Austen Chamberlain

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Sir Austen Chamberlain
Gustav Stresemann, Chamberlain, Briand in Locarno
Chamberlain 1924
Philip Alexius de László: Rt. Hon. Sir Austen Chamberlain, Öl auf Leinwand, 1920

Sir Joseph Austen Chamberlain, KG (* 16. Oktober 1863 in Birmingham; † 17. März 1937 in London) war ein britischer Politiker und Außenminister. Er erhielt 1925 gemeinsam mit US-Vizepräsident Charles Gates Dawes den Friedensnobelpreis.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Sir Joseph Austen Chamberlain, ältester Sohn des britischen Handels- und Kolonialministers Joseph Chamberlain und Halbbruder des späteren Premierministers Arthur Neville Chamberlain, besuchte zunächst die Rugby School und absolvierte anschließend sein Geschichtsstudium am Trinity College der University of Cambridge. Anschließend studierte er neun Monate an der École des Sciences Politiques in Paris und zwölf Monate in Berlin. Als er 1887 nach Birmingham zurückkehrte, arbeitete er zuerst als Privatsekretär seines Vaters Joseph Chamberlain.

Seine politische Laufbahn begann im Amt des Bürgermeisters von Birmingham. Ab 1892 war er dann Abgeordneter im House of Commons für die Liberalen Unionisten, die von seinem Vater geleitet wurden. Ab 1900 war er Finanzsekretär im Schatzamt und ab 1903 bis 1905 Schatzkanzler. Ab 1912 war er dann Abgeordneter der Konservativen im Parlament. Von 1915 bis 1917 arbeitete er als Staatssekretär für Indien und ab 1918 als Mitglied des Kriegskabinetts. Im Ersten Weltkrieg trat Chamberlain entschieden für eine britische Beteiligung ein. Nach dem Krieg war er von 1919 bis 1921 Finanzminister des Landes und setzte sich für eine strenge Steuerpolitik zur Zurückzahlung von Staatsschulden ein. 1921 wurde er für ein Jahr Parteiführer der Konservativen Partei und im gleichen Jahr Lordsiegelbewahrer.

Im Jahr 1924 bekam er das Amt des Außenministers unter dem Premierminister Stanley Baldwin und behielt dieses Amt bis 1929. In dieser Position war er gemeinsam mit den französischen und deutschen Amtskollegen Aristide Briand und Gustav Stresemann wesentlich an den Vorarbeiten und dem Zustandekommen der 1925 unterzeichneten Verträge von Locarno beteiligt. Dieser internationale Vertrag zwischen Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien sollte nach dem Ersten Weltkrieg die europäische Friedensordnung stabilisieren und eine Garantie für die zwischen den Ländern Belgien, Deutschland und Frankreich vereinbarten Grenzen bieten sowie damit zur Versöhnung der ehemaligen Kriegsgegner beitragen. Deutschland wurde in diesem Vertrag die Aufnahme in den Völkerbund zugesichert. Für seine Verdienste am Zustandekommen dieser europäischen Nachkriegsordnung erhielt er 1925 gemeinsam mit dem amerikanischen Finanzpolitiker Charles Gates Dawes den Friedensnobelpreis. Diesen unterstützte er bereits 1924 bei der Ausarbeitung seines Dawes-Planes, der eine Stabilisierung der Währung in Deutschland ermöglichen sollte und als Voraussetzung für die Verträge von Locarno diente.

Am 17. März 1937 starb er in London an einem Schlaganfall.

Werke[Bearbeiten]

  • The League of Nations. – Glasgow : Jackson, Wiley, 1926
  • Peace in Our Time : Addresses on Europe and the Empire. – London : Allen, 1928
  • Speeches on Germany. – London : Friends of Europe Publications, 1933
  • Down the Years. – London : Cassell, 1935
  • Politics from Inside : An Epistolary Chronicle, 1906-1914. – London : Cassell, 1936 (dt. Ausgabe zusammen mit Down the Years als Englische Politik: Erinnerungen aus fünfzig Jahren. – Essen : Essener Verlagsanstalt, 1938)

Literatur[Bearbeiten]

  • Sir Charles Petrie: The Chamberlain Tradition. – New York : Stokes, 1938
  • ders.: The Life and Letters of the Right Hon. Sir Austen Chamberlain. – London : Cassell, 1939
  • Joseph-Louis Coudurier de Chassaigne: Les Trois Chamberlain : Une Famille de grands parlementaires anglais. – Paris : Flammarion, 1939.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Austen Chamberlain – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien