Atlas Copco
| Atlas Copco AB | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiebolag |
| ISIN | (A) SE0000122467 (B) SE0000101032 (A) SE0000122467 (B) |
| Gründung | 1873 |
| Sitz | Nacka, Stockholm |
| Leitung | Ronnie Leten |
| Mitarbeiter | 37.500 (31. Dezember 2010) |
| Umsatz | 81 Mrd. Schwedische Kronen (9,0 Mrd. EUR) |
| Website | http://www.atlascopco.com |
Atlas Copco ist ein schwedischer, international agierender Industriekonzern. Sitz des Unternehmens ist Nacka in der Nähe von Stockholm. Die deutschen Vertriebsgesellschaften befinden sich in Essen unter dem Dach der Atlas Copco Holding GmbH.
Ende 2011 beschäftigte Atlas Copco etwa 37.500 Mitarbeiter[1] in den vier Konzernbereichen: Kompressortechnik, Industrietechnik (mit Werkzeugen und Montagesystemen), Bautechnik sowie Bergbautechnik. Über 98 Prozent des Verkaufs geschieht außerhalb Schwedens. Die Aufträge 2010 kamen zu 31 % aus Europa, 22 % aus Asien, 19 % aus Nord- und 10 % aus Südamerika, 11 % aus Afrika und 7 % aus Australien [1]. Ein Teil der Produktion befindet sich immer noch in Schweden; hier gibt es Produktionsstätten in Tierp, Örebro, Fagersta und Kalmar. Den Gesamtumsatz beziffert der Konzern 2011 auf rund 81 Milliarden Schwedische Kronen oder 9,0 Milliarden Euro.
Atlas Copco ist seit 1952 in Deutschland vertreten. Derzeit (Stand: April 2012) sind unter dem Dach der Atlas Copco Holding GmbH elf operative Gesellschaften vereint, darunter produzierende Werke, Vertriebsgesellschaften und ein Engineeringzentrum für Schraubsysteme. 2011 erzielten die 2268 Beschäftigten einen Umsatz von 736 Millionen Euro. Geschäftsführer der deutschen Holding ist seit 1. Januar 2012 Piet Leys, der Ulrich Schoene ablöste.
Vorstandsvorsitzender ("President" und "CEO") des Konzerns ist seit dem 1. Juni 2009 Ronnie Leten (Stand: April 2012). Der Konzernbereich Kompressortechnik von Atlas Copco steht unter der Leitung von Stephan Kuhn (April 2012). Der Konzernbereich hat fünf Divisionen: Oil Free Air, Industrial Air, Specialty Rental, Portable Air sowie Gas and Process. Bob Fassl leitet den Konzernbereich Bergbautechnik; Mats Rahmström den Konzernbereich Industrietechnik und Nico Delvaux den Konzernbereich Bautechnik (Stand für alle: April 2012).
Nach dem Konzern wurde 1984 eine Dinosauriergattung benannt, der Atlascopcosaurus, weil man der Expedition, die zur Entdeckung dieser Art führte, die Ausrüstung zur Verfügung gestellt hatte.
Inhaltsverzeichnis |
Produkte[Bearbeiten]
- Kompressortechnik
- Druckluft und -gas
- Verdichtungsgeräte
- Druckluftmotoren
- Expander
- Druckluftzubehör
- Industrietechnik (mit Werkzeugen und Montagesystemen)
- Montagewerkzeuge
- Klebesysteme und Dosiertechnologie
- Injektionsausrüstungen
- Lösungen zur Energierückgewinnung
- Bautechnik
- Werkzeuge zur Boden- und Gebirgssicherung
- Abbruchausrüstung
- Betonverarbeitung
- Werkzeuge zur Materialabtragung
- Mobile Gesteinsbrecher und Siebeinheiten
- Hebezeuge & Laufkatzen
- Generatoren
- Bergbautechnik
- Bohrgeräte und Gesteinsbohrhämmer
- Bohrwerkzeuge
- Lade- und Transportgeräte
- Pumpen
Geschichte[Bearbeiten]
Geschichte von Atlas Copco[Bearbeiten]
Im Jahr 1873 wurde AB Atlas in Stockholm gegründet. Die Gründer waren der Eisenbahningeneur Eduard Fränckel, der Finanzier David Otto Francke und der Bankier André Oscar Wallenberg. Fränckel wurde Geschäftsführer des Unternehmens. Das Kerngeschäft war Herstellung und Verkauf von Zubehörteilen für Eisenbahnen. In kleineren Mengen wurden Stahlbauten für Brücken, Gebäude und Kirchtürme sowie Dampfmaschinen gebaut. In dieser Dekade war Atlas das größte schwedische Produktionsunternehmen.
