Atomic (Unternehmen)

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Atomic Austria GmbH
Logo von Atomic Austria
Rechtsform GmbH
Gründung 1955
Sitz Altenmarkt im Pongau
Mitarbeiter 3.600
Branche Sportartikelhersteller
Website www.atomic.com

Die Atomic Austria GmbH ist ein österreichisches Unternehmen, das Skisport-Artikeln herstellt. Sie befindet sich im vollständigen Besitz der finnischen Amer-Sports-Gruppe, zu der auch Wilson, Suunto, Precor, Volant und Salomon gehören.

Geschichte[Bearbeiten]

Blick von der B 99 auf das Werk in Altenmarkt

Alois Rohrmoser gründete das Unternehmen 1955. 1966 begann mit dem Werksausbau in Wagrain die industrielle Skiproduktion. Ein weiteres Werk wurde 1971 in Altenmarkt im Pongau gebaut.

Als das Unternehmen 1981 begann, in einer Fabrik in der bulgarischen Stadt Tschepelare in den Rhodopen Ski und Skiartikel zu produzieren, war Atomic das erste westliche Unternehmen, welches in einem Ostblock-Land eine Fabrik eröffnete.

Der erste Ski, der produziert wurde, war der Atomic SL1, der bis zur heutigen Zeit mit dem gleichen Name "SL" produziert wird. Weiterentwickelt wurde er bis zum SL 12.

Atomic Ski ist im Skirennsport vertreten. Untrennbar verbunden mit dem Aufstieg zur Weltmarke sind die österreichischen Skirennläuferinnen Olga Pall und Annemarie Pröll, sowie der Amerikaner Bill Johnson. In den letzten Jahren waren verschiedene Atomic-Fahrer auf dem Podest, unter anderem Marcel Hirscher, Benjamin Raich, Michael Walchhofer, Daniel Albrecht, Renate Götschl, Michaela Kirchgasser und Hermann Maier. Insgesamt werden etwa 50 Rennläufer von Atomic gesponsert. In den letzten Jahren hat sich die Marke auch im Freeski-Bereich etabliert und prominente Fahrer in ihren Reihen.

Konkurs[Bearbeiten]

Anfang der 1990er-Jahre wuchsen die finanziellen Schwierigkeiten bei Atomic als Folge von Problemen beim Umstieg auf die Schalenskitechnologie mit einer hohen Rate an Ausschussware sowie Versäumnissen auf dem boomenden Snowboardmarkt. Im Jahr 1994 beantragte die BAWAG den Konkurs über Atomic, der nach Abschluss des Verfahrens im März 2006 rechtskräftig aufgehoben wurde.

Spekulationen über Unrechtmäßigkeiten beim Konkursverfahren[Bearbeiten]

Die hohe Konkursquote von 93 % für BAWAG P.S.K. und 73 Prozent für die Gläubiger nährte Spekulationen, wonach der Konkurs nicht notwendig und die finanzielle Sanierung möglich gewesen wäre.[1] So habe sich das Unternehmen bis zum Zeitpunkt der Konkurseröffnung in seinem genehmigten Kreditrahmen bewegt. Zudem hätte für das Unternehmen für den Zeitraum nach der Insolvenz eine positive Fortführungsprognose bestanden.[2]

Der langjährige Firmenchef Alois Rohrmoser weigerte sich, BAWAG-Leute in Atomic-Spitzenpositionen zu akzeptieren. Gleichzeitig verhandelte er mit einer Sanierergruppe, der er bis zu 85 Prozent seiner Anteile abtreten wollte.[1][2] Laut Atomic-Masseverwalter Vavrovsky habe sich die BAWAG übergangen gefühlt und in der Folge Atomic die Kredite fällig gestellt.[3] Die BAWAG hatte zunächst ein Weiterführungs- bzw. Übernahmekonzept erstellt. Demnach hätte die BAWAG 500 Millionen Schilling aus Übersee in Atomic einbringen sollen. Plötzlich sei der Plan jedoch nicht mehr weiterverfolgt worden. KTM-Chef Stefan Pierer, der Rohrmoser in der Krise beraten hatte, vermutet, dass die BAWAG aufgrund des plötzlichen Zusammenbruchs ihrer Karibik-Geschäfte (siehe BAWAG-Affäre) plötzlich Geld zur Abdeckung der Spekulationsverluste benötigte.[2] Tatsächlich seien Zahlungen an die irische BAWAG-Tochter geflossen, die in die Karibik-Geschäfte verstrickt war.[4]

Nach dem Konkursverfahren erwarb der finnische Konzern Amer im November 1994 Atomic zu einem Preis von 918,7 Millionen Schilling (66,8 Millionen Euro). Im Januar 1995 wiederum erwarb die BAWAG P.S.K. zehn Prozent an Atomic und zahlte dafür 350 Millionen Schilling (25,4 Millionen Euro). Atomic war somit nach nur etwas mehr als einem Monat 3,5 Milliarden und nicht mehr nur 918,7 Millionen Schilling wert. Diese Transaktionen im Zuge des Atomic-Konkurses, sowie der Konkurs an sich, sind neben anderem Gegenstand des Banken-Untersuchungsausschusses des österreichischen Nationalrates im Jahr 2007.

Bankenuntersuchungsausschuss[Bearbeiten]

Laut Ausschussvorsitzenden, dem FPÖ-Politiker Martin Graf, übte die BAWAG massiven Druck aus, um den genauen Hergang des Atomic-Konkurses zu verschleiern. So seien gegen einen ermittelnden Staatsanwalt und ermittelnde Polizeibeamte Amtshaftungsklagen und Strafanzeigen eingebracht worden. Zudem habe BAWAG-Chef Helmut Elsner den damaligen Innenminister Karl Schlögl (SPÖ) gebeten den ermittelnden Exekutivbeamten, Chefinspektor Werner Mayer, "zurückzupfeifen".[5] Dem Untersuchungsausschuss wurden auch wichtige Beweisstücke vorenthalten. So hatten sich Nationalbank und Finanzmarktaufsicht darüber abgesprochen, welche Akten an den Ausschuss gehen: eine Vorgehensweise, die die meisten Fraktionen für gesetzwidrig halten. Der grüne Abgeordnete Werner Kogler vermutete in diesem Zusammenhang Amtsmissbrauch und forderte Konsequenzen.[4]

Marken[Bearbeiten]

Atomic produziert heute folgende Marken[6][7][8]:

  • Dynamic (Ski)
  • Volant (Luxusskilauf)
  • Atomic (Ski, Snowboards)
  • Salomon (Ski)

Frühere Marken waren:

  • Oxygen (Raceboards)
  • Koflach (Wandersport)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Atomic-Konkurs medial wieder präsent, ORF online, 13. Oktober 2010
  2. a b c Der Krimi einer Pleite: Wurde Atomic in den Konkurs getrieben?, Wirtschaftsblatt online, 17. März 2007
  3. Graf sieht Mitschuld der BAWAG bei Atomic-Konkurs, Die Presse online, 21. März 2007
  4. a b Banken-Ausschuss: Atomic-Konkurs: Mafioses Netzwerk?, Die Presse online, 14. März 2007
  5. BAWAG wollte Atomic-Konkurs verschleiern: Banken-Ausschuss sucht nach Antworten, News.at, 6. März 2007
  6. Amer Winter Sports: Mit den Ski-Marken Atomic und Salomon auf Erfolgskurs. Online auf plasticker.de vom 18. Februar 2011.
  7. Koflach, die Geschichte. Online auf koflach.com.
  8. Amer Jahresbericht 2009 (PDF; 6,3 MB). Online auf amersports.com.