Augsburg-Kriegshaber

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen von Augsburg
Kriegshaber
Planungsraum (VII) von Augsburg
Lage des Planungsraums Kriegshaber in Augsburg
Koordinaten 48° 22′ 36″ N, 10° 51′ 30″ O48.37666666666710.858333333333Koordinaten: 48° 22′ 36″ N, 10° 51′ 30″ O
Fläche 4,5106 km²
Einwohner 17.146 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 3801 Einwohner/km²
Postleitzahl 86156
Gliederung
Stadtbezirke
  • 18 Kriegshaber
Quelle: Fläche[1] Einwohnerzahl[2]

Kriegshaber ist ein Stadtteil im Westen von Augsburg mit etwa 17.200 Einwohnern und ist der VII. Planungsraum Augsburgs, der wiederum aus dem gleichnamigen 18. Stadtbezirk besteht.

Lage[Bearbeiten]

Im Norden grenzt Bärenkeller, im Osten Oberhausen, im Süden Pfersee, sowie im Westen die Städte Neusäß und Stadtbergen an Kriegshaber.

Geschichte[Bearbeiten]

Erste Besiedlungsspuren durch Kelten sind durch Funde aus der Hallstattzeit spätestens seit 500 v. Chr. bekannt. Die Gründung des Dorfes ist mit einiger Gewissheit in das 6. oder 7. Jahrhundert zu datieren, wie ein nachgewiesenes alemannisches Gräberfeld nahelegt.

Um das Jahr 1000 wurde Kriegshaber erstmals unter dem Namen Chrechesavar erwähnt, es folgten mehrere Abwandlungen. Seit 1550 war die Gemeinde schließlich unter dem Namen Kriegshaber bekannt. Nach der Vertreibung der Juden aus Augsburg im 15. Jahrhundert fanden viele von ihnen in „Kriechshabern“, wie der Ort um 1428 hieß, eine neue Heimat. Sie betätigten sich hauptsächlich als Händler. Durch die Synagoge Kriegshaber in der Ulmer Straße und den im Jahr 1627 erstmals erwähnten jüdischen Friedhof ist ihre Anwesenheit noch heute belegt.

Bis zum Jahr 1805 war der Ort Teil der habsburgischen Markgrafschaft Burgau und lag somit in Vorderösterreich, woran das Gebäude „Zollhaus“ erinnert. 1807 wurde darin die erste eigene Schule eröffnet. 1868 wurde die katholische Kirche Heiligste Dreifaltigkeit geweiht. Die Freiwillige Feuerwehr Kriegshaber wurde 1874 gegründet. Ein eigenes Krankenhaus feierte im Jahr 1885 Eröffnung. Bereits 1910 erweiterte man die Augsburger Straßenbahn nach Kriegshaber.

Während des Ersten Weltkriegs wurde die bisher selbstständige Gemeinde zum 1. April 1916 wegen Überschuldung, in die sie insbesondere durch Ausgaben für das Schul- und Armenwesen geraten war, in die Stadt Augsburg einverleibt, wie es damals genannt wurde.[3] Außerdem befürchtete man den Ausbruch von Seuchen, da es weder eine Trinkwasserversorgung noch eine Abwasserkanalisation in Kriegshaber gab. Die Industrialisierung hatte sich im Gegensatz zu Augsburg obendrein nicht gut entwickelt, da es beispielsweise an der in Augsburg eingesetzten Wasserkraft fehlte. So bat man freiwillig um eine Eingemeindung und wurde nicht wie beispielsweise vorher Lechhausen oder später Haunstetten mit Gewalt in die Stadt eingegliedert. Das neu zur Stadt Augsburg hinzugekommene Gebiet wurde schnell als Wohngebiet erschlossen.

Als Folge der Eingemeindung wurde eine Strom- und Trinkwasserversorgung, sowie Kanalisation installiert. Die eingebrachten Flächen nutzten der Stadt, war hier doch Platz um das Westkrankenhaus, eine Kinderklinik und später das Zentralklinikum Augsburg zu errichten.

Das deutsche NCR-Hauptquartier in Augsburg, 2005

NCR verlegte 1945 seinen deutschen Hauptsitz in den Augsburger Stadtteil Kriegshaber, da die bisherige deutsche Unternehmensvertretung in Berlin nun in der sowjetischen Besatzungszone lag. Den Wettbewerb zur Planung der Verwaltungsgebäude und der Produktionsgebäude gewann der Augsburger Architekt Carl Weber.

Die älteste Kirche in Kriegshaber ist die Dreifaltigkeitskirche. Sie wurde 1866/67 von Max Treu erbaut. Die dreischiffige Basilika besitzt einen eingezogenen Chor und ein Querhaus. Der nördliche Turm ist mit Spitzhelm versehen. 1945 wurde die Dreifaltigkeitskirche zerstört und 1950 durch Michael Kurz wiederaufgebaut. Die katholische Kirche St. Thaddäus, in Richtung Stadtzentrum gelegen, deren Bau während des Zweiten Weltkriegs begann, wurde 1948 geweiht und 1956 mit der Weihe der sechs Glocken endgültig fertiggestellt. 1961 konnte die evangelische Kirche St. Thomas – Architekt Olaf Andreas Gulbransson – geweiht werden. Sie steht am Nordrand des Osterfeldparks, der nach dem Bau der Umgehungsstraße auf dem ehemaligen Fußballplatz des TSV Kriegshaber angelegt wurde.

Der Stadtteil war lange Zeit durch Kasernen und Militärgelände geprägt. Die ehemaligen Wehrmachtskasernen wurden 1945 von der US-Armee übernommen und bildeten die US-Garnison Augsburg. Diese Bestand aus der Flak-Kaserne im Westen Kriegshabers, der Reese-Kaserne im Zentrum und der Sheridan-Kaserne im Süden im Stadtteil Pfersee. Auf dem „Großen Exerzierplatz“ entstanden große Wohnsiedlungen für amerikanische Soldaten und Offiziere. Als Folge des Ende des Kalten Krieges hat die US-Armee Augsburg vollständig verlassen und die Gebäude und Flächen werden nach und nach umgewidmet. Es entstanden Neubaugebiete und die Einwohnerzahl ist stark gestiegen. Gleichzeitig wurde Kriegshaber durch den Zuzug vieler Familien der Stadtteil mit dem niedrigsten Altersdurchschnitt.

Verkehr[Bearbeiten]

Durch Kriegshaber führen die Bundesstraßen 300 von Westen nach Osten und 17 von Norden nach Süden, die im Bereich des Stadtteils autobahnähnlich ausgebaut ist.

Der öffentliche Nahverkehr wird durch eine Straßenbahnlinie, eine Stadtbuslinie und Regionalbuslinien erbracht. Anschluss an den Nahverkehr der Deutschen Bahn besteht am Bahnhof Oberhausen.

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Vereine & Organisationen[Bearbeiten]

  • TSV Kriegshaber - Fußball- und Turnverein
  • FF Kriegshaber - Freiwillige Feuerwehr Kriegshaber
  • KF Kriegshaber - Kolpingsfamilie Augsburg-Kriegshaber
  • BRK Kriegshaber - Bayrisches Rotes Kreuz Bereitschaft/Kameradschaft im Stadtteil Kriegshaber
  • Schachklub Kriegshaber im Alten Zollhaus / Kinder und Jugendschach in Kriegshaber

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Strukturatlas der Stadt Augsburg 2013. 31. Dezember 2013, abgerufen am 21. Juni 2014 (PDF).
  2. Statistik Augsburg interaktiv. 31. Dezember 2013, abgerufen am 21. Juni 2014.
  3.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7. Seite 600

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Augsburg-Kriegshaber – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien