Attribut (Philosophie)

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Der Ausdruck Attribut (von lat. attribuere, zuteilen) bezeichnet in der Philosophie eine (wesentliche) Eigenschaft im Sinn der Ontologie oder Logik: es ist die einem Gegenstand (Objekt) zugeschriebene („attribuierte“) Eigenschaft.

Attribut im Sinne der Ontologie[Bearbeiten]

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Mittelalter[Bearbeiten]

Die lateinische Scholastik verwendete den Ausdruck „attributum“ allgemein im Sinne von Eigenschaft, Merkmal eines Dinges[1] und meist spezifisch in Anwendung auf die göttlichen Eigenschaften. Dabei sprach beispielsweise Wilhelm von Ockham von Gottes Vollkommenheit als einer „attributalen Vollkommenheit“ (perfectio attributalis).[2]

In der mittelalterlichen islamischen Theologie befasste man sich sehr ausführlich mit den "Attributen Gottes" (ṣifāt Allāh). Als Attribute Gottes fasste man dabei nicht nur seine essentiellen Eigenschaften auf, sondern auch göttliche Handlungen, die im Koran durch auf Gott bezogene Verben repräsentiert sind und aus denen die Theologen attributiv gebrauchte Partizipien ableiteten (muḥyī, mumīt, razzāq). Von daher bestand eine inhaltliche Überschneidung zwischen den Attributen Gottes und den Schönen Gottesnamen.[3]

Neuzeit[Bearbeiten]

Im neuzeitlichen Rationalismus sind die Attribute die wesentlichen Merkmale der Substanz, im Gegensatz zu den Modi oder Akzidentien.

Baruch de Spinoza (1632–1677) unterscheidet zwischen Substanz, Attribut und Akzidenz. Attribute sind bei ihm die wesentlichen Eigenschaften, die etwas notwendig haben muss, um seine Identität zu wahren. Akzidentien sind unwesentliche Eigenschaften, die auch fehlen können, ohne dass etwas seine Identität verliert.

„Unter Attribut (wesentliche Eigenschaft) verstehe ich dasjenige, was der Verstand an der Substanz als deren Wesen ausmachend erkennt.“[4]

Nach Spinoza kommen der unendlichen Substanz unendlich viele Attribute zu, von denen wir nur zwei kennen: Denken und Ausdehnung, die das Wesen der göttlichen Substanz ausmachen.[5]

Für Rene Descartes ist das Denken Attribut der Seele, die Ausdehnung Attribut der Körper.[6]

Attribut im logischen Sinn[Bearbeiten]

In der Logik bezeichnet der Ausdruck „Attribut“ ein Prädikat bzw. einen Prädikator. Der Ausdruck „Attribut“ bezeichnet also sowohl einstellige Prädikatoren („Eigenschaften“) als auch Relationen, also n-stellige Prädikate.[7]

Literatur[Bearbeiten]

  • Michel Allard: Le Problème des attributs divins dans la doctrine d'al-Ašʿarī et des ses premiers grands disciples. Imprimerie Catholique, Beirut 1965.
  • H. K. Kohlenberger, L. Oeing-Hanhoff: Art. Attribut, in: HWPh, Bd. 1, 612–614
  • D. J. O'Connor: Substance and Attribute, Artikel in: Encyclopedia of Philosophy, Bd. 9, 294–300

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. nur diese scholastische Bedeutung erwähnend Regenbogen/Meyer (Hrsg.): Wörterbuch der philosophischen Begriffe. Meiner, Hamburg 2005: Attribut.
  2. Hubert Schröcker: Das Verhältnis der Allmacht Gottes zum Kontradiktionsprinzip. Akademie Verlag, Berlin 2003, S. 393, ISBN 3-05-003747-4. Google Books
  3. Vgl. Allard: Le Problème des attributs divins. 1965, S. 5f.
  4. Spinoza, zitiert nach E. Waibl/F.-J. Rainer, Basiswissen Philosophie. facultas.wuv, Wien 2007, Nr. 477 (ohne Nachweis)
  5. Apel/Ludz, Philosophisches Wörterbuch, Berlin, New York, de Gruyter, 6. Aufl. 1976, Attribut
  6. Apel/Ludz, Philosophisches Wörterbuch, Berlin, New York, de Gruyter, 6. Aufl. 1976, Attribut
  7. Peter Prechtl / Frank-Peter Burkard: Metzler Philosophielexikon. Begriffe und Definitionen. Stuttgart / Weimar 1996, S. 46, ISBN 3-476-01257-3; Hügli/Lübcke (Hrsg.): Philosophielexikon. 5. Auflage. Rowohlt, Reinbek 2003: Attribut..