Unbemanntes Luftfahrzeug

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RQ-4B Global Hawk im Flug
MQ-9A „Reaper“ der U.S. Air Force

Ein unbemanntes Luftfahrzeug ist ein Luftfahrzeug, das ohne eine an Bord befindliche Besatzung betrieben und navigiert werden kann und über bauarttypische Steuereinrichtungen verfügt. In der deutschen Sprache wird häufig der Begriff Drohne synonym gebraucht, obwohl eine Drohne im engeren Sinne ein unbewaffnetes Übungsziel ist.

Ein unbemanntes Luftfahrzeug kann entweder autark durch einen Computer oder vom Boden über eine Fernsteuerung geflogen werden. Im militärischen Bereich kann eine Drohne je nach Einsatz und Ausstattung Nutzlasten, wie z. B. Kameras für Kontroll- und Überwachungsaufgaben und/oder Waffen für militärische Operationen tragen. Die Abmessungen reichen zumeist von wenigen Zentimetern (Mikrodrohne) bis zur Größe eines Verkehrsflugzeuges mit ca. 60 m Spannweite (Boeing Condor). Unbemannte Luftfahrzeuge werden auch für geheimdienstliche, polizeiliche, zivile oder für wissenschaftliche Zwecke, z. B. in der Klimaforschung eingesetzt.

In jüngerer Zeit wurden Drohnen zunächst zum Gegenstand öffentlicher Debatten[1] wegen ihrer regelmäßigen Verwendung zur umstrittenen „gezielten Tötung“ von Terrorverdächtigen durch die USA, vor allem bei geheim gehaltenen Einsätzen in Pakistan. Mit der zunehmenden Verbreitung kleiner, preiswerter Drohnen bei privaten, gewerblichen und staatlichen Betreibern, die zur Überwachung eingesetzt werden können, gewannen die Themen informationelle Selbstbestimmung und Datenschutz neues Gewicht.

Einsatzspektrum[Bearbeiten]

Militärischer Einsatz[Bearbeiten]

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Kontrollstation am Boden für eine Drohne

Einsatzbereiche[Bearbeiten]

Drohnen werden zunehmend zu militärischen Zwecken eingesetzt, wobei sie zum einen als sogenannte unmanned combat air vehicle (UCAV) mit Waffen ausgerüstet und zur Luftnahunterstützung eingesetzt werden können. Zum anderen gibt es Experimentalflugzeuge zur Erprobung des Drohneneinsatzes als Kampfflugzeuge zur Luftzielbekämpfung. Ein dritter Einsatzbereich ist die Aufklärung und Überwachung.

Einem Bericht des britischen Guardian zufolge, planen die Luftstreitkräfte der USA (USAF) eine enorme Aufstockung ihrer UAV-Flotte bis 2047.[2]

Bereits heute bildet die USAF mehr Soldaten in der Bedienung von UAVs denn als Flugzeugpiloten aus, was sich auch mit dem stetigen Anstieg der Anzahl der maximal gleichzeitig lenkbaren Drohnen erklären lässt. So konnten im Jahr 2006 noch 12 Drohnen gleichzeitig gesteuert werden, im August 2009 hatte sich diese Anzahl bereits auf 50 erhöht.

Bekannte Einsätze[Bearbeiten]

1998/1999 setzte die Bundeswehr im Kosovokrieg Aufklärungsdrohnen vom Typ CL 289 ein. Ferner hat die Bundeswehr die Drohne LUNA seit dem Jahr 2000 im operativen Einsatz. Auch die Inspektionen der UN-Waffeninspektoren im Irak 2003 wurden von Drohnen unterstützt.[3] Bis 2008 wurden zudem sechs Gesamtsysteme der allwetterfähigen Aufklärungsdrohnen vom Typ KZO („Kleinfluggerät-Zielortung“)[4] eingeführt. Zur Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung (SIGINT) hat die Bundeswehr die fünf Großdrohnen EuroHawk bestellt, deren Prototyp 2010 fliegen sollte.

2003 versuchte die Hamas im Gazastreifen in den Besitz einer Drohne zu kommen. Israel präparierte diese mit Sprengstoff, zündete diesen während des Zusammenbaus am 16. Februar 2003 und tötete damit drei ranghohe Führer der Qassam-Brigaden.[5]

2004 wurde bekannt, dass die Schweizer Armee bei Trainingsflügen mit der Aufklärungsdrohne Ranger ADS 95 zufällig ausgewählte Privatautos und Zivilpersonen filmte.[6]

2006 lieferte der Iran UAVs vom Typ Ababil an die Hisbollah, welche diese unter der Bezeichnung Mirsad 1 zur Aufklärung oder wie Marschflugkörper einsetzt. Das UAV Ababil ist 83 kg schwer, hat einen Gefechtskopf von höchstens 40 kg und eine Maximalgeschwindigkeit von 290 km/h.[7][8] Am 7. August 2006 schoss ein israelisches Kampfflugzeug vom Typ F-16 10 Kilometer vor der Küste von Haifa mit einer Luft-Luft-Rakete vom Typ Python 5 ein UAV vom Typ Ababil der Hisbollah ab.

Am 5. August 2009 wurde durch den Angriff einer US-Drohne der pakistanische Talibanführer Baitullah Mehsud getötet (→ siehe auch Hauptartikel Drohnenangriffe in Pakistan). Ende Januar 2012 hat US-Präsident Obama erstmals offiziell eingeräumt, dass das US-Militär über pakistanischem Gebiet Drohnenangriffe durchführt.[9] Diese Angriffe wurden einige Zeit zuvor öffentlich bekannt und bis zu Obamas Äußerung vom Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten weder dementiert noch bestätigt. Obamas Darstellung, dass die Angriffe ein „minimales Risiko“ für Zivilisten darstellen würden, wird von Experten bezweifelt. Bis August 2011 kamen bei über 300 Angriffen über 2400 Menschen ums Leben, darunter über 400 Zivilisten.[10] Der ehemalige Drohnenpilot der US-Luftwaffe Brandon Bryant, der bei seiner Entlassung im April 2011 bescheinigt bekam, an 1262[11] gezielten Tötungen beteiligt gewesen zu sein, gab in einem im April 2014 erschienenen Interview an, dass bei allen Drohneneinsätzen des US-Militärs die Daten über den US-Militärstützpunkt Ramstein in Deutschland flössen.[12]

Im Juni 2012 starb Abu Jahja el Libi, die Nummer zwei des Terrornetzwerks al-Qaida, bei einem Drohnenangriff. Laut US-Berichten sei der Tod des Libyers der schwerste Schlag gegen al-Qaida seit der Tötung Osama bin Ladens im Mai 2011.[13]

Im Juni 2013 wurde bekannt, dass syrische Regierungstruppen und regimetreue Milizen vermehrt Drohnen iranischer Bauart im Syrischen Bürgerkrieg zur Aufklärung und zur Artilleriebeobachtung im Kampf gegen Rebellen benutzen.[14]

Zukünftige Entwicklung[Bearbeiten]

Verschiedene Stellen u. a. in den USA betreiben F&E-Programme, wie z. B. das Joint Unmanned Combat Air Systems Program der DARPA, USAF und United States Navy, um Kampfdrohnen zu entwickeln.[15][16] DARPA und NASA forschen und entwickeln auch unbemannte Systeme mit Morphing Adaptable Structures (MAS), die dank Smart Materials, ihre Form, Oberflächenstruktur und aerodynamischen Eigenschaften verändern und an verschiedene Flugphasen anpassen können, wie z. B. der Cormorant.[17][18] Auch in Europa wird an Kampfdrohnen (Unmanned Combat Aerial Vehicle) wie z. B. Dassault Neuron und ETAP geforscht und entwickelt.

Umstrittene Rechtslage[Bearbeiten]

Die unbemannte Kriegsführung steht in der Kritik, da die Souveränität von Staaten und die Rechtsstaatlichkeit verletzt werden können und bei Drohnenangriffen häufig auch unbeteiligte Zivilisten ums Leben kommen können.[19] Bislang ist unbekannt, wie viele Zivilpersonen irrtümlich getötet wurden.[20][21][22]

Die Rechtslage ist umstritten, insbesondere die US-Regierung verweist – auch unter Präsident Obama – auf die Bush-Doktrin des Präemptivschlags.[23] Jedoch ist nicht jeder Drohneneinsatz rechtlich problematisch.[24] Aus dem humanitären Völkerrecht lässt sich – ohne Verbotskonvention – nämlich in der Regel kein Verbot eines bestimmten Waffensystems herleiten.[25]

Völkerrechtlich ist zwischen Kampfeinsätzen innerhalb eines bewaffneten Konflikts und außerhalb eines bewaffneten Konflikts zu unterscheiden. Die Ersteren sind rechtlich am humanitären Völkerrecht zu messen und nicht am Menschenrechtspakt,[26] die Letzteren unterliegen dem Regime der allgemeinen Menschenrechte.[27]

Das humanitäre Völkerrecht unterscheidet zwischen internationalen bewaffneten Konflikten zwischen Staaten, bei denen die Genfer Konventionen von 1949 und das Zusatzprotokoll I von 1977 anzuwenden sind und innerstaatlichen (bewaffneten) Konflikten auf die nur der gemeinsame Artikel 3 der Genfer Konventionen von 1949 und das Zusatzprotokoll II von 1977 Anwendung finden.[28]

