Augsburg-Hochzoll

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Wappen von Augsburg
Hochzoll
Planungsraum (XII) von Augsburg
Lage des Planungsraums Hochzoll in Augsburg
Koordinaten 48° 21′ 10″ N, 10° 56′ 50″ O48.35277777777810.947222222222Koordinaten: 48° 21′ 10″ N, 10° 56′ 50″ O
Fläche 5,0888 km²
Einwohner 20.324 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 3994 Einwohner/km²
Postleitzahl 86163
Gliederung
Stadtbezirke
Quelle: Fläche[1] Einwohnerzahl[2]

Der Stadtteil Hochzoll liegt im Osten der Stadt Augsburg in Bayern. Er hat etwa 20.300 Einwohner, nimmt eine Fläche von 5,09 km² ein und ist der XII. Planungsraum Augsburgs, der aus den Stadtbezirken Hochzoll-Nord (24) und Hochzoll-Süd (31) besteht.

Lage[Bearbeiten]

Hochzoll wird im Norden von Lechhausen, im Westen vom Lech begrenzt, dessen Wasser auch den Kuhsee speist. Im Süden von Hochzoll liegt die Einöde Schwabhof. Im Osten grenzt Hochzoll direkt an Friedberg-West und an den Friedberger Baggersee. Einige Kilometer südlich von Hochzoll liegt Kissing.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ursprung geht auf einen Brückenschlag über den Lech im Jahr 980 zurück. Da der Lech die historische Grenze zwischen Oberbayern und Schwaben ist und der Brückenbau sehr teuer war, wurde Brückenzoll, der so genannte Hohe Zoll erhoben, von dem der Ortsname Hochzoll abgeleitet wurde. Wie aus der Stadtgründungsurkunde der Gemeinde Friedberg aus dem Jahr 1264 hervorgeht, war der Lech damals auch die Grenze zwischen Augsburg und Friedberg. Das Gebiet des heutigen Hochzoll gehörte bis 1818 zu Friedberg und wurde nach der Ausgliederung zunächst als Friedberger Au bezeichnet. Erst 1905 durfte die alte Bezeichnung Hochzoll wieder angenommen werden. Aufgrund der damaligen Zugehörigkeit zu Oberbayern wird auch heute noch Hochzoll Altbayern zugerechnet.

Die Geschichte des Stadtteils wurde von jeher stark vom Brückenbau geprägt. Im Jahre 1639 geht die Lechbrücke kriegsbedingt in Flammen auf und kann nur durch Zuschüsse der Reichsstadt Augsburg erneuert werden. 1646 geht bei der Belagerung Augsburgs durch Franzosen und Schweden die Brücke erneut in Flammen auf. Die zerstörte Brücke wird 1796 im Auftrag des französischen Generals Moreau von Augsburger Zimmerleuten neu errichtet. 1797 wird die Brücke von französischen Truppen abgebrannt, in den beiden Folgejahren erfolgt der Wiederaufbau. Im Jahre 1800 beschädigt bayrisches Militär die Brücke schwer, was zu einer sofortigen Reparatur führt. Nur wenige Jahre später erfolgt die komplette Erneuerung der Brücke. Ab 1803 werden die Auen östlich des Lechs zunehmend besiedelt, namentlich von protestantischen Kolonisten aus dem Nördlinger Ries. 1818 umfasst die Streusiedlung 24 Anwesen und wird aus Friedberg ausgegliedert. Hochzoll, Kolonie, Kolonie an der Lechbrücke und Einöden bilden nun die 172 Einwohner umfassende Landgemeinde Friedbergerau.

Im Rahmen des Baus der Bahnstrecke München–Augsburg wird 1839/40 von der München-Augsburger Eisenbahn-Gesellschaft eine hölzerne Eisenbahnbrücke errichtet. 1840 entsteht am Gutshof Stierhof die erste Hochzoller Bahnstation an der neuerrichteten Bahnlinie Augsburg-München. Im Jahre 1851 zerstört ein Hochwasser die Straßenbrücke. 1855 erbaut die Stadt Augsburg für den Straßenverkehr eine neue schwere Holzbrücke. 1862 wird die hölzerne Eisenbahnbrücke durch eine Fachwerkbrücke aus Stahl ersetzt. Im Jahre 1874 entsteht durch Anlage der Paartalbahn der Bahnhof Hochzoll, worauf sich die Einwohnerzahl durch Zuwanderung von Industriearbeitern auf 350 erhöht. 1877 wird die Einrichtung der Freiwilligen Feuerwehr Hochzoll fertiggestellt. 1878 stürzt die Straßenbrücke ein, da ein Hochwasser die Pfeiler unterspült hat. 50 Meter lechaufwärts wird eine Notbrücke errichtet. 1891 ersetzt eine eiserne Straßenbrücke die Behelfsbrücke, die 1878 errichtet wurde. Am 19. Januar 1905 nimmt die Landgemeinde Friedbergerau den überlieferten Namen Hochzoll an.[3] Beim Lechhochwasser 1910 wird das bisherige, aus Holz und Stein gebaute Lechwehr, der Hochablass zerstört und große Teile des Dorfes, sowie Lechhausen durch die Wasser beschädigt. Von der Wasserkraft abhängige Industrie und Handwerk in Augsburg kommt zum Erliegen, da die Lechkanäle vorübergehend kein Wasser führen können. Ein neues Wehr aus Stahlbeton entsteht am Lech.

