Augustrevolution

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Die Augustrevolution in Vietnam bezieht sich auf die Etablierung einer von der französischen Kolonialmacht unabhängigen vietnamesischen Regierung in Hanoi durch die Viet Minh ab August 1945. Am 2. September 1945 rief Ho Chi Minh öffentlich in Hanoi die Demokratische Republik Vietnam aus. Die Absicht Frankreich seine Kolonie wieder in Besitz zu nehmen wurde durch die drohende Intervention nationalchinesischer Truppen die in Nordvietnam stationiert waren aufgeschoben. Infolgedessen kam es zu einem kurzlebigen Interimsabkommen zwischen Frankreich und den Viet Minh. Nach Abzug der chinesischen Truppen eskalierte die Lage Ende 1946 in den bis 1954 andauernden Indochinakrieg.

Hintergrund[Bearbeiten]

Kolonialherrschaft[Bearbeiten]

Mitte des 19. Jahrhunderts begann Frankreich mit ökonomischer und militärischer Einflußnahme in Indochina. 1857 begann die französische Landnahme in Cochinchina. Saigon wurde 1859 von französischen Truppen besetzt. 1882 bis 1897 wurden Zentral- und Nordvietnam sowie Laos der französische Kolonie zugeschlagen. Die historisch tradierte vietnamesische Monarchie wurde dabei durch Aushöhlung ihrer Souveränität in ein Werkzeug des Kolonialstaats umgewandelt.[1]

Anfang des 19. Jahrhunderts kam es mit der Entstehung einer sehr kleinen einheimischen Bevölkerungsschicht mit moderner Schul- und Hochschulausbildung, welche in untergeordneten Funktionen dem Kolonialstaat dienten. Diese Intellektuellen kritisierten die Kolonialmacht mit den Mitteln des modernen Nationalismus oder auch marxistischer Ideen. Ebenso wurden politische Parteien nach modernem Vorbild im Geheimen gegründet um der Kolonialmacht organisierten Widerstand entgegensetzen zu können. Dabei hatten vor allem unter der jungen Generation marxistische Ideen einen hohen Zuspruch. 1930 orchestrierte die nationalistische VNQDD einen Aufstandversuch in Yen Bai. Die im selben Jahr gegründete Kommunistische Partei Indochinas beteiligte sich an Bauernunruhen mit der Einrichtung von kurzlebigen Dorfsowjets. Frankreich konnte die Aufstandbewegungen mittels Kolonialtruppen rasch eindämmen und die Netzwerke der Unabhängigkeitsbewegungen zerschlagen. Im Rahmen der Repression wurden mehrere Tausend Menschen getötet und rund 10.000 Vietnamesen in Haft genommen.[2]

Die französische Kolonialherrschaft bedeutete für die vietnamesische Mehrheitsbevölkerung von in Dorfgemeinschaften lebenden Bauern mit keinem oder geringem Landbesitz eine Verschlechterung der eigenen Lebensbedingungen. Von den 1830ern bis zu den 1930ern versechsfachte sich die Bevölkerung Indochinas aufgrund der Einführung moderner Hygiene- und Impfmaßnahmen, die Fläche kultivierten Landes nahm aber nur um den Faktor zwei zu. 1939 konnte sich die Mehrheit der Landbevölkerung in Tonking außerhalb der Erntezeit nicht mehr als eine Mahlzeit am Tag verschaffen. Zu dieser chronischen Mangelernährung kam die Furcht vor immer wieder auftretetenden Hungersnöten. Die Kolonialverwaltung verschärfte diese Not zusätzlich durch die Besteuerung der Bauern zwecks Entwicklung einer Kolonialwirtschaft. Besonders während der Weltwirtschaftskrise kam es wiederholt zu Hungersnöten im Norden des Landes.[3]