In nicht-internationalen bewaffneten Konflikten wird Aufständischen generell das „Kombattantenprivileg“ versagt, d. h. eine strafrechtliche Verfolgung nach den nationalen Rechtsordnungen ist möglich. Solange diese unmittelbar an Kämpfen teilnehmen, dürfen im Umkehrschluss Angriffe auf diese rechtmäßig durchgeführt werden.[29] Terroristen, die an Kampfhandlungen teilnehmen - wie z. B. Al-Qaida-Terroristen in Afghanistan, verlieren trotz ihres Status als Zivilisten, für die Dauer der unmittelbaren Teilnahme an Feindseligkeiten den Schutz des humanitären Völkerrechts.[30]

Sonderfall Pakistan[Bearbeiten]

Der Einsatz von US-amerikanischen Drohnen auf dem Gebiet von Pakistan stellt keinen Verstoß gegen Art. 2 Abs. 4 UN-Charta dar, da diese mit Billigung des pakistanischen Staates erfolgten und die Drohnen dort teilweise sogar stationiert waren.[31] Die USA und Pakistan schlossen kurz nach 9/11 einen Vertrag, dessen Inhalt aber nicht öffentlich bekannt ist (Stand 2012).

Allerdings wurden die US-amerikanischen Drohnenangriffe in Pakistan von der CIA (d. h. von Zivilisten) durchgeführt, diese gelten jedoch nicht als Kombattanten und verfügen damit auch über kein „Kombattantenprivileg“. Ihre Handlungen können nach nationalem Recht (z. B. Recht Pakistans oder der USA) strafbar sein.[32]

Seitdem 2012 ein Memorandum der US-Regierung öffentlich wurde, wird in den USA über moralische Fragen beim Einsatz von Drohnen diskutiert. Ein Thema ist dabei, dass auch US-Bürger im Ausland Opfer (sei es als Kollateralschaden oder als Ziel) eines Drohnenangriffs werden können. Als im Januar John O. Brennan als nominierter CIA-Direktor vor den Senat berufen wurde, musste er zu diesem Thema Stellung nehmen.[33]

Gemäß US-amerikanischem Recht (Stand 2012) ist die Tötung von Terroristen durch die CIA im Ausland weiterhin legal.[34]

Im Mai 2013 hat ein pakistanisches Gericht in Peschawar die Drohnenangriffe der USA in den pakistanischen Stammesgebieten als Kriegsverbrechen bezeichnet. Es fordert eine Entschädigung der USA und ein Uno-Tribunal. Geklagt hatten Opfer von Luftschlägen.[35]

Stress für Piloten[Bearbeiten]

Piloten von militärischen Drohnen klagen über verschiedene Arten von Stress. Studien ermittelten bei Drohnenpiloten mitunter höhere Werte von Gefechtsstress als bei anderen Einheiten in Afghanistan. Hinzu kommen zudem hohe Ermüdungserscheinungen, emotionale Erschöpfung sowie Burnout. Trotz der großen Distanz zum eigentlichen Kriegsgeschehen werden auch bei Drohnenpiloten posttraumatische Belastungsstörungen festgestellt.[36] Ursachen dafür sind laut einem Bericht der New York Times die vom Kampfgeschehen isolierte Arbeitsumgebung und unflexible Schichtarbeitszeiten. Außerdem führe die fehlende räumliche und zeitliche Distanz zwischen Familienleben und Kampfeinsätzen zu psychischen Belastungen. Die Studie berichtet darüber hinaus von Stress aufgrund von Personalengpässen.[37]

Durch moderne Kamera- und Bildtechnik und eine geringere Überfluggeschwindigkeit von Drohnen werden detailreichere Bilder des Kampfgeschehens übermittelt und können somit den Stress für die Drohnenbesatzungen während einer Mission verstärken.[38] Denn trotz der unmittelbaren Eindrücke vom Geschehen ist es den Drohnenpiloten nicht möglich, verwundeten Opfern oder Kameraden vor Ort Hilfe zu leisten.

Der ehemalige US-Verteidigungsminister Leon Panetta hatte zu seinem Abschied 2013 eine neue Ehrenmedaille zur Auszeichnung von Soldaten für besondere Leistungen im Drohnen- und Computer-Krieg vorgeschlagen.[39] Sein Nachfolger im Amt, US-Verteidigungsminister Chuck Hagel, nahm jedoch bereits wenige Wochen nach seiner Amtseinführung Abstand von diesem Vorhaben.[40]

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits 1931 rüstete die britische Royal Air Force drei Maschinen des Typs Fairey IIIF unter der Bezeichnung Fairey Queen mit Funksteuerung aus und setzt sie als Zieldrohnen und Übungsziele für Jagdpiloten ein.

