Auer (Südtirol)

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Auer
(ital.: Ora)
Wappen von Auer
Auer (Südtirol)
Auer
Auer
Lage von Auer in Südtirol
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen (Südtirol)
Bezirksgemeinschaft: Überetsch-Unterland
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2012)
3.556/3.542
Sprachgruppen:
(laut Volkszählung 2011)
69,74 % deutsch
29,59 % italienisch
0,67 % ladinisch
Koordinaten 46° 21′ N, 11° 18′ O46.3511.3242Koordinaten: 46° 21′ N, 11° 18′ O
Meereshöhe: 217–900 m s.l.m. (Zentrum: 242 m s.l.m.)
Fläche: 11,82 km²
Dauersiedlungsraum: 8,2 km²
Nachbargemeinden: Aldein, Branzoll, Montan, Pfatten, Tramin
Postleitzahl: 39040
Vorwahl: 0471
ISTAT-Nummer: 021060
Steuernummer: 80010730218
Politik
Bürgermeister (2010): Roland Pichler (Dorfliste Auer)

Auer (italienisch Ora) ist eine Marktgemeinde mit 3542 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012) im Südtiroler Unterland in Italien, etwa 16 km südlich von Bozen.

Name[Bearbeiten]

Der Name Auer entwickelte sich nach Egon Kühebacher aus einer Ableitung vom Althochdeutschen ouwa und bedeutet somit so viel wie „Wasser“, „von Wasser umgebenes Land“, „Halbinsel“, was auf die Lage des Dorfs am Verlauf des Schwarzenbachs verweist. Im Laufe der Geschichte entwickelte sich der Name über Schreibungen wie Aura, Owra, Awer oder Aur zum modernen Ortsnamen Auer, der sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts durchsetzte.[1]

Geographie[Bearbeiten]

Blick auf Auer vom Rand des Regglbergs mit südlicher Blickrichtung; links im Hintergrund – durch den Hügel von Castelfeder getrennt – Neumarkt

Auer befindet sich im Unterland, wie ein Abschnitt des Etschtals im Süden Südtirols von Bozen bis zur Salurner Klause genannt wird. Das Gemeindegebiet, insgesamt 11,82 km² groß, erstreckt sich größtenteils auf der orographisch linken (östlichen) Talseite zwischen Branzoll im Norden und Neumarkt im Süden und überschreitet lediglich im Südwesten Richtung Tramin mit einem kleinen Teilstück die Etsch. Der verbaute Ortskern (220–280 m s.l.m.) liegt hauptsächlich auf einem Schwemmkegel des Schwarzenbachs, der hier von Osten aus den Fleimstaler Alpen kommend den Talboden erreicht. Während die Gemeinde unmittelbar südlich des Gemeindezentrums am Hügel von Castelfeder endet und dort an Montan grenzt, dehnt sie sich nordwärts weit Richtung Pfatten und Branzoll aus. Seine höchstgelegenen Punkte erreicht Auer an den das Unterland ostseitig flankierenden Steilhängen des Regglbergs, durch welche die Grenze zur Nachbargemeinde Aldein verläuft.

Geschichte[Bearbeiten]

Auer gehörte bis zum Ende des Ersten Weltkriegs zum Gerichtsbezirk Neumarkt in Tirol und war Teil des Bezirks Bozen.

Wichtige Persönlichkeiten besuchten Auer[Bearbeiten]

Hotel Elefant in Auer

1551: Der Elefant Soliman kehrte im Gasthaus „In der Ilben“ (heutiges Hotel Elefant) ein. Er war ein Geschenk des Königs Johann von Portugal an seinen Neffen, den damaligen Erzherzog Maximilian in Wien. Der Elefant kam mit seinen Begleitern und machte „In der Ilben“ Rast, um sich für die Weiterreise nach Wien zu stärken. In der Hotelhalle des heutigen Hotels Elefant (Bezeichnung ab 1826) hängt zur Erinnerung eine Tafel mit dem Spruch: „Einst kam ein großer Elefant vom Süden her in unser Land. In diesem Haus da kehrte er ein und aß und trank viel guten Wein. Gesättigt froh und heiter, zog er dann wieder weiter“.

1765: Kaiser Franz I. begab sich mit seiner Gemahlin Kaiserin Maria Theresia nach Innsbruck, um die Hochzeit ihres Sohnes Erzherzog Leopold vorzubereiten. Kaiserin Maria Theresia verblieb in Innsbruck, während Franz I. seiner Schwiegertochter, der spanischen Infantin Isabella entgegen reiste. Ihr Zusammentreffen fand im Abrahamhof (heutiges Postamt) statt.