Niedergang der Kolonialmacht im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Das politische Gefüge Französisch-Indochinas wurde durch die Niederlage Frankreichs im Westfeldzug entscheidend erschüttert. Die dem kollaborierenden Vichy-Regime zugehörige Kolonialverwaltung und das dort stationierte Militär wurden auf eine Rolle der Machtlosigkeit reduziert, während die Kolonie im Kriegsverlauf mehr und mehr der japanischen Einflußsphäre einverleibt wurde. Seit 1940 waren japanische Streitkräfte in der Kolonie stationiert und die japanische Marine sowie die Luftwaffe nutzten die Einrichtungen des Landes im Kampf gegen die Alliierten. Im Sommer 1941 musste die französische Verwaltung rund 70.000 Quadratkilometer der Kolonie an Thailand abtreten um den nach den 1940 von Thailand begonnen Französisch-Thailändischen Krieg zu beenden. Am 9. März 1945 besetzten schließlich handstreichartig japanische Truppen die Kolonie und stellten sie unter direkte japanische Verwaltung, die jedoch angesichts des Niedergangs Japans im Zweiten Weltkrieg vor allem Anarchie hinterließ.[4] Aufgrund des Zusammenbruchs der öffentlichen Ordnung verschlimmerte sich die Sicherheitslage insbesondere für die wenigen verbliebenen europäischen Kolonisten.[5]

Ökonomisch wurde das Land durch den Krieg isoliert. Die Produktion des sehr gering ausgeprägten Industriesektors des Landes kam 1944 zum Erliegen. 1945 mussten ärmere Landbewohner auf Grasmatten zur Bekleidung zurückgreifen da kein Stoff mehr verfügbar war. Die wenig verbliebenen Motorfahrzeuge wurden aus Ölmangel mit Holzvergasern oder Ethanol betrieben. Eine schlechte Reisernte sowie kriegsbedingte Exporte nach Japan und Mangel an Transportmittel schufen vom Herbst 1944 bis zum Mai 1945 eine Hungersnot der laut Schätzungen der französischen Kolonialverwaltung rund eine Million Menschen zum Opfer fielen.[6][7]

Die frei-französische Regierung unter Charles de Gaulle hatte sich in der Konferenz von Brazzaville 1944 festgelegt die Souveränität über sämtliche kolonialen Besitzungen zu erhalten beziehungsweise wieder zu erlangen. Den kolonialisierten Gesellschaften wurde dabei ein humanisiertes, weniger ausbeuterisches Kolonialsystem versprochen. Bezüglich Indochinas bekräftigte die französische Regierung dies nochmals kurz nach der Machtübernahme durch die Japaner im März 1945 mit einer eigenen Regierungserklärung.[8] Im August 1945 ernannte de Gaulle Georges Thierry d’Argenlieu zum Generalgouverneur von Indochina mit dem öffentlich verlautbarten Ziel die französische Souveränität in der Kolonie wiederherzustellen.[9] US-Präsident Harry S. Truman hatte der französischen Regierung bereits im Mai 1945 zugesichert dass die USA die Souveränität Frankreichs über Indochina anerkennen und unterstützen würden.[10] Im Rahmen der Potsdamer Konferenz im August 1945 legten die Siegermächte in Abwesenheit Frankreichs in einer Nebenabrede fest dass Indochina nördlich des 16. Breitengrades von nationalchinesischen Truppen besetzt werden sollte, der Südteil sollte von britischen Truppen besetzt werden um US-amerikanische Kräfte für die Besetzung der japanischen Hauptinseln freizumachen.[11]

Erstarken der kommunistischen Unabhängigkeitsbewegung[Bearbeiten]

Im Mai 1941 beschloss die Kommunistische Partei Indochinas unter Führung Ho Chi Minhs auf dem 8. Plenum des Zentralkomitees das Primat der nationalen Unabhängigkeit gegenüber den sozialen und politischen Ziele der kommunistischen Revolution. Als Instrument dieser Politik wurde die Viet Minh als Sammlungsbewegung zur Erreichung der Unabhängigkeit unter Kontrolle der Partei gegründet. Die Viet Minh richtete mit der Nationalen Befreiungsarmee einen militärischen Flügel ein der in den unzugänglichen Regionen des Viet Bac in Tonking einen militärischen Rückzugsraum aufbaute. Das Wachstum der Viet Minh konnte durch mehrere französische Militär- und Geheimdienstoperationen nicht eingeschränkt werden.[12] Seit mindestens 1944 rechnete die Viet Minh mit der kampflosen Übernahme der Macht in Vietnam im Zuge einer japanischen Niederlage im Zweiten Weltkrieg.[13] Bis 1945 überzog die Viet Minh ganz Vietnam mit hunderten lokaler Komitees der nationalen Rettung mit denen mehrere zehntausend Unterstützer mobilisiert werden konnten. Bis zum März 1945 konnte die Guerilla ihren Aktionsradius bis nach Thai Nguyen, dem Tor zum Delta des Roten Flusses ausdehnen.[12] Seit Anfang 1945 befand sich auf Initiave des Office of Strategic Services ein kleines US-amerikanisches Team bei den Viet Minh-Guerilla als Liason im Fall größerer Kampfhandlungen mit Japan in Indochina.[14]

Siegeszug der Viet Minh und Unabhängigkeitserklärung[Bearbeiten]

Etablierung der Demokratischen Republik Vietnam[Bearbeiten]

Im Zuge der japanischen Kapitulation entschloss sich die Führung der Viet Minh um Ho Chi Minh das politische Vakuum zu nutzen und durch die Besetzung möglichst großer Teile des Landes und die Ausrufung eines unabhängigen Staates die Unabhängigkeit Vietnams zu erreichen. Ein im Hauptquartier Ho Chi Minhs im Dorf Tan Trao tagende nationale Versammlung der Viet Minh berief Ho zum Staatsoberhaupt einer übergangsweisen Regierung des Landes. In Hanoi besetzten lokale Viet Minh-Kader am 19. August kampflos die strategischen Schlüsselstellen der Stadt. Dies geschah in stillem Einvernehmen mit dem örtlichen Repräsentanten des Kaisers Bao Dai. Am 22. August konnten lokale Viet Minh-Aktivisten die Kaiserstadt Huế unter ihre Kontrolle bringen. Am 26. August marschierten die Viet Minh Truppen aus dem Umland kampflos in Hanoi ein, womit die Kontrolle der Stadt vollständig von den japanischen Truppen an die Viet Minh überging.[15]

Angesichts der militärischen Verhältnisse dankte der vietnamesische Kaiser Bao Dai am 25. August 1945 explizit zugunsten der Viet Minh ab. Bao Dai hatte unter japanischer Protektion das Land im März 1945 formell für unabhängig erklärt. Bao Dai wurde in die DRV als Berater Ho Chi Minhs, Nationalratsabgeordneter und Botschafter bei Chiang Kai-shek eingebunden. Die Abdankung Bao Dais verstärkte die Legitimität der Viet Minh unter den nichtkommunistischen Gesellschaftsschichten des Landes.[16]

Am 2. September 1945 rief Ho Chi Minh öffentlich in Hanoi die Unabhängigkeit der Demokratischen Republik Vietnam aus. Die Viet Minh schuf mit der DRV eine überparteilich scheinende Staatsorganisation, neben Bao Dai war unter anderem der Anführer der nationalistischen VNQDD Außenminister des Staates.[17] In internen Dokumenten der offiziell selbstaufgelösten Kommunistischen Partei wurde jedoch weiter die Errichtung eines sozialistischen Einparteienstaats propagiert und auch eine konkrete Umsetzung gefordert.[18]

Während der Revolutionszeit kam es zumeist durch Initiave lokaler Viet Minh-Komitees zu ausgedehnten Beschlagnahmungen. Ziel der Beschlagnahmungen waren größere, zumeist französische Unternehmungen, Plantagen sowie auch einheimische Landbesitzer. Die Regierung unterstützte diese Bestrebungen als Maßnahme gegen Profiteure des Kolonialstaats versuchte jedoch zumeist ökonomischer Praktikabilität vor sozialer Revolution den Vorzug zu geben und die Beschlagnahmungen einzudämmen. Die Regierung führte jedoch selbst planmäßig die Verstaatlichung von Infrastruktur- und Industriebetrieben durch mit dem Ziel ein sozialistisches Wirtschaftssystem zu schaffen.[19] Ebenso kam es vereinzelt zu ideologisch motivierten Übergriffen kommunistischer Kader auf buddhistische und christliche religiöse Einrichtungen. Diese wurden jedoch durch die Zentralregierung unterbunden. Ebenso wurden per Dekret buddhistische und christliche Geistliche vom Dienst an der Waffe befreit sowie von kommunaler Arbeit befreit.[20]

Bezüglich der Ernährungslage führte die DRV-Regierung unter dem Schlagwort Kampf dem Hungerbanditen eine Kampagne. Durch ein staatliches Verteilungssystem, Exportverbote, zusätzlichen Maniokanbau und das Verbot Reis grundnahrungsmittelfremd weiterzuverarbeiten konnte die Ernährungslage entscheidend gebessert werden. Interne Dokumente des Viet Minh sprechen von rund 11.000 Todesopfern durch Mangelernährung für 1946 gegenüber rund einer Million des Vorjahres. Weite Teile Nordvietnams blieben jedoch in einer prekären Ernährungssituation.[21] Die Regierung beließ die bestehenden kolonialen Monopole über Salz, Opium und Alkohol in der Hoffnung Einnahmen generieren zu können.[22] Sehr populäre Maßnahmen waren die Aufhebung der vom Kolonialstaat eingeführten Kopfsteuer und die Ausgabe von Ho-Chi-Minh-Banknoten als rasch verfallende Notwährung. Ebenso schuf die DRV eine staatseigene Handelsunternehmung namens Viet Tien die eine planmäßige wirtschaftliche Modernisierung des Landes und die Kontrolle des Außenhandels übernehmen sollte.[23] Die Regierung versuchte Kapital durch Spendenkampagnen zu mobilisieren; die Ergebnisse blieben begrenzt. Im April 1946 führte die DRV aus Geldmangel eine der Kopfsteuer ähnliche sogenannte Verteidigungsabgabe ein.[24]

Auf militärischem Gebiet wurde der Aufbau einer regulären Armee durch die Einrichtung einer Militärakademie und einer Militärmedizinhochschule im Herbst 1945 vorangetrieben. Sämtliche in der DRV verfügbare Ärzte und Apotheker wurden bei den Streitkräften oder dem Innenministerium dienstverpflichtet.[25]

Französische Machtübernahme im Süden[Bearbeiten]

Während ihre Position im Norden praktisch unbestritten war, zeigte sich in Cochinchina ein anderes Bild. Im südlichen Teil des Landes verfügten die religiösen Gruppen der Cao Dai und Hoa Hao über eigene Milizen. Im August 1945 übernahm ein Komitee des Südens unter dem Viet-Minh-Funktionär Tran Van Giau die Macht in Saigon. In das Komitee waren die beiden religiösen Sekten nominell integriert.[26] Die kommunistischen Kader der Viet Minh verfolgten strikt die im Süden angesiedelte konkurrierende kommunistische Fraktion der Trotzkisten mittels Verhaftung und auch Ermordung.[27]

Am 13. September 1945 kamen britische und französische Truppen unter General Douglas Gracey auf dem Luftweg nach Saigon. Graceys erste Maßnahme war es direkt nach der Landung das Komitee des Südens mithilfe requirierter japanischer Truppen aus dem Palast des Generalgouverneurs zu vertreiben. Daraufhin reagierte das Komitee mit der Ausrufung des Generalstreiks für den 17. September 1945. Gracey reagierte darauf mit der Ausrufung des Kriegsrechts, Aufhebung der Versammlungsfreiheit und Ausgangssperren. Graceys Truppen bewaffneten 1.400 ehemalige französische Soldaten und Zivilisten. Diese zogen am 23. September eine Spur der Verwüstung durch die Stadt. Aufgrund der Übergriffe gegen die Zivilbevölkerung wurden sie wieder entwaffnet. Nachdem es in der folgenden Nacht jedoch zu zahllosen Racheakten von vietnamesischer Seite gekommen war gab Gracey den Franzosen ihre Waffen wieder zurück. Mehrere Mitglieder des Komitees des Südens wurden von französischer Seite hingerichtet und den Alliierten gelang es die Stadt unter ihre Kontrolle zu bringen. Im Oktober 1945 landeten die ersten Einheiten des Expeditionskorps unter General Leclerc.[28][29] Diese konnten in einer Pazifierungskampagne die Viet Minh rasch in den Untergrund treiben, ihre Organisation jedoch nicht zerstören.[30] Die Guerilla konnte sich in den Dschungel zurückziehen und ging größeren Gefechten aus dem Weg. Der Journalist Bernard B. Fall bemerkte, dass die französischen Truppen zwar vordergründig den Süden kontrollierten, jedoch bereits 100 Meter fernab der Straßen die Viet Minh ungestört agieren konnten.[31]

Abkommen vom 6. März 1946[Bearbeiten]

Auf französischer Seite plante das Expeditionskorps unter Leclerc die beiden wichtigsten Städte Nordvietnams, Hanoi und Haiphong durch eine See- und Luftlandeoperation mit mehreren zehntausend Soldaten zu besetzen und die DRV somit zu zerschlagen. Die Republik China die den Norden des Landes mit rund 200.000 Soldaten unter dem General Lu Han besetzt hielt verhinderte dies jedoch. Lu Han eröffnete mehrmals den Franzosen, dass seine Truppen eine Landung französischer Soldaten ohne vorheriges Abkommen mit der Viet Minh nicht kampflos erlauben würden. Am 6. März 1946 eröffneten chinesische Truppen das Feuer auf ankommende französische Schiffe in Haiphong. Infolgedessen zwang das chinesische Militär die französische Führung an den Verhandlungstisch mit der Viet Minh.[32]

Durch den Unterhändler Jean Sainteny kam es am 6. März 1946 zu einem Modus-Vivendi-Abkommen zwischen der DRV und der französischen Regierung. Frankreich billigte der DRV den Status eines eigenen Freistaats mit eigener Regierung, Parlament, Militär und Wirtschaftspolitik zu. Die DRV bleibe jedoch weiterhin Teil Französisch-Indochinas. Das Wort Unabhängigkeit wurde bewußt vermieden. Die Vereinigung der drei Provinzen Tonking, Annam und Cochinchina zu einem vietnamesischen Gesamtstaat solle per Referendum entschieden werden. Ebenso legte das Abkommen den Abzug der noch im Land verbliebenen chinesischen Truppen fest. Das französische Militär sollte spätestens in fünf Jahren aus dem Land abgezogen werden.[33] Trotz der weitreichenden Zugeständnisse wurde das Abkommen von französischer Seite vorwiegend dazu benutzt die eigenen Truppen in den bisher chinesisch besetzten Teil des Landes zu verbringen.[34] In der vietnamesischen Bevölkerung wurde das Abkommen teilweise als Erleichterung gesehen, von großen Teilen jedoch als politische Niederlage welche die bis dato gebrachten Opfer für den Unabhängigkeitskampf delegitimiere. Die Führung der Viet Minh versuchte die Vorteile des Abkommens unter dem Slogan Vorwärts durch Kompromisse der eigenen Klientel zu vermitteln und Ho äußerte sich öffentlich, dass eine spätere Unabhängigkeit die zu erwartenden Menschenopfer eines Unabhängigkeitskrieges aufwiege. Innenpolitisch nutzte die Regierung der DRV jedoch die Zeit um den politischen Alleinvertretungsanspruch der kommunistischen Partei durchzusetzen. So wurde die VNQDD verboten nachdem sich die chinesischen Truppen zurückgezogen hatten.[35]

Der Weg in den Krieg[Bearbeiten]

Von französischer Seite hintertrieb Hochkommissar d’Argenlieu das Abkommen am 26. Februar durch die Gründung einer profranzösischen Autonomen Republik Cochinchina am 26. März 1946. Daraufhin ging die Viet-Minh-Guerilla im Süden, welche bis dato eine defensive Strategie verfolgt hatte, zur Offensive über. Mit der Fortsetzung des Guerillakrieges begründeten die französischen Stellen die öffentliche Abkehr von dem im März-Abkommen vereinbarten Wahlen. Im April 1946 formulierte der militärische Oberbefehlshaber General Jean-Étienne Valluy in Abstimmung mit d'Argenlieu in einem militärischen Befehl das Ziel einer militärischen Operation inklusive eines Staatsstreichs in Hanoi. Im Sommer 1946 versuchte das französische Militär seine Einflußsphäre in Tonking zu erweitern. Im November 1946 besetzten die Franzosen Haiphong nachdem bei einer Zollkontrolle Schüsse gefallen waren. Die Stadt und Zivilbevölkerung wurden dabei Ziel französischer Bombardierungen von See und aus der Luft und konnten erst nach fünf Gefechtstagen vollständig unter französische Kontrolle gebracht werden.[36][37] Im Rahmen der Kampfhandlungen kamen mehrere Tausend vietnamesische Zivilisten ums Leben.[38]

Die weiteren diplomatischen Gespräche des Jahres 1946 in Dalat und in Fontainebleau blieben ergebnislos da die neue französische Regierung unter Georges Bidault wie die Militärführung zu keinen weiteren Zugeständnissen bereit war.[39][40] Die Führung der kommunistischen Partei kam spätestens im Oktober per Deklaration des Militärkomitees für Gesamtvietnam formell zu dem Schluss dass ein Krieg im ganzen Land unvermeidlich sei um das Ziel der Unabhängigkeit zu erreichen.[41] Am 19. Dezember 1946 kam es durch Sabotage von Viet-Minh-Kräften zu einer totalen Unterbrechung der Stromversorgung von Hanoi. Daraufhin folgte ein Angriff der Viet Minh auf die französischen Truppen in Hanoi und anderen Städten Tonkings. Die Viet Minh konnten erst nach mehrmonatigen Gefechten von den französischen Kräften aus Hanoi vertrieben werden. Infolgedessen setzten sie sich in ihre Basen in den Viet Bac ab und führten von dort aus weiter den Guerillakrieg gegen Frankreich. Dieser als Indochinakrieg bezeichnete Konflikt endete 1954 mit dem erneuten Einzug der Viet Minh in Hanoi.[42]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pierre Brocheux, Daniel Hémery: Indochina. An ambiguous Colonization, 1858–1954. 2009, S. 4, S. 15, S. 85–86.
  2. Pierre Brocheux, Daniel Hémery: Indochina. An ambiguous Colonization, 1858–1954. 2009, S. 305–319.
  3. Pierre Brocheux, Daniel Hémery: Indochina. An ambiguous Colonization, 1858–1954. 2009, S. 274, S. 263, S. 266, S. 269.
  4. Pierre Brocheux, Daniel Hémery: Indochina. An ambiguous Colonization, 1858–1954. 2009, S. 337–338, S. 348.
  5. David G. Marr: Vietnam. State, War And Revolution 1945–1946. 2013, S. 192–194.
  6. Pierre Brocheux, Daniel Hémery: Indochina. An ambiguous Colonization, 1858–1954. 2009, S. 337–338, S. 348.
  7. David G. Marr: Vietnam. State, War And Revolution 1945–1946. 2013, S. 192–194.
  8. Pierre Brocheux, Daniel Hémery: Indochina. An ambiguous Colonization, 1858–1954. 2009, S. 337–338, S. 353–354.
  9. David G. Marr: Vietnam. State, War And Revolution 1945–1946. 2013, S. 183–184.
  10. David G. Marr: Vietnam. State, War And Revolution 1945–1946. 2013, S. 296.
  11. Fredrik Logevall: Embers of War. The Fall of an Empire and the Making of America's Vietnam. 2013, S. 90.
  12. a b Pierre Brocheux, Daniel Hémery: Indochina. An ambiguous Colonization, 1858–1954. 2009, S. 349–351.
  13. Stein Tønnesson: Vietnam 1946. 2010, S. 22.
  14. Fredrik Logevall: Embers of War. The Fall of an Empire and the Making of America's Vietnam. 2013, S. 82–86.
  15. Pierre Brocheux, Daniel Hémery: Indochina. An ambiguous Colonization, 1858–1954. 2009, S. 351–352.
  16. Stein Tønnesson: Vietnam 1946. 2010, S. 76, S. 114.
  17. Stein Tønnesson: Vietnam 1946. 2010, S. 116–117.
  18. David G. Marr: Vietnam. State, War And Revolution 1945–1946. 2013, S. 462–464.
  19. David G. Marr: Vietnam. State, War And Revolution 1945–1946. 2013, S. 333–340.
  20. David G. Marr: Vietnam. State, War And Revolution 1945–1946. 2013, S. 556 f.
  21. David G. Marr: Vietnam. State, War And Revolution 1945–1946. 2013, S. 320–330.
  22. David G. Marr: Vietnam. State, War And Revolution 1945–1946. 2013, S. 333–340.
  23. Stein Tønnesson: Vietnam 1946. 2010, S. 116–117.
  24. David G. Marr: Vietnam. State, War And Revolution 1945–1946. 2013, S. 346, S. 353.
  25. David G. Marr: Vietnam. State, War And Revolution 1945–1946. 2013, S. 140–143.
  26. Fredrik Logevall: Embers of War. The Fall of an Empire and the Making of America's Vietnam. 2013, S. 111–117.
  27. David G. Marr: Vietnam. State, War And Revolution 1945–1946. 2013, S. 408–409.
  28. Fredrik Logevall: Embers of War. The Fall of an Empire and the Making of America's Vietnam. 2013, S. 111–117.
  29. David G. Marr: Vietnam. State, War And Revolution 1945–1946. 2013, S. 286–287.
  30. Stein Tønnesson: Vietnam 1946. 2010, S. 75.
  31. Fredrik Logevall: Embers of War. The Fall of an Empire and the Making of America's Vietnam. 2013, S. 131.
  32. Stein Tønnesson: Vietnam 1946. 2010, S. 46–55.
  33. Pierre Brocheux, Daniel Hémery: Indochina. An ambiguous Colonization, 1858–1954. 2009, S. 357 f.
  34. Fredrik Logevall: Embers of War. The Fall of an Empire and the Making of America's Vietnam. 2013, S. 134–135.
  35. David G. Marr: Vietnam. State, War And Revolution 1945–1946. 2013, S. 441.
  36. Pierre Brocheux, Daniel Hémery: Indochina. An ambiguous Colonization, 1858–1954. 2009, S. 358–360.
  37. Stein Tønnesson: Vietnam 1946. 2010, S. 74–77.
  38. Fredrik Logevall: Embers of War. The Fall of an Empire and the Making of America's Vietnam. 2013, S. 156.
  39. Pierre Brocheux, Daniel Hémery: Indochina. An ambiguous Colonization, 1858–1954. 2009, S. 361.
  40. Fredrik Logevall: Embers of War. The Fall of an Empire and the Making of America's Vietnam. 2013, S. 139–146.
  41. David G. Marr: Vietnam. State, War And Revolution 1945–1946. 2013, S. 494 f.
  42. Stein Tønnesson: Vietnam 1946. 2010, S. 201–202.

Literatur[Bearbeiten]

  • Pierre Brocheux, Daniel Hémery: Indochina. An ambiguous Colonization, 1858–1954 (= From Indochina to Vietnam. Bd. 2). University of California Press, Berkeley CA u. a. 2009, ISBN 978-0-520-24539-6.
  • William J. Duiker: The Communist road to power in Vietnam. Westview Press, Boulder CO 1981, ISBN 0-89158-794-2.
  • Fredrik Logevall: Embers of War. The Fall of an Empire and the Making of America's Vietnam. Paperback edition. Random House, New York NY 2013, ISBN 978-0-375-75647-4.
  • David G. Marr: Vietnam. State, War And Revolution 1945–1946 (= From Indochina to Vietnam. Revolution and War in a global Perspective. Bd. 6). University of California Press, Berkeley CA u. a. 2013, ISBN 978-0-520-27415-0.
  • Stein Tønnesson: The Vietnamese revolution of 1945. Roosevelt, Ho Chi Minh, and De Gaulle in a world at war. International Peace Research Institute, Oslo 1991, ISBN 0-8039-8521-5.
  • Stein Tønnesson: Vietnam 1946. How the War Began. (= From Indochina to Vietnam. Revolution and War in a global Perspective. Bd. 3). University of California Press, Berkeley CA u. a. 2010, ISBN 978-0-520-25602-6.
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