Auto Union

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Die ehemalige Firmenzentrale der Auto Union in Chemnitz

Die Auto Union AG, Chemnitz war ein deutscher Automobilkonzern, der durch den Zusammenschluss der Zschopauer Motorenwerke (DKW), der Audi- und Horchwerke und des Automobilwerkes von Wanderer entstand. Sie wurde am 29. Juni 1932 rückwirkend zum 1. November 1931 gegründet und in das Handelsregister des Amtsgerichts Chemnitz eingetragen. 1936 wurde der Unternehmenssitz von Zschopau in die umgebauten und erweiterten Gebäude der ehemaligen Chemnitzer Presto-Werke verlegt.[1]

Das Firmenzeichen der vier verschlungenen Ringe symbolisiert den Zusammenschluss der vier Unternehmen, die in dem neuen Konzern aufgingen. Deren vier Marken DKW, Audi, Horch und Wanderer blieben aber eigenständig.[2] Allein die zwischen 1934 und 1939 entwickelten Grand-Prix-Rennwagen trugen ausschließlich den Namen „Auto Union“; ein Pkw-Modell mit nur diesem Namen gab es bis 1958 (Auto Union 1000) nicht.

Vor dem Zweiten Weltkrieg war der Auto-Union-Konzern zweitgrößter deutscher Automobilproduzent nach der Adam Opel AG.

Inhaltsverzeichnis

Firmengeschichte [Bearbeiten]

Entstehung der Auto Union [Bearbeiten]

Markensignet: Vier Ringe entsprechen vier Marken.

Mit 65.000 produzierten Motorrädern war die Zschopauer Motorenwerke J. S. Rasmussen AG im Jahr 1928 größter Motorradhersteller der Welt. Im selben Jahr übernahm deren Inhaber Jørgen Skafte Rasmussen mit Krediten der neu gegründeten Sächsischen Staatsbank die Aktienmehrheit der Audiwerke AG in Zwickau. Anfang der 1930er Jahre gerieten im Zuge der Weltwirtschaftskrise Rasmussens Motorenwerke mit ihrer Tochterfirma Audi in eine angespannte Finanzlage. Die Sächsische Staatsbank, die ihrerseits seit 1929 mit 25 % an der Zschopauer Motorenwerke AG beteiligt war, sperrte sich weiteren Krediten. Richard Bruhn, Vertrauensmann der Staatsbank, und Rasmussen entwickelten daraufhin den Plan, die Zschopauer Motorenwerke mit Audi und der von Liquidation bedrohten Horchwerke AG zu vereinigen. Zusätzlich war es möglich, mit den Wanderer-Werken in Chemnitz einen Pachtvertrag auf zehn Jahre für deren Automobilwerk Siegmar abzuschließen. Daneben gab es noch Verhandlungen über die Einbeziehung von Hanomag und Brennabor, die jedoch nicht zum Erfolg führten.

Am 29. Juni 1932 und rückwirkend zum 1. November 1931 wurde daraufhin die Auto Union AG gegründet und in das Handelsregister des Amtsgerichts Chemnitz eingetragen. Markenzeichen waren vier ineinander verschlungene Ringe. Als Hauptsitz des Unternehmens war mit Gründung Chemnitz festgelegt. Nur unter dieser Bedingung hatte sich die Stadt Chemnitz mit einem Aktienkapital von 750.000 RM an der Gesellschaft beteiligt.[3] Trotz Mahnungen blieb der Firmensitz bis 1936 noch in Zschopau im DKW-Werk. Erst 1936 wurde dann der Unternehmenssitz nach Chemnitz in das ehemalige Verwaltungsgebäude der Presto-Werke verlegt.[4] Neben der Stadt Chemnitz war Hauptaktionär die Sächsischen Staatsbank (und damit der sächsischen Staates). Bei dieser befanden sich zunächst 75 %, bald 90 % des Aktienkapitals des neu geschaffenen Unternehmens. Vorstandsvorsitzender wurde Richard Bruhn von der sächsischen Staatsbank.[5] Die Horchwerke AG wurde liquidiert und der Zwickauer Fahrzeugproduzent als Auto Union AG, Werk Horch weiter betrieben.

In den 1930er-Jahren begann der Export und der Vertrieb der Auto-Union-Marken in Österreich über den Generalvertreter Fritz Tarbuk von Sensenhorst, einen vormaligen Offizier der k. u. k. Kriegsmarine, der seit 1920 in Wien ein Automobilhandelsunternehmen für verschiedene Hersteller betrieb. Die Auto Union hatte 1934 einen Umsatzanteil von ca. 22 % am Personenwagengeschäft. Sie stand damit nach der Adam Opel AG mit 41 % an zweiter Stelle. Den kleinsten Umsatz des Gesamtkonzerns hatte die Marke Audi. Die Umsatzanteile der einzelnen Marken an der gesamten Automobilproduktion 1938 betrugen in Deutschland: DKW 17,9 %, Wanderer 4,4 %, Horch 1,0 % und Audi 0,1 %). Der Umsatz entwickelte sich von 65 Millionen Reichsmark im Jahr 1933 auf rund 273 Millionen Reichsmark im Jahr 1939, wobei 1939 jeweils rund 61.000 Personenkraftwagen und DKW Krafträder produziert wurden.[6] Das Zschopauer Werk, seinerzeit der weltgrößte Motorradhersteller, fertigte Motorräder der Marke DKW und Zweitaktmotoren für die DKW-Pkw. Mit den im Zwickauer Audi-Werk produzierten preiswerten DKW „Frontwagen“ begann die Volksmotorisierung in Deutschland. Die größeren DKW-Wagen mit Hinterradantrieb kamen aus dem Berliner Werk Spandau. Das Mittelklassesegment der Auto Union waren die Wanderer-Modelle aus dem Werk Siegmar bei Chemnitz. Die Marke Audi bot Fahrzeuge der oberen Mittelklasse mit Frontantrieb an (außer Audi 920), die in den Horchwerken Zwickau produziert wurden. Deren Marke Horch vereinigte Prestige und Tradition und hatte im Deutschen Reich der 1930er Jahre mit mehr als 50 % den höchsten Marktanteil in der Luxusklasse. Die Zahl der Auto-Union-Beschäftigten wuchs von rund 8.000 im Jahr 1932 auf 23.000 Mitarbeiter im Jahr 1938.

Grand-Prix-Rennsport [Bearbeiten]

Auto Union Typ D – Grand-Prix-Rennwagen von 1939
Hauptartikel: Auto-Union-Rennwagen

Die Entwicklung der Auto-Union-Rennabteilung bei Horch leitete von 1934 bis 1937 Ferdinand Porsche. Ab 1938 war Robert Eberan von Eberhorst Chef der Entwicklung in Zwickau. Die Mittelmotor­wagen der Silberpfeil-Ära (1934 bis 1939) waren die einzigen Konkurrenten, die die Mercedes-Benz-Rennwagen besiegen konnten.[7] Bernd Rosemeyer, Hans Stuck, Ernst von Delius, Schorsch Meier und Tazio Nuvolari waren die Sieger vieler Grand-Prix-Rennen. Der 16-Zylinder-Auto-Union-Rennwagen Typ A war der erste Rennwagen mit einem Mittelmotor. Hierbei war das Antriebsaggregat hinter dem Fahrer angeordnet, ein technisches Konzept, das sich bis heute im Hochleistungsrennsport gehalten hat. Die Grand-Prix-Rennwagen Typ A bis D (1934–1939) waren ihrer Zeit weit voraus. Allerdings waren sie mit den damaligen technischen Möglichkeiten schwer zu beherrschen und erforderten höchstes fahrerisches Können. Der Aufwand der Auto Union für die Beteiligung am Rennsport betrug zwischen 1933 und 1942, als alle Entwicklungsarbeiten eingestellt wurden, mehr als 14 Millionen Reichsmark.[8] Relativ gesehen war das nicht einmal ein Prozent des Gesamtumsatzes der Auto Union.[9] Die Grand-Prix-Rennwagen stehen bis heute für Qualitätsarbeit und Innovationskraft des Konzerns.

Mitteldeutsche Motorenwerke [Bearbeiten]

Im Rahmen der Aufrüstung der deutschen Luftwaffe gründete die Auto Union im Jahre 1935 die „Mitteldeutschen Motorenwerke“. Die Finanzierung der Investitionen für das Flugzeugmotorenwerk bei Taucha erfolgten anfangs durch den Hauptgesellschafter, das Luftfahrtkontor. 1940 konnte die Auto Union das Werk komplett übernehmen. Zwischen 1938 und 1943 war der Junkers Jumo 211 einer der wichtigsten Motoren in der Produktion. 1942 steuerte die Tochtergesellschaft mit rund 161 Millionen Reichsmark Umsatz zirka 36 % zum Konzernumsatz bei. 4675 Motoren wurden im Jahr 1942 produziert. Bis zu 7000 Personen, insbesondere Zwangsarbeiter, wurden gegen Kriegsende im drittgrößten Konzernwerk beschäftigt.[10]

Ende in Mitteldeutschland [Bearbeiten]

Am 17. April 1945 besetzte die US-Armee Zwickau. Die Auto-Union-Werke mussten die Arbeit einstellen. Nachdem die Amerikaner sich bis Ende Juni 1945 aus der Region Zwickau zurückgezogen hatten, kamen alle Werke und die Konzernzentrale in Chemnitz zur Sowjetischen Besatzungszone. Die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) ordnete bereits im August die Demontage von Produktionsanlagen an und man begann als Teil von Reparationsleistungen mit dem Abtransport der Maschinen in die Sowjetunion. Mit Erlass des Befehls 124 der SMAD vom 30. Oktober 1945 wurden zunächst alle größeren Unternehmen in der sowjetischen Besatzungszone sequestriert. Mit einem von der SED-dominierten sächsischen Landesverwaltung durchgeführten sächsischen Volksentscheid am 30. Juni 1946 sollten die Betriebe aktiver Nazis- und Kriegsverbrecher entschädigungslos enteignet werden. Im Zuge der Organisation der volkseigenen Industrie entstanden in Sachsen im Juni 1946 zur Leitung der zugehörigen Betriebe Industrieverwaltungen, die der Hauptverwaltung der landeseigenen/volkseigenen Betriebe des Ministeriums für Wirtschaft und Wirtschaftsplanung unterstanden und die bis zum Sommer 1948 existierten.[11] Nach kurzer treuhänderischer Verwaltung durch die Sächsischen Aufbauwerke GmbH (SAW) wurde im Juli 1946 in Chemnitz die „Industrieverwaltung 19 – Fahrzeugbau“ gegründet, woraus auch später der Industrie-Verband Fahrzeugbau (IFA) hervorging, in dem alle Kraftfahrzeughersteller der DDR zusammengefasst wurden.

Mit dem Befehl 64 vom 17. April 1948 verbot die Sowjetischen Militäradministration weitere Sequestrierungen. Danach sollten lediglich die durch die Spruchkammern der Entnazifizierungkommissionen nach dem Befehl 201 der SMAD vom 19. Oktober 1947 als belastet geltenden Personen entschädigungslos enteignet werden. Auch bei Aktiengesellschaften traf das nur für den belasteten Personenkreis zu. Im Juli 1948 wurden auf der Grundlage des Befehls 76 der SMAD Vereinigungen Volkseigener Betriebe (VVB) geschaffen[12]. Danach wurde am 17. August 1948 im Gegensatz zur gängigen Praxis in der Trizone die Auto Union als Konzern im Handelsregister Chemnitz gelöscht. Damit wurde quasi der Rechtsanspruch eines nachfolgenden Unternehmens der DDR auf die weitere Vermarktung der Marke Auto Union, in der die Marken Audi, DKW, Horch und Wanderer aufgegangen waren, aufgegeben und der Weg für eine Neugründung der Auto Union in Westdeutschland frei gemacht.

