Auroville

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Auroville
ஆரோவில்
Auroville (Indien)
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Staat: Indien
Bundesstaat: Tamil Nadu
Distrikt: Viluppuram
Lage: 12° 0′ N, 79° 48′ O1279.8Koordinaten: 12° 0′ N, 79° 48′ O
Einwohner: 2.184

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Auroville (Tamilisch: ஆரோவில், Ārōvil, seltener அயுரோவில், Ayurōvil) ist eine geplante internationale Stadt mit gegenwärtig 2184 Einwohnern. Sie liegt 130 km südlich von Chennai (früher Madras) in der Nähe von Puducherry im Südosten Indiens an der Koromandelküste. Der Name Auroville bedeutet Stadt der Morgenröte[1]; aber der Name Sri Aurobindos ist wohl auch in die Idee der Namensgebung mit eingeflossen.

Historische Entwicklung[Bearbeiten]

Die Idee einer „universellen“ Stadt basiert auf der Gesellschaftstheorie von Sri Aurobindo und wurde von Mira Alfassa, die seit den 1930er Jahren den Sri Aurobindo Ashram in Puducherry organisierte, in die Praxis umgesetzt. Gemeinsam mit der indischen Regierung wurde das Konzept einer universellen Stadt auch der UNO präsentiert. 1966 beschloss die UNESCO eine Resolution, in der die Anerkennung und die Unterstützung des Projektes erklärt wird.

Die Eröffnungs- und Einweihungszeremonie am 28. Februar 1968 wurde vom indischen Präsidenten und Vertretern aus 124 Nationen und 23 Indischen Staaten begleitet, die, um das „universelle“ bzw. „planetare Eigentum“ zu symbolisieren, Erde aus ihren Heimatländern brachten und im Zentrum der Stadt in eine eigens dort für diesen Zweck errichtete, einfache Urne aus weißem Marmor gaben und versiegelten. Rund um die Urne entstand der Versammlungsplatz für die Stadtgemeinschaft und direkt daneben das Matrimandir. (Das Matrimandir ist das sakrale Zentralgebäude im Kerngebiet Stadt Auroville.)

Die Charta Aurovilles[Bearbeiten]

Anlässlich der Gründungsfeierlichkeiten verlas Mira Alfassa in einer Direktübertragung des indischen Rundfunks die 4-Punkte-Gründungsurkunde Aurovilles, die ihre Vision von Integralem Leben und Zusammenleben dokumentiert:

  1. „Auroville gehört niemandem im besonderen. Auroville gehört der ganzen Menschheit. Aber um in Auroville zu leben, muss man bereit sein, dem Göttlichen Bewusstsein zu dienen.
  2. Auroville wird der Ort des lebenslangen Lernens, ständigen Fortschritts und einer Jugend sein, die niemals altert.
  3. Auroville möchte die Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft sein. Durch Nutzung aller äußeren und inneren Entdeckungen wird Auroville zukünftigen Verwirklichungen kühn entgegenschreiten.
  4. Auroville wird der Platz materieller und spiritueller Forschung für eine lebendige Verkörperung einer wirklichen menschlichen Einheit sein.“[2]

Gesetzliche Grundlage[Bearbeiten]

Rathaus von Auroville

Die Stadt selbst befindet sich im Distrikt Viluppuram des indischen Bundesstaats Tamil Nadu. Rechtlicher Besitzer des Landes ist die Auroville Foundation (Auroville-Stiftung). Die gesetzliche Grundlage dafür wurde 1988 durch ein eigenes Gesetz geschaffen, den Auroville Foundation Act. Die Stiftung besitzt derzeit ca. die Hälfte des für das Projekt benötigten Landes. Der Erwerb von weiterem Land wird durch die Fundraising-Aktivitäten der Auroville Foundation ermöglicht.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die soziale Zusammensetzung Aurovilles, das für 50.000 Bewohner geplant ist, umfasst die über 2000 Aurovillianer, mithin zum Teil langjährige Mitglieder der Stadtgemeinschaft aus der ersten Generation, ihre Kinder und Enkel, Neubewohner, Gäste, Studenten (in Saison-Zeiten rund 2000) und einheimische Angestellte (5000–6000). Gegen eine Mitarbeit im Gemeinwesen, die in ihrer Ausgestaltung unterschiedlich aussehen kann, steht jedem Aurovillianer ein Grundeinkommen zur Verfügung, von dem die Lebenshaltungskosten bestritten werden können. Diese „maintenance“ liegt bei ca. 6000 Rupien. Es gibt allerdings Staffelungen.
Laut der letzten offiziellen statistischen Erhebung vom November 2009 leben in Auroville 2184 Menschen (1704 Erwachsene und 480 Kinder). Insgesamt kommen die Bewohner von Auroville aus 45 Nationen. Dabei stellen die größten Bevölkerungsanteile die Inder (42 %), die Franzosen (15 %) und die Deutschen (11 %). Taiwan und China kamen als Neuzugänge hinzu.

