Atsugewi

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Die Atsugewi (auch Hat Creek Indians oder Pit River Indians genannt) sind ein Volksstamm amerikanischer Ureinwohner der im Nordosten Kaliforniens wohnte.[1] Die Atsugewi zählten ca. 1.000 Personen. Heute sind sie in den auf Bundesebene offiziell als Stämme anerkannten Pit River Tribe und der Susanville Indian Rancheria organisiert.

Sozio-politische Organisation[Bearbeiten]

Die Atsugewi waren in zwei Stämme unterteilt. Der eine waren die Atsugé (= „pine-tree-people“, „Kiefern-Volk“), die das stark bewaldete westliche Stammesgebiet zwischen Mount Lassen und dem Pit River, mit dem Hauptsiedlungsgebiet entlang des Hat Creek bewohnten. Wegen dieses Wohngebiets wurden sie meist als Hat Creek Indians bezeichnet. Der andere waren die Apwaruge (= „juniper-tree-people“, „Wacholderstrauch-Volk“). Sie bewohnten das weniger bewaldete, aber durch reichhaltige Marsch- und Sumpfgebiete gekennzeichnete östliche Stammesgebiet, entlang des Horse Creek. Sie wurden daher meist als Horse Creek Indians bezeichnet.

Zudem waren die Atsugewi in drei soziale Klassen unterteilt, die auf Reichtum und Fleiß beruhten (wobei man allgemein annahm, dass die Reichen auch die Fleißigen seien):

  • Saswahecar (die Handel treibenden, und daher fleißigen Reichen)
  • Wikoi (die Gemeinen, die Normalen, „das einfache Volk“, das Gefolge eines Saswahecar, eines Reichen)
  • Brumui (die als faul verachteten Armen, denn wären sie fleißig, wären sie ja reich)

Die sozialen Klassen waren zwar prinzipiell nach oben wie nach unten durchlässig, doch wurden meist Heiraten innerhalb der sozialen Klassen geschlossen, so dass sich der Status (und der damit verbundene materielle Wohlstand) innerhalb der verschiedenen Klassen angehörenden Familien weiter vererbte.

Lebensweise[Bearbeiten]

Während des Sommers lebten die Atsugewi in mehreren halbnomadischen Gruppen, die von der Jagd, vom Fischfang sowie vom Sammeln von Wildpflanzen lebten. Im Winter errichteten sie entlang der Flüsse größere permanente Siedlungen, bestehend aus drei bis zweiundzwanzig mit Rinde gedeckten Hütten sowie Erdhütten. Manch größere Siedlung mag bis zu hundert Einwohner gezählt haben. Jede Ansiedlung war autonom und hatte einen oder mehrere Bawi (Häuptlinge), Männer die auf Grund ihres großen Wohlstands, ihrer Erfahrung im Jagen und Fischen, ihrer Persönlichkeit und ihres Prestiges, die Führung übertragen bekommen hatten. Die Bawi waren für die Organisation von Jagd- und Fischzügen verantwortlich, und sie teilten den Bewohnern der Siedlungen mit, wann und wo sie verschiedene Wurzeln und Pflanzen zu sammeln hatten.

Die Grundlage für den Reichtum der Bawi war der Besitz von Ländereien sowie weiterer Besitz (Boote, Netze, Fallen, Metates), die sie manchmal verliehen um hierfür wiederum Geschenke (erlegtes Wild und handwerkliche Produkte) zu erhalten. Der Reichtum eines Mannes bemaß sich in der Anzahl der Handelsgüter, Perlen sowie Fellen.

Ernährung[Bearbeiten]

Die Atsugewie nutzten saisonal über hundert verschiedene Pflanzen und Tiere, die in ihrem Territorium beheimatet waren. Hierbei waren die Frauen verantwortlich für das Sammeln und Kochen von Gemüse und Wurzeln, das Flechten von Körben und Matten. Männer gingen auf die Jagd, fischten und kochten das Fleisch. Zudem stellten sie aus Fellen Kleidungsstücke her.

Die bedeutendsten Lebensmittel waren Lachs und Eicheln, trotzdem wurde Wildbret als Nahrungsquelle mit Prestige angesehen und wurde mit Reichtum verbunden. Hirsche und Antilopen wurden in den Bergen während des Sommers gejagt, wobei Hirsche von Männern wie Frauen gejagt wurden, zumeist in dörflichen Jagdgesellschaften. Hirsche wurden meist aus dem Hinterhalt erlegt oder mittels Fallstricken oder Fallen, die entlang der Wasserlöcher ausgelegt wurden. Bei dieser Jagd trugen die Jäger meist Hirschköpfe, um sich verstecken zu können. Wildbret wurde frisch oder geräuchert gegessen sowie für den Winter getrocknet und gelagert. Erlegte Hirsche und Antilopen wurden unter allen Mitgliedern der Siedlungen verteilt. Zudem jagten die Atsugewi Kleinwild, Vögel und Wasservögel. Fisch stellte einen wichtigen Bestandteil der Ernährung dar. Man jagte mittels Korbfallen, Netzen und Speeren verschiedene Arten wie Lachs und Hecht. Nachts wurden Fische mit Speerwürfen aus Booten erlegt. Genauso wie Wild wurde Fisch entweder frisch oder geräuchert gegessen sowie als Trockenfisch für den Winter eingelagert.

Folgende Tiere verzehrten die Atsugewi entweder aus religiösen Gründen nicht, denn sie galten als Taboo, oder da sie als nicht genießbar angesehen wurden: Adler, Krähen, Frösche, Koyoten, Nerze, Graufüchse und Schwalben (engl. Martin).

Wichtige vegetarische Lebensmittel waren Eicheln, fünf Arten von Sonnenblumenkernen, Essbare Prärielilien-Wurzeln sowie andere Wurzeln und Beeren. Wurzeln und Nüsse wurden zu Mehl verarbeitet, um daraus dann Kekse oder Brei herzustellen und für den Winter einzulagern.

Handelsbeziehungen[Bearbeiten]

Mit benachbarten Stämmen handelten die Atsugewi zur Erlangung fehlender Güter oder zum Verkauf, um damit Reichtum zu erlangen, der auf Besitz von handelbaren Gütern beruhte, die Prestige gaben. Daher waren erfolgreiche Händler meist auch Saswahecar oder Bawi.

Handelspartner verkaufte Güter gekaufte Güter
Achumawi Pelze, Felle, Fleisch, Gräser, verschiedene Wurzeln, Gemüse geflochtene Hüte, Tule-Körbe, Lachs, Lachsmehl, Kanichenfell-Decken, Eicheln, Dentalia-Muscheln (Gehäuse von Kahnfüßern)
Nördliche Paiute Pfeil und Bogen, Körbe, Muscheln und Perlen verarbeitete Felle, roten Ocker, Perlen, (und später) Pferde, Waffen und Glas-Perlen
Maidu Pelze, Pfeil und Bogen, Körbe und (später) Pferde Perlen, Spiral-Körbe
Yana Felle, Pfeile, Wildkatzen, Köcher Salz, Dentalia-Muscheln
Klamath Körbe
Wintun Perlen, Dentalia-Muscheln

Sprache[Bearbeiten]

Die Atsugewi sprachen Atsugewi, ein Zweig des Palaihnihan, das zur Sprachfamilie der Hoka-Sprachen gehört. Ihre Sprache war eng verwandt mit der der benachbarten Achumawi, doch konnten beide Stämme sich nicht auf diese Art verständigen. Da die meisten Atsugewi aber fließend Achumawi beherrschten, verständigten sich die beiden Stämme mittels dieser Sprache. Heute gibt es kaum noch Sprecher des Atsugewi, aber es werden Versuche unternommen, diese Sprache wieder zum Leben zu erwecken.

Literatur[Bearbeiten]

  • Mary Null Boule: Atsugewi Tribe. Merryant Pub Inc., Vashon WA 1992, ISBN 1-877599-26-3, (California's Native American Tribes 2).

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Eine Karte ihres traditionellen Territoriums findet sich hier.