Auerhuhn

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Dieser Artikel beschreibt das Auerhuhn; zur Bedeutung des Auerhahns in der Heraldik als Wappentier siehe Birkhahn (Wappentier).
Auerhuhn
Auerhahn (Tetrao urogallus), ♂ Balzgesang?/i

Auerhahn (Tetrao urogallus),
Balzgesang?/i

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Hühnervögel (Galliformes)
Familie: Fasanenartige (Phasianidae)
Unterfamilie: Raufußhühner (Tetraoninae)
Gattung: Tetrao
Art: Auerhuhn
Wissenschaftlicher Name
Tetrao urogallus
Linnaeus, 1758

Das Auerhuhn (Tetrao urogallus) ist eine Vogelart aus der Familie der Fasanenartigen (Phasianidae) und der Ordnung der Hühnervögel (Galliformes), gleichzeitig auch der größte Hühnervogel Europas. Es besiedelt Nadel-, Misch- und Laubwaldzonen von Schottland über Nordeuropa bis in den Osten Zentralsibirien. In Europa besiedelt es boreale und gemäßigte Zonen oberhalb von 1000 Höhenmeter. Nur sehr vereinzelt kommt es auch in tieferen Lagen vor wie beispielsweise in Ostpolen und der Niederlausitz.[1]

Es ist sehr scheu und stellt große Anforderungen an seine Umgebung. In Mitteleuropa ist es nur noch selten und nur in alten, unberührten Bergwaldregionen anzutreffen, z. B. in Österreich, der Schweiz, Slowenien, dem Bayerischen Wald, dem Fichtelgebirge und im südlichen Berchtesgadener Land. Da es ein sehr geringes Ausbreitungspotenzial hat, sind Kleinpopulationen rasch isoliert.

Verbreitung[Bearbeiten]

Skelett von Tetrao urogallus

Das Auerhuhn ist ein Standvogel der großen, lichten Waldgebiete Europas und Nordasiens. Sein ursprünglicher Lebensraum umfasst in erster Linie die Taiga Nord- und Osteuropas, daneben auch die ursprüngliche Nadelwaldzone der Alpen und Mittelgebirge.

Die Populationen Mitteleuropas sind akut gefährdet und isoliert, stehen also nicht im Austausch miteinander. Das größte Vorkommen Mitteleuropas findet sich in den Alpen. Außerhalb der Alpen findet sich noch im Schwarzwald eine größere Population. In Deutschland steht das Auerhuhn bundesweit als vom Aussterben bedrohte Vogelart auf der „Roten Liste“ und unterliegt dem Jagdverbot. In Schottland war das Auerhuhn bereits um 1760 ausgerottet. Der dortige Bestand geht in erster Linie auf schwedisches Auerwild zurück, das man 1837 und 1838 ausgesetzt hatte. Im Gegensatz zu anderen Ländern (Irland, Dänemark) verlief die Aussetzung erfolgreich. Die bei uns heimische Auerhuhn-Unterart Tetrao urogallus major besiedelt in Deutschland neben den Alpen den Schwarzwald, den Bayerischen Wald, das Fichtelgebirge, das Erzgebirge und den Harz. In weiteren Gegenden wie im Frankenwald, im Spessart, im Oberpfälzer Wald oder im Odenwald ist die Art am Aussterben oder bereits verschwunden. Eine bedrohte Population gibt es im Thüringer Schiefergebirge. Im Bayerischen Wald, im Schwarzwald, im Hochsauerland und im Harz geht die Zahl der überlebenden Auerhühner trotz massiver Aussetzaktionen weiter zurück. In Deutschland wurden 2005 in verschiedenen Quellen 570 bis 770 Brutpaare angegeben. Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg konnte immerhin im Nordschwarzwald einen Teilerfolg vermelden. Dort stieg die Zahl von ca. 110 (1998) auf ca. 190 (2007). Die Zahlen im Ost-, Mittel- und Südschwarzwald blieben aber wie oben erwähnt rückläufig. Im Gesamtschwarzwald liegt die Zahl laut Forstlicher Versuchs- und Forschungsanstalt bei etwa 600 (Stand 2007).

27 Auerhühner (ausschließlich Hennen, von denen man hofft, dass sie beim Fang bereits befruchtet waren), die einige Tage vorher in der schwedischen Provinz Västerbotten gefangen worden waren, wurden am 18. Mai 2012 im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft ausgesetzt. Grundlage für dieses Pilotprojekt, das mit EU-Mitteln gefördert wird, ist das 2002 erarbeitete Brandenburger Artenschutzprogramm für das Auerhuhn. Um die Lebensräume für Auerhühner in der südbrandenburgischen Bergbaufolgelandschaft zu verbessern, hatten Förster und Naturschützer in den vergangenen Jahren z. B. Moore wieder vernässt und auch den Waldumbau vorangetrieben.[2]

Große und geschlossene Vorkommen des Auerhuhns finden sich in den borealen Nadelwäldern, wo die Art zwar großteils rückläufig (auch aufgrund aktiver Jagd), aber laut IUCN noch bei 1,5 bis 2 Millionen Tieren liegt und daher von ihr als "nicht gefährdet" eingestuft wird.

Das Auerhuhn ist mittlerweile in allen Alpenregionen mit Ausnahme Österreichs, das die größte Population besitzt, unter Schutz gestellt worden. Liechtenstein (1962), die Schweiz (1971), Italien (1989), Slowenien (1993) und Frankreich (Ausnahme: Pyrenäen, das größte Verbreitungsgebiet) haben die Bejagung eingestellt. Grund für das Zurückgehen der Auerhuhnvorkommen war in Teilen Europas die aktive Bejagung ohne rechtzeitige Einleitung von Schutzmaßnahmen. Da das Auerhuhn hohe Ansprüche an sein Habitat stellt, sind Schutzmaßnahmen schwer zu realisieren. Für eine stabile Population werden etwa 50.000 ha zusammenhängende und ausreichend strukturierte Fläche benötigt. Die Populationen verhalten sich äußerst labil gegenüber Infrastrukturprojekten, welche sie in ihrem Lebensraum einschränken, die Tiere bis hin zum Stresstod (im Winter) stören können. Des Weiteren spielt in Mitteleuropa die gegenüber den Populationen relativ hohe Prädatorenzahl eine stark einschränkende Rolle. In integrativen Jagdkonzepten muss daher versucht werden, deren Zahl gering zu halten, was sich in der Praxis aus verschiedenen Gründen und Überzeugungen als schwierig herausstellt. Der Tourismus und zunehmende Besucherdruck in den Verbreitungsgebieten sind weitere Gründe für den Rückgang. Da die hiesigen Populationen voneinander isoliert sind, findet kein ausreichender genetischer Austausch statt, was sich negativ auf die Konstitution auswirkt. Es wird derzeit versucht, nach dem Trittsteinkonzept einen genetischen und individuellen Austausch zu ermöglichen (dies insbesondere zwischen den Teilgebieten im Schwarzwald).

Kennzeichen[Bearbeiten]

Männchen und Weibchen[Bearbeiten]

Hahn und Henne des Auerhahns
Weibliches Auerhuhn

In der Gestalt unterscheiden sich Auerhahn und Auerhenne ganz deutlich voneinander:

  • Der auffallend größere Auerhahn – Gewicht ca. 4–5 kg, Größe 1 m, Flügelspannweite 90 cm – ist dunkelgrau bis dunkelbraun gefärbt mit einem metallisch glänzenden grünen Brustschild.
  • Die Auerhenne ist mit einem Gewicht von ca. 2,5 kg bzw. einer Größe von 60 cm und einer Flügelspannweite von ca. 70 cm deutlich kleiner als der Hahn. Ihr Gefieder ist oberseits braun gefärbt mit schwarzen und silbernen Querbändern, unterseits etwas heller, gelblicher.