„Fast ein Viertel der deutschen Autoproduktion vor dem Krieg stammte aus Sachsen und mit dem majestätischen Horch-Achtzylinder sicherlich auch die schönsten Autos. Diese Tradition ist nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges abgebrochen. Nicht nur die Maschinen mussten das Land verlassen. Auch das Können und Wissen ging mit vielen Köpfen nach Westen. Für eine Region wie Ingolstadt war das ein belebender Vitaminstoß. Im Übrigen nur als Anekdote: Audi gehörte seit der Weltwirtschaftskrise dem sächsischen Staat und insoweit kaufte VW den Automobilstandort Ingolstadt von uns ab.“

Georg Milbradt, Sächsischer Ministerpräsident: Grußansprache am 11. Mai 2004 zur Veranstaltung „100 Jahre Automobilbau in Zwickau“

Aus den Werken der großen Marken der Auto Union entstanden 1948 sogenannte Volkseigene Betriebe (VEB):

Der IFA F9 lief in Zwickau und Eisenach vom Band

Der langfristige Produktionsplan von 1957 sah ursprünglich vor, im VEB Sachsenring das Modell Sachsenring P 240 und im AWZ das Modell Trabant P50 herzustellen. Als die Führung der VVB-Automobilbau erkannte, dass für die Produktion in beiden Werken die Kapazität nicht ausreichend war, wurden die beiden Werke mit einem Beschluss der SED-Staats- und Parteiführung im Mai 1958 zusammengeschlossen. Die Produktion des P240 war demnach 1959 einzustellen und das Entwicklungsthema P240 abzuschließen.[13].

Der DKW F9 mit dem 3=6-Motor wurde von der „alten" Auto Union zwar noch für 1940 angekündigt, ging jedoch erst 1950 in der DDR als IFA F9 (mit einem neuen Dreizylindermotor) und – ebenfalls 1950 – in der Bundesrepublik Deutschland als DKW „Meisterklasse" (F89) (mit geändertem alten Zweizylindermotor des F8) in die Serienfertigung.

Die von DKW-Ingenieuren entwickelte und erstmals im DKW F1 verwirklichte Anordnung des (Zweizylinder-)Frontmotors quer zur Fahrtrichtung behielt nicht nur der Trabant bei, sie ist heute beim Frontantrieb weltweit verbreitet; der geschwungene DKW-Kastenrahmen war bis zum Produktionsende Kennzeichen der F9-Nachfolger Wartburg 311/312.

Neubeginn in Westdeutschland und Spanien [Bearbeiten]

In Westdeutschland gestaltete sich die Situation noch komplizierter, da die vier Filialen in München, Nürnberg, Hannover und Freiburg (Breisgau) wegen ihrer räumlichen Möglichkeiten für eine Produktion von Fahrzeugen viel zu klein waren und die sächsischen Werke in der Sowjetischen Besatzungszone lagen. Einen Vorteil hatte jedoch die Auto Union gegenüber den anderen Automobilherstellern in Westdeutschland: Die DKW-Wagen des Zwickauer Audi-Werkes waren wegen der Zweitaktmotoren von der Wehrmacht nur in geringem Umfang eingezogen worden. Deshalb befanden sich allein in Westdeutschland bei Kriegsende noch mehr als 65.000 Reichs- und Meisterklasse-Wagen, und auch im Ausland lief noch eine beträchtliche Anzahl dieser Fahrzeuge. Auf dieser Grundlage erfolgte einer der ersten Schritte zum Wiederaufbau der Auto Union: Mit Krediten der Bayerischen Staatsregierung und Marshallplan-Hilfen wurde am 3. September 1949 das „Zentraldepot für Auto Union Ersatzteile GmbH“ in Ingolstadt gegründet, das die Ersatzteilversorgung für die noch vorhandenen Fahrzeuge sicherstellen sollte.

1949 bzw. 1950 musste die Auto Union GmbH rechtlich vollkommen neu gegründet werden. Dieser Weg war unumgänglich, da ein Gesetz der vier Besatzungsmächte vorsah, das gesamte deutsche staatliche Eigentum zu beschlagnahmen. Dies galt auch für Firmen, die zu mehr als 50 % im Staatsbesitz waren. Somit konnte die alte Auto Union AG nicht ohne Weiteres weitergeführt werden, nachdem sie in der Sowjetzone schon als Firma gelöscht worden war, und es kam zur Neugründung der Auto Union GmbH. Viele Mitarbeiter aus den ehemaligen Werken in Zschopau, Zwickau und Chemnitz setzten sich nach Ingolstadt ab und nahmen einen Neuaufbau in Angriff. Allen voran standen der ehemalige Vorstandsvorsitzende der früheren Auto Union AG in Chemnitz, Richard Bruhn und der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des ehemaligen Chemnitzer Stammsitzes der Auto Union AG, Carl Hahn. Als größter Einzelaktionär unterstützte der Schweizer Bauunternehmer Ernst Göhner den Wiederaufbau bzw. die starke Expansion zu Beginn und Mitte der 50er Jahre[14]. Die Fahrzeuge der Auto Union wurden unter der Marke DKW verkauft. Die Auto Union beschäftigte damals rund 14.000 Mitarbeiter.

DKW RT 125 W (1950)

In Ingolstadt wurde mit dem Bau eines DKW-Schnellasters und des Motorradmodells DKW RT 125 W (W steht für Westen, weil in Zschopau auch eine RT 125 nach Vorkriegsplänen gebaut wurde) begonnen. Mit einem Pachtvertrag konnte als neuer Fertigungsstandort in Westdeutschland das 60 Jahre alte Werk II von Rheinmetall-Borsig in Düsseldorf-Derendorf übernommen werden. Der zum Teil von Bomben zerstörte und als Rüstungsbetrieb zur Demontage vorgesehene Betrieb ging in den 1950er Jahren vollständig in den Besitz der Auto Union über.[15] Als erstes Modell wurde dort der DKW Meisterklasse F 89 gebaut. Mit den Zweitakt-Modellen Junior, F91 Sonderklasse, „Großer DKW" 3=6 (F93), dem Schnelllaster sowie dem Geländewagen Munga startete das Unternehmen erfolgreich ins Wirtschaftswunder.

Die spanische Tochtergesellschaft Industrias del Motor S.A. (IMOSA) errichtete Anfang der 1950er Jahre in Vitoria (Baskenland) ein neues Werk, das ab 1954 zunächst den DKW-Schnellaster und in den 1960er Jahren als eigene Konstruktion den DKW-IMOSA F 1000 L fertigte.

Zuerst entstanden noch Motorräder und Automobile mit Zweitaktmotoren unter dem Markennamen DKW. 1958 wurde die Motorradfertigung an die in Nürnberg unter Beteiligung von Victoria und Express neu gegründete Zweirad-Union abgegeben, wo aber nur noch geringe Stückzahlen der Modelle RT 175 VS und RT 200 VS entstanden. Hauptsächlich wurden Mopeds („Hummel“) und Kleinkrafträder gebaut.

Übernahme durch Daimler-Benz [Bearbeiten]

Auf Drängen des Großaktionärs Friedrich Flick übernahm im April 1958 Daimler-Benz 88 % des Gesellschaftskapitals. Friedrich Flick und der zweite Großaktionär Ernst Göhner verkauften aus diesem Anlass ihre Anteile (je 41 Prozent) an Daimler-Benz. Zu der Zeit war das Unternehmen nach VW, Opel, Daimler-Benz und Ford der fünftgrößte Pkw-Hersteller. Ab Dezember 1959 war Daimler-Benz alleiniger Eigentümer. 1962 wurde ein erstes Interesse zur Übernahme der Auto Union von VW-Chef Heinrich Nordhoff bekundet.

