Atropatene

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Atropatene (auch Media Atropatene) war ein unabhängiges Königreich, das hauptsächlich auf dem Gebiet der iranischen Provinzen Ardabil, West-Aserbaidschan und Ost-Aserbaidschan lag, und heute häufig als Vorgängerstaat von Aserbaidschan angesehen wird.

Gründung[Bearbeiten]

Das Gebiet gehörte vor der Zeit des Achämenidenreiches geographisch, kulturell und politisch zu Medien. Die Bewohner waren zu großen Teilen Meder und die Oberhoheit des Landes lag in Ekbatana.

Nach der Eroberung des persischen Reiches durch den makedonischen König Alexander III. behielt Medien seinen damaligen Satrapen, Atropates, obwohl dieser auf persischer Seite die medischen Truppen kommandiert hatte. Nach Alexanders Tod fiel das südliche Medien, Ekbatana eingeschlossen, an das Seleukidenreich. Atropates konnte die Kontrolle über das nördliche Medien behalten und begründete eine Dynastie, die über ein unabhängiges Königreich herrschen konnte. Das Land wurde von den Zeitgenossen als Media Atropatene, "Medien des Atropates" bezeichnet.

Gestalt[Bearbeiten]

Atropatene, ca. 2. bis 1. Jahrhundert v. Chr.

Ein Grund dafür, dass Atropatene ohne größere Schwierigkeiten unabhängig werden und diese Unabhängigkeit lange behaupten konnte, war möglicherweise der Mangel an natürlichen Rohstoffen. Das Land war größtenteils gebirgig, besaß aufgrund dort herrschender mediterraner Klimabedingungen jedoch immerhin günstige landwirtschaftliche Voraussetzungen. Das Gelände wies allerdings große Vorzüge in der Verteidigung auf, was einen Eroberungsfeldzug gefährlich und unrentabel erschienen ließ.

Die Hauptstadt Atropatenes war Gazaka (heute Ganzak). Nahe der Stadt lag die Festung Phraaspa, die an der Stelle von Tacht-i Suleiman vermutet wird. Die genaue Ausdehnung des Königreichs ist unbekannt, die Nordgrenze lag nördlich des Urmiasees. Grenzkonflikte mit dem westlichen Nachbarn Armenien scheint es nicht gegeben zu haben.

Atropatene war ein von der Außenwelt weitgehend abgeschottetes Königreich, das lange als Hochburg des Zoroastrismus betrachtet wurde, was vor allem dadurch bestätigt zu sein scheint, dass das spätere zoroastrische Hauptheiligtum Adur Gushnasp auf einst atropatenischen Boden lag. Diese Ansicht wird seit einiger Zeit jedoch in Frage gestellt, da außer dem genannten Indiz keine fundierten Beweise hierfür gefunden wurden. Atropatene scheint sich erfolgreich der Hellenisierung widersetzt zu und seine achämenidisch-iranische Tradition bewahrt zu haben.

Geschichte[Bearbeiten]

Atropatene zur Zeit des Tigranes

Nach der Loslösung vom Alexanderreich konnte sich Atropatene friedlich entwickeln, bis Antiochos III. das Land in den Status eines Vasallenstaates zwang, der später unter parthischer Herrschaft fortgeführt wurde. Dabei scheint auch Armenien, selber ein Vasall der Parther, großen Einfluss auf Atropatene gehabt zu haben. Dennoch verfügte Atropatene über ein starkes Heer, das auf die Kavallerie betont war. Vermutlich zog es Nutzen aus den berühmten nisäischen Pferden.

Pompeius gelang es, den atropatenischen König Dareios zu besiegen. Aufgrund der auffällig hohen Zahl an Münzen, die sein Bildnis tragen, wird dieser Dareios auch als Usurpator auf den parthischen Thron betrachtet. Später führte Marcus Antonius einen Feldzug gegen die Parther durch Armenien und Atropatene, scheiterte jedoch bei der Belagerung von Gazaka.

Atropatene blieb lange ein Vasallenkönigreich der Parther, scheint jedoch mit der Zeit immer näher an das Partherreich gebunden worden zu sein. Könige aus dem Haus der Arsakiden bestiegen immer häufiger den atropanischen Thron, und als die Sasaniden 226 das Land eroberten, war es wohl mehr eine Provinz des Partherreiches als ein eigenständiges Königreich, auch wenn die Herrscher noch den Königstitel trugen.

Überlieferung[Bearbeiten]

Über Atropatene ist aus antiken Quellen nur sehr wenig bekannt, auch archäologische Grabungen brachten nur spärliche Indizien des Königreichs zutage. Das Land erscheint als Randnotiz in den Werken Plutarchs, Ptolemäus’, Cassius Dios, Appians, Strabons, Plinius’ des Älteren und Polybios’, ein Werk, das sich in größerem Maße mit Atropatene beschäftigt, gibt es jedoch nicht.

Könige[Bearbeiten]

Aufgrund der mangelhaften Quellenlage ist es schwer, eine Herrscherliste für Atropatene zu erstellen. Münzprägung war, wenn überhaupt vorhanden, in Atropatene wohl eher sehr beschränkt. Nur von Dareios sind größere Mengen von Münzen bekannt, von denen jedoch vermutet wird, dass sie nicht von ihm selbst, sondern von höheren parthischen Stellen herausgegeben wurden. Mithilfe der spärlichen Quellen ist dennoch eine lückenhafte Chronologie erstellbar. Bei den meisten Daten handelt es sich um Vermutungen oder Schätzungen.

Atropatiden

  • Atropates (323–ca. 300 v. Chr.)
  • unbekannter Herrscher
  • Artavasdes I. (auch Artabazanes; ca. 270–nach 220 v. Chr.)
  • unbekannte Herrscher
  • Mithradates (vor 85–ca. 66 v. Chr.)
  • Dareios (ca. 66/65 v. Chr.)
  • Ariobarzanes I. (ca. 65–? v. Chr.)
  • Artavasdes II. (vor 36–ca. 31 v. Chr.)
  • direkte parthische Herrschaft
  • Ariobarzanes II. (20–ca. 6 v. Chr.)

Arsakiden

  • Pakoros (51–nach 72), letzter bekannter König

Literatur[Bearbeiten]

  • Fergus Millar (Hrsg.): Das Römische Reich und seine Nachbarn (Fischer Weltgeschichte 8). Frankfurt am Main 1966
  • Josef Wiesehöfer: Das antike Persien. Düsseldorf 2005.

Weblinks[Bearbeiten]