Augit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Augit
Augite - La Panchita Mine, Mun de La Pe, Oaxaca, Mexico.jpg
Augit-Kristallstufe aus der La Pancita Mine, Oaxaca, Mexiko
Chemische Formel (Ca,Fe)(Mg,Fe)[Si2O6]
Mineralklasse Silikate und Germanate
9.DA.15 (8. Auflage: VIII/F.01) nach Strunz
65.01.03a.03 nach Dana
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin monoklin-prismatisch 2/m[1]
Farbe dunkelbraun bis schwarz, grünlich
Strichfarbe graugrün
Mohshärte 5 bis 6,5
Dichte (g/cm3) berechnet: 3,19 bis 3,56 ; berechnet: 3,31[2]
Glanz Glasglanz, matt
Transparenz durchsichtig bis undurchsichtig
Bruch muschelig bis uneben, spröde
Spaltbarkeit Vollkommen nach {110}
Habitus kurze, prismatische Kristalle, körnige Aggregate
Zwillingsbildung nach {100} und {001}, Einfach- oder Multiple Zwillinge
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 1,680 bis 1,703 ; nβ = 1,684 bis 1,711 ; nγ = 1,706 bis 1,729[3]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,026[3]; zweiachsig positiv
Optischer Achsenwinkel 2V = gemessen: 40° bis 52°, berechnet: 48° bis 68°[3]
Pleochroismus hellgrün-braungrün-blaugrün
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten Schmilzt zu schwarzem Glas, in Säuren (außer Fluorwasserstoffsäure) schwach löslich
Ähnliche Minerale Hornblende

Augit ist ein sehr häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“. Als Klinopyroxen kristallisiert es im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung (Ca,Fe)(Mg,Fe)[Si2O6][4] und entwickelt kurze bis lange, prismatische Kristalle, aber auch körnige Mineral-Aggregate von grüner, brauner oder schwarzer Farbe bei graugrüner Strichfarbe. Sehr selten werden auch farblose Augite (Leukaugit) gefunden[5].

Mit einer Mohshärte von 5 bis 6,5 gehört Augit zu den mittelharten Mineralen, er lässt sich gerade noch mit einem Messer oder Stahlfeile ritzen.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Vor dem Lötrohr schmilzt Augit zu schwarzem, oft magnetischem Glas. Er wird im Allgemeinen nur schwach von Säuren angegriffen, mit Ausnahme der Flusssäure.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Augit wurde erstmals 1792 vom deutschen Mineralogen Abraham Gottlob Werner beschrieben und nach dem griechischen Wort αὐγή auge benannt, was so viel wie Glanz bedeutet.

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Augit zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur allgemeinen Abteilung der „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“, wo er zusammen mit Aegirin, Diopsid, Esseneit, Hedenbergit, Jadeit, Jervisit, Johannsenit, Kanoit, Klinoenstatit, Klinoferrosilit, Kosmochlor, Namansilit, Natalyit, Omphacit, Petedunnit, Pigeonit und Spodumen die Untergruppe der Klinopyroxene innerhalb der Pyroxengruppe bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Augit ebenfalls in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“ ein. Diese Abteilung ist allerdings inzwischen präziser unterteilt nach der Art der Ketten- bzw. Bänderbildung und der besonderen Verwandtschaft einiger Minerale, so dass das Mineral entsprechend in der Unterabteilung „Ketten- und Bandsilikate mit 2-periodischen Einfachketten Si2O6; Pyroxen-Familie“ zu finden ist, wo es zusammen mit Diopsid, Esseneit, Hedenbergit, Johannsenit und Petedunnit die „Ca-Klinopyroxene, Diopsidgruppe“ mit der System-Nr. 9.DA.15 bildet.

Auch die Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Augit in die Klasse der „Silikate“ und dort in die Abteilung der „Kettensilikatminerale“. Dort ist er, ebenfalls zusammen mit Diopsid, Esseneit, Hedenbergit, Johannsenit und Petedunnit, Mitglied der Gruppe „C2/c Klinopyroxene (Ca-Klinopyroxene)“ mit der System-Nr. 65.1.3a innerhalb der Unterabteilung „Kettensilikate: Einfache unverzweigte Ketten, W=1 mit Ketten P=2“.

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten]

Als Fassait wird eine Augit- oder Diopsid-Varietät mit einem erhöhten Eisen- und Aluminiumgehalt bezeichnet.

Als Jeffersonit bezeichnet man eine mangan- und zinkhaltige Augit- oder Diopsid-Varietät.[6]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Augitkristalle auf Muttergestein aus Diana Township, Lewis County, New York, USA

Augit ist ein gesteinsbildendes Mineral, das sich als wesentlicher Gemengteil in vielen und als akzessorischer Bestandteil in den meisten magmatischen Gesteinen wie Basalten, Diabasen, Gabbros, Melaphyren und Tuffen bildet.[5] Begleitminerale sind unter anderem verschiedene Minerale der Amphibolgruppe, Labradorit, Leucit, Olivin, Orthoklas, Sanidin und verschiedene Minerale der Pyroxengruppe.[2]

Weltweit konnte Augit bisher an rund 1200 Fundorten nachgewiesen werden, so unter anderem in Ägypten, Algerien, der Antarktis, Argentinien, Armenien, Aserbaidschan, Australien, Bolivien, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, Costa Rica, Deutschland, El Salvador, Eritrea, Fidschi, Finnland, Frankreich, Französisch-Polynesien, Ghana, Griechenland, Grönland, Guadeloupe (Französischen Antillen), Guinea, Indien, Iran, Israel, Italien, Japan, im Jemen, auf den Jungferninseln, Kamerun, Kanada, Kasachstan, Kenia, Kirgisistan, der Republik Kongo, Kolumbien, Libyen, Madagaskar, Mali, Malta, Marokko, Mexiko, Montserrat, Namibia, Neukaledonien, Neuseeland, Norwegen, im Oman, in Österreich, Pakistan, Papua-Neuguinea, Paraguay, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, der Westsahara, auf den Salomonen, Schweden, der Schweiz, Sierra Leone, der Slowakei, Spanien, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen, Südafrika, Südkorea, Tansania, Tschechien, der Türkei, Ukraine, in Ungarn, Usbekistan, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA). Darüber hinaus ist Augit Bestandteil einiger Steinmeteorite.

Erwähnenswert ist unter anderem die Fundstätte am Clear Lake in Ontario (Kanada), wo Kristalle mit bis zu 15 cm Größe zutage traten. Am Laacher See in Rheinland-Pfalz (Deutschland) wurden bis zu 5 cm große Kristalle gefunden.[7]

Augit wurde auch in Gesteinsproben des ostpazifischen Rückens gefunden -- sowie extraterrestrisch auf dem Mond (Mare Crisium, Mare Fecunditatis und Montes Taurus) und dem Mars (Valles Marineris) wurde Augit gefunden.[8]


Kristallstruktur[Bearbeiten]

Augit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe C2/c mit den Gitterparametern a = 9,69 Å; b = 8,84 Å; c = 5,28 Å und β = 106,3° sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Webmineral - Augite (englisch)
  2. a b Handbook of Mineralogy - Augite (englisch, PDF 78,1 kB)
  3. a b c Mindat - Augite (englisch)
  4. a b  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 620.
  5. a b  Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 719.
  6. Alte Mineralnamen und Synonyme (PDF 2,65 MB; S. 81)
  7.  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 233.
  8. Mindat - Localities for Augite

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Augit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien