Jungfernfahrt von Europa nach Amerika. An Bord herrscht ausgelassene Stimmung, sowohl unter den Reichen auf dem Oberdeck als auch bei den Passagieren der unteren Klassen. Die "Atlantic" gilt als unsinkbar...

Kapitän von Oldenburg will auf der Nordatlantikroute mit dem Schiff so schnell wie möglich den Atlantik kreuzen, immer haarscharf unterhalb der Treibeis-Zone. Doch während der Überfahrt kommt es zu einem Temperatursturz, und das Eis breitet sich rasch gen Süden aus. Oldenburg gibt seinem ersten Offizier Lersner die Weisung, eventuell aufkommende Beunruhigung unter den Passagieren zu dämpfen. Schließlich kommt es zu einem fatalen Zusammenstoß mit einem Eisberg. Doch die Passagiere lassen sich, ganz im Vertrauen auf die 'Unsinkbarkeit' des Schiffes, davon anfänglich nicht weiter beunruhigen - auch als der Kapitän anordnet, die Rettungsboote im Rahmen einer angeblichen 'Notfallübung' zu besteigen.

Höchstens drei Stunden kann sich die "Atlantic" noch über Wasser halten, danach wird sie im Ozean versunken sein. Der schwerbehinderte Schriftsteller Thomas erfährt von Lersner als erster das wahre Ausmaß der Katastrophe: Der Rumpf des Schiffes sei völlig aufgeschlitzt, heißt es. Der junge Wiener Klavierspieler Poldi hört dies Gespräch zufällig mit und gerät in tiefe Verzweiflung. Schließlich setzt er sich ans Klavier und spielt ein herzerweichendes Lied von Wehmut und Abschied. Rasch entsteht Chaos: "Frauen und Kinder zuerst" heißt es, als es um die Besteigung der viel zu wenigen Rettungsboote geht. Dabei wird das junge Ehepaar Monica und Peter getrennt. Die zurückbleibenden Passagiere wie die Besatzungsmitglieder versammeln sich zum Gebet und warten gemeinsam auf den Untergang, der sie unweigerlich in den Tod führen wird.

Hintergrund[Bearbeiten]

Dem Film lag das Bühnenstück The Berg von Ernest Raymond zugrunde.

Der 1929 entstandene Spielfilm, der erste Tonfilm in deutscher Sprache, orientierte sich am Titanic-Seeunglück von 1912. Atlantik wurde in den Londoner Elstree-Studios in drei Versionen hergestellt: Einer englischen unter dem Titel Atlantic, der deutschen und einer französischen namens Atlantis. Bei allen drei Fassungen führte Dupont Regie, jedoch standen ihm für jede Sprachversion andere Schauspieler zur Verfügung.

In Deutschland lief Atlantik am 28. Oktober 1929 in Berlins Gloria-Palast an. Der Film war damit die erstgezeigte aller drei Fassungen. Die britische Version wurde in London im darauffolgenden Monat uraufgeführt, die französische erst im September 1930 in Paris.

Es wurden mehrere Lieder gespielt bzw. gesungen, von denen sich das von Willi Forst wehmütig intonierte "Es wird ein Wein sein..." zum veritablen Evergreen entwickeln sollte.[2] Felix Powells Soldatenlied "Weit ist der Weg zurück ins Heimatland" fand wenig später auch in den deutschen Filmen Die andere Seite (1931) und Flüchtlinge (1933) Verwendung.

Bei der im Juni 1930 unter den deutschen Kinobesitzern durchgeführten Befragung wurde Atlantik als der kommerziell erfolgreichste Spielfilm der vergangenen Spielzeit (1929/30) genannt.[3][4][5]

Kritiken[Bearbeiten]

„Die Atmosphäre eines Luxusdampfers (in der 1. Klasse und auch im Zwischendeck) filmisch zu gestalten, war für Dupont eine nicht minder reizvolle Aufgabe als die dramatische Steigerung, die sich aus der Todesangst nach dem Zusammenstoß ergab. Es war ein großartiger Filmstoff, ein ganz besonders für die tonfilmische Gestaltung geeigneter Stoff; und der Film ist schon darum bedeutend, weil der Regisseur gewissermaßen tonfilmdramaturgisches Neuland suchte und dabei die ersten Schritte auf einem Wege machte, auf dem wir auch bis heute noch nicht sehr viel weitergegangen sind.“

Heinrich Fraenkel: Unsterblicher Film. Die große Chronik. Vom ersten Ton bis zur farbigen Breitwand. München 1957, Seite 42

„War "Das Land ohne Frauen" eine Tonfilm-Verheißung, so ist "Atlantic" der erste gewaltige Schritt in die Erfüllung hinein. Die Sprache ist nicht mehr Problem, sondern Tatsache. Im übrigen haben wir es mit einem englischen "Talkie" (Radio Corporation) zu tun. Es tauchen ein paar Massenszenen auf, in denen man die englische Sprache sogar noch beibehalten hat. [...] Unbedingt eine Großtat E.A. Duponts, der sich mit diesem Film ein bleibendes Denkmal in der Filmgeschichte Europas gesetzt hat. Der erste Tonfilm in zwei Sprachen und in doppelter Besetzung gedreht. Die größten Tonfilmpessimisten werden nun doch langsam zu Optimisten.“

Oskar Kalbus: Vom Werden deutscher Filmkunst. 2. Teil: Der Tonfilm. Berlin 1935, Seite 12

„Veiled retelling of the Titanic story, here in a clumsy Anglo-German version with extremely primitive sound and a plethora of pregnant silences.“

Halliwell's Film Guide, New York 1989, Seite 58

„Mit seinen Auftritten in „Atlantik“ und „Zwei Herzen im Dreivierteltakt“ wurde Forst zum neuen Frauenschwarm, der mit Herz und Melancholie gefühlsselige Lieder von Liebe und Abschied intonierte.“

Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films, Band 3, S. 60, Berlin 2001

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Film wird oft, wie in Alfred Bauers Deutscher Spielfilm-Almanach, wohl aufgrund der verschiedensprachigen Versionen als eine deutsch-britische Gemeinschaftsproduktion bezeichnet. Als Produktionsgesellschaft firmierte jedoch lediglich British International Pictures, London
  2. In Fraenkels Unsterblicher Film heißt es dazu auf Seite 98: Forst "hatte schon in E.A Duponts Verfilmung der 'Titanic'-Katastrophe Atlantik einen wohlverdienten Welterfolg gehabt, und zwar in der an sich ziemlich kleinen Rolle des jungen Wiener Klavierspielers, der während des Schiffsuntergangs am Flügel des Salons bleibt und leise vor sich hinsingt: Es wird ein Wein sein, und wir wer'n nimmer sein ... es wird schöne Maderln geben, und wir wer'n nimmer leben..."
  3. Alfred Bauer: Deutscher Spielfilm-Almanach 1929–1950. München 1976, S. 1. ISBN 3-921612-00-4
  4. Ulrich J. Klaus: Deutsche Tonfilme, 1. Jahrgang 1929/30. S. 25. Berlin-Berchtesgaden 1988. ISBN 3-927352-00-4
  5. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films, Band 2, S. 481, Berlin 2001 ISBN 3-89602-340-3