Augsburger Hotelturm

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Hotelturm
Maiskolben
Hotelturm
Der Augsburger Hotelturm
Basisdaten
Ort: Augsburg, Antonsviertel
Bauzeit: April 1971
Eröffnung: 2. Juli 1972
Sanierung: 2007
Status: Fertiggestellt
Architekten: Brockel und Müller
Nutzung/Rechtliches
Hauptmieter: Neue Dorint GmbH
Technische Daten
Höhe: 115,0[1] m
Höhe bis zur Spitze: 158,0 m
Etagen: 35
Aufzüge: 6
Baustoff: Stahlbeton
Baukosten: 50 Millionen DM
Höhenvergleich
Augsburg: 1. (Liste)
Deutschland: 43. (Liste)
Anschrift
Stadt: Augsburg
Land: Deutschland

Der Augsburger Hotelturm ist das bekannteste Hochhaus in Augsburg. Das Gebäude ist das höchste Bauwerk im Raum Augsburg und eines der zehn höchsten Bauwerke in Bayern.

Der 115 m (mit Antenne 158 m) hohe Turm befindet sich im Stadtteil Antonsviertel an der Kreuzung Gögginger Straße und Imhofstraße. In seiner direkten Nachbarschaft befinden sich die Kongresshalle und der Wittelsbacher Park.

Geplant hat den Stahlbetonbau das Augsburger Architekturbüro „Brockel und Müller“. Bei Eröffnung galt er als größter europäischer Hotelbau.

Ein lokaler Spitzname für den Hotelturm ist „Maiskolben“, in Anlehnung an seine zylindrische Form mit Ausbuchtungen.

Architektonische Ähnlichkeit hat der Hotelturm mit den von Bertrand Goldberg entworfenen und 1964 fertiggestellten Zwillingstürmen der Marina City in Chicago. Dort beinhalten die ersten 19 Stockwerke in beiden Türmen ein spiralförmiges Parkhaus.

Die Entstehung[Bearbeiten]

Der einstige Augsburger Landmaschinenhändler und „Holiday Inn“-Franchisenehmer Otto Schnitzenbaumer ließ anlässlich der Olympischen Spiele in München 1972 den Turm für 50 Millionen D-Mark erbauen und erfüllte sich somit einen Wunsch: ein „Wahrzeichen für das neuzeitliche Augsburg“.

Die Planung für das Projekt stieß jedoch rasch auf Widerstand bei den Bürgern. Sie sorgten sich um die Silhouette der Stadt und hatten Bedenken wegen der notwendigen Umgestaltung des Wittelsbacher Parks, einer der größten Augsburger Grünanlagen. Dies führte unter anderem zur Gründung einer Bürgerinitiative „Rettet den Wittelsbacher Park“.

Baubeginn war im April 1971. Um die geplante Bauzeit einhalten zu können, wurde das innere 18-Eck, welches die Aufzüge und Treppenhäuser beinhaltet, in Ortbeton ausgeführt, die Betonfertigteile für die Balkone und Decken wurden in einem vor Ort eigens hierfür errichteten Werk gefertigt.

Nach vierzehnmonatiger Bauzeit nahm am 2. Juli 1972 das 400-Betten-Hotel Holiday Inn die ersten Gäste auf, die darüber liegenden 279 Appartements konnten ebenso bezogen werden. Am 1. August 2001 konnte das 4-Sterne-Hotel der Neue Dorint GmbH als Dorint Hotel An der Kongresshalle Augsburg mit 184 Zimmern und 315 Betten eröffnen.

Zusätzlich ist seit 1985 die Unternehmensgruppe Klein ebenfalls im Hotelturm tätig und betreibt neben dem Vertrieb von Immobilien, das erste Boardinghaus in Augsburg.

Krisenzeiten[Bearbeiten]

1974 kam die überraschende Meldung, dass das Gebäude an die Luxemburgische Holding von Johann Nepomuk Glöggler verkauft wurde. Der Kaufvertrag wurde aber im Februar 1976 wegen der nicht bezahlten Kaufsumme widerrufen und das Gebäude ging an seinen alten Eigentümer zurück.

Da aber auch Otto Schnitzenbaumer finanzielle Probleme hatte, wurde der Turm 1979 für 35 Millionen D-Mark zur Zwangsversteigerung ausgeschrieben. Jedoch fand sich zu diesem Preis kein Erwerber. Im zweiten Anlauf am 5. März 1980 erwarb die damalige Landesbank Hessen den Zuschlag für das Objekt für 20 Millionen D-Mark. Diese wollte das Gebäude weiterveräußern, mangels Interessenten wurde der Turm jedoch in 328 Eigentumseinheiten aufgeteilt verkauft.