Im Jahre 1958 erschien der DKW Junior mit einem Drei-Zylinder-Zweitaktmotor und einer auf einen Kastenprofilrahmen aufgesetzten Karosserie, die nach amerikanischem Vorbild mit kleinen Heckflossen verziert war. Ihm folgte der Junior de Luxe mit fast gleicher Karosserie, aber mit Frischölautomatik. Er brauchte nicht mehr mit Benzin-Öl-Gemisch betankt zu werden, sondern mischte das Öl je nach Drehzahl und Last aus einem separaten Tank dem Treibstoff zu. Der DKW F12 (ab 1963) war der erste Wagen seiner Klasse mit Scheibenbremsen. Die Motorleistung wurde von 34 PS (Junior de Luxe) auf 40 PS erhöht. Ab Sommer 1964 kam noch der DKW F11/64 hinzu. Er hatte die größere Karosserie des F12, aber die Mechanik und Ausstattung des Junior de Luxe. Die Auto Union brachte 1965 noch den F12/65 auf den Markt, dieser hatte den 45-PS-Motor des F12 Roadsters und war der letzte Wagen der Baureihe. Der letzte neuentwickelte Zweitakt-DKW war der DKW F102.

Auf Drängen von Mercedes sollte in Ingolstadt ein neuer Wagen mit Viertaktmotor entwickelt werden. Daimler-Benz verlor dann aber das Interesse und verkaufte die Auto Union 1964 an die Volkswagenwerk AG weiter. Der Produktionsstandort Düsseldorf der Auto Union wurde von der Daimler-Benz AG nicht an VW weiterveräußert. Mit dem Mercedes-Benz L319 begann dort bereits 1961 die Fertigung leichter Transporter. Derzeit (2011) werden in Düsseldorf der Mercedes Sprinter und der VW Crafter produziert. Daimler-Benz behielt auch die spanische IMOSA-Fabrik in Vitoria, wo u. a. von 1988 bis 1995 der MB 100 und von 1996 bis 2003 die Baureihe W 638 (Vito und V-Klasse) produziert wurde. Seit 2003 kommen die Modelle der Baureihe 639 (Vito und Viano) aus dem ehemaligen Werk der Auto Union Tochter.

Übernahme durch Volkswagen [Bearbeiten]

Internationale Polizei-Ausstellung Hannover 1966: Messestand mit einem Audi Variant (F103)

Zum Jahreswechsel 1964/65 übernahm die Volkswagenwerk AG 50,3 % der Anteile – ab Ende 1966 war die Auto Union GmbH komplett im Besitz des Volkswagenwerkes.

Der ursprünglich bei Daimler-Benz konstruierte und in Ingolstadt zu Ende entwickelte 1,7-Liter-„Mitteldruck-Motor" (weil die sehr hohe Verdichtung von 11,2:1 sich zwischen den üblichen Werten eines Otto- und Dieselmotors bewegte) wurde 1965 in einer überarbeiteten Version des DKW F102 auf den Markt gebracht. Aus dem DKW F102, dem letzten Pkw aus westdeutscher Fertigung mit Zweitaktmotor und gleichzeitig letztem DKW-Pkw, wurde dann der neue „Audi“ mit Viertakt-Mitteldruckmotor. Da der Name DKW immer mit Zweitaktmotoren verbunden war, beschloss man, ihn nicht mehr zu verwenden und stattdessen die alte Marke Audi wieder zu benutzen. Die vier Ringe wurden als Firmenzeichen beibehalten. Dieser erste Pkw nach 1945 mit der Bezeichnung Audi wurde intern F103 genannt und als später das Modell mit unterschiedlichen Motoren angeboten wurde, bekam dieser als Kennzeichnung der Motorleistung in PS den Namen Audi 72. Damit endete die Ära des Zweitaktmotors in Westdeutschland – lediglich der Geländewagen Munga mit Zweitaktmotor wurde noch bis Ende 1968 weiter produziert.[16] Im selben Jahr kam mit dem ersten Audi 100 die letzte Neukonstruktion der Auto Union auf den Markt.

Umbenennung in Audi AG [Bearbeiten]

Aus der Fusion der Auto Union GmbH mit der Neckarsulmer Motorenwerke AG ging 1969 die Audi NSU Auto Union AG hervor. 1985 erfolgte mit der Verlagerung des Unternehmenssitzes von Neckarsulm nach Ingolstadt gleichzeitig die Umbenennung in Audi AG. Audi bedeutet auf Deutsch „Hör zu!“ bzw. „Horch!“ und ist somit an die Firma Horch angelehnt.

Zeitleisten [Bearbeiten]

Entstehung der Auto Union
Marke 1880er 1890er 1900er 1910er 1920er 1930er
5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9
Horch August Horch & Cie. August Horch Motorwagenwerke Horchwerke AG Zwickau Auto Union AG Chemnitz
Audi August Horch Automobilwerke GmbH Audi Automobilwerke GmbH Audi Werke AG Audi Werke AG, Rasmussen hält Mehrheit
DKW Rasmussen und Ernst Zschopauer Maschinenfabrik J.S. Rasmussen Zschopauer Motorenwerke J.S. Rasmussen AG (DKW)
SB Slaby-Beringer Automobilgesellschaft
Wanderer Chemnitzer Velociped Depot Winklhofer & Jaenicke Wanderer Fahrradwerke AG Wanderer-Werke AG

Wandel der Auto Union zur Audi AG, als Teil der Volkswagen AG:

Zeitleiste der Volkswagen-AG-Fahrzeugmarken von 1935 bis heute
Firma 1930er 1940er 1950er 1960er 1970er 1980er 1990er 2000er 2010er Marke
Volkswagen Volkswagen Volkswagen
Volkswagen Volkswagen Nutzfahrzeuge
Seat Seat
Škoda Škoda
Bentley an Vickers Bentley
Bugatti Bugatti
Porsche Porsche
Suzuki Suzuki
Auto Union DKW DKW / Auto-Union
(Auto Union GmbH)
an Daimler-Benz Audi Audi [A 1] Audi Audi
Wanderer
Horch
Audi
NSU NSU [A 1]
Lamborghini (Sportwagen) an Chrysler an Megatech an Audi Lamborghini
(Traktoren) an Same Lamborghini
Ducati an Audi Ducati
Scania Scania-Vabis Scania an Saab unabh. Scania
MAN M.A.N. MAN MAN
Volkswagen Caminhões Simca an Chrysler Dodge Volkswagen an MAN Volkswagen Trucks and Buses
  •  Marke einer eigenständigen Firma vor Beteiligung oder Übernahme durch Volkswagen, ggf. vorher schon in anderen Bereichen tätig
  •  Marke einer Firma, die teilweise zu Volkswagen gehört
  •  Marke einer Firma, die mehrheitlich zu Volkswagen gehört
  •  Marke von Volkswagen, oder einer Firma die zu 100% zu Volkswagen gehört
  1. a b 1969 Fusion zur Audi NSU Auto Union AG

Automobile der Auto Union 1945 bis 1965 [Bearbeiten]

Nach Neugründung der Auto Union in Westdeutschland fertigte man in Ingolstadt und Düsseldorf bis 1968 Automobile unter dem Namen DKW.

Auto Union GmbH heute [Bearbeiten]

Audi Tradition pflegt und präsentiert zusammen mit den Traditionsgesellschaften Auto Union GmbH und NSU GmbH die umfangreiche und weit verzweigte Audi-Historie.

AUTANIA [Bearbeiten]

Parallel zur Ingolstädter Neugründung wurde schon 1948 nach Enteignung des Betriebsvermögens und Löschung der Firma im Handelsregister Chemnitz die alte Aktiengesellschaft durch Zusammenfassung ihrer in den Westzonen gelegenen Betriebsteile reaktiviert. Nach Verkauf der verbliebenen Namens- und Warenzeichenrechte an die Audi NSU Auto Union AG nannte sich diese Aktiengesellschaft ab 1979 AUTANIA Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft AG, Essen. Sie hat sich zu einer bedeutenden Maschinenbau-Holding mit Sitz in Kelkheim (Taunus) entwickelt.

Literatur [Bearbeiten]

  • Marc Bongers 2000: Audi Typenatlas Serienfahrzeuge, Delius Klasing Verlag, Bielefeld, ISBN 3-7688-1198-0
  • Von der Wolfsjägersiedlung zum Hightech Standort. Verlag Heimatland Sachsen GmbH Chemnitz, 2001, ISBN 3-910 186-32-7

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Fahrzeuge der Auto Union – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. DKW Nachrichten – Sonderheft, Richard Bruhn zum 65. Geburtstag, Beitrag: „DIE AUTO UNION AG“, Seite 5: Zitat: „Sitz des Unternehmens war zunächst Zschopau, ab 1936 Chemnitz“, AB 340 (65113) Printed in Germany 1951.
  2. Das Rad der Zeit, 3. Auflage, Delius Klasing, ISBN 3-7688-1011-9, S. 105 und 109.
  3. Von der Wolfsjägersiedlung zum Hightech Standort. Verlag Heimatland Sachsen GmbH Chemnitz, 2001.
  4. Richard Bruhn zum 65. Geburtstag, Beitrag: „DIE AUTO UNION AG“, S. 5: Zitat: „Sitz des Unternehmens war zunächst Zschopau, ab 1936 Chemnitz“, AB 340 (65113) Printed in Germany 1951.
  5. Die Geschichte des deutschen Lkw-Baus, Band 2b, Seite 151. Weltbild Verlag 1994 ISBN 3-89350-811-2.
  6. Hans Pohl, Stephanie Habeth, Beate Brüninghaus: Die Daimler-Benz AG in den Jahren 1933 bis 1945. In: Zeitschrift für Unternehmensgeschichte, Herausgegeben von Hans Pohl und Wilhelm Treue, Beiheft 47, Franz Steiner Verlag 1987, ISBN 3-515-04733-6.
  7. Film der Audi AG: Die Silberpfeile aus Zwickau, Peter Kirchberg, Video 1992.
  8. Peter Vann: Neusilber. Motorbuch Verlag, Stuttgart, ISBN 3-613-02161-7.
  9. Film der Audi AG: Die Silberpfeile aus Zwickau, Zitat Peter Kirchberg: „Der Aufwand für den Grand-Prix-Sport betrug bei der Auto Union für Entwicklung, Konstruktion, Bau und Einsatz der Rennwagen zwischen 1933 und 1942, als alle Entwicklungsarbeiten eingestellt wurden, exakt 14.188.460 Reichsmark. Das war nicht nur für die damaligen Verhältnisse sehr viel Geld. Aber misst man diese Summe am Umsatz, so erreichte sie nicht einmal 1 % davon.“ (Originalquelle im Staatsarchiv Dresden ist der Auto-Union-Ordner Totalkostennachweis des Sportaufwandes 1939/40), Video 1992.
  10. Peter Kohl, Peter Bessel: Auto Union und Junkers: Geschichte der Mitteldeutschen Motorenwerke GmbH Taucha 1935-1948. Franz Steiner Verlag, 2003, ISBN 978-3-515-08070-5.
  11. Staatsarchiv Chemnitz - Wirtschaft [1]
  12. Staatsarchiv Chemnitz [2]
  13. Dr. Werner Lang: „Wir Horch-Arbeiter bauen wieder Fahrzeuge“, Geschichte des Horch-Werkes 1945 bis 1958, 2. Auflage 2007, Bergstraße Verlagsgesellschaft mbH Aue, ISBN 978-3-9811372-1-7
  14. Mirsching, Gerhard; Audi: Vier Jahrzehnte Ingolstädter Automobilbau – Der Weg von DKW und Audi nach 1945; Bleicher Verlag, Gerlingen 1988, S. 18ff
  15. Auto Union in Düsseldorf – Ein Privatbankier als Finanzier, Mittler und Eigentümer.
  16. U. Märker: The story of DKW MUNGA.