Gemeinsamkeiten[Bearbeiten]

Gemeinsam ist beiden Geschlechtern ein weißer Spiegel am Schwingenbug. Vor allem im Winter sind die Füße befiedert, seitlich der Zehen stehen kleine Hornstifte ab (Schneeschuh-Effekt), wovon die Familienbezeichnung „Raufußhühner“ abgeleitet wird.

Diese sog. Balzstifte bilden sich im Winter auch meistens ziemlich deutlich in der Fährte im Schnee ab. Dabei ist eine Unterscheidung der Geschlechter meist problemlos an der Größe der Trittsiegel möglich.

Über den Augen zeigt sich bei Hahn und Henne beiderseits eine nackte, auffallend rote Hautstelle, die sogenannte Rose.

Küken[Bearbeiten]

Die Auerhuhnküken sind in ihrer frühesten Jugend ähnlich gefärbt wie die Hennen und haben eine charakteristische schwarze Kopfplatte. Später, ab etwa Anfang August verändert sich die Färbung der Hahnenküken zunehmend mehr in Richtung auf das spätere Aussehen, ihr Gefieder wird dunkler, insgesamt sind sie dann auch schon deutlich größer als die Hennenküken. Auerhuhn-Eier entsprechen in Größe und Form in etwa Hühnereiern, sie sind aber meist deutlich braun gefleckt.

Losung[Bearbeiten]

Die Losung des Auerwildes besteht je nach Jahreszeit und aufgenommener Nahrung aus ca. 1 cm breiten und 5–6 cm langen Walzen von harter oder breiiger Konsistenz. Im Winter sind Nadelreste erkennbar. Das sog. Falz- oder Balzpech, eine schwarzglänzende Ausscheidung des Blinddarms, wird das ganze Jahr über abgegeben, hat also keinen Bezug zur Balz.

Flugverhalten[Bearbeiten]

Beim Fliegen sind die Auerhühner besonders beim Start schwerfällig und polternd, weshalb auch dichte Wälder gemieden werden. Im Flug werden immer wieder Gleitflug-Phasen eingelegt, wobei ein charakteristisches Pfeifen zu hören ist. Generell sind die Auerhühner keine geschickten und gewandten Flieger, lieber bewegen sie sich am Boden fort; auch bei Störungen z. B. durch den Menschen versuchen sie meist zu Fuß die nächste Deckung zu erreichen.

Lebensweise[Bearbeiten]

Lebensraum[Bearbeiten]

Auerhahn

Das Auerhuhn ist an seinen ursprünglichen Lebensraum – nadelbaumreiche, lichte, stufige Wälder mit reicher Bodenvegetation aus überwiegend Heidelbeerkraut – aufgrund seiner bevorzugten Nahrung, seines Sicherheitsbedürfnisses und seines Flugverhaltens hervorragend angepasst, eben zu gut angepasst, da es letztlich zu unflexibel ist, in anderen Waldaufbauformen zu überleben.

An ihren Lebensraum stellen die Auerhühner, insbesondere die Auerhennen, die Küken führen, folgende Ansprüche: Notwendig ist eine innige Mischung aus Nahrungsangebot – v. a. Heidelbeersträucher – und Deckung mit Übersicht. Diese Qualitätskriterien erfüllen normalerweise am besten lichte Althölzer aus Fichte und Kiefer mit reichlich Bodenvegetation und beginnender Verjüngung an nicht zu steilen, trockenen Hängen, also kurz gesagt: alte dicke Bäume, dazwischen schon stellenweise nachwachsende Verjüngung, um sich darin zu verstecken, hinreichend Sicht und Flugmöglichkeit. Als Bodenvegetation wünscht sich das Auerhuhn möglichst viele Beerensträucher, seine Lieblingsnahrung. Und das Ganze sollte vorzugsweise an einem schwach geneigten, südlich exponierten Hang liegen. In den Tieflagen sind solche Waldformen häufig durch menschliche Übernutzung der Wälder, vor allem aber durch Streunutzung entstanden.

In den klimatisch rauen Hoch- und Kammlagen der Mittelgebirge und des Hochgebirges sowie in der Taigaregion in Skandinavien und Russland wachsen die Wälder von Natur aus eher lückig, so dass sich dort ganz natürlich derartige, für die Auerhühner optimal geeignete Waldstrukturen bilden. Dichte, jüngere Waldteile werden meist gemieden, da sie häufig weder Deckung noch Nahrung bieten und zudem den Flug dieses großen Vogels behindern.

Nahrung[Bearbeiten]

Das Auerhuhn ist ein hochspezialisierter Pflanzenfresser; im Sommerhalbjahr ernährt es sich fast ausschließlich von Heidelbeerblättern und Beeren, daneben auch von Grassämerei und jungen Sprösslingen. Als Küken in den ersten Lebenswochen sind die Auerhühner auf tierisches Eiweiß in Form von Insekten angewiesen, wobei das Angebot an erreichbarer Nahrung sehr stark vom Witterungsverlauf abhängt. Im Winter besteht die Nahrung hauptsächlich aus Nadeln und Knospen von Kiefer, Fichte, Tanne und Buche. Zum Aufschließen und Zermahlen ihrer Nahrung nehmen die Auerhühner Magensteinchen, sog. Gastrolithen auf.

Siedlungsdichte[Bearbeiten]

Auerhahn auf Balz

Grundsätzlich ist die Siedlungsdichte des Auerhuhns ebenso wie bei den meisten anderen Tierarten von der Qualität des Biotops abhängig; die höchste Siedlungsdichte ergibt sich dabei in sonnendurchfluteten, lichten, alten beerkrautreichen Mischwäldern aus Fichte, Kiefer, Tanne und etwas Buche. Dabei liegt die Dichte, bezogen auf den Frühjahrsbestand, bei etwa 4 Auerhühnern je 100 ha. In ähnlichen Siedlungsdichten lebt das Auerwild auch in Taiga und Tundra. Das Auerhuhn war also nie, entgegen vielen jagdlichen Legenden, eine Tierart, die in großer Dichte gelebt hat. Erwachsene Hähne, die streng territorial leben, beanspruchen ein Streifgebiet von etwa 50 bis 60 ha besiedelbare Fläche, Hennenreviere sind etwa 40 ha groß, wobei sich die Reviere von Hähnen und Hennen überschneiden können.

Tagesablauf[Bearbeiten]

Eine Auerhenne such auf den Zweigen einer Weißtanne Deckung.

Auerhühner sind typischerweise Tagtiere, d. h. ihre Aktivität beschränkt sich fast ausschließlich auf die hellen Stunden des Tages. Die Nacht verbringen sie normalerweise auf Bäumen; dabei suchen sie sich alte Bäume, in deren starkem Geäst sie sitzend schlafen. Derartige Schlafbäume werden oft für mehrere Tage beibehalten, weshalb sich unter ihnen dann häufig viel Losung findet. Brütende Auerhennen verbringen die Nacht am Boden, ebenso wie die Küken führenden Hennen in den ersten Wochen nach dem Schlüpfen. Zur übrigen Zeit sind die Hennen deutlich seltener am Boden zu finden als die Hähne. Besonders im Winter sind die meisten Fährten im Schnee Hahnenfährten.

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Balz[Bearbeiten]

Die Balzzeit[3] des Auerwildes beginnt je nach Witterungsverlauf, Vegetation und Höhenlage im März und dauert etwa bis Anfang Juni. Dabei findet zu Beginn der Morgendämmerung die Baumbalz auf einem aussichtsreichen, starkastigen Baum (dem Balzbaum) statt. Auffallend ist dabei die Haltung – gefächerter, steil aufgerichteter Schwanz und hochgereckter Kopf – und der Balzgesang, die Balzarie, bestehend aus dem Knappen mit dem Schnabel, dem Trillern, das sich zum Hauptschlag überschlägt und schließlich dem Wetzen, auch Schleifen, die Strophe (Gstanzl, Gsetzl) dauert etwa sechs Sekunden.[4]