Ab 1876 ließ das Wachstum der schwedischen Eisenbahnen nach. Damit schrieb das Unternehmen keine schwarzen Zahlen mehr. 1887 wurden die Verluste so hoch, dass die Geschäftführung auf Betrieben von Knut Agathon Wallenberg, dem Sohn des Mitbegründers, ausgetauscht werden musste. Oscar Lamm wurde der neue Geschäftsführer. Doch die Modernisierung kam zu spät, die AB Atlas ging in die Liquidation und die Gläubiger schrieben die Schulden ab. Das Nachfolgeunternehmen Nya AB Atlas (Nya = schw. Neu) konnte vom Strategiewechsel zur Erschließung neuer Produkte profitieren: Mit einem moderneren Maschinenpark produzierte man jetzt Dampfmaschinen und Dampflokomotiven. Eine weitreichende Entscheidung war der Kauf eines Kompressors und druckluftbetriebene Werkzeuge. Zunächst für den Eigenbedarf und ab 1893 für den Weiterverkauf wurden druckluftbetriebene Industriewerkzeuge hergestellt. Offiziell wurde der Verkauf druckluftbetriebener Industriewerkzeuge erst 1901 mit der ersten Produktionsstraße begonnen. 1905 wurde der erste Kompressor und Drucklufthammer gebaut. 1915 machte die Druckluftsparte 50 % des Umsatzes von Atlas aus.
1898 wurde AB Diesels Motorer von Knut Agathon Wallenbergs Halbbruder Marcus Wallenberg gegündet. Es stellte Schiffsmotoren und Dieselmotoren her. AB Diesels Motorer hatte als Innovationstreiber einen guten Ruf. 1917 fusionierte Nya AB Atlas und AB Diesels Motorer zur AB Atlas Diesel. Damit hatte das Unternehmen vier Produktsparten: Dampfmaschinen (Atlas), Dampflokomotiven (Atlas), Druckluftwerkzeuge & Kompressoren (Atlas), Diesel & Schiffdiesel (Diesel). Die Fusion änderte nichts an den Relation im neuen Unternehmen: Die Dieselsparte war deutlich größer und verfügte über einen größeren Forschungsetat, war aber im Gegensatz zu den Geschäftsbereichen der alten Atlas nicht immer kostendeckend. Trotz des wirtschaftlich schwierigen Umfeldes der 1920er und 1930er Jahre baute man das Vertriebsnetz für den Produktbereich Druckluftwerkzeuge & Kompressoren aus und schaffte es mit kleineren mobilen Kompressoren neue Kunden zu gewinnen. Wegweisend war die Entscheidung, die Maschinen zu vermieten. Ein Meilenstein für den Wandel der Unternehmenskultur war 1940 die Ernennung von Walter Wehtje zum Geschäftsführer. Wehtje hatte zuvor ein großes Kaufhaus in Stockholm geleitet, mit ihm verband sich der Wandel vom produktorientierten zu einem marktorientierten Unternehmen.
1936 wurde bei Atlas Diesel ein pneumatischer Felsbohrer vorgestellt. Das schwedische Unternehmen Sandvikens Jernverks AB entwickelte zur gleichen Zeit Bohrer aus Wolfram-Karbid. Nachdem im Zweiten Weltkrieg Erfahrungen beim Bau von Befestigungsanlagen und im Bergbau gesammelt wurden, erkannte Wehtje das Potenzial der Kombination beider Erfindungen um sie als schwedische Methode zu vermarkten. Ab 1947 konnte Atlas Diesel AB die Bohrer alleine verkaufen, da man sich mit Sandvikens Jernverks AB auf die Alleinrechte beim Bohrstahl verständigt hatte. Wichtig war auch die Werbung bei den leitenden Technikern, anstatt bei den Kaufleuten im Einkauf. Dafür war ein organisatorischer Umbau nötig: der klassische Vertriebsabteilung wurde durch Projektabteilungen ersetzt. Diese Entscheidungen erwiesen sich als richtig; in der zweiten Hälfte der 1940er Jahre verzehnfachte sich der Verkauf von Druckluftsystemen und in den 1950er Jahren verfünffachte er sich.
Das Jahr 1948 bedeutete einen klaren Einschnitt: Der Geschäftsbereich Diesel wurde verkauft. Dampfmaschinen und Dampflokomotiven stellte Atlas Diesel schon seit einiger Zeit nicht mehr her, sodass Druckluftwerkzeuge und Kompressoren die verbleibenden Produkte von Atlas Diesel sind. Der schwedische Erfinder Alf Lysholm entwickelte Mitte der 1930er Jahre einen Schraubenkompressor, diese Maschine war aber noch nicht reif für die Massenproduktion aufgrund der fehlenden Genauigkeit der damaligen Werkzeuge. 1954 kaufte Atlas Diesel das Patent, ein Jahr später kam der eigene Schraubenkompressor auf den Markt. 1956 wurde Arpic Engeneering NV in Belgien für 5,7 Mio SEK übernommen. Dieses Unternehmen stelle mobile Kompressoren her, welche die Produktpalette sinnvoll ergänzten. Mit der Übernahme nannte sich Atlas Diesel in Atlas Copco um. Copco leitet sich von den französischen Wörten Compagnie Pneumatique Commerciale ab.
Mit der schwedischen Methode hatte Atlas Copco einen großen Erfolg; in der 1950er Jahren kam es jedoch zu einer weltweiten Krise im Bergbausektor, einen der größen Kunden der Produkte. Damit war eine Neuorientierung notwendig, die unter Wehtjes Nachfolger Kurt-Allan Belfrage ab 1957 einsetzte. Belfrage hatte als Diplomat eine Begabung als Organisator und Koordinator. Erstes Element der Erneuerung war die Aufgabe des zentralistischen Vertriebs durch unabhängige Tochtergesellschaften, zweites Element war die technologische Weiterentwicklung der Produkte. 1967 kam der erste ölfreie Kompressor auf den Markt, mit dieser Z-Serie hatte Atlas Copco einen großen Produkterfolg, da man neue Kunden in der Lebensmittel-, Pharma- und Textilindustrie gewonnen hatte. Auch die druckluftbetriebenen Handwerkzeuge wurden weiterentwickelt. 1968 gab es drei Produktionsgesellschaften; Mining and Construction Technique, Airpower und Tools mit einer gemeinsamen Vertriebsorganisation. Die Entwicklungsabteilung wurde in Belgien bei Atlas Copco Airpower (ehemals Arpic Engeneering) zentralisiert.
Mit Tom Wachtmeister als neuem Geschäftsführer ab 1975 entwickelte sich Atlas Copco von Einmarkenunternehmen zu einem Mehrmarkenunternehmen weiter. Um dieses Ziel zu erreichen wurden andere Unternehmen übernommen. Hier sind ein paar Beispiele: Berema; leichte benzinbetriebene Bohrgeräte (1975), Mauguière; Kleinkompressor (1976), Turbonetices Inc.; Turbokompressoren (1980), Linde AG; Gaskompressoren (1984), Chicago Pneumatic Tool Co.; Druckluftwerkzeuge (1987), AEG Elektrowerkzeuge (1992). Dabei wandte man die Mehrmarkenpolitik auf alle drei Geschäftsfelder an: Kompressortechnik, Industrietechnik und Bergbautechnik. Mit diesen breiten Produktangebot konnte Atlas Copco neue Märkte erschließen.
Der erste nicht-schwedische Geschäftsführer war ab 1997 Giulio Mazzalupi, unter seiner Führung entwickelte Atlas Copco das modulare Produktsystem weiter. Damit wurde die Produktion vereinfacht, da viele Bauteile in verschiedenen Maschinen verwendet werden konnten; diese Entwicklung beschleunigte die Produktion und den Vertrieb. Mit dem aufkommenden Internet baute man elektronisch unterstützte unternehmensinterne Kommunikation auf und veränderte die Wertschöpfungskette vollkommen.
1997 stieg Atlas Copco mit den Kauf der Prime Service Corporation ins Mietgeschäft ein. 1999 wurde die North American Rental Service Corporation übernommen. 2001 wurden beide Gesellschaften verschmolzen und bildeten den neuen vierten Geschäftsbereich Mietservice. 2006 wurde der Geschäftsbereich unter dem neuen Geschäftsführer Gunnar Brock wieder aufgegeben. Brock legte in seiner Zeit als Geschäftsführer den Schwerpunkt auf die Stärkung der Kerngeschäftsbereiche.
Seit 2009 ist Ronnie Leten ist neuer Präsident Geschäftsführer von Atlas Copco. Er erklärte Atlas Copco und Chicago Pneumatic zu den beiden globalen Marken des Konzerns. 2011 hat das Unternehmen vier Geschäftsbereiche: Kompressortechnik, Industrietechnik, Bergbau & Gesteinsabbautechnik und Bautechnik.
Präsidenten von Atlas Copco[Bearbeiten]
Die nachfolgende Tabelle gibt einen chronologischen Überblick über die Errungenschaften der Präsidenten der Atlas Copco Gruppe. [3]
| Zeitraum | Präsident | wichtige Eckdaten |
|---|---|---|
| 1873–1887 | Eduard Fränckel |
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| 1887–1909 | Oscar Lamm |
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| 1909–1940 | Gunnar Jacobsson |
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| 1940–1957 | Walter Wehtje |
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| 1957–1970 | Kurt-Allan Belfrage |
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| 1970–1975 | Erik Johnsson |
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| 1975–1991 | Tom Wachtmeister |
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| 1991–1997 | Michael Treschow |
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| 1997–2002 | Giulio Mazzalupi |
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| 2002–2009 | Gunnar Brock |
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| seit 2009 | Ronnie Leten |
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Bedeutsame Personen[Bearbeiten]
Die nachfolgende tabellarische Übersicht stellt bedeutsame Personen und deren Errungenschaften für die Atlas Copco Gruppe vor.[4]
| Jahr | Person | Errungenschaft |
|---|---|---|
| 1901 | Gustaf Ryd | entwickelt Presslufthämmer |
| 1906 | Jonas Hesselman | konstruiert Dieselmotoren mit Rückwärtsgang für den Einsatz in der Marine |
| 1910 | Gustaf Andersson | entwickelt Druckluft betriebene Meißel- und Niethämmer mit verbessertem Design und Schieberventil-Motor |
| 1930 | Gustaf Andersson | entwickelt leichten RH Druckluft-Abbruchhammer, Teil der schwedischen Methode [5] |
| 1930 | David Roos | entwickelt leichten und zugleich hocheffizienten Kompressor mit Druckluftlamellenmotor |
| 1933 | Herman Pyk & John Munck | Wegbereiter fahrbarer Kompressoren mit Direkteinspritzung |
| 1939 | Erik Ryd & Patrik Danielsson | entwickeln Druckluft-Bohrstützen für Gesteinsbohrausrüstung |
| 1955 | Alf Lysholm | Innovator von Schraubenkompressoren |
| 1955 | Karl-Erik Hilfing | entwickelt luftgekühlte Kompressoren mit geringem Gewicht und hoher Effizienz |
| 1958 | Iwan Akerman | entwickelt ölfreie Schraubenkompressoren |
| 1967 | Ivar Trulsson | konstruiert ölfreie, elektrisch angetriebene, stationäre Kompressoren |
| 1973 | Vigg Romell | konstruiert und entwickelt hydraulische Bohrhämmer [6] |
| 1990 | Christian Schoeps | entwickelt Hydraulik-Impulsschrauber [7] |
| 1992 | Karl-Axel Stjernström, Kurt Andersson & Jörgen Rodert | entwickeln das Coprod System Das Coprod System ist eine patentierte Innovation, welche eine erhebliche Leistungssteigerung der Bohrproduktivität großer Bohrabmessungen erlaubt. |
| 1993 | Crister Hansson | entwickelt innovativen elektrischen Impulsschrauber |
| 1994 | Sverker Hartwig, Chris Lybaert & Ludo Van Nederkassel | entwickelten Kompressoren mit stufenloser Drehzahlregelung |
| 1994 | Rolf Jacobsson | entwickelt einen Turbinenmotor leistungsstarken, tragbaren Schleifmaschine |
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ a b atlascopco.com: Fakta
- ↑ Atlas Copco Unternehmensgeschichte (PDF; 8,7 MB) Webseite der Atlas Copco Gruppe. Abgerufen am 29. Mai 2012.
- ↑ Übersicht Präsidenten von Atlas Copco Webseite von Atlas Copco. Abgerufen am 29. Mai 2012.
- ↑ Bedeutsame Personen Webseite der Atlas Copco Gruppe. Abgerufen am 29. Mai 2012.
- ↑ Die Schwedische Methode Webseite der Atlas Copco Gruppe. Abgerufen am 29. Mai 2012.
- ↑ US-Patent 3780621 Abgerufen am 29. Mai 2012
- ↑ US-Patente Knut Christian Schoeps
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