Autódromo José Carlos Pace

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Autódromo José Carlos Pace
Interlagos
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Adresse:
Autódromo de Interlagos
Av. Senador Teotônio Vilela, 261
Interlagos - São Paulo

Autódromo José Carlos Pace (Brasilien)
Red pog.svg
BrasilienBrasilien São Paulo, Brasilien
Interlagos 2006 aerial.jpg
Streckenart: permanente Rennstrecke
Eröffnung: 12. Mai 1942
Austragungsort
Formel 1:
seit 1973
Zeitzone: UTC-3 (BRT)
Streckenlayout
Circuit Interlagos.png
Streckendaten
Wichtige
Veranstaltungen:
Formel 1, FIA-GT1-Weltmeisterschaft
Streckenlänge: 4,309 km (2,68 mi)
Kurven: 15
Rekorde
Streckenrekord:
(Automobil)
1:11,473 min.
(Juan Pablo Montoya, Williams-BMW, 2004)
Alte Grand- Prix- Strecke bis 1980
Circuit Interlagos 1977.svg
Streckendaten
Wichtige
Veranstaltungen:
Formel 1
Streckenlänge: 7,960 km (4,95 mi)
Kurven: 17
Rekorde
Streckenrekord: 2: 21,40 min.
(Jean- Pierre Jabouille, Renault F1, 1980)
http://www.autodromointerlagos.com

-23.701388888889-46.696944444444Koordinaten: 23° 42′ 5″ S, 46° 41′ 49″ W

Start-Ziel-Gerade

Das Autódromo José Carlos Pace (auch bekannt als Rennstrecke von Interlagos, dt.: „zwischen den Seen“) ist eine Motorsportrennstrecke in Brasilien. Die Rennstrecke befindet sich ungefähr zwölf Kilometer außerhalb von São Paulos Stadtkern im Stadtbezirk Parelheiros. Das Gebiet wird nach der Rennstrecke auch Interlagos genannt.

Geschichte[Bearbeiten]

Entwicklung[Bearbeiten]

1938 als Projekt zur Stadtentwicklung begonnen, wurde der Rennkurs von Interlagos am 12. Mai 1940 eröffnet. Es fanden in den ersten Jahren jedoch eher sporadische Motorrad- und Autorennen statt. Ab den 1950er Jahren erlebte Interlagos eine erste Blütezeit. 1951 wurde das erste 24h-Langstreckenrennen abgehalten. Im Januar 1952 fand der "Grand Prix der Stadt Sao Paulo" statt, den Juan Manuel Fangio in einem Ferrari 166 fur sich entschied. Wenige Jahre später organisierten Wilson Fittipaldi senior, Vater von Emerson Fittipaldi und Wilson Fittipaldi junior, und Eloy Gagliano dann ein Tausend-Meilen-Rennen in Form der Mil Milhas Brasileiras, die sich in der Folge zu einem festen Bestandteil im brasilianischen Rennkalender entwickelten. Der Militärputsch 1964 traf den brasilianischen Automobilsport jedoch hart; es wurden in der Folge nur wenige Rennen ausgetragen. Doch ab Ende der 1960er Jahre verfolgten Piero Gancia, Mauro Salles, Präsident des brasilianischen Automobilverbands, und Antonio Scavone, Direktor von TV Globo, den Plan, die Formel 1 nach Brasilien zu holen. Ab 1968 begann der Ausbau zu einer modernen Strecke und es entstand ein acht Kilometer langer Kurs sowie die erforderliche Infrastruktur für internationale Rennveranstaltungen. 1970 wurde die Piste wiedereröffnet und es wurde das erste internationale Formel Ford-Turnier in Sao Paulo ausgetragen, was Lokalmatador Emerson Fittipaldi gewann. 1971 organisierte Scavone ein Formel 2-Rennen. 1972 fand in Interlagos ein "inoffizieller" Formel 1-Grand Prix statt, bei dem noch keine Punkte vergeben wurden.[1] 1973 wurde dann der erste reguläre Große Preis von Brasilien in der Formel 1 ausgetragen. Sieger wurde damals Emerson Fittipaldi in einem Lotus. Beim Grand Prix 1977 löste sich aufgrund der Hitze der Asphalt in Kurve 3 und sorgte für ein Ausscheiden zahlreicher Autos. Bernie Ecclestone, der bereits häufig seinen Unmut über Sao Paulo geäußert hatte, nahm dies nun zum Anlass, den Grand Prix im folgenden Jahr nach Rio de Janeiro zu verlegen. 1979 und 1980 fand der Grand Prix von Brasilien zwar jeweils noch einmal in Interlagos statt, doch es gab zunehmend Proteste aus Sicherheitsgründen. 1980 kam es im unmittelbaren Vorfeld des Rennens beinahe zu einem Fahrerstreik aufgrund der unebenen Strecke, die der britische F1-Kommentator Murray Walker als "schrecklich rumpelig" betitelte. Die zu dieser Zeit üblichen Autos mit Ground effect hatten keine Federung und machten die unebene, wellige Streckenoberfläche von Interlagos zu einer Tortur für die Fahrer. Dazu kam der Aufstieg Nelson Piquets, der aus Rio stammte. Infolgedessen verlor Interlagos 1981 bis 1989 den Formel-1-Grand-Prix von Brasilien an Rio de Janeiro. Dadurch sank die Bedeutung von Interlagos stark ab, lediglich die Mil Milhas Brasileiras wurden weiterhin regelmäßig ausgetragen. 1985 fand eine Umbenennung von "Autódromo de Interlagos" zum heutigen Namen statt, um damit Carlos Pace zu ehren, der 1977 bei einem Flugzeugabsturz umgekommen war.

Rückkehr der Formel 1 nach Interlagos[Bearbeiten]

Ende der 1980er Jahre weigerte die Stadtverwaltung von Rio de Janeiro sich jedoch, den Grand Prix weiterhin zu finanzieren und Formel 1-Promoter Ecclestone drohte mit der Absage des brasilianischen Grand Prix. Sao Paulo fand sich wiederum zur Austragung bereit; die Rennstrecke von Interlagos wurde nun modernisiert und entsprechend dem Trend umgebaut und verkürzt. Die geplante neue Streckenführung sorgte für eine Kontroverse zwischen Ecclestone und dem Verantwortlichen Chico Rosa, denn Ecclestone wollte das Außenoval unbedingt verwerfen, um damit eine mögliche Austragung von Indy Car-Rennen in Interlagos zu vermeiden. Das endgültige Layout mit dem "Senna-S" kam dann durch einen Kompromissvorschlag des Lokalmatadors Ayrton Senna zustande. Die Infrastruktur (Garagen, Boxen u.ä.) wurde ebenfalls erneuert, wobei man die Boxengasse verlängert und die Ausfahrt nach Kurve 3 verlegt hat. Auch die Einfahrt ist vor der Zielkurve 15 zu finden, nicht wie auf dem Bild. Auf der jetzt 4,3 Kilomenter langen Rennstrecke werden bei Formel-1-Rennen 71 Runden gefahren.[2]

1990 feierte Interlagos seine erneute Premiere und ist seitdem Heimat des brasilianischen Grand Prix.

1992 fand einmalig ein Lauf der Motorrad-Weltmeisterschaft in Interlagos statt. Im Jahr 2007 wurde im Rahmen der Mil Milhas Brasileiras auch die Le Mans Series ausgetragen. Im gleichen Jahr wurden einige erneute Umbauten vorgenommen; vor allem wurde eine komplett neue Streckenoberfläche angelegt, um die Unebenheiten zu glätten. Außerdem wurde die Boxengasse erneuert, um die Sicherheit zu verbessern und eine neue große Tribüne angelegt.[3] Seit 2012 werden auch die Rennen zur FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft in Interlagos jährlich ausgetragen.

Besondere Anforderungen an die Fahrer[Bearbeiten]

Die Rennen in Interlagos sind für die Fahrer vor allem wegen der hohen Temperaturen und Luftfeuchtigkeit oft eine extreme Belastung. Aufgrund des tropischen Klimas und der Terminierung der Rennen für die Mittagszeit kommt es zudem in praktisch jedem Rennen zu Niederschlägen, die eine auf einen frühen Reifenwechsel ausgelegte Boxenstopp-Strategie erforderlich machen. Dazu wurden von 1972 bis 1980 die Rennen immer Ende Januar, Anfang Februar ausgetragen, also im Hochsommer der Südhalbkugel. Die Streckenoberfläche von Interlagos ist traditionell relativ uneben, trotz mehrerer Versuche, dieses Problem zu beheben. Außerdem ist es einer der wenigen Kurse im Formel-1-Kalender, die entgegen dem Uhrzeigersinn gefahren werden und damit ungewohnte Ansprüche an die Nackenmuskulaturen der Fahrer stellen, insbesondere bei Fahrern der Formel-Wagen mit ihren hohen Querbeschleunigungen.

Statistik[Bearbeiten]

Alle Sieger von Formel-1-Rennen in Interlagos[Bearbeiten]

Jahr Sieger Fahrzeug Reifen Zeit Streckenlänge Runden Ø-Tempo Datum GP von
1973 Brasilien 1968Brasilien Emerson Fittipaldi Lotus-Ford G 1:43:55,600 h 7,960 km 40 183,822 km/h 11. Februar BrasilienBrasilien Brasilien
1974 Brasilien 1968Brasilien Emerson Fittipaldi McLaren-Ford G 1:24:37,060 h 7,960 km 32 180,615 km/h 27. Januar
1975 Brasilien 1968Brasilien Carlos Pace Brabham-Ford G 1:44:41,170 h 7,960 km 40 182,488 km/h 26. Januar
1976 OsterreichÖsterreich Niki Lauda Ferrari G 1:45:16,780 h 7,960 km 40 181,460 km/h 25. Januar
1977 ArgentinienArgentinien Carlos Reutemann Ferrari G 1:45:07,720 h 7,960 km 40 181,720 km/h 23. Januar
1979 FrankreichFrankreich Jacques Laffite Ligier-Ford G 1:40:09,640 h 7,874 km 40 188,673 km/h 4. Februar
1980 FrankreichFrankreich René Arnoux Renault M 1:40:01,350 h 7,874 km 40 188,933 km/h 27. Januar
1990 FrankreichFrankreich Alain Prost Ferrari G 1:37:21,258 h 4,325 km 71 189,252 km/h 25. März
1991 Brasilien 1968Brasilien Ayrton Senna McLaren-Honda G 1:38:28,128 h 4,325 km 71 187,110 km/h 24. März
1992 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Nigel Mansell Williams-Renault G 1:36:51,856 h 4,325 km 71 190,209 km/h 5. April
1993 BrasilienBrasilien Ayrton Senna McLaren-Ford G 1:51:15,485 h 4,325 km 71 165,601 km/h 28. März
1994 DeutschlandDeutschland Michael Schumacher Benetton-Ford G 1:35:38,759 h 4,325 km 71 192,632 km/h 27. März
1995 DeutschlandDeutschland Michael Schumacher Benetton-Renault G 1:38:34,154 h 4,325 km 71 186,919 km/h 26. März
1996 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Damon Hill Williams-Renault G 1:49:52,976 h 4,325 km 71 167,674 km/h 31. März
1997 KanadaKanada Jacques Villeneuve Williams-Renault G 1:36:09,990 h 4,292 km 72 192,806 km/h 30. März
1998 FinnlandFinnland Mika Häkkinen McLaren-Mercedes B 1:37:11,747 h 4,292 km 72 190,764 km/h 29. März
1999 FinnlandFinnland Mika Häkkinen McLaren-Mercedes B 1:36:03,785 h 4,292 km 72 193,013 km/h 11. April
2000 DeutschlandDeutschland Michael Schumacher Ferrari B 1:31:35,271 h 4,292 km 71 199,633 km/h 26. März
2001 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich David Coulthard McLaren-Mercedes B 1:39:00,384 h 4,292 km 71 184,674 km/h 1. April
2002 DeutschlandDeutschland Michael Schumacher Ferrari B 1:31:43,663 h 4,309 km 71 200,098 km/h 31. März
2003 ItalienItalien Giancarlo Fisichella Jordan-Ford B 1:31:17,748 h 4,309 km 54 152,889 km/h 6. April
2004 KolumbienKolumbien Juan Pablo Montoya Williams-BMW M 1:28:01,451 h 4,309 km 71 208,517 km/h 24. Oktober
2005 KolumbienKolumbien Juan Pablo Montoya McLaren-Mercedes M 1:29:20,574 h 4,309 km 71 205,439 km/h 25. September
2006 BrasilienBrasilien Felipe Massa Ferrari B 1:31:53,751 h 4,309 km 71 199,732 km/h 22. Oktober
2007 FinnlandFinnland Kimi Räikkönen Ferrari B 1:28:15,270 h 4,309 km 71 207,973 km/h 21. Oktober
2008 BrasilienBrasilien Felipe Massa Ferrari B 1:34:11,435 h 4,309 km 71 194,866 km/h 2. November
2009 AustralienAustralien Mark Webber Red Bull-Renault B 1:32:23,081 h 4,309 km 71 198,657 km/h 18. Oktober
2010 DeutschlandDeutschland Sebastian Vettel Red Bull-Renault B 1:33:11,803 h 4,309 km 71 196,944 km/h 7. November
2011 AustralienAustralien Mark Webber Red Bull-Renault P 1:32:17,464 h 4,309 km 71 198,877 km/h 27. November
2012 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Jenson Button McLaren-Mercedes P 1:45:22,656 h 4,309 km 71 174,179 km/h 25. November
2013 DeutschlandDeutschland Sebastian Vettel Red Bull-Renault P 1:32:36,300 h 4,309 km 71 198,222 km/h 24. November
2014 DeutschlandDeutschland Nico Rosberg Mercedes P 1:30:02,555 h 4,309 km 71 203,863 km/h 9. November

Rekordsieger:
Fahrer: Michael Schumacher (4)
Konstrukteure: Ferrari/McLaren (je 8)
Motorenhersteller: Ferrari/Renault (je 8)
Reifenhersteller: Goodyear (14)
Nationen: Brasilien/Deutschland (je 7)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Autódromo José Carlos Pace – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Marc Zimmermann: Die Formel 1 in Interlagos - Vol 1:1972-1980 Books on Demand, ISBN 978-3848221523, S. 12
  2. Marc Zimmermann: Die Formel 1 in Interlagos - Vol 1:1972-1980 Books on Demand, ISBN 978-3848221523, S. 13
  3. http://web.archive.org/web/20070927213007/http://www.clicabrasilia.com.br/torcida/materia.php?IdNoticia=34304