Im früheren Hotelteil des Turms mit Restaurant, bestehend aus den unteren elf und den beiden obersten Stockwerken und Parkdeck, ging an den Fürther Unternehmer Franz Lauer.

Im April 1989 erwarb der Schweizer Konzern „Toga Hotels“ den Hoteltrakt, dessen Pachtvertrag mit „Holiday Inn“ bereits ein Jahr später auslief. Der Schweizer Betreiber Martin Zoller führte das Hotel unter dem Namen „Turm-Hotel“ weiter, musste aber im März 1993 Konkurs anmelden. Die 303 Betten standen unter Konkursverwaltung, welche eine Weiternutzung als Asylbewerber- oder Altenheim vorschlug. Da sich die Stadt heftig gegen diese Pläne wehrte, wurden sie wieder verworfen und die 185 Hotelzimmer blieben ungenutzt. Ein Teil der Zimmer im 13. und im 30. Stockwerk wurde zwischen 1994 und 1997 als Betreutes Wohnen für Jugendliche genutzt, dies wurde jedoch aus Kostengründen wieder aufgegeben.

Am 8. Mai 1996 wechselte der Hoteltrakt nach Zwangsverwaltung und Versteigerung wiederum den Besitzer und ging für 20,9 Millionen D-Mark an die „First National Holding Venezuela“ des Mineralölkonzerns Hertel, der für 7,2 Millionen D-Mark ein Drei-Sterne-Automatenhotel mit dem Namen „Goodnight“ errichten wollte. Das Hotel sollte über 108 Zimmer verfügen, für weitere sieben Stockwerke war eine Nutzung als Wohnheim für Senioren und Behinderte vorgesehen, aber es geschah jahrelang nichts.

Die Wiedergeburt[Bearbeiten]

Im Januar 2000 kam für die Appartementeigentümer, die bisher auch die Nebenkosten des Hoteltrakts tragen mussten, die Erlösung: der Kölner Unternehmer Herbert Ebertz, damaliger Aufsichtsratsvorsitzender der Dorint AG, erstand für 12 Millionen D-Mark den Hoteltrakt. Er ist geschäftsführender Gesellschafter der Dr. Ebertz & Partner Gruppe aus Köln, einer der ältesten und größten unabhängigen Initiatoren geschlossener Immobilienfonds in Deutschland. Daneben war Ebertz Hauptaktionär der Dorint AG (Heute: The New Gen Hotels AG) und Gesellschafter weiterer Betreibergesellschaften für Hotels und Senioreneinrichtungen.

Nach sieben Jahren Ruhe wurden nun 70 Millionen D-Mark in eine Grundsanierung des Hotelbereichs investiert. Am 1. August 2001 konnte das 4-Sterne-Hotel Dorint mit 184 Zimmern und 315 Betten eröffnen und schuf somit 50 neue Arbeitsplätze. Es ist nach dem Maritim Hotel Ulm mit 287 Zimmern und 550 Betten das größte Hotel zwischen München und Stuttgart. Im verglasten obersten Stockwerk befindet sich die Hauptverwaltung des Radiosenders Klassik Radio sowie der Klassik Radio AG.

Auch die Eigentümer des Wohnbereichs investierten 2,5 Millionen D-Mark, unter anderem für einen neuen Eingangstrakt mit Concierge und der größten Videoüberwachungsanlage in einem deutschen Wohnhaus. Gemeinsam wurde zudem die Fassade saniert.

Am 13. Juni 2002 um 22.00 Uhr sprangen mehrere Base-Jumper vom „Verband deutscher Objektspringer“ mit Fallschirmen vom Hotelturm ab und landeten sicher im Wittelsbacherpark. Die genehmigte Aktion begleitete die Eröffnung eines Marketing-Kongresses im Dorint-Hotel.

Der heutige von der Neuen Dorint GmbH genutzte Hotelteil im Turm hat 11 Stockwerke in dem sich die Hotelzimmer befinden. Im 34.Stockwerk hat das Dorint Hotel exklusive Konferenzräume. Der Zugang für die Öffentlichkeit ist nicht möglich, da es keine Aussichtsplattform mehr gibt.

Sendeeinrichtungen[Bearbeiten]

Der Hotelturm besitzt auf seinem Dach einen Antennenmast, von dem aus im Auftrag von Media Broadcast UKW-Programme und digitales Radio (DAB und DAB+) abgestrahlt werden. Zudem verfügt er über Mobil- und Richtfunk, sowie einen Sender zur mobilen Internetanbindung von ICE-Zügen der Deutschen Bahn (Railnet). Am 12. und 13. Juli 2011 wurde der sanierungsbedürftige 40 m hohe Antennenmast mit Hilfe eines Kamov-Hubschraubers ausgetauscht.[2][3]

Frequenzen und Programme[Bearbeiten]

Analoges Radio (UKW)[Bearbeiten]

Beim Antennendiagramm sind im Falle gerichteter Strahlung die Hauptstrahlrichtungen in Grad angegeben.

Frequenz 
(in MHz)
Programm RDS PS RDS PI Regionalisierung ERP 
(in kW)
Antennendiagramm
rund (ND)/gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H)/vertikal (V)
87,9 Rock Antenne ROCK_ANT D319 0,32 ND H
89,3 Bayern 2 Bayern2S
Bayern_2
D412 (regional)
D312
Südbayern 0,1 D (310–250°) H
90,1 B5 aktuell B5_akt__ D315 0,1 D (310–210°, 240–250°) H
90,9 Bayern 1 B1_Schw_
Bayern_1
D911 (regional)
D311
Schwaben 0,1 D (310–250°) H
92,2 Klassik Radio KLASSIK_ D75B Bayern 0,1 ND H
93,4 Radio Fantasy FANTASY_ 1713 0,32 ND H
94,8 egoFM _egoFM__ 1014 0,1 ND H
96,7 hitradio.rt1 __RT1___ D48C 0,32 ND H
98,3 Bayern 3 BAYERN_3 D313 0,1 D (310–250°) H
102,1 BR-Klassik BR-Klass D314 0,1 D (310–250°) H
104,2 Antenne Bayern ANTENNE_ D318 0,1 ND H

Digitales Radio (DAB)[Bearbeiten]

DAB wird in vertikaler Polarisation und im Gleichwellenbetrieb mit anderen Sendern ausgestrahlt.

Block Programme ERP 
(in kW)
Antennendiagramm
rund (ND)/
gerichtet (D)
Gleichwellennetz (SFN)
5C
DRDeutschland
(D__00188)
DAB+ Block der Media Broadcast: 10 ND


9C 
Augsburg 
(D__00172)
DAB-Block der Bayern Digital Radio : 4 ND Augsburg (Hotelturm), Hühnerberg (Harburg) (vorgesehen für 2014)
11D 
BR Bayern 
(D__00165)
DAB-Block des Bayerischen Rundfunks 10 ND
12D 
Bayern
(D__00008)
DAB-Block der Bayern Digital Radio : 10 ND
  • Unterfranken:
Kreuzberg (Rhön), Pfaffenberg (Aschaffenburg), Würzburg (Frankenwarte)
  • Oberfranken:
Bamberg (Geisberg), Ochsenkopf (Fichtelgebirge)
  • Mittelfranken:
Büttelberg (Burgbernheim/Frankenhöhe), Nürnberg (Fernmeldeturm)
  • Oberpfalz:
Amberg, Dillberg (Neumarkt), Hohe Linie (Regensburg), Hoher Bogen (Furth im Wald)
  • Niederbayern:
Brotjacklriegel (Deggendorf), Dingolfing (BMW), Landshut (Altdorf-Gstaudacher Str.), Passau (Dommelstadl-Hainberg),
  • Schwaben:
Augsburg (Hotelturm), Grünten (Sonthofen), Ulm (Kuhberg) [Baden-Württemberg], Pfänder (Vorarlberg)
  • Oberbayern:
Gelbelsee (Ingolstadt), Herzogstand (Fahrenbergkopf), Hochberg (Traunstein), Ismaning, München (Olympiaturm), Oberammergau (Laber), Wendelstein (Bayrischzell)

Private Sendeanlagen[Bearbeiten]

  • Bündelfunk-Sender Fa.ProRegio
  • Taxi Augsburg e. G.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Augsburger Hotelturm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Dorint Augsburg bei CTBUH
  2. Augsburg: Hotelturm: Präzisionsarbeit in luftiger Höhe. In: augsburger-allgemeine.de. Augsburger Allgemeine, 12. Juli 2011, archiviert vom Original am 14. Juli 2011, abgerufen am 14. Juli 2011.
  3. http://www.sueddeutsche.de/z5W38E/102936/Maiskolben-mit-neuem-Stecke.html

48.359410.88585Koordinaten: 48° 21′ 34″ N, 10° 53′ 9″ O