1911 erfolgt die erste elektrische Straßenbeleuchtung. Am 1. Januar 1913 wird das inzwischen auf etwa 2.000 Einwohner angewachsene Dorf Hochzoll zusammen mit Lechhausen nach Augsburg eingemeindet.[4] 1915 und 1916 wird ein neues Schulgebäude "Holzerbau" errichtet. 1926 ersetzt eine neue Stahlbogenkonstruktion die Gitterbrücke der Eisenbahn. Diese „neue“ Brücke wird bis 2002 benutzt. 1928 Neubau einer 120 Meter langen Stahlbetonbrücke, die 1990 erneuert wird. 1929 wird Hochzoll an das Stadtgasnetz angeschlossen. Im Jahre 1934 wird die Straßenbahnlinie 6 auf der Friedberger Straße über die Lechbrücke bis zur Zugspitzstraße gebaut (Eröffnung am 9. Mai 1934), 1960 wird sie allerdings durch Stadtbusse ersetzt. 1944 fallen mehrere Häuser den Bomben zum Opfer. Am 28. April 1945 rollt die US-Armee ungehindert durch Hochzoll in Richtung Friedberg. 1946 finden Kriegsflüchtlinge in Hochzoll eine neue Heimat. 1954 steigt die Einwohnerzahl über 5.000 Einwohner. 1957 erfolgt die Grundsteinlegung des Europadorfes. 1969 wird Hochzoll in Nord und Süd geteilt. Ab 1970 neigt sich die Besiedlung Hochzolls mit der Errichtung der Wohnanlagen südlich der Oberländerstraße ihrem Ende entgegen. 1972 wird im Rahmen der Baumaßnahmen des Eiskanals anlässlich der Olympischen Spiele das beliebte Hochzoller Naherholungsgebiet, der neue Kuhsee angelegt. Die vorher am Holbein-Gymnasium eingerichteten Behelfsklassen der 5.-8. Jahrgangsstufe werden an das nun fertiggestellte Rudolf-Diesel-Gymnasium verlegt. Derzeit besuchen über 1.000 Schüler dieses Gymnasium. Am 16. September 1976 nimmt das Rudolf-Diesel-Gymnasium an der Friedberger Straße seinen Lehrbetrieb auf. Am 12. März 2007 wurde der Neubau am Rudolf-Diesel Gymnasiums eröffnet und dient nun als Mensa für die vielen Schüler. 1990 erfolgt der Neubau der Straßenbrücke. In den Jahren 2000 bis 2003 wurde die 1926 erbaute Eisenbahnbrücke im Zuge des viergleisigen Ausbaus der Bahnstrecke München–Augsburg durch zwei neue Stahlbogenbrücken ersetzt.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Hauptverkehrsachse von Augsburg-Hochzoll ist die Bundesstraße 300, die im Bereich Hochzoll zugleich die Bundesstraße 2 darstellt. Letztere biegt im Osten von Hochzoll nach Süden ab und bildet die Grenze zwischen Hochzoll und Friedberg West.

Die Afrabrücke über den Lech bildet die Verbindung zur Innenstadt. Etwa 200 m südlich der Straßenbrücke überquert auch die Eisenbahnstrecke Augsburg-München den Lech. Östlich der Brücke befindet sich der Bahnhof Augsburg-Hochzoll, in dem die Paartalbahn nach Ingolstadt von der Hauptstrecke abzweigt. Diese Nebenstrecke verläuft weiterhin etwa parallel zur B 300, während die sich Hauptstrecke in einer langgezogenen Kurve nach Süden Richtung München und in die Ammerseeregion wendet. Mit dem Fuggerexpress hat man eine gute Anbindung nach München (Fahrzeit ca. 30 Minuten). Mit der Bayerischen Regiobahn hat man eine Direktanbindung in Richtung Ammersee.

Der öffentliche Nahverkehr in Augsburg wird von mehreren Buslinien der Augsburger Verkehrsgesellschaft und Regionalbuslinien bedient. Seit Dezember 2010 ist außerdem die Straßenbahnlinie 6 in Betrieb, die von Hochzoll zum Hauptbahnhof Augsburg bzw. nach Friedberg-West führt. Geplant ist die Erweiterung der Straßenbahnlinie 1, welche dann vom neuen Ostfriedhof (nördlich an Hochzoll angrenzend) über die Zugspitzstraße bis zur Linie 6 und dem Hochzoller Bahnhof führen wird.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Michael Friedrichs (Hg.): Hochzoll, Seit 100 Jahren ein Stadtteil von Augsburg. Wißner-Verlag, Augsburg 2013, ISBN 978-3-89639-908-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Augsburg-Hochzoll – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Strukturatlas der Stadt Augsburg 2013. 31. Dezember 2013, abgerufen am 21. Juni 2014 (PDF).
  2. Statistik Augsburg interaktiv. 31. Dezember 2013, abgerufen am 21. Juni 2014.
  3.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7. Seite 465
  4.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7. Seite 600