Austrian-Airlines-Flug 901

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56.00260537.096024Koordinaten: 56° 0′ 9″ N, 37° 5′ 46″ O

Austrian-Airlines-Flug 901
Vickers Viscount - 8967302679.jpg

Undatierte Aufnahme der verunglückten Maschine

Unfall-Zusammenfassung
Unfallart CFIT
Ort Kryukovo (Selenograd), SowjetunionSowjetunion Sowjetunion
Datum 26. September 1960
Todesopfer 31
Verletzte 6
Überlebende 6
Luftfahrzeug
Luftfahrzeugtyp Vickers Viscount
Betreiber Austrian Airlines, OsterreichÖsterreich Österreich
Kennzeichen OE-LAF
Passagiere 31
Besatzung 6
Liste von Katastrophen der Luftfahrt

Beim Austrian-Airlines-Flug 901 kollidierte am 26. September 1960 eine Vickers Viscount der österreichischen Fluggesellschaft Austrian Airlines beim Anflug auf den Flughafen Moskau-Scheremetjewo bei regnerischen Verhältnissen mit dem Gelände, wobei 31 der 37 Insassen getötet wurden.[1]

Flugverlauf[Bearbeiten]

Der Pilot Erwin Wilfing (* 1934) und sein Copilot Ferdinand Freisleben (* 1921) starteten die Maschine um 13.45 Uhr am Flughafen Wien-Schwechat. Der Flug führte über den Flughafen Warschau-Okęcie zum Flughafen Moskau-Scheremetjewo, wobei die dortige Ankunftszeit für 21.45 Uhr Ortszeit festgelegt war. Aufgrund des schlechten Wetters in Russland hatte der Flug bereits 35 Minuten Verspätung.

Beim Anflug auf den Flughafen Moskau-Scheremetjewo wurden zwei Warteschleifen geflogen und danach vom Kontrollturm die Landfreigabe für Landebahn 07 erteilt, worauf der Sinkflug begonnen und das Fahrwerk und die Landeklappen ausgefahren wurden. Rund 10 km westlich des Flughafens, nahe dem Ort Kryukovo, berührte die Maschine in nur 20 m Höhe Baumwipfel. Der Pilot versuchte noch diesen Fehler zu korrigieren und die Maschine nach oben zu steuern, was nicht mehr gelang. Die Maschine schlug eine 400 m lange Schneise in das dichte Waldgebiet und fing Feuer.[2] Nachdem der Kontrollturm das Flugzeug über Funk nicht erreichen konnte, wurde Alarm ausgelöst. Das Unglück wurde von einer Gruppe Studenten verfolgt, die unweit der Absturzstelle ein Quartier hatten. Sie waren die ersten Helfer vor Ort. Die Evakuierungsarbeiten im dichten unwegsamen Gelände gestalteten sich durch den durch Regen aufgeweichten Boden als besonders schwierig.

Opfer[Bearbeiten]

Bei dem Unglück starben 18 Österreicher, sechs Russen, drei US-Amerikaner, zwei Inder, eine Australierin und ein Engländer. Direkt an der Unfallstelle verloren 27 Insassen ihr Leben. Zehn noch überlebende Personen wurden in das örtliche Krankhaus von Kryukovo gebracht, wo zwei von ihnen verstarben. Die acht Überlebenden wurden in das Moskauer Botkin-Krankenhaus gebracht, wo zwei Österreicher Tage später verstarben. Die meisten der Opfer befanden sich im vorderen Teil des Flugzeugs.

Für die Identifizierung der Leichen wurde der Wiener Gerichtsmediziner Wilhelm Holczabek nach Moskau entsandt. Die 25 Särge der Toten, welche nicht in Russland beerdigt wurden, wurden am 4. Oktober 1960 mit einer Aeroflot-Chartermaschine nach Wien gebracht und dort von Bundeskanzler Julius Raab, Vizekanzler Bruno Pittermann und den trauernden Angehörigen übernommen.

Das einzig überlebende Crewmitglied war die Stewardess Maria Wernle (* 1932).[3]

Fluggerät[Bearbeiten]

Die viermotorige Vickers Viscount 880 mit Turboprop-Antrieb wurde im Februar 1960 als erste von sechs neu angeschafften Flugzeugen, zu einem Stückpreis von knapp 35 Millionen Schilling, an die AUA ausgeliefert und auf den Namen des österreichischen Komponisten Joseph Haydn getauft. Die Maschine trug die Serien Nummer 437 und war bis zum Unglück knapp 1300 Stunden geflogen. Für die erst drei Jahre zuvor gegründete Fluggesellschaft, die erst im April 1958 ihre ersten Flüge aufnahm, war dies der erste Verlust eines Flugzeuges.

Unfallursache[Bearbeiten]

Der Unfall wurde von den russischen Behörden und vom österreichischen Verkehrsministerium, vertreten durch Ministersekretär Vogl und Felix Schalk, späterer Direktor der Austrian Airlines, untersucht.

Als Unfallursache wurde eine falsche Anzeige der Flughöhe am Höhenmesser verantwortlich gemacht, die zu einem gesteuerten Flug ins Gelände führte. Ob die verantwortlichen Piloten die Flughöhe falsch interpretiert haben oder die Höhenmesser im Cockpit defekt war, konnte nicht eruiert werden.

Die Unfallberichte zwischen Österreich und Russland wurden bereits im Oktober gegenseitig ausgetauscht und an den damaligen Bundesminister für Verkehr und Elektrizitätswirtschaft Karl Waldbrunner übermittelt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. aviation-safety.net: Beschreibung des Unfalls aufnaviation-safety.net, abgerufen am 4. Oktober 2012
  2. AUA.-Absturz bei MOSKAU: 30 Tote. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 28. September 1960, S. 1.
  3. kleinezeitung.at Villacherin überlebte Flugzeugunglück von 1960: „Ich erwachte und meine Strümpfe brannten“, vom 15. Juni 2009