Trivia[Bearbeiten]

Irakische Hacker fingen 2009 die unverschlüsselt übertragenen Videodaten einer US-Militär-Drohne ab und konnten so den Einsatz der Drohne verfolgen.[41]

Abstürze[Bearbeiten]

Die Zeitung Washington Post untersuchte ein Jahr lang 50.000 Seiten Unfallberichte der US-Miltärs und berichtet über 418 Abstürze von Drohnen des US-Militärs seit 2001. Bei den Abstürzen kamen keine Menschen zu Schaden, die meisten - 67 - stürzten in Afghanistan, gefolgt von USA (47) - eine in unmittelbarer Nähe einer Grundschule in Pennsylvania und Irak (41). Weitere in der Nähe von Dschibuti, in Pakistan und Mali.[42]

Nichtmilitärischer Einsatz[Bearbeiten]

Sicherheit[Bearbeiten]

Auch im zivilen Einsatz werden Drohnen verstärkt getestet. Die deutschen Bundesländer Niedersachsen und Sachsen beispielsweise nutzen Polizei-Drohnen der Typen MD4-200 und MD4-1000 testweise für die polizeiliche Aufklärung.[43] Die verwendeten Drohnen haben noch Schwierigkeiten im praktischen Einsatz (Stand 2010): Hohe Anlaufkosten und Kosten durch Abstürze sorgen dafür, dass deren Einsatz in den Parlamenten derzeit noch umstritten ist.[44] Zudem gibt es datenschutzrechtliche Bedenken.[45]

Bei der Begutachtung von Schäden durch Sturm, Brand oder Wasserschäden auf Dächern werden Drohnen eingesetzt, da man mit einer dort eingebauten Kamera in geringer Höhe den Schadensort überfliegen und so einen einzigartigen Überblick erhalten kann.[46][47] So haben z.B. die Technische Universität Dortmund, die Universitäten Paderborn und Siegen sowie verschiedene Unternehmen gemeinsam eine Drohne entwickelt, die mit Gasmessgeräten ausgestattet ist und bei Katastrophen von Feuerwehren oder dem THW eingesetzt werden soll. Das vom BMBF geförderte Projekt trägt den Namen Airshield. „AirShield“ steht für „Airborne Remote Sensing for Hazard Inspection by Network Enabled Lightweight Drones“[48]

Im März 2011 wurden Global Hawks der USAF im Rahmen der Operation Tomodachi eingesetzt, um die Schäden des Tōhoku-Erdbebens und Tsunamis, insbesondere am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi, einzuschätzen.[49] Im Juni 2011 kam es zu einer Notlandung einer T-Hawk, die für Strahlungsmessungen auf dem Reaktorgelände eingesetzt war, auf einem Reaktorgebäude.[50]

Seit 2013 wird im Regierungsbezirk Freiburg der Einsatz von Helikopterdrohnen zur biologischen Schädlingsbekämpfung getestet. In Kunststoffkapseln verpackte Schlupfwespeneier werden dabei ferngesteuert über den Maisfeldern abgeworfen. Dort schlüpfen die Wespenlarven und fressen dann die Eier des Maiszünslers. Dabei werden die Koordinaten des Feldes eingegeben und die Verteilung der Kapseln erfolgt GPS gesteuert[51].

Im August 2013 wurde der 'Defikopter' vorgestellt, eine Helikopterdrohne, die nach Aktivierung durch eine Handy-App vollautomatisch, GPS-gesteuert einen mobilen automatisierten externen Defibrillator (AED) am Einsatzort landet oder per Fallschirm abwirft.

Wissenschaft[Bearbeiten]

Seit April 2010 betreiben NASA und National Oceanic and Atmospheric Administration ein Projekt zur Atmosphärenforschung bei dem Global Hawk-UAS mit zusätzlichen Sensoren für wissenschaftliche Zwecke eingesetzt werden.[52][53][54] Im August und September 2010 sammelte eine Drohne Informationen über die Hurrikans Earl und Frank.[55][56] In der Luftbildarchäologie und Luftbildfotografie werden Drohnen für die Datensammlung verwendet, ebenso in Windparks um den Windpark-Effekt zu erforschen.[57][58]

Die NASA entwickelte 2010 eine Drohne mit dem Namen Aerial Regional-scale Environmental Survey, die im Rahmen des Mars-Scout-Programms auf dem Planeten Mars eingesetzt werden soll.[59]

Private Nutzung[Bearbeiten]

Am 2. Dezember 2013 (Cyber Monday) gab Amazon-Chef Jeff Bezos in einem CBS-Interview bekannt, dass Amazon unter dem Label Prime Air die Auslieferung von Bestellungen mit Rotor-Drohnen für 2014 plant. Die vorgesehenen Drohnen besitzen acht kleine Rotoren und können eine Nutzlast von maximal 2,5 Kilogramm transportieren. Die Reichweite beträgt 16 Kilometer. Die Deutsche Post AG erforscht ebenfalls den Einsatz von Paketkoptern für besonders eilige Sendungen.[60]

Beim Brand in der Weltkulturerbe-Altstadt von Lærdalsøyri, Norwegen ab dem 18. Januar 2014 wurden Löscharbeiten mit Hubschraubern durch private Drohnen für Video- und Bildaufnahmen behindert. Die Polizei appellierte daher, diese Privatflugkörper nicht zu verwenden.[61]

Darüber hinaus existiert eine experimentelle Szene in Deutschland im Rahmen der Hobbyfliegerei.[62]

Piraterie[Bearbeiten]

Im Dezember 2011 setzte die Umweltschutzorganisation Sea Shepherd Conservation Society eine Drohne ein, um die Nisshin Maru, das Flaggschiff der japanischen Walfangflotte, auf hoher See zu lokalisieren.[63][64]

Rechtliche Situation[Bearbeiten]

Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!

Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland wird der Einsatz von Drohnen mit Video- oder Fotomöglichkeit über privatem Gelände als Beeinträchtigung des Eigentums und der Privatsphäre betrachtet. Wenn Personen auf Aufnahmen zu identifizieren sind, dürfen diese nur mit deren Zustimmung veröffentlicht oder weitergegeben werden. Weiterhin fallen Fotos und Videos, die mit Drohnen von bestimmten Gebäuden angefertigt wurden, oft nicht unter die Panoramafreiheit und dürfen nicht veröffentlicht werden, wenn sie zum Beispiel das bestehende Urheberrecht eines Architekten verletzen.[65]

Im Dezember 2011 gab der Bundestag eine Änderung des Luftverkehrsgesetzes ohne Diskussion in die Ausschüsse.[66][67] Es trat in Kraft und stellte Drohnen – „unbemannte Luftfahrsysteme“ – den anderen elf Klassen von Luftfahrzeugen gleich. Nur Drohnen, die für öffentliche oder gewerbliche Zwecke genutzt werden, wurden hier erfasst - Drohnen die zur Freizeitgestaltung verwendet werden, sind hier nicht reglementiert worden und eine politische Debatte um diese Modelle, etwa bezüglich des Schutzes der Privatsphäre, blieb aus.[68]

Österreich[Bearbeiten]

In Österreich wurde mit der Gesetzesnovelle des §24 LFG (Luftfahrtgesetz) vom 1.1.2014 die private Nützung von unbemannten Luftfahrzeugen reglementiert.[69] Es wird luftfahrtrechtlich zwischen folgenden Klassen unterschieden:

  • Spielzeug - Luftfahrzeuge mit weniger als 79 Joule Antriebsenergie, einer maximalen Flughöhe von 30m sowie unter Vermeidung der Gefährdung von Sachen und Personen gelten als Spielzeug und sind vom LFG ausgenommen. Diese Spielzeuge können genehmigungsfrei genützt werden. Es herrscht bislang noch keine Rechtssicherheit wie die 79 Joule auszulegen sind.[70]
  • Flugmodelle - Ausschliesslich privat und nur zum Zweck des Flugs selbst eingesetzte Modelle. Sie dürfen bis zu einem Umkreis von 500m und einer maximalen Flughöhe von 150m über Grund geflogen werden. Flugmodelle sind bis 25kg genehmigungsfrei. Darüber benötigt man für den Betrieb eine Genehmigung mit inkludierter Haftpflichtversicherung des Österreichischen Aeroclub. FPV (first person view) Flug ist gem. Österreichischem Aero-Club gestattet, wenn ein Beobachter ständigen Sichtkontakt zum Flugmodell hält und den FPV-Plioten auf etwaige Gefahren hinweist. Der FPV Pilot bleibt jedoch verantwortlich. [71]
  • Unbemannte Luftfahrzeuge (uLFZ) - Ausserhalb des Privatbereichs genutzte Luftfahrzeuge insbesondere für Arbeitsflüge, Fotoflüge, Überwachungsflüge etc. ist eine Genehmigung der Austro Control verpflichtend. uLFZ (unbemannte Luftfahrzeuge) der Klasse 1 (mit bestehender Sichtverbindung zum Piloten) werden je nach Einsatzort und Gewicht des Luftfahrzeugs in die Gefahrenklasse A-D eingeteilt, woraus sich verschiedene Anforderungen bzgl. Lufttüchtigkeit und technischer Ausstattung ergeben. uLFZ Klasse 2 (ohne Sichtverbindung zum Piloten) benötigen ein Genehmigungsverfahren, das dem eines bemannten Luftfahrzeugs entspricht.[72]

Vereinigte Staaten[Bearbeiten]

In den Vereinigten Staaten sind in mehreren Bundesstaaten und Gemeinden Gesetzesinitiativen gestartet worden, die den Einsatz von Drohnen beschränken sollen. Das restriktivste dieser vorgeschlagenen Gesetze verbietet das Sammeln von Bild-, Ton-, Temperatur-, Geruchs- und sämtlichen anderen erfassbaren Daten[73] mit unbemannten Luftfahrzeugen über privatem Grundbesitz wenn keine Einwilligung des Besitzers vorliegt. Behörden dürften Drohnen demnach nur in begründeten Verdachtsfällen und im Fall von lebensbedrohlichen Situationen auf Privatbesitz einsetzen. Die Vorlage, die in Texas als House Bill 912 eingebracht wurde, stellt weiterhin den Besitz, die Verbreitung und die Veröffentlichung so gesammelter Daten unter Strafe.[74] Das Gesetz wurde, mit einigen Ausnahmen für gewerbliche und behördliche Nutzer, im Mai 2013 vom texanischen Senat angenommen.[75]

Der Kongress der Vereinigten Staaten beauftragte die Luftfahrtbehörde FAA bis 2015 Regularien für die Verwendung von Drohnen im Luftraum zu entwickeln. Ungeachtet der örtlichen Gesetzeslagen, genehmigte der Kongress einen Antrag des Department of Homeland Security, das zur Sicherstellung der öffentlichen Sicherheit bis 2020 rund 30.000 Drohnen über den USA zum Einsatz bringen will.[76] Der National Park Service erließ im Sommer 2014 ein Verbot, das das Starten, Landen und den Überflug von Drohnen in den Nationalparks der USA untersagt. Nachdem immer mehr Besucher Drohnen mitgebracht hatten, um Landschaftsaufnahmen zu machen oder Kletterer zu filmen, befürchtete man Störungen für Besucher und Wildtiere durch Drohnen, sowie zusätzliche Gefahren bei Rettungseinsätzen.[77]

Erste Beschränkungen der FAA wurden im Juni 2014 mit einer Richtlinie erlassen. Demnach sind Flugmodelle für private Zwecke erlaubt, aber die Definition eines Flufmodells ist streng gefasst: Ein Model muss unter 25 kg wiegen und muss während der Benutzung, ohne die Verwendung von Hilfsmitteln, für den Piloten sichtbar sein. Eine Steuerung durch "First Person View", etwa über eine Sichtbrille oder ein Mobiltelefon, ist demnach stark eingeschränkt, weil das Sichtfeld des Piloten bei solchen Geräten zu begrenzt und das Unfallrisiko, nach Einschätzung der Behörde, zu groß ist. Drohnen, die als Modelle gelten, dürfen keine kommerziellen Einsätze fliegen. Bei Annäherung an einen Flughafen auf weniger als 5 Meilen ist vom Piloten der betroffene Tower zu informieren.[78]

Typen[Bearbeiten]

MAV
Micro Air Vehicle sind Kleindrohnen, die über genügend Tragkraft verfügen, um Bildaufzeichnungsgeräte oder andere Sensoren zu transportieren. Sie haben einen Aktionsradius von einigen Kilometern und können eine Flughöhe von mehreren hundert Metern erreichen.[79]
OAV
Organic Aerial Vehicle: Organisches Fluggerät (im Sinne von die Sinne des Menschen erweitern), zum Beispiel das Class I UAV
RPV
Remotely Piloted Vehicle: Ferngesteuertes Fluggerät
UAV
Unmanned Aerial Vehicle: Allgemeine Bezeichnung, bezieht sich jedoch ausschließlich auf das Flugobjekt
UAS
Unmanned Aerial System: neuere allgemeine Bezeichnung als Ablösung von UAV. Bezieht neben dem Fluggerät (UAV) aber alle Teile des Gesamt-Systems (z. B. Steuerelemente, Bodenstationen, etc.) mit ein.
TUAV
Tactical Unmanned Aerial Vehicle sind mittelgroße Drohnen mit einem Gewicht von bis zu 300 kg und einer Reichweite von 200–300 km. Meist starten sie nicht autark, sondern mit Hilfe von Katapulten oder Booster-Raketen. Ein Beispiel ist die deutsche Drohne LUNA.
UCAV
Unmanned Combat Aerial Vehicle: Luftangriffsfähiges UAV, zum Beispiel Predator
URAV
Unmanned Reconnaissance Aerial Vehicle: Aufklärendes UAV. Die Reichweite großer Drohnen ist vergleichbar mit der von Verkehrsflugzeugen. Je nach Konzeption entsprechen die Flugeigenschaften denen von Kampfflugzeugen oder Luftschiffen. Sie können 1–2 Tage in der Luft bleiben. Medium altitude long endurance (MALE) fliegen in einer Höhe von 10–15 km, high altitude long endurance (HALE) von mehr als 20 km. Beispiele sind die US-Modelle Global Hawk und Boeing Phantom Eye als HALE oder Predator als MALE.
Vertical Take-Off and Landing Unmanned Aerial Vehicle
Vertical Take-off and Landing Unmanned Aerial Vehicle: Senkrecht startendes und landendes UAV, zum Beispiel Bell Eagle Eye oder Kaman K-MAX Unmanned Multi-Mission Helicopter. Durch die VTOL-Fähigkeit werden weder eine Start- bzw. Landebahn noch spezielle Start- oder Landevorrichtungen benötigt. Gleichzeitig ergibt sich oftmals die Möglichkeit zwischendurch zu schweben oder sogar zu landen um zu beobachten (hover and stare).
VTUAV (VTOL Tactical UAV)
Vertical Take-off and Landing Tactical Unmanned Aerial Vehicle: Senkrecht startendes und landendes UAV speziell für den taktischen (militärischen) Einsatz. Viele von den VTUAVs sollen aber auch außerhalb des Militärs z. B. bei der Küstenwache, der allgemeinen Grenzüberwachung oder dem Katastrophenschutz in einigen Ländern Anwendung finden.

Hersteller[Bearbeiten]

Wichtige Hersteller für unbemannte Luftfahrzeuge für das Militär sind Northrop Grumman, Lockheed Martin und Boeing sowie auch kleinere Unternehmen wie General Atomics, Sikorsky und AAI. Auch nicht-amerikanische Hersteller wie EADS, Dassault Aviation, TAI, IAI, Saab, Safran[80] und BAE Systems entwickeln und bauen unbemannte Luftfahrzeuge.

Kleinere Hersteller unbemannter Luftfahrzeuge sind auch:

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Drohne (Flugzeug) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rassbach, Elsa: Wie sich Europäer der Drohnenkriegsführung widersetzen. In: Peter Strutynski (Hg.): Töten per Fernbedienung. Kampfdrohnen im weltweiten Schattenkrieg. Wien: Promedia, 2013. S. 199-219. ISBN 978-3-85371-366-2
  2. US now trains more drone operators than pilots. Artikel auf guardian.co.uk, 23. August 2009
  3. Iraq Denies Building Drone for Chem/Bio Drop, 12. März 2003
  4. Reinhard Scholzen: Aufklärende Artillerie. In: Truppendienst 2, 2014, S. 146-150.
  5. Inside Hamas: the untold story of militants, martyrs and spies von Zaki Chehab
  6. Neue Zürcher Zeitung vom 23. Mai 2004 nzz.ch; Amtliches Bulletin – Die Wortprotokolle von Nationalrat und Ständerat, Drohnen und Datenschutz, 7.Juni 2004 parlament.ch, abgerufen am 17. Februar 2011
  7. Hizbullah UAV shot down off Acre coast | Jerusalem Post
  8. Warplanes: Iranian UAVs Over Israel
  9. indirekt, in seiner Antwort auf eine Publikumsfrage: Your Interview with the President - 2012 auf YouTube
  10. Obamas Illusion vom sauberen Drohnenkrieg – SpOn, 31. Januar 2012
  11. Nach anderen Angaben beläuft sich die Zahl der Tötungen auf 1626. – Vgl. Matthew Power: Confessions of a Drone Warrior. Artikel vom 23. Oktober 2013 im Portal gq.com, abgerufen am 4. April 2014
  12. John Goetz, Frederik Obermaier: „Immer fließen die Daten über Ramstein“. Interview vom 4. April 2014 im Portal sueddeutsche.de, abgerufen am 4. April 2014
  13. El Kaidas Nummer Zwei bei US-Drohnenangriff getötet
  14. Joby Warrick:"Russian, Iranian technology is boosting Assad’s assault on Syrian rebels" Washington Post vom 2. Juni 2013, gesichtet am 2. Juni 2013
  15. Killer Drones Converge on California, Ready to Take Off wired.com, 21. Dezember 2010, abgerufen am 23. Dezember 2010
  16. Joint Unmanned Combat Air Systems darpa.mil; abgerufen am 23. Dezember 2010
  17. DARPA’s Morphing Program dnc.tamu.edu; Morphing UAVs change the shape of warfare aiaa.org
  18. Morphing Aircraft Technology – New Shapes for Aircraft Design (pdf) dtic.mil; Adaptive structures (pdf) aiaa.org, abgerufen am 14. April 2011
  19. Warum bei US-Drohnenangriffen kaum Zivilisten sterben derstandard.at, abgerufen am 8. Juni 2012
  20. Britische Drohne tötet vier Zivilisten in Afghanistan derstandard.at, abgerufen am 6 .Juli 2011
  21. Drone strikes are police work, not an act of war? reuters.com, abgerufen am 6. Juli 2011
  22. Sauer, Frank/Schoernig Niklas, 2012: Killer drones: The ‘silver bullet’ of democratic warfare?, in: Security Dialogue 43 (4): 363–380, Killer drones: The ‘silver bullet’ of democratic warfare?, letzter Zugriff am 1. September 2012.
  23. Drone Pilots Could Be Tried for ‘War Crimes,’ Law Prof Says wired.com, abgerufen am 11. Mai 2012
  24. [Felix Boor, Der Drohnenkrieg in Afghanistan und Pakistan in: Humaintäres Völkerrecht – Informationsschriften/Journal of International Law, Peace and Armed Conflict 02/2011, S. 97.]
  25. [J.-M. Heneckers/L. doswald-Beck (Hrsg.), IRC-Studie Customary International Humaitarian Law, 2009, Rule 70, S. 240 f. (m.w.N.)]
  26. [IGH, Advisory Opinion of 8 July 1996, Leaglity of Threat or Use of Nuclear Weapons, ICJ Rep. 1996, S. 226, Rn. 24 f.]
  27. [Felix Boor, aaO, S. 100.]
  28. [Felix Boor, aaO, S. 100.]
  29. [Felix Boor, aaO, S.101.]
  30. [Felix Boor, aaO, S. 101.]
  31. [CBS News vom 19. Februar 2009 und ABC News vom 23. Februar 2009]
  32. [Felix Boor, aaO, S. 103.]
  33. faz.net (Print-Ausgabe 8. Februar 2013 S. 3): Gummi-Lizenz zum Töten (Matthias Rüb)
  34. spiegel.de 20. Januar 2013: CIA darf in Pakistan weiter mit Drohnen töten
  35. spiegel.de: Pakistan: Gericht verurteilt US-Drohnenangriffe als Kriegsverbrechen
  36. DIE ZEIT: Drohnenpiloten - Die Qualen der Schreibtischtöter abgerufen am 25. März 2013.
  37. New York Times: Drone Pilots Are Found to Get Stress Disorders Much as Those in Combat Do abgerufen am 25. März 2013.
  38. spiegel.de 11. März 2010: Interview mit dem US-Politologen P.W. Singer
  39. zeit.de: USA belobigen Drohnenkrieger mit eigener Medaille
  40. Statement by Secretary of Defense Chuck Hagel on the Distinguished Warfare Medal
  41. Irakische Hacker blamieren US-Militär – sueddeutsche.de vom 17. Dezember 2009 (abgerufen am 28. März 2010)
  42. http://orf.at/#/stories/2234914/ Seit 2001 über 400 US-Drohnen abgestürzt, ORF.at vom 21. Juni 2014
  43. Monroy, Matthias, Hunko, Adrej (2013): Immer mehr und größere Drohnen. Die Polizei rüstet auf. In:Peter Strutynski (Hg.) (2013): Töten per Fernbedienung. Kampfdrohnen im weltweiten Schattenkrieg. Wien: Promedia. S. 187-198 ISBN 978-3-85371-366-2
  44. Axel Schröder: Überwachung von oben: Polizei setzt immer stärker auf Microdrohnen. (Nicht mehr online verfügbar.) Deutschlandradio Kulutur, 1. Juni 2010, ehemals im Original, abgerufen am 1. Juni 2010 (MP3). (Seite nicht mehr abrufbar; Suche im Webarchiv)[1] [2] Vorlage:Toter Link/ondemand-mp3.dradio.de
  45. „Polizei legt bei Castor-Kritik nach“ vom 17. November 2010 (Version vom 19. November 2010 im Internet Archive), abgerufen am 13. Januar 2013 von archive.org da auf tagesschau.de gem. Rundfunkstaatsvertrag depubliziert.
  46. Drohne im Einsatz über dem ehemaligen Kölner Stadtarchiv (Version vom 3. Juli 2009 im Internet Archive)
  47. Das fliegende Auge von Sprint (PDF; 185 kB)
  48. Das Projekt AirShield in der Übersicht
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