August Aichhorn

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Grab von August Aichhorn auf dem Meidlinger Friedhof in Wien

August Aichhorn (* 27. Juli 1878 in Wien; † 13. Oktober 1949 ebenda) war ein österreichischer Pädagoge und Psychoanalytiker.

Leben[Bearbeiten]

August Aichhorn war zunächst Volksschullehrer in Wien. Nach dem Ersten Weltkrieg erprobte er moderne Pädagogik in den Anstalten Ober-Hollabrunn und St. Andrä an der Traisen (1918–1922). Er stellte dort unter Beweis, dass Zwangserziehung in „Besserungsanstalten“ keine positiven Erfolge brachte. Die Aggression bei Jugendlichen begründete Aichhorn mit einem Liebesdefizit. Er hatte die Idee eines „positiven Kinderheimes“, verwahrlosten Jugendlichen begegnete er mit Liebe, Aufmerksamkeit und echtem Interesse. Aichhorn wurde amtlicher Leiter der Wiener städtischen Fürsorgeanstalten, später Leiter der Wiener Psychoanalytischen Erziehungsberatung, in der Kriegszeit Lehranalytiker für Ärzte und Psychologen, dann Professor in Wien und Vorstand der Wiener Psychoanalytischen Institute. Er teilte Anna Freuds Ansicht, dass Familienerziehung der institutionalisierten Heimerziehung überlegen ist.

Er gilt als Gründer der psychoanalytischen Pädagogik und auf ihn berufen sich zahlreiche international namhafte Pädagogen (Homer Lane, Alexander Neill).

Im Laufe des Jahres 1932 wurde August Aichhorn zusammen mit Hans Zulliger in den Kreis der Herausgeber der Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik aufgenommen.[1]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Verwahrloste Jugend: Die Psychoanalyse in der Fürsorgeerziehung. Zehn Vorträge zur ersten Einführung. Mit einem Geleitwort von Sigmund Freud. Internationaler Psychoanalytischer Verlag, Wien 1925; zuletzt: 11., unveränderte Auflage. Huber, Bern 2005, ISBN 3-456-84260-0 (auch auf englisch, französisch und spanisch erschienen).
  • Erziehungsberatung. In: Zeitschrift für Psychoanalytische Pädagogik. 1932, S. 445–488.
  • Erziehungsberatung und Erziehungshilfe: 12 Vorträge über psychoanalytische Pädagogik. Aus dem Nachlass August Aichhorns. Huber, Bern 1959; Taschenbuchausgabe: Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1972.
  • Psychoanalyse und Erziehungsberatung (= Beiträge zur Kinderpsychotherapie. Bd. 7). Reinhardt, München/Basel 1970; Taschenbuchausgabe: Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 1972.
  • Wer war August Aichhorn. Briefe, Dokumente, Unveröffentlichte Arbeiten. Ausgewählt und zusammgestellt von Thomas Aichhorn. Löcker & Wögenstein, Wien 1976.
  • Anna Freud, August Aichhorn: „Die Psychoanalyse kann nur dort gedeihen, wo Freiheit des Gedankens herrscht“. Briefwechsel 1921–1949. Herausgegeben und kommentiert von Thomas Aichhorn. Brandes & Apsel, Frankfurt am Main 2012.

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Aichhorn (Hrsg.): Zur Geschichte der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Band 1: 1938–1949. Edition Diskord, Tübingen 2003.
  • Ernst Federn: Die therapeutische Persönlichkeit, erläutert am Beispiel von Paul Federn und August Aichhorn. In: Ders.: Ein Leben mit der Psychoanalyse. Von Wien über Buchenwald und die USA zurück nach Wien. Psychosozial-Verlag, Wien 1999, ISBN 3-932133-86-2, S. 154–170.
  • Roland Kaufhold: Zur Geschichte und Aktualität der Psychoanalytischen Pädagogik: Fragen an Rudolf Ekstein und Ernst Federn. In: Ders. (Hrsg.): Pioniere der Psychoanalytischen Pädagogik: Bruno Bettelheim, Rudolf Ekstein, Ernst Federn und Siegfried Bernfeld (= Psychosozial. Jg. 16 (1993), Heft 1). Psychosozial-Verlag, Gießen 1993, ISBN 3-930096-23-4, S. 9–19.
  • Roland Kaufhold: Spurensuche zur Geschichte der die USA emigrierten Wiener Psychoanalytischen Pädagogen. In: Thomas Aichhorn (Hrsg.): Zur Geschichte der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Band 1: 1938–1949. Edition Diskord, Tübingen 2003, S. 37–69.
  • Achim Perner: Der Beitrag August Aichhorns zur Technik der Psychoanalyse. In: Luzifer Amor. Heft 36 („Zur Geschichte der psychoanalytischen Technik“), S. 42–64 (Abstract).
  • John Erwin Schowalter: Aichhorn revisited. In: The Psychoanalytic Study of the Child. Bd. 55 (2000), S. 49–60.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thomas Aichhorn: Quelques réflexions et explications sur l’échange épistolaire entre August Aichhorn et Anna Freud et sa publication. Fußnote 46.