Attribut (Grammatik)

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Attribut, deutsch auch Beifügung, ist ein Begriff aus der traditionellen Grammatik und bezeichnet Wörter oder Wortgruppen, die Teil eines Satzgliedes sind. Der Begriff "attributive Konstruktion" hat meist einen engeren Sinn und bezeichnet eine syntaktische Kombination eines Ausdrucks mit einem Substantiv (z.B. bei einer Unterscheidung der verschiedenen Funktionen von Adjektiven). In einem weiteren Sinn ist von Attributen jedoch auch im Zusammenhang mit anderen Arten von Bezugswörtern die Rede: mit Pronomen, Adjektiv, Adverb und Partizip. Nur Begleiter eines Verbs werden nie als Attribute bezeichnet, weil dies genau die Elemente sind, die als Satzglieder bezeichnet werden.

Attribute stehen abhängig von ihrer Wortart im Deutschen als vorangestelltes Linksattribut oder als nachgestelltes Rechtsattribut.

Die traditionelle Kategorie Attribut läuft quer zu einigen grundlegenden Unterscheidungen, die ansonsten in der Linguistik getroffen werden. Insbesondere sind manche Attribute Argumente eines Substantivs, andere sind Modifikatoren.

Attribute beim Substantiv[Bearbeiten]

Typen und Stellung von Attributen[Bearbeiten]

Beim Bezugswort Substantiv können im Deutschen Links- und Rechtsattribute stehen, abhängig von der Konstruktion des Attributs. Die folgenden Beispiele verdeutlichen die möglichen Konstruktionen (die Attribute sind durch Kursivschrift, die Bezugswörter durch Fettschrift markiert):

  • Das kleinste Kind schreibt eine Klassenarbeit. (Adjektiv, Linksattribut)
  • Ein schlafender Hund liegt auf der Wiese. (Partizip, Linksattribut)
  • Peters Fahrrad ist in der Werkstatt. (Substantiv als Genitivattribut, Linksattribut)
  • Das Bellen des Hundes weckte mich. (Substantivgruppe als Genitivattribut, Rechtsattribut)
  • Das Haus dort wird verkauft. (Adverb, Rechtsattribut)
  • Das Haus dort hinten wird verkauft. (Adverbgruppe, Rechtsattribut)
  • Die Uhr am Turm schlug zehn. (Präpositionalgruppe, Rechtsattribut)
  • Herr Gehrig, unser Lehrer, ermahnt uns oft. (Apposition, Rechtsattribut)
  • Die Frau, die ich dort sehe, trägt einen roten Hut. (Relativsatz, Rechtsattribut)
  • Das Risiko, enttarnt zu werden, war zu groß. (Infinitivgruppe, Rechtsattribut)

Umstellprobe[Bearbeiten]

Attribute sind Wortgruppen, die bei der Umstellprobe ihre Stellung im Satzglied meist nicht verändern, sondern nur zusammen mit dem ganzen Satzglied im Satz umgestellt werden. Zum Beispiel kann die ganze Wortgruppe "Ein rotes Tuch" im Satz vorangestellt werden, und so als Satzglied erwiesen werden; das Adjektiv kann jedoch als Attribut nicht aus dem Satzglied herausgezogen und allein vorangestellt werden:

  • Sarah trägt ein rotes Tuch. ↔ Ein rotes Tuch trägt Sarah.
  • *nicht: Rotes trägt Sarah ein Tuch.

Teilweise kann allerdings umgekehrt ein Adjektivattribut zurückbleiben wenn ein Substantiv vorangestellt wird, zumindest bei indefiniten Ausdrücken im Plural:

  • Tücher trägt Sarah nur rote.

Relativsätze, Infinitivgruppen und manchmal Präpositionalgruppen können im Satz vom Substantiv getrennt werden, auf das sie sich beziehen, indem sie im Nachfeld erscheinen:[1]

  • Das Risiko ist groß, entdeckt zu werden.
  • Ich habe eine Frau gesehen, die einen roten Hut trug.

Attribute beim Adjektiv[Bearbeiten]

Traditionell können auch Begleiter des Adjektivs als Attribute zum Adjektiv bezeichnet werden.[2] Meistens wird jedoch der Gebrauch eines Adjektivs, das ein anderes Adjektiv modifiziert, als adverbieller Gebrauch bezeichnet,[3] so dass ein "attributives Adjektiv" immer ein Adjektiv ist, das ein Subjstantiv begleitet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Attribut – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Karin Pittner & Judith Berman: Deutsche Syntax. Ein Arbeitsbuch. Tübingen, Narr, 4. Aufl., 2010, S. 40-41
  2. C. Dürscheid: Syntax: Grundlagen und Theorien, 4. Aufl. 2007, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht,S. 43, verweist auf die Dudengrammatik 1998 für ein Beispiel einer solchen Redeweise, im Gegensatz zu späteren Auflagen der Dudengrammatik.
  3. Duden, Die Grammatik, 8. Aufl. 2009, S.355