Die Sage: Untergang der Goldenen Stadt Auer[Bearbeiten]

„An der Stelle des heutigen Dorfes Auer stand einst eine große Stadt, die wegen ihrer Schönheit und ihres Reichtums die ‚Goldene Stadt‘ genannt wurde. Da die Bewohner jedoch einen ausschweifenden und lasterhaften Lebenswandel führten, beschloss Gott die Stadt zu vernichten. Eines Tages erschien dem einzigen gottesfürchtigen Jüngling ein Engel und überbrachte ihm die Botschaft, er solle am nächsten Morgen sich auf den Berg begeben, dann werde er die Wunder des Herrn sehen. Er tat wie ihm aufgetragen. Alsbald öffneten sich die Schleusen des Himmels und er wurde Zeuge wie die sündhafte Stadt in den Fluten versank- nur einzig und allein die Peterskirche blieb wunderbarerweise verschont.“ (Auszug aus: Landeskundlicher Wanderführer für Auer Aldein-Neumarkt-Montan-Truden-Altrei, Verkehrsverbund Auer) Heute erinnert das Fresko am Gebäude der Sparkasse an die Sage.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Typische Gasse mit Blick auf die Marienkirche

Ortskern[Bearbeiten]

Große Teile des hangaufwärts gelegenen Ortskerns bestehen aus engen verwinkelten, kopfsteingepflasterten Gassen mit oftmals beidseitig übermannshohen Natursteinmauern.

St.-Peters-Kirche[Bearbeiten]

St.-Peters-Kirche

Die St.-Peters-Kirche ist am südlichen Ortseingang an der alten Staatsstraße in Richtung Neumarkt gelegen. Da sie erstmals im 11. Jahrhundert urkundlich erwähnt wird, dürfte der Sakralbau das ältesten Bauwerk der Gemeinde darstellen. In seiner jetzigen Form handelt sich um einen gotischen Bau aus dem 15. Jahrhundert mit romanischem Kirchturm des 12. Jahrhunderts. Aufgrund häufiger Überschwemmungen und den daraus resultierenden Gesteins- und Erdablagerungen liegt die Pfarrkirche etwa fünf Meter tiefer als das umliegende Gelände. Der Kircheneingang ist deshalb über eine nach unten führende Treppe erreichbar.

Marienkirche[Bearbeiten]

Die Marienkirche befindet sich im verkehrsberuhigten, historischen Ortszentrum (Oberdorf). Die heutige Pfarrkirche wurde 1674 als Ausweichkirche für die häufig vermurte und deshalb nicht benutzbare St. Peterkirche eingeweiht. Ihr musste an gleicher Stelle die, im 13. Jahrhundert errichtete, dem Heiligen Jodok geweihte, kleinere Kapelle weichen. Der untere Teil der Marienkirche stammt noch von der Jodokuskapelle und wurde erst im Jahre 1776 in die heutige Form gebracht. Im Inneren findet sich ein barocker Hochaltar aus Marmor mit einer lebensgroßen Muttergottesstatue. Die beiden hölzernen Seitenaltäre sind dem Heiligen Antonius und dem Heiligen Josef geweiht.

Biotop Castelfeder[Bearbeiten]

Der Hügel Castelfeder liegt südlich oberhalb zwischen Auer und Montan. Auf ihm finden sich prähistorische, römische und frühmittelalterliche Siedlungsspuren.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Das Dorf liegt an der Brennertrasse und somit der Hauptachse des Nord-Süd-Verkehrs. Durch Auer bzw. an Auer vorbeiführen die Brennerstaatsstraße, die Brennerautobahn und die Brennerbahn. Bei Auer zweigt auch die Straße ins Fleimstal ab. Bis 1963 war Auer zudem Ausgangspunkt für die Fleimstalbahn.

Ein Teil des Kulturgrunds und einige Waldgebiete wurden zu insgesamt drei Industriezonen umgewidmet. Aus dem Apfel- und Weinbauerndorf wurde ein Dienstleistungs- und Industriezentrum.

In Auer befindet sich die Fachoberschule für Wirtschaft sowie die Fachoberschule für Landwirtschaft.

Landwirtschaft[Bearbeiten]

Kaiserin Maria Theresia (1740-1780) spielte für die heutige Landwirtschaft eine sehr große Rolle. Sie projektierte die Trockenlegung der Sümpfe für das ganze Tal. In hundertjähriger Arbeit wurde der Talboden entsumpft und entwickelte sich so zur heutigen fruchtbaren Kulturlandschaft. Die Landwirtschaft ist heute von Obst- und Weinbau geprägt. Im Obstbau werden v.a. Apfelsorten angebaut, wie z.B. Golden Delicious und Morgenduft. Vor allem die Weinsorten Lagrein und Vernatsch werden häufig angebaut. Ca. 80 % fällt in die Rotweinproduktion, nur 20 % der Rebsorten gehören dem Weißwein an.

Politik[Bearbeiten]

Rathaus 46.34791311.298441

Neben dem Bürgermeister Roland Pichler von der Dorfliste Auer und seinem Stellvertreter Claudio Mutinelli von Insieme - Miteinander - Adum lenkt der aus zwanzig Mitgliedern bestehende Gemeinderat die Geschicke des Ortes.

Er setzt sich wie folgt zusammen:

Bilder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Von Röggla Käthe: Brücke zur zweiten Heimat Auer- Südtirol. Auer: Fotolito Varesco, Auflage 2002
  • Verkehrsverband Auer: Landeskundlicher Wanderführer für AUER Aldein-Neumarkt-Montan Truden-Altrei. Auer: Fotolito Varesco

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Auer (Südtirol) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Egon Kühebacher: Die Ortsnamen Südtirols und ihre Geschichte. Die geschichtlich gewachsenen Namen der Gemeinden, Fraktionen und Weiler. Athesia, Bozen 1991, ISBN 88-7014-634-0, S. 41