Ausfallende

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Schräge Bauweise: Ausfallende mit Aufnahmen für Schutzblech und Gepäckträger, ohne Schaltauge (Tourenrad)
Vertikales Ausfallende am Alu-Rennrad mit wechselbarem Schaltauge
Horizontale Ausfallenden an einem italienischen Rennrad
Rohloff-Ausfallende für Nabenschaltungen, Kombination aus horizontaler und vertikaler Bauweise

Ausfallende (sprich: Aus·fall'en·de) ist ein Fachbegriff im Fahrradbau. Als Ausfallende bezeichnet man Aufnahmen für die Hinterradachse, welche das Hinterrad halten.

Die Enden der Vorderradgabel werden manchmal auch Ausfallenden genannt, die korrekte Bezeichnung ist Gabelausfall.[1]

Bauformen[Bearbeiten]

Schräge Bauweise
Die nach unten schräge Bauform ist nach vorne offen und erlaubt eine Spannung der Kette ohne Kettenspanner. Diese Ausfallenden sind heute der gebräuchlichste Standard bei Mountainbikes, Renn- und Trekkingrädern sowie diesen Typen ähnelnden Bauformen. Oft ist am rechten Ausfallende ein Schaltauge befestigt, bei einigen Herstellern ist dieses wechselbar. Die Kombination von schrägem Ausfallende und Schaltauge hat den Vorteil, dass entsprechende Fahrräder sowohl mit Ketten- als auch mit Nabenschaltung geliefert werden können. Verlaufen die Ausfallenden tangential zum Bremspunkt auf der Felge, erfordern sie nach dem Verschieben der Achse seltener ein Nachjustieren von Felgenbremsen, da die relative Position zwischen Bremse und Felge konstant bleibt und die Bremse nicht wie bei horizontalen Gabelenden auf und ab wandert. Bei Rennrädern findet sich am Ausfallende oft eine Stellschraube mit Feder, welche ein genaues (mittiges) Einbauen des Hinterrades ermöglicht. Außerdem lässt sich mit den Schrauben der Abstand zwischen oberem Schaltröllchen und Zahnkranzpaket einstellen, weil das Rad in Relation zum Schaltwerk verschiebt. Bei heutigen Schaltwerken, die dafür eine zusätzliche Einstellschraube besitzen, ist das nicht mehr nötig, daher finden sich an immer mehr Rennrädern und Mountainbikes sehr kurze schräge oder gar vertikale Ausfallenden. Aufnahmen für Gepäckträger, Schutzbleche können sich ebenfalls am Ausfallende befinden. Die Scheibenbremse wird stets auf der linken Seite montiert.
Vertikale Bauweise
Vertikale Ausfallenden sind nach unten offen. Da auf der Bahn bei den Sprints sehr hohe Antrittskräfte auftreten, stellte man früher spezielle Bahnrahmen mit nach unten offenen Ausfallenden her, die ein Verrutschen der Achsen verhinderten. Die heute verwendeten hochfesten Spannachsen erlauben Klemmkräfte, die das verhindern. Rahmen, in denen vertikale Ausfallenden verbaut sind, lassen zunächst nur Kettenschaltungen zu, da die Kette nur mittels eines Kettenspanners gespannt werden kann. Durch ein Exzenterinnenlager kann die Kette jedoch auch ohne Kettenspanner gespannt und das Fahrrad mit Nabengangschaltung oder ohne Gangschaltung gefahren werden.
Kettenspanner für Fahrräder mit horizontalen Gabelenden
Horizontale Ausfallenden
Horizontale Ausfallenden sind nach hinten offen. Mit der Erfindung der schrägen Ausfallenden in den 1930er-Jahren wurde diese Bauform an Alltagsrädern größtenteils abgelöst. Bei Bahnrädern sind sie auch heute noch Standard und werden aktuell noch bei Hollandrädern und einigen Spezialanfertigungen verwendet. Jüngst finden sich vertikale Ausfallenden wieder häufiger an sog. Eingangrädern. Die Kette kann durch das Nachhintenziehen des Laufrads gespannt werden. Zusätzlich kommen manchmal auch Kettenspanner zum Einsatz.
Rohloff-Ausfallenden
Das Rohloff-Ausfallende ist genaugenommen eine Kombination aus der horizontalen und vertikalen Bauform. Die Nabe wird vertikal geklemmt, d. h. man schiebt das Laufrad von unten in das eigentliche Ausfallende. Um die Kette spannen zu können, befinden sich im Hinterbau des Rahmens Langlöcher, das eigentliche (vertikale) Ausfallende lässt sich um einige Millimeter nach hinten bewegen. Somit verbindet man die Vorteile von vertikalem und horizontalem Ausfallende: Die Position des Hinterrads wird nur einmal eingestellt und verstellt sich durch einen Radausbau nicht (was bei horizontalen Ausfallenden zwangsläufig der Fall ist).
Steckachsen
Beim Mountainbike werden teilweise auch Ausfallenden mit Steckachse verbaut. Bei Steckachssystemen wird die Achse nicht von unten, vorne oder hinten eingeführt, sondern durch eine dafür vorgesehene Öffnung gesteckt, gekontert und geklemmt. Steckachsen haben einen höheren Durchmesser als gängige Schnellspannachsen (in der Regel 12 oder 15 Millimeter) und werden mit dem Rahmen verschraubt. Schnellspannachsen haben in der Regel die höchste Auflage vertikal am Ausfallende (in Fahrtrichtung gesehen) und können Seitenkräfte nur schwer abfangen, da sie nur zur Klemmung des Hinterrades relevant sind. Steckachsen werden, genaugenommen, direkt mit dem Rahmen verschraubt und sorgen somit (auch aufgrund ihres Durchmessers) für eine erhöhte Stabilität und weniger Verwindung des Hinterbaus. Derzeit werden Hinterbausteckachsen allerdings fast nur bei Downhill- oder Freeride-Mountainbikes verbaut.

Einbaubreite[Bearbeiten]

Der Abstand zwischen den Ausfallenden wird als Einbaubreite bezeichnet. Die Breite der Hinterradnabe muss dabei passend zur Einbaubreite des Rahmens gewählt werden. Ein Zusammenstauchen oder Auseinanderbiegen des Hinterbaus, um eine nicht exakt passende Nabe einbauen zu können, ist zwar möglich, aber nicht empfehlenswert, da dabei der Rahmen beschädigt werden kann und die Ausfallenden danach nicht mehr planparallel zueinander stehen, was zu Problemen bei der Einstellung der Schaltung führen kann. Fahrradwerkstätten haben Spezialwerkzeuge, mit denen man Ausfallenden und Schaltauge richten kann.

Art der Nabe Breite in mm
BMX 110
Rücktritt ohne Schaltung 109–110
Bahnrad 120 (selten 110)
2-Gang-Naben 112–114
3-Gang-Naben 116–118
5-Gang-Naben 122
5-Gang-Naben mit Trommelbremse 126
7-Gang-Naben 130
14-Gang-Rohloff 135
3–5-fache Kränze 124
6–7-fache Kränze Rennrad 126
6–7-fache Kränze 127
8–11-fache Kränze Rennrad 130
8–10-fache Kränze MTB 135
Tandem 135–160

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Smolik Velotech

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Gressmann, Franz Beck, Rüdiger Bellersheim: Fachkunde Fahrradtechnik. 1. Auflage, Verlag Europa Lehrmittel, Haan-Gruiten, 2006, ISBN 3-8085-2291-7
  • Fritz Winkler, Siegfried Rauch: Fahrradtechnik Instandsetzung, Konstruktion, Fertigung. 10. Auflage, BVA Bielefelder Verlagsanstalt GmbH & Co. KG, Bielefeld, 1999, ISBN 3-87073-131-1

Weblink[Bearbeiten]