Stadtanlage[Bearbeiten]

Matrimandir in Auroville

Gegenwärtig (Sept. 2006) erstrecken sich über das Gebiet von Auroville mehr als 100 Ansiedlungen in unterschiedlicher Ausprägung, Lebensstandard sowie Schwerpunkt von beruflicher und sonstiger Tätigkeit.
Entworfen von einer Architektengruppe um den französischen Architekten Roger Anger, soll sich die zukünftige Stadt für ca. 50.000 Bewohner in Form einer Spiralgalaxie um den Zentralbereich erstrecken. Im Zentrum erhebt sich das Matrimandir (dt.: Tempel der Mutter), ein Zentralbau sakralen Charakters inmitten einer eigens geschaffenen, öffentlichen Gartenanlage. Vier Stadtsektoren, jeweils mit einem Nutzungsschwerpunkt – Kultur, Internationalität, Industrie und Wohnbereich – erstrecken sich vom Matrimandir strahlenförmig über eine Fläche von 25 km², wovon bis jetzt (Stand: 2006) erst 10 km² verwirklicht wurden. Das Projekt selbst befindet sich noch im Stadium einer Experimentalstadt. Es stellt wie das Projekt Arcosanti (USA) den kollektiven Versuch der Realisierung einer Stadtutopie dar, mit neuen Wohn- und Lebensbedingungen zu experimentieren. Darüber hinaus werden andere Formen des sozialen Zusammenlebens durch größere Gemeinschaften (communities) entwickelt. Verschiedene Projekte forcieren die Nutzung alternativer Energiequellen. Zudem wird seit einigen Jahrzehnten wegen der gebietsweise starken Erosion ein für Indien vorbildliches Wiederaufforstungsprogramm durchgeführt.

Auroville Village Action Group[Bearbeiten]

Die Auroville Village Action Group, kurz AVAG, wurde 1983 von einer Gruppe von Aurovillianern, Dorfbewohnern und Sozialarbeitern gegründet. Die Ziele waren kulturelle Zusammenarbeit, Austausch über Bildungs- und Kulturprojekte und eine langfristige Förderung integrativer Prozesse mit den tamilischen Dorfbewohnern. Unter der Einbeziehung von Frauen und Jugendlichen haben Dorfgruppen Schulen wieder aufgebaut, veranstalten Abendkurse, reparieren Straßen und helfen dadurch den Standard des Kollektivlebens in den ca. 50 Dörfern um Auroville zu heben. Die derzeitigen Schwerpunkte liegen bei der Emanzipation der Frauen und Mikrofinanzen. Seit 2005 wird das Projekt von Sozialdienern des Österreichischen Auslandsdienstes unterstützt.

UNESCO-Feier zum 40. Jahrestag[Bearbeiten]

Am 10. Oktober 2008 lud die UNESCO Repräsentanten von Auroville und Auroville International zu einer Feier in Paris, um die 40-jährige Kooperation zwischen der UNESCO und Auroville zu würdigen. Zu den 700 Gästen zählten auch Botschafter und andere Offizielle zahlreicher Länder. Generalsekretär Koichiro Matsuura hielt eine Ansprache und bekräftigte die Unterstützung seiner Organisation für Auroville, welches „ein beispielloses Experiment“ sei. Die Fähigkeit Aurovilles, vier Jahrzehnte lang zu überleben und sich zu entwickeln, lege Zeugnis ab für die Stärke der Gründungsprinzipien wie für die Entschlossenheit und Ausdauer seiner Bewohner. Er hoffe, dass die in Auroville gelernten Lektionen ähnliche Experimente nachhaltigen Lebens in anderen Teilen der Welt inspirieren würden. In einem Brief an die indische Delegation schlug die UNESCO vor, Auroville durch Aufnahme in die indische Vorschlagsliste zum Weltkulturerbe zu erklären.

