Augustusplatz (Leipzig)

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Der Augustusplatz im Mai 2007
Das 1928 fertiggestellte Kroch-Hochhaus am Augustusplatz war das erste Hochhaus in Leipzig (Foto von 2005)
Der 1960 fertiggestellte Neubau der Oper (Foto von 2004)
Start zum II. KMU-Marathon am 22. Juni 1985 mit 821 Läufern auf dem damaligen Karl-Marx-Platz
Montags-Demonstration in der Umbruchzeit der DDR am 16. Oktober 1989 mit 120.000 Teilnehmern

Der Augustusplatz befindet sich am östlichen Rand der Leipziger Innenstadt. Er ist mit 40.000 m² einer der größten Stadtplätze Deutschlands. Vor der Zerstörung fast sämtlicher Bauten des Augustusplatzes im Zweiten Weltkrieg war dieser als einer der schönsten deutschen Plätze bekannt.

Der Augustusplatz ist als Teil des Leipziger Innenstadtrings ein Hauptverkehrsweg und ein zentraler Knotenpunkt des Straßenbahnnetzes.

Geschichte[Bearbeiten]

1785 begann man mit dem Bau des Platzes an der Stelle der niedergelegten Stadtbefestigung nach Entwürfen des Stadtbaumeisters Johann Carl Friedrich Dauthe, damals noch unter dem Namen »Platz vor dem Grimmaischen Thor«. 1821 errichtete Benedictus Gotthelf Teubner den ersten repräsentativen Neubau am späteren Augustusplatz, Ecke Grimmaischer Steinweg, direkt gegenüber der Universitätskirche. Später schrieb B. G. Teubner, "daß ich damit der Stadt zumal an diesem freien Platze eine wahre Zierde geschaffen und dadurch für die Herstellung schöner Gebäude eine neue Bahn gebrochen habe". [1] 1839 beschloss die Stadt die Umbenennung in Augustusplatz, nach Friedrich August, dem ersten König von Sachsen. 1928 wurde er von der sozialdemokratischen Stadtregierung nach Karl Marx in Karl-Marx-Platz umbenannt. Dieser Name setzte sich allerdings in der Öffentlichkeit nicht durch und wurde selbst in Stadtplänen und Zeitungsartikeln weitgehend ignoriert. 1933 nannten die Nationalsozialisten ihn wieder offiziell Augustusplatz. Ab 1953 hieß das Gelände wieder Karl-Marx-Platz, 1990, am Tag der Wiedervereinigung, erhielt es wieder den Namen Augustusplatz.

Durch die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und durchgreifende städtebauliche Maßnahmen während der DDR hat der Augustusplatz sein historisches Bild verloren. Er wird dominiert vom Opernhaus am Nordrand, dem Neuen Gewandhaus (mit Mendebrunnen) am Südrand und dem Hauptgebäude der Universität samt City-Hochhaus Leipzig am der Innenstadt zugewandten Westrand. Die Ostseite wird gebildet von der in Stahlbetonskelettbauweise errichteten Hauptpost und dem neu gestalteten Radisson Blu Hotel (früher Hotel Mercure).

In den Jahren 1996 bis 1998 wurde unter dem Augustusplatz eine Tiefgarage errichtet, wobei auf dem Platz zahlreiche Aufbauten u.a. für Aufgänge und Entlüftung hinzugefügt wurden, die in der Bevölkerung umstritten sind. Insbesondere die acht beleuchteten Glaszylinder, die die Treppenaufgänge beherbergen, wurden schnell als „Milchtöpfe“ verspottet.

2001 entwarf der Dresdner Architekt Peter Kulka den MDR-Kubus am Augustusplatz.

An der Stelle des jetzigen Universitäts-Hauptgebäudes stand die im Krieg weitgehend unversehrte Universitätskirche St. Pauli, die im Mai 1968 zusammen mit dem äußerlich erhaltenen alten Universitäts-Hauptgebäude (Augusteum, Architekt Albert Geutebrück, Umbau durch Arwed Roßbach) gesprengt wurde.

Der Neubau des Universitätskomplexes, um den in den Jahren 2002 bis 2004 im Hinblick auf einen möglichen Wiederaufbau der Universitätskirche ein heftiger Streit entbrannt war, soll dem Platz wieder neue Akzente geben. Bis zum 600-jährigen Jubiläum der Universität Leipzig im Jahr 2009 sollte die Umgestaltung des Universitätskomplexes abgeschlossen sein, dieses Ziel konnte jedoch nicht erreicht werden. Der dem Augustusplatz zugewandte Hauptteil wird nach Entwürfen des Architekten Erick van Egeraat neu gestaltet und erinnert mit seiner Giebelkonstruktion und der Aula im Innern stilistisch an die zerstörte Universitätskirche. Das Augusteum wurde am 2. Dezember 2011 der Öffentlichkeit präsentiert und sollte zum Sommersemester 2012 übergeben werden.[2] Die ersten universitären Einrichtungen zogen im Mai 2012 ein.[3]

Die Eröffnung des Paulinums wird sich bis 2013[veraltet] verzögern. Die zukünftige Nutzung dieses Neubaus an der Stelle der Paulinerkirche ist umstritten und führte zu einer Verzögerung der Arbeiten.[4]

Auf dem Augustusplatz wurde am 9. Oktober 2009 ein Denkmal des Künstlers Via Lewandowsky enthüllt, die Demokratieglocke, sie erinnert an die Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989. Die Glocke läutet jeden Montag um 18:35 Uhr, dies war etwa der Zeitpunkt des Beginns der Demonstration, außerdem an jedem 9. Oktober um 10:30 Uhr und jeden Tag zwischen 8 Uhr und 20 Uhr innerhalb jeder vollen Stunde einmal nach dem Zufallsprinzip mit einem bis zu zwölf Schlägen. Die Glocke besteht aus Bronze und hat die Form eines etwa ein Meter hohen Eies. [5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Topfstedt, Pit Lehmann (Hrsg.): Der Leipziger Augustusplatz. Funktionen und Gestaltwandel eines Großstadtplatzes. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 1994, ISBN 3-929031-28-0.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Augustusplatz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jürgen Weiß: B. G. Teubner zum 225. Geburtstag. Adam Ries - Völkerschlacht - F. A. Brockhaus - Augustusplatz - Leipziger Zeitung - Börsenblatt. Edition am Gutenbergplatz Leipzig, 2009
  2. Universität Leipzig bekommt größten Hörsaal Sachsens, Freie Presse, 2. Dezember 2011, Zugriff am 4. Dezember 2011
  3. Leipziger Internet Zeitung: Drei Jahre Planverzug: Neues Augusteum der Uni Leipzig geht nun etappenweise in Betrieb, 4. April 2012, Zugriff am 2. Mai 2012
  4. Dankwart Guratzsch: Kirchenarchitektur: Ein Gotteshaus? Oh Gott! Versteckt es!, welt.de, 2. Dezember 2011, Zugriff am 1. Januar 2012
  5. http://kulturstiftung-leipzig.de/projekte/archiv/

51.33916666666712.380833333333Koordinaten: 51° 20′ 21″ N, 12° 22′ 51″ O