Audismus
Unter Audismus (von engl. audism) wird die Geisteshaltung beschrieben, die gegen taube und schwerhörige Personen gerichtet ist, woraus verschiedene Formen von systematischen Diskriminierungen gegen sie kommen.
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Beschreibung [Bearbeiten]
Die Geisteshaltung beinhaltet die hohe Wertschätzung des Gehörs und Sprechens und bewertet taube Menschen als bedauernswerte Menschen mit dem Defekt des Hörens und Sprechens, der medizinisch und elektrotechnisch durch Hörgerät oder Cochlea-Implantat behoben werden sollte. Auch werden dadurch die von tauben Menschen geschaffenen Gebärdensprachen, die damit verbundene Kultur und ihre Lebensweise abgewertet.
Gehörlose werden durch ihre Gehörlosigkeit stigmatisiert, sie fühlen sich diskriminiert und unterdrückt. So schenken Hörende den Bedürfnissen Betroffener nicht die nötige Beachtung und lassen zu, dass gehörlose und schwerhörige Personen benachteiligt werden.
Aus Sicht Betroffener ist beispielsweise die fehlende Nutzung der Gebärdensprache durch die Gesellschaft, welches gehörlose Menschen einsam macht. Die Gesellschaft dagegen betrachtet es aus dem gegenteiligen Blickwinkel: Sie leiden, weil ihnen etwas fehlt. Der gehörlose Mensch fühlt sich aber nicht durch sein fehlende Gehör behindert, sondern durch die Gesellschaft, in der er lebt. Er hat den Eindruck, dass die Gesellschaft ihm ihre Konventionen und Normen aufzwingen möchte. So wird der gehörlose Mensch beispielsweise gezwungen, eine Lautsprache zu lernen, gut artikulieren zu können, obwohl er eine eigene Sprache, die Gebärdensprache hat. Darüber hinaus werden Gehörlose in ihrem Alltag in vielen Bereichen oft fremdbestimmt.
Audismus wird oft nicht bemerkt und oft geschieht es ohne böse Absicht.
Begriffsgeschichte [Bearbeiten]
Der Begriff wurde 1975 in der nicht veröffentlichten Doktorarbeit von Tom Humphries Audism: The Creation of a Word eingeführt und zwar definiert als "sich Besser-Dünken"-Verhalten von Menschen, die besser hören und sprechen können im Vergleich zu tauben Menschen, die diese weniger können. Erst seit 1992 wird der Begriff auch von anderen Autoren aufgegriffen und untersucht. Er wird auch danach extensiv in Foren und Blogs in vielen Ländern diskutiert und in einigen Filmen dargestellt. Überlegungen, wie der Audismus in der Gesellschaft reduziert werden kann, werden dort auch angestellt.
Der erste Autor nach Tom Humphries, Harlan L. Lane, erweitert den Begriff auf Diskriminierungen gegen taube und schwerhörige Menschen und Herabsetzung der Gehörlosenkultur durch Hörende. Nach ihm seien taube Personen keine Menschen mit Defekt, sondern bildeten eine eigenartige ethnische Gruppe. Sie hätten eine Kultur sui generis, eigene Riten und kulturelle Praktiken und würden untereinander heiraten. Lane lehnt Cochlea-Implantate aus diesem Grund ab.
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Harlan L. Lane: The Mask of Benevolence: Disabling the Deaf Community. Neuauflage 2000. Dawn Sign Press (dt.: Die Maske der Barmherzigkeit. Unterdrückung von Sprache und Kultur der Gehörlosengemeinschaft. Hamburg: Signum 1994)
- ↑ H.-Dirksen L. Bauman: Audism. Exploring the Metaphysics of Oppression. In: Journal of Deaf Studies and Deaf Education. Bd. 9, Nr. 2, 2004, S. 239–246, PMID 15304445
- ↑ Paddy Ladd: Understanding Deaf Culture, in Search of Deafhood. Clevedon: Multilingual Matters Ltd., 2003
- ↑ deafzone: Deafpedia Audismus DGZ-Ausgabe (DGZ 5/2007), Autorin Brigitte Beutel.
Weblinks [Bearbeiten]
- Gallaudet University: FAQ Audismus (englisch)