Einweihung des tibetischen Pavillons[Bearbeiten]

Am 20. Januar 2009 weihte der Dalai Lama, assistiert von acht Mönchen, den Pavillon der Tibetischen Kultur in der Internationalen Zone von Auroville ein, wobei nach buddhistischem Ritual Duftkerzen entzündet und Gebete gesungen wurden. Später besuchte der Dalai Lama die einzelnen Räume des Pavillons und das Matrimandir. In einem Vortrag würdigte er den Geist der Brüderlichkeit und Schwesterlichkeit in Auroville, welcher von großer Bedeutung sei in einer Welt, deren meiste Probleme auf eine zu große Gewichtung individueller Interessen zurückzuführen seien. Das wahre kulturelle Erbe Tibets beruhe auf Mitgefühl und sei über die Jahrtausende bewahrt worden. Es gehöre nicht nur den Tibetern, sondern der gesamten Menschheit, und der tibetische Pavillon stehe als Symbol dafür.

Die Einweihung des tibetischen Zentrums erfolgte im Einklang mit dem Plan der Mutter, dass im Laufe der Zeit die Länder der Welt einen eigenen Pavillon in der Internationalen Zone Aurovilles errichten würden, um dort gemeinsam mit anderen Nationen ihre eigene spezifische Kultur lebendig darstellen zu können.

Auroville International[Bearbeiten]

Zur Unterstützung des Projektes Auroville wurden in Deutschland der gemeinnützige Verein Auroville International (AVI) Deutschland e.V. gegründet. Er möchte das Zukunftsprojekt Auroville in Deutschland bekannt machen und an der Verwirklichung des Ideals der menschlichen Einheit mitwirken. Er ist Mitglied in der 1983 in den Niederlanden registrierten Nichtregierungsorganisation (NGO) Auroville International.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Titel in deutscher Sprache:

  • Mira Alfassa: Die Mutter über Auroville, Auropublikations (Hrsg.), Sri Aurobindo Ashram Trust, Pondicherry 1978, o.ISBN
  • Renate Börger: Auroville  –  Eine Vision blüht, Verlag Connection Medien, Niedertaufkirchen 2004, 3. veränderte Aufl., ISBN 3-928248-01-4
  • Alan G. (Hrsg.): Auroville  –  Ein Traum nimmt Gestalt an, o.O. (vermutlich Auroville/ Pondicherry) 1996, 1. dt. Aufl., o.ISBN
  • Michel Klostermann: Auroville  –  Stadt des Zukunftsmenschen; Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/M., Februar 1976; ISBN 3-436-02254-3
  • Ulla Lenze: Archanu, Roman. Ammann Verlag, Zürich 2008, ISBN 3-250-60105-5


Titel in englischer Sprache:

  • The Auroville Handbook. Abundance Publications, ACUR, Auroville 605101
  • Auroville  –  Development Perspectives 1993–1998  –  An Invitation To Participate, Typoskript, Autoren/Hrsg. Auroville Development Group, Bharat–Nivas, Auroville 1993, o.ISBN
  • K.M. Agarwala (Hrsg.): Auroville - The City Of Dawn, Sri Aurobindo Center New Delhi 1996, o.ISBN
  • Auroville References in Mother's Agenda, Auroville Press, Auroville, o.J., o.ISBN
  • Jerome Clayton Glenn: Linking the Future: Findhorn, Auroville Arcosanti, published by Hexiad Project/ Center on Technology and Society, Cambridge, Massachusetts 1979, o. ISBN
  • Anupama Kundoo: Roger Anger, Research on Beauty, Architecture 1953-2008, JOVIS Verlag Berlin 2009, ISBN 978-3-86859-006-7
  • Lonely Planet 2005: India, o.ISBN
  • Peter Richards: Experience!Auroville  –  Guide Book for Guests and Visitors, Pondicherry 2000, o.ISBN
  • Savitra: Auroville: Sun-Word Rising  –  A Trust For The Earth, published by The Community of Auroville, Auroville 1980, o.ISBN
  • The Auroville Adventure  –  Selections from ten years of Auroville Today, published by Auroville Today, Auroville 1998, o.ISBN
  • The Auroville Experience  –  Selections from 202 issues of Auroville Today, November 1988 to November 2005, published by Auroville Today, Auroville 2006, o.ISBN

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Auroville – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Formulierung auf der offiziellen Website von Puducherry
  2. Renate Böger: Auroville – Eine Vision blüht. Niedertaufkirchen 1993, S. 73.