Augsburg Hauptbahnhof

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Augsburg Hauptbahnhof
Bahnhofsgebäude Augsburg.JPG
Empfangsgebäude des Augsburger Hauptbahnhofs
Daten
Kategorie 2
Betriebsart Durchgangsbahnhof
Bahnsteiggleise 12
Abkürzung MA
IBNR 8000013
Eröffnung 1. Juli 1846
Webadresse stationsdatenbank.de
Architektonische Daten
Baustil Klassizismus
Architekt Eduard Rüber
Umbau (1869): Friedrich Bürklein
Lage
Stadt Augsburg
Land Bayern
Staat Deutschland
Koordinaten 48° 21′ 56″ N, 10° 53′ 11″ O48.36555555555610.886388888889Koordinaten: 48° 21′ 56″ N, 10° 53′ 11″ O
Höhe (SO) 490 m
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Bayern
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Der Hauptbahnhof Augsburg ist der zentrale Knotenbahnhof für den Großraum Augsburg und Bayerisch-Schwaben. Täglich verkehren hier über 50.000 Reisende und etwa 1.000 Züge im Fern-, Regional- und Güterverkehr. Er verfügt über das älteste noch im Betrieb befindliche Bahnhofsgebäude einer deutschen Großstadt. Er wurde in den Jahren 1843 bis 1846 nach den Entwürfen von Eduard Rüber erbaut. Sein heutiges Erscheinungsbild im Stil des romantischen Spätklassizismus erhielt er ab 1869 durch die Pläne von Friedrich Bürklein. Es gibt neun Hauptgleise, über 450 Weichen und mehr als 250 Signale. Das Stellwerk wurde 1972 zu den Olympischen Spielen in München für 40 Mio. DM erbaut.

Aufbau[Bearbeiten]

Der erste Augsburger Bahnhof wurde von der München-Augsburger Eisenbahn-Gesellschaft nahe dem Roten Tor erbaut. Seine historische Halle fungierte 1880 als militärische Reithalle und beherbergt seit 1920 Teile der Hauptwerkstatt der Verkehrsabteilung der Stadtwerke Augsburg.[2] Beim Augsburger Hauptbahnhof handelt es sich um einen Durchgangsbahnhof mit vier nicht barrierefreien Mittelbahnsteigen und neun Durchgangsgleisen sowie sechs weiteren Stumpfgleisen. Das Gleis 1 befindet sich direkt auf der Rückseite des Bahnhofgebäudes an einem eigenen Bahnsteig.

Bahnhofsgebäude[Bearbeiten]

Bahnhofsgebäude
Tafel über dem Eingang

Das Bahnhofsgebäude ist eine Dreiflügelanlage. Im erhöhten Mittelbau befindet sich die Bahnhofshalle mit elektronischen Anzeigesystemen, Fahrkartenautomaten, einem Informationsstand und Wartemöglichkeiten. Im einen Seitenflügel ist das Kundenzentrum der Deutschen Bahn mit Fahrkartenschaltern untergebracht, im anderen Seitenflügel sind ein Gastronomie- und Shoppingbereich sowie die Bahnhofsbuchhandlung zu finden.

Das Gebäude wurde 1845 erbaut und ist damit "das älteste Bahnhofs-Empfangsgebäude in einer Großstadt der Bundesrepublik, das noch in Betrieb ist" (Inschrift einer Tafel über dem Eingang). Von 1869 bis 1871 hat der Architekt Friedrich Bürklein das Gebäude im Stil des romantischen Spätklassizismus umgebaut.

Die letzte umfangreiche Renovierung und Modernisierung erfuhr das Bahnhofsgebäude in den Jahren 1983/84. Bis 2007 wurde vor allem der Gastronomiebereich um- und ausgebaut sowie eine neue digitale Anzeigetafel in der Haupthalle installiert. 2011/2012 wurde der Südflügel renoviert, der Wartebereich für Reisende und der Gastronomiebereich weiter vergrößert.

Der Hauptbahnhof im Überblick von Süden
Der Hauptbahnhof im Überblick von Norden

Bahnhofsumfeld[Bearbeiten]

Direkt vor dem Gebäude befindet sich ein großer Vorplatz mit einem Brunnen, einem Parkplatz mit Taxistand und einem Busbahnhof für Regionalbusse. Der Platz wird beiderseits von Einkaufszentren flankiert: Auf der einen Seite befindet sich das Fuggerstadt-Center, auf der anderen das Bohus-Center mit dem InterCityHotel. Seit 2014 dominiert die Baustelle zur Untertunnelung des Hauptbahnhofs sowie die dazu gehörende Baustelleneinrichtungsfläche den Bahnhofsvorplatz.

Westlich des Personenbahnhofes befindet sich der Güter- und ehemalige Rangierbahnhof, der heute allerdings kaum noch genutzt wird (siehe dazu Güterverkehr). Im Süden, dem ehemals „inneren Ladehof“ waren zahlreiche alte und zumeist leerstehende Gebäude zu finden, welche 2013 abgerissen wurden (siehe dazu Zukunft). Ebenfalls direkt im südlichen Anschluss des Bahnhofsgebäudes befindet sich das im Mai 1972 eingeweihte Zentralstellwerk und das Gebäude der Bundespolizei.

Verkehr[Bearbeiten]

Fernverkehr[Bearbeiten]

Stationsschild am Augsburger Hauptbahnhof

Der Fernverkehrsbahnhof Augsburg bildet das eine Ende der meistbefahrenen Zugstrecke Deutschlands, der Schnellfahrstrecke Augsburg–München (Teil der Bayerischen Maximiliansbahn). Neben Intercity-, EuroCity- und City Night Line-Zügen verteilen sich hier die Intercity-Express-Züge aus München in Richtung Stuttgart und Nürnberg. Außerdem wird der Bahnhof vom französischen TGV bedient.

Diese Strecke befindet sich zurzeit im Ausbau zu einer viergleisigen Hochgeschwindigkeitsstrecke (seit Sommer 2011 nur noch Restarbeiten; aber durchgängig befahrbar). Sie soll zusammen mit der Neu- und Ausbaustrecke Stuttgart–Augsburg Teil der Europäischen Hochgeschwindigkeitsmagistrale von Paris über Straßburg, Karlsruhe, Stuttgart, Ulm nach München, Salzburg und schließlich Wien sein.

Im Zusammenhang mit der Eröffnung der Schnellfahrstrecke Nürnberg–Ingolstadt–München im Juni 2006 und deren vollständiger Einbindung in das deutsche ICE-Netz zum Fahrplanwechsel im Dezember 2006 wurde ein Teil der ICE-Züge – 30 von 120 bis dahin in Augsburg haltenden Fernzügen[3] – Richtung Norden über Ingolstadt statt Augsburg geführt. Als Ersatz für einige Fernzüge wurde der Allgäu-Franken-Express mit vier täglichen Zugpaaren und ICE-ähnlicher Fahrzeit zwischen Nürnberg und Augsburg geschaffen.

Um 2006 wurden etwa 10.000 Reisende pro Tag im Fernverkehr in Augsburg gezählt. Mit 90 Fernzughalten pro Tag sei die drittgrößte Stadt Bayerns, laut Bahnangaben, gemessen an der Zahl der Fernzughalte, die drittbedeutendste in Bayern gewesen.[3]

Mit Inbetriebnahme der Neubaustrecken zwischen Ebensfeld (Nürnberg) und Erfurt sowie zwischen Erfurt und Halle/Leipzig sollen (Stand: September 2010) ICE-Züge von Augsburg Richtung Berlin über Halle geführt werden.[4]

Folgende Fernverkehrslinien verkehren im Augsburger Hauptbahnhof:

Linie Streckenverlauf Taktfrequenz
ICE 11 Berlin OstbfBerlin HbfBraunschweigHildesheimGöttingenKassel-WilhelmshöheFuldaFrankfurt HbfMannheimStuttgartUlmAugsburgMünchen zweistündlich
ICE 25 Hamburg-AltonaHamburg Hbf Hannover – Göttingen – Kassel-Wilhelmshöhe – Fulda – Würzburg – (Nürnberg –) Augsburg – München zweistündlich
(Oldenburg –) Bremen
ICE 28 (Hamburg-Altona – Hamburg Hbf –) Berlin – LeipzigJena Paradies – Nürnberg – Augsburg – München zweistündlich
ICE 42 (Hamburg-Altona – Hamburg Hbf – Bremen – Münster –) DortmundEssenDuisburgDüsseldorfKölnFrankfurt Flughafen – Mannheim – Stuttgart – Ulm – Augsburg – München zweistündlich
TGV 83 München – Augsburg – Ulm – Stuttgart – KarlsruheStrasbourgParis Est ein Zugpaar
RJ 90 Budapest Keleti puWien WestbfSalzburg – München – Augsburg – Ulm – Stuttgart – Mannheim – Frankfurt Flughafen – Frankfurt Hbf (– Wiesbaden) ein Zugpaar
zweimal wöchentlich
IC 26 Hamburg-Altona – Hamburg Hbf – Hannover – Göttingen – Kassel-Wilhelmshöhe – Fulda – Würzburg – Augsburg München Hbf ein Zugpaar
München OstBerchtesgaden ein Zugpaar
Oberstdorf
IC 28 Berlin – Leipzig – Nürnberg – Augsburg – München zwei Zugpaare
EC 32 Dortmund / Münster – Essen – Duisburg – Düsseldorf – Köln – BonnKoblenzMainz – Mannheim – Heidelberg – Stuttgart – Ulm – Augsburg – München – Salzburg – Klagenfurt ein Zugpaar
IC 60 (Strasbourg –) Karlsruhe – Stuttgart – Ulm – Augsburg – München (– Salzburg) zweistündlich
EC/IC 62 Frankfurt Hbf – Heidelberg – Stuttgart – Ulm – Augsburg – München – Salzburg (– Klagenfurt / Graz / Linz) zweistündlich
Saarbrücken – Mannheim –
CNL Pollux / Cassiopeia:
AmsterdamArnhem – Duisburg – Düsseldorf – Köln – Bonn – Koblenz – Stuttgart – / Paris Est – Metz – Saarbrücken – Stuttgart – Ulm – Augsburg – München (– Kufstein – Innsbruck)
ein Zugpaar
CNL Capella / Pyxis:
Hamburg-Altona – Hamburg Hbf – Bremen – Hannover – Augsburg – / Berlin-Lichtenberg – Berlin Hbf – Magdeburg – Braunschweig – Hildesheim – Augsburg – München
ein Zugpaar

Im Sommerfahrplan 1939 verkehrten regelmäßig 87 Fernzüge pro Tag über den Hauptbahnhof.[5]

Regionalverkehr[Bearbeiten]

Vom Augsburger Hauptbahnhof aus verkehren Regionalexpress- bzw. Regionalbahn-Züge nach Bad Wörishofen, Donauwörth, Füssen, Hergatz, Ingolstadt, Landsberg, Lindau, München, Nürnberg, Oberstdorf, Schongau, Treuchtlingen, Ulm und Weilheim. Vor allem auf der Strecke nach München kommt es durch den starken Pendlerverkehr regelmäßig zu überfüllten Zügen, weshalb hier bis zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2009 Züge mit Doppelstockwagen eingesetzt wurden, die fast 1.000 Passagiere befördern können. Seitdem bewältigen die Elektrotriebwagen der BR 440 des so genannten Fugger-Express den auf S-Bahn-Dichte ausgeweiteten Regionalverkehr zwischen Augsburg und München. Zahlreiche technische Pannen an den unausgereiften Fahrzeugen hatten den ursprünglichen Betriebsbeginn des neuen Triebwagenverkehrs um ein ganzes Jahr verzögert. Ab Dezember 2008 löste zwischen Augsburg und Weilheim die Bayerische Regiobahn die DB Regio ab; ab Dezember 2009 übernahm die Bayerische Regiobahn auch den Betrieb zwischen Augsburg Hbf und Ingolstadt Hbf.

Zuggattung AVV-Linie Streckenverlauf Taktfrequenz
RE R1 / R6 / R4 Fugger-Express:
MünchenMeringAugsburgUlm / (Treuchtlingen)
stündlich
RE / RB R1 / R6 / R4 Fugger-Express:
München – Mering – Augsburg – Dinkelscherben / Donauwörth
stündlich
RE R4 Augsburg – Donauwörth – Treuchtlingen – Nürnberg zweistündlich
RE Allgäu-Franken-Express:
NürnbergAugsburgBuchloeKaufbeurenKempten (Allgäu) – Immenstadt – Lindau / Oberstdorf
zweistündlich
RE Augsburg – Buchloe – Kaufbeuren – Kempten (Allgäu) – Immenstadt – Lindau / Oberstdorf
RE R7 Augsburg – Buchloe zweistündlich
RE R7 Kneipp-Lechfeld-Bahn:
Augsburg – Buchloe – Türkheim (Bay) (Flügelung) – Bad Wörishofen / – MindelheimMemmingen
zweistündlich
RB R4 Augsburg – Meitingen (– Donauwörth) stündlich
RB R6 Augsburg – Gessertshausen (– Dinkelscherben) einzelne Züge in der
Hauptverkehrszeit
RB R7 Augsburg – Buchloe – Kaufbeuren – Biessenhofen – Marktoberdorf – Füssen zweistündlich
RB R7 AugsburgBobingen – Buchloe (– Kaufbeuren – Biessenhofen – Marktoberdorf) zweistündlich
RB R7 Augsburg – Bobingen (einzelne Züge: – Schwabmünchen – Buchloe) stündlich
RB R8 Kneipp-Lechfeld-Bahn:
Augsburg – Bobingen – KauferingLandsberg (Lech)
stündlich
BRB R11 Augsburg-OberhausenAugsburg – Mering – GeltendorfWeilheimSchongau stündlich
BRB R11 (Augsburg-Oberhausen –) Augsburg – Mering (– Geltendorf) stündlich in der
Hauptverkehrszeit
BRB R2 Augsburg – Friedberg (b Augsburg) – Aichach (stündlich:Ingolstadt) halbstündlich
BRB R2 Augsburg – Friedberg (b Augsburg) halbstündlich

Bus- und Straßenbahnverkehr[Bearbeiten]

Der Augsburger Hauptbahnhof dient als einer der zentralen Knotenpunkte der Stadt. Zahlreiche Linien des Augsburger Verkehrsverbundes werden hier bedient.

Diese sind an zwei Orten zu erreichen: In der nahegelegenen Bahnhofstraße befindet sich die Haltestelle Hauptbahnhof für folgende Linien:

  • Straßenbahnlinie 3: Richtung Pfersee und Stadtbergen
  • Straßenbahnlinie 4: Richtung Königsplatz, Oberhausen und P+R Augsburg Nord
  • Straßenbahnlinie 6: Richtung Königsplatz, Hochzoll und P+R Friedberg West

In der Viktoriastraße befinden sich die Haltestellen der Linien:

  • Straßenbahnlinie 3: Richtung Königsplatz, Universität und Haunstetten West
  • Buslinien 22 und 23: Richtung Firnhaberau
  • Buslinie 32: Richtung Klinikum/BKH bzw. Königsplatz und Zoo/Botanischer Garten
  • Buslinie 43: Richtung Diakonissenhaus bzw. Anna-Hintermayr-Stift
  • Nachtbuslinie 91: Richtung Steppach, Stadtbergen, Leitershofen, Königsplatz und Oberhausen
  • Nachtbuslinie 93: Richtung Lechhausen, Hammerschmiede, Firnhaberau bzw. Königsplatz und Hochzoll/Süd

Alle genannten Linien, außer der Linie 43, die von der Firma Storz bedient wird, werden von der Augsburger Verkehrsgesellschaft bedient.

Direkt auf dem Bahnhofsvorplatz ist ein Busbahnhof mit mehreren Bussteigen zu finden. Dort beginnen/enden insgesamt 22 Regionalbuslinien, die von dort aus in alle Himmelsrichtungen verkehren und teilweise bis in den letzten Winkel des Tarifgebietes des AVV führen.

Daneben dient der Bahnhof im Tarifgebiet des Augsburger Verkehrsverbundes als zentraler Umstiegsplatz.

Während des Königsplatz-Umbaus (20. März 2012 bis 14. Dezember 2013) in Augsburg wurde der Hauptbahnhof von folgenden Linien angefahren:

  • Ersatzbuslinie B1: Richtung Göggingen bzw. Königsplatz und Moritzplatz
  • Ersatzbuslinie B11: Richtung Moritzplatz (nur vom 09.09.2013 bis 14.12.2013)
  • Ersatzbuslinie B3: Richtung Pfersee und Stadtbergen bzw. Königsplatz und Rotes Tor
  • Buslinie 22 und 23: Richtung Königsplatz und Firnhaberau
  • Buslinie 32: Richtung Klinikum/BKH bzw. Königsplatz, Rotes Tor und Zoo/Botanischer Garten
  • Buslinie 43: Richtung Diakonissenhaus bzw. Königsplatz, Rotes Tor und Anna-Hintermayr-Stift
  • Nachtbuslinie 91: Richtung Steppach, Stadtbergen, Leitershofen, Moritzplatz und Oberhausen
  • Nachtbuslinie 97: Richtung Friedberg (b Augsburg), Hochzoll, Herrenbach, Moritzplatz und Göggingen

Bei den Regionalbuslinien gab es keine Änderungen.

Güterverkehr[Bearbeiten]

Der Hauptbahnhof von Westen aus: Im Vordergrund der Rangierbahnhof, rechts neben dem alten Gebäude das Stellwerk

Westlich des Personenbahnhofs befindet sich der zu weiten Teilen zurückgebaute Rangierbahnhof von Augsburg, der sich in drei Bereiche gliedert. Der Rangierbahnhof Süd beginnt am Bahnhof Morellstraße und erstreckt sich bis hin zum Ablaufberg. Der mittlere Teil besteht aus der Gleisharfe und den östlichen Stich- und Ladegleisen. Daran schließt sich der Rangierbahnhof Nord an, der die Gleise wieder auf die Hauptstrecke zurückführt.

Der Rangierbahnhof dient heute nur mehr zur Bedienung des örtlichen Güterverkehrs (zusammen mit der Augsburger Localbahn) oder als Abstellanlage für Wagen und Lokomotiven. Des Weiteren wurden auch Gleisbaufahrzeuge dort stationiert. Die Stich- und Ladegleise südöstlich vom Hauptbahnhof/ Morellstraße und Haunstetterstraße sind zum Teil so zurückgebaut worden, dass sich eine Durchfahrt von Güterzügen auf circa alle drei Stunden begrenzt hat. Grund dieses enormen Güterwagenverkehrsrückganges ist die Verlagerung der Wagenumstellungen nach Nürnberg Rbf und München Nord Rbf.

Für erhebliche Kritik sorgte die Aussage des Chefs der DB Netz Augsburg, Axel Boss, den Güterverkehr zukünftig mit einer Geschwindigkeit von bis zu 80 km/h durch die zentral im Bahnhof gelegenen Gleise 5 und 7 zu führen. Kritiker dieser Maßnahme favorisieren weiterhin eine Verlegung des Güterverkehrs auf die Gleisharfe westlich der Personenbahnsteige, vor allem weil in naher Zukunft von einem gesteigerten Güterverkehrsaufkommen von bis zu zwölf Güterzügen pro Stunde zu rechnen ist, wodurch der Aufenthaltskomfort am Bahnhof erheblich eingeschränkt wird und Lärmschutzmaßnahmen zum Schutz wartender Passagiere am Bahnsteig nicht geplant sind. Als problematisch wird diese Lösung auch deshalb gesehen, weil die anstehende Sanierung der Bahnsteige sowie die Erweiterung des Bahnhofs um den sechsten Bahnsteig F aus Fördergeldern für den regionalen Personennahverkehr unterstützt werden. Kritiker werfen der Bahn deshalb vor, das eine Erweiterung des Bahnhofs unnötig wäre, wenn die Gleise 5 und 7 weiterhin für den Personenverkehr nutzbar wären und somit eine Subventionierung des Güterverkehrs auf Kosten des regionalen Personennahverkehrs erfolgt.[6]

Zukunft[Bearbeiten]

Mobilitätsdrehscheibe Hauptbahnhof[Bearbeiten]

Hauptartikel: Mobilitätsdrehscheibe Augsburg

Unter dem Projekt „Mobilitätsdrehscheibe Augsburg“ sind mehrere bauliche Maßnahmen zusammengefasst, die sowohl das Gebäude an sich als auch das direkte Umfeld des Bahnhofs erheblich modernisieren und ausbauen sollen. Bis Ende 2009 wurde der Eingangsbereich vergrößert und bereits Zugänge zum künftigen Straßenbahntunnel vorgesehen.

Barrierefreier Ausbau des Bahnhofs[Bearbeiten]

Der Augsburger Hauptbahnhof ist für Gehbehinderte grundsätzlich unzugänglich. Es gibt weder Rolltreppen noch Aufzüge in der Bahnhofshalle oder auf den Bahnsteigen. Die Bahnhofshalle ist zwar durch eine Rampe für Rollstuhlfahrer im Prinzip zu erreichen, sämtliche Bahnsteige mit Ausnahme von Gleis 1 sind aber durch einen Tunnel zu betreten, zu dem bisher nur Treppen führen. Er soll vor allem durch seine gewachsene Bedeutung barrierefrei ausgebaut werden. Hier sollen Aufzüge und Aufzüge Abhilfe schaffen, so dass am Ende der Maßnahmen alle Gleise barrierefrei zu erreichen sind.

Erweiterung der Bahnsteige[Bearbeiten]

Schon heute besitzt der Bahnhof neben den regulären Gleisen 1 bis 9 drei weitere „Zwischengleise“ (101, 501 und 801 benannt), die an den Enden der Bahnsteige von Gleis 1, 5 bzw. 8 zu finden sind. Für eine mögliche S-Bahn für den Großraum Augsburg wären die Kapazitäten der heute vorhandenen Bahnsteige endgültig überschritten, unter anderem, weil die Bahnsteige 5 und 7 zentral im Bahnhof zukünftig ausschließlich für Güterverkehrsdurchfahrten reserviert werden sollen. Deshalb soll ein sechster Bahnsteig mit den Gleisen 10 und 11 dieses Problem beseitigen. Dieser neue Bahnsteig ist außerdem für die Verwirklichung der Umbaumaßnahmen unabdingbar.

Bau einer unterirdischen Straßenbahnhaltestelle[Bearbeiten]

Hauptartikel: Straßenbahn Augsburg

Zeitgleich mit dem Umbau des Tunnels unter den Gleiskörpern, von dem aus die Bahnsteige betreten werden, soll ein weiterer Tunnel eine Ebene tiefer gebohrt werden, in dem sich dann eine Straßenbahnhaltestelle befindet. Der Zugang soll durch die Treppen und Aufzüge erfolgen, die auch zu den Bahnsteigen führen.

Anschließend sollen die Linienpläne der Augsburger Straßenbahnen so verändert werden, dass dann vier der zukünftig sechs Linien (momentan bestehen nur fünf; die Linie 5 ist in der Planungsphase) den Hauptbahnhof im 5-Minuten-Takt anfahren und so für eine optimale Verzahnung von Nah-, Regional- und Fernverkehr sorgen.

Im Nahverkehrsplan fixiertes Zielnetz der „S-Bahn Augsburg“

Einführung eines S-Bahn-ähnlichen Regionalverkehrs[Bearbeiten]

Hauptartikel: S-Bahn Augsburg

Um das Augsburger Umland besser an sein Oberzentrum anzubinden, wird eine S-Bahn Augsburg aufgebaut, die allerdings erst in ferner Zukunft vollständig werden wird. Als Vorläuferverkehr zur S-Bahn ist die teilweise Einführung eines verdichteten Taktfahrplans im Bahnnahverkehr des Großraums Augsburg zu sehen. Dieser so sogenannte „Regio-Schienen-Takt Augsburg“ wurde seit 2007 stufenweise auf den einzelnen Bahnstrecken eingeführt. Hierbei werden die Nachbarstädte (vor allem Mering, Friedberg (b Augsburg), Meitingen, Bobingen und Gessertshausen) und alle Bahnhöfe im Stadtgebiet zu den Hauptverkehrszeiten und teilweise darüber hinaus im 15-Minuten-Takt bedient.

Maßnahmen im Bahnhofsumfeld[Bearbeiten]

Im direkten Umfeld des Bahnhofs sind ebenfalls Umbaumaßnahmen in Planung: Der Bahnhofsvorplatz, der heutzutage einen ständig überfüllten Parkplatz sowie einen Busbahnhof für Regionalbusse des Augsburger Verkehrsverbundes beherbergt, soll durch bauliche Maßnahmen verschönert und modernisiert werden.

Auf der Südseite des Bahnhofs befanden sich bis zum Abriss im Juli 2013 etliche leerstehende Hallen und Gebäude. Hier soll ein neues Stadtviertel entstehen. Pläne für eine Multifunktionsarena an dieser Stelle, unter anderem für die Heimspiele des DEL-Eishockeyvereines Augsburger Panther, wurden verworfen.

Durch die unterirdische Straßenbahnhaltestelle werden ferner in den umliegenden Straßen neue Rampenbauwerke nötig, über welche die einzelnen Straßenbahnen wieder an die Erdoberfläche zurückkehren können.

Stand der Maßnahmen[Bearbeiten]

Im Dezember 2011 wurde der Planfeststellungsbeschluss für den Umbau des Hauptbahnhofs erlassen, so dass die vorbereitenden Arbeiten im Jahr 2012 beginnen können.[7][8] Am 4. August 2012 begannen Umbauarbeiten des Hauptbahnhofes, die bis 2019 dauern sollen.

Die Straßenbahnlinie 6 wurde mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2010 in Betrieb genommen, die Linie 5 befindet sich noch in der Planungsphase. Weitere Maßnahmen hängen eng mit dem Fortgang der Neugestaltung des Augsburger Königsplatzes zusammen. Der Augsburger Stadtrat hat am 16. Dezember 2010 den Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan Nummer 500 „Königsplatz und Augsburg-Boulevard“ gefasst.[9] Auf dieser Basis sind die Arbeiten für den Umbau aufgenommen worden, der sich über die Jahre 2011 bis 2013 hinzog.[10][11]

Die Regierung von Schwaben hat auf Antrag des Eisenbahn-Bundesamtes im März 2013 ein Anhörungsverfahren zum Neubau eines zusätzlichen Bahnsteigs im Hauptbahnhof in Augsburg eingeleitet. Konkret umfasst die Baumaßnahme neben dem Neubau eines zusätzlichen Bahnsteigs im Hauptbahnhof Augsburg auch den Bau einer Zugbildungsanlage. Des Weiteren gehört die Durchführung der erforderlichen Spurplanänderung im Zu- und Ablauf zu den Bahnsteigen, die Anpassung der Oberleitungen, der Gleisfeldbeleuchtung, der Telekommunikations- sowie der Leit- und Sicherungstechnik im jeweils betroffenen Gleisfeldbereich, den Neubau eines Abstellgleises am Haltepunkt Inningen und die Blockverdichtung in Bobingen zu den Umbaumaßnahmen.[12]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Ernst Erhart: Eisenbahnknoten Augsburg – Drehscheibe des Eisenbahnverkehrs. GeraMond Verlag, München 2000, ISBN 3-9327-8523-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Augsburg Hauptbahnhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Broschüre: Personenbahnhöfe in Bayern (PDF; 7,4 MB) – Abgerufen am 29. Juli 2012.
  2. Wolfgang Bublies, Edgar Mathe: Augsburger Localbahn Augsburg-Haunstetten 1993 S. 131
  3. a b Meldung Augsburg: weniger ICE ab Dezember 2006. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 4/2006, ISSN 1421-2811, S. 158.
  4. Tino Zippel: Neue ICE-Trasse: Sprinter sollen nicht in Erfurt halten. In: Thüringer Allgemeine, 20. September 2010.
  5.  Ralph Seidel: Der Einfluss veränderter Rahmenbedingungen auf Netzgestalt und Frequenzen im Schienenpersonenfernverkehr Deutschlands. Dissertation an der Universität Leipzig. Leipzig 2005, S. 27.
  6. Bahn will Güterverkehr auf zwei Gleisen konzentrieren. Augsburger Allgemeine. Abgerufen am 11. August 2013.
  7. Augsburger Allgemeine: Augsburg wartet auf den Bahnhofsumbau – Abgerufen am 22. Dezember 2011.
  8. Augsburger Allgemeine: Zwei Tunnel, ein neuer Bahnsteig und Rolltreppen – Abgerufen am 22. Dezember 2011.
  9. Stadt Augsburg: Königsplatz und Augsburg-Boulevard – Abgerufen am 4. Februar 2011
  10. Artikel zum neuen Augsburger Hauptbahnhof auf der Seite des Projekts Augsburg City
  11. Artikel zum Augsburger Hauptbahnhof im Augsburg-Wiki
  12. Bekommt der Hauptbahnhof einen neuen Bahnsteig? auf b4bschwaben.de, vom 11. Februar 2013