August Neander

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Reliefporträt von August Neander auf seinem Grabstein

August Johann Wilhelm Neander (* 17. Januar 1789 in Göttingen; † 14. Juli 1850 in Berlin) war ein deutscher evangelischer Theologe und Professor für Kirchengeschichte.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Er wurde als Sohn des jüdischen Kaufmanns Emanuel Mendel und seiner Frau Esther Gottschalk als David Mendel geboren und besuchte das Gymnasium Johanneum in Hamburg. Hier bekam er Kontakt zu den neupietistischen Kreisen, die sich durch das Wirken Friedrich Gottlieb Klopstocks gebildet hatten, und las die damals sehr einflussreichen Reden über die Religion von Friedrich Schleiermacher. Er konvertierte zum Christentum, wurde 1806 getauft und legte seinen mosaischen Namen ab. In Anlehnung an den Kirchenlieddichter Joachim Neander nahm er dessen Namen an.

Neander studierte in Göttingen und Heidelberg Theologie mit kirchengeschichtlichem Schwerpunkt und habilitierte sich 1811 in Heidelberg für das Fach Kirchengeschichte. Er wurde 1812 dort zum außerordentlichen Professor ernannt und folgte 1813 dem Ruf auf die Professur für Kirchengeschichte in Berlin. Dort verstarb er 1850 nach schwerem Leiden.

August Neander gilt als der Begründer der neueren evangelischen Kirchengeschichtsschreibung.[1] Neanders Schriften stellen die Kirchengeschichte als Frömmigkeitsgeschichte dar, sie laden ein zur persönlichen „Erbauung“. Er trug im Rückblick wenig zur eigentlichen historischen Forschung bei, vielmehr versuchte er im Sinne der Erweckung, „die Geschichte der Kirche darzustellen als einen sprechenden Erweis von der göttlichen Kraft des Christentums“ (Vorrede zum Hl. Bernhard 1848, S. 12).

Autograph von August Neander; Berlin, 17. Januar 1850

Durch seine einfache, aber intensive Sprache wurde er zu einem einflussreichen Wegbereiter der Erweckungstheologie. Vor allem unter Studenten wirkten seine Schriften nachhaltig und regten zur Bildung sogenannter „Erbauungskränzchen“ an. Sein bekannt gewordener Satz „Pectus est quod facit theologum“ (Das Herz macht den Theologen) wurde zum Schlagwort der danach benannten Pectoraltheologie, der Theologie der „frommen Herzen“. Auf diese Sentenz stützte sich auch die berühmte Frage von Neanders Berliner Kollegen August Tholuck an seine späteren Hallenser Studenten „Wie steht es mit deinem Herzen?“.

Das Grab von August Neander

Neander hielt nicht nur Vorlesungen an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin [2], sondern er war auch sehr hilfsbereit, wenn es um die Förderung begabter Studenten ging.[3]

August Neander wurde auf dem Friedhof I der Gemeinde Jerusalems- und Neue Kirche an der Zossener Straße in Berlin-Kreuzberg beigesetzt (Abt. 1/1). Seine letzte Ruhestätte ist ein Ehrengrab des Landes Berlin. Das Reliefporträt seines Grabsteins stammt von Friedrich Drake.

Werke (in kleiner Auswahl)[Bearbeiten]

  • Ueber den Kayser Julianus und sein Zeitalter. Ein historisches Gemälde, Leipzig 1812.
  • Allgemeine Geschichte der christlichen Religion und Kirche, Hamburg 1826–1852 (6 Bände).
  • Geschichte der Pflanzung und Leitung der christlichen Kirche durch die Apostel, als selbständiger Nachtrag zu der allgemeinen Geschichte der christlichen Religion und Kirche, Hamburg 1832.
  • Das Leben Jesu Christi in seinem geschichtlichen Zusammenhange und seiner geschichtlichen Entwicklung, Hamburg 1837.
  • Der heilige Bernhard und sein Zeitalter. Ein historisches Gemälde, Gotha 1848 (zuerst 1813).
  • Das Reich Christi, das Reich der wahren Freiheit und Gleichheit, Berlin 1849.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: August Neander – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nicolaus Heutger: August Neander. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 6, Bautz, Herzberg 1993, ISBN 3-88309-044-1, Sp. 518–520.
  2. Abgangszeugnis für Heinrich August Heußinger, der Theologie an der Friedrich-Wilhelms-Universität studierte (1846/50), 8 Seiten mit Angabe der besuchten Vorlesungen, Noten und Professoren.
  3. Autograph von August Neander, am 17. Januar 1850 in Berlin geschrieben, und zwar als Befürwortung für den Theologiestudenten Heinrich August Heußinger, um ihm bei seinen Schwierigkeiten (Geldsorgen) zu helfen.