Später, hauptsächlich wenn Hennen vorhanden sind, geht die Balz am Boden weiter (Bodenbalz). Hierzu verstreicht der Hahn von seiner in der Nähe gelegenen Singwarte zu einer Bestandslücke, um dort weiter zu balzen. Die Hennen halten sich nach einer Zeit des Umherstreichens nur während der kurzen Zeit der Hauptbalz am Balzplatz auf, wo sie dann auch vom jeweils ranghöchsten Hahn getreten werden. In dieser Phase sind Auerhühner Störungen gegenüber am empfindlichsten, selbst durch einzelne Beobachter können die Hennen zur Flucht veranlasst werden, wodurch ein Tretakt während der relativ kurzen, empfängnisbereiten Zeit verhindert wird.

Balzender Auerhahn (Tetrao urogallus)

Während der Balz erreicht der Testosteronspiegel des Auerhahns das Hundertfache seines Normalwerts. Deshalb sind Auerhähne in der Fortpflanzungszeit äußerst aggressiv. Manche Tiere greifen sogar Menschen an, die ihr Revier betreten. Ein Stock zur Abwehr der Schnabelhiebe und das unverzügliche Verlassen des Reviers beenden diese unliebsamen Begegnungen jedoch auf eine für beide Seiten glimpfliche Weise.

Im Herbst findet daneben die Herbstbalz statt; dabei werden jedoch nur die Balzgebiete für die kommende Saison abgegrenzt.

Brutzeit[Bearbeiten]

Eier von Tetrao urogallus urogallus
Gelege, Sammlung Museum Wiesbaden

Etwa drei Tage nach dem Tretakt beginnt die Henne mit der Eiablage, innerhalb von 10 Tagen ist dann das Gelege mit durchschnittlich 8, in Extremfällen zwischen 5 und 12 Eiern fertig gelegt. Die anschließende Brut dauert je nach Witterung und Höhenlage zwischen 26 und 28 Tage.

In der Anfangszeit sind die Hennen sehr störungsempfindlich, sie verlassen dann sehr schnell den Brutplatz. Später dulden sie Störungen meist, ducken sich tief in ihr meist unter Ästen oder Wipfeln verstecktes Nest.

Aufzucht[Bearbeiten]

Nach dem Schlüpfen müssen die Küken – wie alle Hühnervögel Nestflüchter – etwa 14 Tage lang von der Henne gehudert (gewärmt) werden, bis sie in der Lage sind, ihre Körpertemperatur von selbst aufrechtzuerhalten. Dabei sind sie häufig nur für Minuten in der Lage, sich von der wärmenden Henne zu entfernen und nach Nahrung zu suchen. In dieser Zeit brauchen sie zudem hauptsächlich tierisches Eiweiß in Form von Insekten, v. a. Raupen und Puppen. Von entscheidender Bedeutung ist daher zu dieser Zeit neben der Störungsarmut der Witterungsverlauf: Bei nasskaltem Wetter müssen die Küken häufiger und länger gehudert werden, gleichzeitig sind die Insekten weniger aktiv, also auch weniger erreichbar.

Etwa Anfang September lösen sich die Gesperre auf, anfangs verstreichen die Junghähne, später auch die Junghennen.

Das Auerhuhn in der Kulturlandschaft[Bearbeiten]

Die wichtigsten Ursachen für den derzeit zu beobachtenden Rückgang der Auerhühner sind die Intensivierung der Forstwirtschaft und die zunehmende Beunruhigung durch Touristen. Die Intensivierung der Forstwirtschaft bedeutet eine Förderung des einschichtigen Altersklassenwaldes mit einer zunehmenden Walderschließung und Wegebau, Fichtenmonokulturen, sehr dichte Waldbestände bis ins Starkholzalter mit einem entsprechenden Verlust an Bodenvegetation. Entsprechend gehen insbesondere Heidelbeeren zurück, die für Auerhühner eine wichtige Nahrungspflanze darstellen. Intensivierung bedeutet auch ein Pestizideinsatz und eine Entwässerung der Waldmoore.[5]

Als forstliche Maßnahme ist es erforderlich, auf großen Flächen einen möglichst vielseitigen Wald zu schaffen und zu erhalten, der die Habitatansprüche der Auerhühner erfüllt. Dabei darf besonders der Anteil der alten, lichten, beerkrautreichen Waldbestände nicht zu gering werden, auch müssen Verbindungskorridore zwischen derartigen besiedelungsgünstigen Teilen erhalten bleiben. Nachteilig ist eine intensive „Verdrahtung“ der Landschaft mit Forstkulturzäunen, da diese für das Auerwild vor allem bei der Flucht zu fast unsichtbaren Flugbarrieren werden, an denen sie sich schwer verletzen können.

Hegemaßnahmen beschränken sich i. d. R. auf forstliche und jagdliche Maßnahmen. Eine Bejagung vor allem der Hähne führt zu einem ungünstigen Geschlechterverhältnis mit Auswirkung auf Bruterfolg und massiver Störung der Balz. Mit der Ausweisung von Wildschutzgebieten mit einer Regelung zur Betretung wird versucht, den Erholungsverkehr während der störungsempfindlichen Zeit zu kanalisieren. Flankierend zu sonstigen Maßnahmen wird auch das Raubwild scharf bejagt.

Bestand[Bearbeiten]

Die Gesamtpopulation Europas wird auf 760.000 bis 1.000.000 brütende Weibchen geschätzt. Davon kommen 95 Prozent im europäischen Russland und in Fennoskandinavien vor. In Mitteleuropa gibt es zwischen 6.300 und 11.300 Weibchen.[6]

Im gesamten Mitteleuropa gab es bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts Bestandsrückgänge und teilweises Erlöschen von Randpopulationen. So erloschen die Bestände in den Ardennen bereits um 1820 und in Niedersachsen um 1850. Um 1900 gab es weiträumige Bestandserholungen und Arealausweitungen in den Südalpen und den tieferen Lagen des Nord- und Ost-Alpenvorlands. Seit Ende der 1940er Jahre gingen die Bestände in Mitteleuropa weiträumig und drastisch zurück. In Westungarn erloschen die Bestände 1963, in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen in den 1970er Jahren, im Norden des Juras in den 1990er Jahren. In Polen, Tschechien, der Slowakei, Sachsen-Anhalt und Österreich gibt es in einigen Regionen kleine isolierte Restbestände, die langfristig zum Teil geringe Überlebenschancen haben.[7] Am Ortsrand von Langenschade wurde die einzige deutsche Aufzuchtstation für Auerwild geschaffen und Ende 2012 in Betrieb genommen. Die aus 10 Volieren bestehende Anlage soll den Fortbestand des deutschen Restbestandes an Auerhühnern sichern helfen, da die Vermehrung und Erhaltung der Population im natürlichen Lebensraum nicht mehr gewährleistet ist. Bereits in den 1970er Jahren wurde versucht, die in Thüringen aus 300 Auerhühnern bestehende Gruppe zu retten, trotz erheblicher Anstrengungen ist dies jedoch misslungen. Gegenwärtig leben wohl nur noch etwa ein Dutzend Auerhühner in ganz Thüringen.[8]

Sonstiges[Bearbeiten]

Das Auerhuhn ist eine Art des Anhangs I der EU-Vogelschutzrichtlinie (RL 79/409/EWG), für die Vogelschutzgebiete auszuweisen sind.

Der Name der Stadt Teterow in Mecklenburg-Vorpommern leitet sich aus dem slawischen Wort teter ab, das entweder den Auerhahn oder, wahrscheinlicher, den Birkhahn nannte.

Der Auerhahn kommt auch als Wappentier vor. So wird er beispielsweise im Wappen des Landkreis Freudenstadt und in den Gemeindewappen von Seewald und Simmersfeld geführt, ebenso im Wappen der Region Mittelfinnland.

Der Auerhahn ist das Symbol der 1872 gegründeten Brauerei Hasseröder im Harz sowie der Auerhahn Bräu[9] aus Schlitz (heute Teil des Brauereiverbundes Hochstiftliches Brauhaus Fulda), die 1721 aus der Zusammenfassung von fünf älteren Brauereien entstand. Ebenso ist seit 1887 der Auerhahn das Markenzeichen der Rosenheimer Brauerei Auerbräu.[10]

Volkstümlich wurde das schwarz-rote Tier mit dem Diabolischen in Verbindung gebracht, wenn etwa der oder ein Teufel sich «Auerhahn» nennt[11] – wie beispielsweise in Anderer Teil D. Johann Fausti Historien (1593, vgl. engl. «Capercailzie» in Thomas Manns Doktor Faustus) und in Georg Gottharts Tobias (1619).

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Günther Bauer, Einhard Bezzel und Wolfgang Fiedler (Hrsg.): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas: Alles über Biologie, Gefährdung und Schutz. Band 1: Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel, Aula-Verlag Wiebelsheim, Wiesbaden 2005, ISBN 3-89104-647-2.
  • Hans-Heiner Bergmann, Siegfried Klaus, Rudi Suchant: Schön, scheu, schützenswert. Auerhühner. Karlsruhe 2003.
  • Siegfried Klaus: Die Auerhühner – Tetrao urogallus und T. urogalloides. Die Neue Brehm-Bücherei Bd. 86, Westarp Wissenschaften, Hohenwarsleben 2008, ISBN 978-3-89432-345-5.
  • Wolfgang Schröder, Kurt Zeimentz, Rudolf Feldner: Das Auerhuhn in Bayern. Schriftenreihe Bayerisches Landesamt für Umweltschutz, Heft 49. Oldenbourg, München/ Wien 1982, ISBN 3-486-21411-X.
  • Rudolf Suchant, Glockmann (Red.): Auerhuhn und Haselhuhn in einer mitteleuropäischen Kulturlandschaft. Ansatzpunkte, Perspektiven und Konflikte bei der Umsetzung von Schutzkonzepten. Beiträge der internationalen Fachtagung in Oberprechtal, Baden-Württemberg, vom 9. bis 12. Oktober 1997. Berichte Freiburger forstliche Forschung, Heft 2. Herausgegeben von der Forstwissenschaftlichen Fakultät der Universität Freiburg und der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg. FVA, Freiburg im Breisgau 1998.
  • Hubert Zeiler: Auerwild. Leben. Lebensraum. Jagd. Jagd- und Fischerei-Verlag, Wien 2001, ISBN 3-85208-025-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Auerhuhn – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bauer u. a., S. 175.
  2. Erste Auerhühner in Brandenburg ausgesetzt, "Sächsische Zeitung" (Online-Ausgabe) vom 18. Mai 2012
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatWolfgang Alexander Bajohr: Wald: Die schönste Balz. In: Natur im Fünfseenland. Abgerufen am 2. Juni 2008.
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatHarald Steiner: Das Auerwild. Südtiroler Jagdportal, abgerufen am 2. Juni 2008 (deutsch). [[Media: | ]]?/[[:Datei: |i]]Auerhahn Balzgesang (MP3; 994 kB)
  5. Bauer u. a., S. 176.
  6. Bauer u. a., S. 175.
  7. Bauer u. a., S. 175.
  8.  N.N.: Letzter Anlauf zur Auerhahn-Rettung. In: Thüringische Landeszeitung (TLZ). 1. Dezember 2012.
  9. http://www.lauterbacher-auerhahn.de/
  10. http://www.auerbraeu.de/auerPage000020.aspx
  11. Moritz Busch: Walpurgisnacht. In: Die Gartenlaube 18, 1876, S. 302, Wikisource.