Atuagagdliutit

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Atuagagdliutit vom 6. Oktober 1884

Atuagagdliutit/Grønlandsposten (kurz: AG) ist eine landesweite grönländische Zeitung. Seit 1952 wird die älteste Zeitung Grönlands in den beiden Sprachen Grönländisch und Dänisch publiziert und seit 1993 erscheint sie zweimal wöchentlich (Dienstag und Donnerstag). Sitz der Redaktion ist Nuuk (dänisch: Godthåb). Finanziert wird die Herausgabe bis heute zu einem wesentlichen Teil durch Subventionen.

Geschichte[Bearbeiten]

Atuagagdliutit wurde 1861 als erste grönländische Zeitung durch den dänischen Inspekteur für Süd-Grönland, Hinrich Johannes Rink, gegründet. Sie hatte großen Einfluss auf die Entstehung der modernen grönländischen Schriftsprache sowie die Förderung der grönländischen Kultur und Identität. Inhalte in dieser Zeit waren dementsprechend neben praktischen Ratschlägen zur Robbenjagd und zum Fischfang vor allem auch politische Berichte, die die Grönländer zu politischer Mitarbeit motivieren sollten. Auch Kinder wurden durch die Zeitung erstmals mit passender Literatur in ihrer Sprache versorgt. Außerdem enthielt die Atuagagdliutit Illustrationen von einheimischen Künstlern wie Aron von Kangeq und trug so auch wesentlich zur Unterstützung der grönländischen Kunst bei. Ihrem Ziel, der politischen Bildung und Emanzipation der Grönländer, entsprechend war die Zeitung für Grönländer gratis, nur Dänen mussten dafür bezahlen. Dies kommt auch im Namen der Zeitung zum Ausdruck: Da die grönländische Sprache bis dahin kein Wort für „Zeitung“ kannte, wurde das Kunstwort Atuagagdliutit erfunden, das ungefähr als „Lesenswertes“[1], „verteilter Lesestoff“ oder auch „Gratiszeitung“[2] übersetzt werden kann. Auch andere bis dahin nicht bekannte Begriffe des modernen Lebens wurden von den Redakteuren der Atuagagdliutit auf grönländisch geprägt.

Wegen der schwierigen Transportwege erschien die Atuagagdliutit anfänglich nur zweimal pro Jahr: Die Zeitungen mussten umständlich per Hundeschlitten und Kajak oder Umiak zugestellt werden.

Im Zweiten Weltkrieg erschien in Grönland die dänischsprachige Zeitung Grønlandsposten („Die Grönlandspost“). Sie fusionierte 1952 mit der Atuagagdliutit zu der zweisprachigen Zeitung Atuagagdliutit/Grønlandsposten. Die Abkürzung ist seitdem AG, vorher war eher die Abkürzung atu gebräuchlich. Bis 1953 war die AG eine dänische Staatszeitung, danach wurde sie vom Grönländischen Landestag herausgegeben. Im Jahr 1979 wurde diese Aufgabe von der neuen grönländischen Selbstverwaltung übernommen. Erst seit 1980 erscheint mit der bis dahin nur lokal erscheinenden Sermitsiaq eine zweite landesweite Zeitung in Grönland.

Seit September 2011 wird AG neben Sermitsiaq in Holbæk in der Druckerei des dänischen Medienunternehmens Trykkeriet Nordvestsjælland gedruckt.[3]

Literatur[Bearbeiten]

 Heike Braukmüller: Grönland - gestern und heute. Grönlands Weg der Dekolonisation. Weener, Ems 1990, ISBN 3887610431.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Heike Braukmüller: Grönland - gestern und heute. Grönlands Weg der Dekolonisation. Weener, Ems 1990, ISBN 3887610431, S. 198.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatThe first Eskimo newspaper. Anthro Base, abgerufen am 18. März 2008 (englisch).
  3. Nordvestnyt: Grønlandske aviser trykkes i Holbæk, eingestellt von erhverv på nettet (epn.dk) am 15. September 2011, abgerufen am 20. September 2011 (dänisch)