Ausfahrsignal

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Ausfahrsignal mit Signalbegriff Hp 0, Halt im Bahnhof Aalen.

Ein Ausfahrsignal (Abkürzung: Asig) ist ein Eisenbahnsignal. Ein Ausfahrsignal ist das letzte in Fahrtrichtung stehende Hauptsignal eines Bahnhofs, das bei einer Fahrt in Richtung freie Strecke passiert wird. Die freie Strecke beginnt jedoch nicht am Ausfahrsignal selbst, sondern auf Höhe des Einfahrsignals der Gegenrichtung. Kein Zug darf aus einem Bahnhof ohne Zustimmung des Fahrdienstleiters abfahren. Im Regelfall erteilt der Fahrdienstleiter die Zustimmung zur Abfahrt durch das „auf Fahrt stellen“ des Ausfahrsignals.

Die Fahrtstellung des Ausfahrsignals ist zum einen von der vollständigen Einstellung einer Fahrstraße bis zum nächsten Hauptsignal abhängig, zum anderen aber auch von der korrekten Funktion des Streckenblocks. Ist die Strecke frei und der Streckenblock in ungeblockter Stellung, wird durch die einzustellende Zugfahrstraße auch der Streckenblock vorgeblockt, so dass die Fahrrichtung auf der Strecke festgelegt wird und aus der Gegenrichtung keine Zugfahrstraße mehr eingestellt werden kann. Erst nach erfolgreichem Vorblocken kann das Ausfahrsignal auf Fahrt gestellt werden.

Ist das Ausfahrsignal vom Bahnsteig aus nicht immer zu sehen, wird dessen Fahrtstellung mit einem im Bahnsteigbereich angebrachten Fahrtanzeiger angezeigt. Dieser zeigt einen weiß leuchtenden, nach rechts steigenden Balken. Der Fahrtanzeiger ist nicht signaltechnisch sicher und gehört nicht zu den Eisenbahnsignalen; er entbindet den Triebfahrzeugführer nicht von der Beobachtung des Ausfahrsignals. Der Triebfahrzeugführer muss bei schlechten Sichtverhältnissen, auch wenn der Fahrtanzeiger geleuchtet hat, so vorsichtig an das Ausfahrsignal heranfahren, dass er den Zug noch anhalten kann, wenn es unerwartet Halt zeigt.

Man beachte, dass − zumindest in Deutschland − ein einen Fahrtbegriff zeigendes Ausfahrsignal dem Triebfahrzeugführer keinen Abfahrauftrag erteilt. Es zeigt lediglich an, dass die „Ausfahrt steht“, also die Fahrstraße für die Ausfahrt eingestellt ist und der Zug gefahrlos abfahren kann (daher auch der Ausdruck Zustimmung des Fahrdienstleiters, s.o.). Der Abfahrauftrag wird durch die Zugaufsicht mit dem Signal Zp 9 gegeben. Die Zugaufsicht kann einer Örtlichen Aufsicht oder dem Zugführer übertragen sein. Oft ist dazu am Ausfahrsignal ein Zusatzanzeiger angebracht, der Zp 9 als Lichtsignal (ein grün leuchtender Ring oder ein senkrechter grüner Lichtstreifen) zeigt. Dieses Lichtsignal wird oft durch einen auf dem Bahnsteig stehenden Schalter gestellt. Ist der Triebfahrzeugführer selbst Zugführer, dem die Zugaufsicht übertragen wurde, entfällt die Erteilung des Signals Zp 9.

Schweiz[Bearbeiten]

In den Schweizer Fahrdienstvorschriften ist die Definition sinngemäß die gleiche wie in Deutschland, jedoch ist keine Abkürzung für den Begriff "Ausfahrsignal" festgelegt; ein im deutschsprachigen Bereich übliches Kürzel ist "AS".

Für Situationen, in denen dem Lokführer der Blick aufs Ausfahrsignal verwehrt ist, wird in der Schweiz als Analogie zum deutschen Fahrtanzeiger ein sogenannter Fahrtstellungsmelder installiert. Dieser unterscheidet sich in seinem Aussehen jedoch grundsätzlich vom deutschen Gegenstück. In beleuchtetem Zustand zeigt er einen nach oben gerichteten weißen oder orangefarbenen Pfeil. In modernen Zügen kann die Zustimmung zur Fahrt auch per ZUB-Display an den Lokführer erfolgen.

Die Fahrtstellung des Ausfahrsignals gilt grundsätzlich nur als fahrdienstliche "Zustimmung zur Fahrt". Sie stellt noch keine Abfahrerlaubnis dar. Diese wird durch den Zugbegleiter erteilt entweder per Handsignal oder per SMS oder - wo vorhanden - durch Betätigen eines ortsfesten Signals für die Abfahrerlaubnis. Bei diesem handelt sich um einen quadratischen Signalschirm mit einem grünen und einem weißen Licht. Für einige Züge kann in den Fahrordnungen und für einige Bahnhöfe in den Bestimmungen des Infrastrukturbetreibers festgelegt sein, dass die Abfahrerlaubnis durch den Fahrdienstleiter erfolgen muss.

Gruppenausfahrsignal[Bearbeiten]

In älteren Bahnhofsanlagen finden sich teilweise Gruppenausfahrsignale. Ein solches Signal steht in der Regel an der Ausfahrweiche mehrerer zugehöriger Gleise und gilt entsprechend für sämtliche Fahrten über diese Gleisgruppe.

Da diese Konstellation eine erhöhte Sicherheit erfordert, gelten einige besondere Bestimmungen.

So findet sich oftmals in jedem der betreffenden Gleise eine sogenannte Gruppensignal-Halttafel, die den spätesten Halteort eines einfahrenden Zuges markiert. Aufgrund ihres Aussehens - ein orangefarbenes, auf der Spitze stehendes Dreieck auf weißem Hintergrund - wird sie auch als "Rübli"-Tafel bezeichnet.

Um eindeutig zu signalisieren, für welches Gleis die Zustimmung zur Fahrt gilt, gibt es unterschiedliche Zusatzsignalisierungen: Fahrbegriffstafel, Fahrtstellungsmelder, Fahrt zeigendes Zwergsignal, beleuchtetes Gleisnummernsignal, beleuchteter Hinweispfeil Gruppensignal.

Ist keine von diesen vorhanden, muss der Fahrdienstleiter sämtliche fahrbereiten Lokführer in der Gleisgruppe verständigen, für die die Zustimmung zur Fahrt nicht gilt. Dies kann beispielsweise auch bei einem einzigen wartenden Zug der Fall sein, wenn dieser von einem durchfahrenden Zug überholt werden soll.

Wegen des erhöhten Risikos von Zugskollisionen werden Gruppenausfahrsignale bei Modernisierungsmassnahmen von Bahnhöfen durch reguläre Ausfahrsignale ersetzt.