Autobahn (Schweiz)

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Autobahnen, Autostrassen und andere wichtige Hauptstrassen der Schweiz
Autobahnzeichen
Die Autobahn A1 bei Bern
Einfahrt zu einer Schweizer Autobahn

Die Autobahnen der Schweiz werden vom Bund sowie in geringerem Umfang von einzelnen Kantonen betrieben. Das Autobahnnetz der Schweiz entspricht nicht dem Nationalstrassennetz der Schweiz, das alle vom Bund betriebenen Fernstrassen umfasst – auch solche die nicht Autobahnen sind, hingegen die kantonalen Autobahnen nicht einschliesst.

Kantonale Autobahnen wurden im dicht besiedelten Mittelland gebaut, vor allem in den Kantonen Aargau, Bern, St. Gallen und Zürich, weitere Kantone haben kurze Zufahrten selber finanziert. Diese Strassen wurden ohne Bundeshilfe gebaut und stellen nur einen kleinen Anteil am Autobahnnetz der Schweiz dar.

Eine Liste aller Autobahnen der Schweiz befindet sich unter Liste der Autobahnen in der Schweiz.

Erlaubnis zum Befahren von Autobahnen[Bearbeiten]

Autobahnen dürfen von Motorfahrzeugen, die eine Mindestgeschwindigkeit von 80 km/h (bis 2005 von 60 km/h) erreichen, befahren werden. Zusätzlich ist auf den zum Nationalstrassennetz gehörenden Autobahnen eine Mautabgabe fällig, diese wird für leichte Motorfahrzeuge in Form einer Autobahnvignette erhoben.

Autobahnvignette[Bearbeiten]

In der Schweiz besteht seit 1985 auf den meisten Autobahnen und Autostrassen Mautpflicht in Form einer Jahresvignette, welche 14 Monate gültig ist. Die Vignette berechtigt zum Befahren mautpflichtiger Strassen ab dem 1. Dezember bis zum 31. Januar des übernächsten folgenden Kalenderjahres.

Die Kosten betragen 40 Schweizer Franken (Stand: Januar 2014). Das Vorhaben, die Gebühr für eine 1-Jahres-Vignette auf 100 CHF anzuheben, wurde im November 2013 durch eine Volksabstimmung abgelehnt. Motorfahrzeuge ab einem Gesamtgewicht von 3.5 Tonnen benötigen für das Befahren von Autobahnen und Autostrassen keine Vignette, da sie der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) unterliegen.

Tempolimit[Bearbeiten]

Das generelle Tempolimit liegt seit dem 1. Januar 1985 bei 120 km/h, bei Stadtautobahnen liegt es im Bereich zwischen 60 und 100 km/h. In den Autobahntunneln und auf Strecken ohne Standstreifen gilt meistens ebenfalls eine reduzierte Höchstgeschwindigkeit von 80 oder 100 km/h. Die Signalisationstafeln bestehen aus weisser Schrift auf grünem Grund. Die Nummerierung besteht aus weissen Zahlen auf roten Tafeln.

Bereits 1966 wurde auf Teilabschnitten eine Richtgeschwindigkeit eingeführt, 1973 wurde versuchsweise ein Tempolimit eingeführt. Dieses betrug zuerst 100 km/h , wurde aber ein Jahr später auf 130 km/h erhöht. Die definitive Einführung dieser Limite erfolgte 1976. Die Limite wurde 1984 auf die heute noch gültigen 120 km/h reduziert.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Als erste Autobahn der Schweiz gilt die am 11. Juni 1955 eröffnete Ausfallstrasse Luzern-Süd. Diese erstmals kreuzungsfrei ausgeführte vierspurige Strasse diente der Umfahrung von Horw. Sie führte vom heutigen Anschluss Luzern-Kriens nach Ennethorw und gilt als erstes Teilstück der A2. Die Finanzierung erfolgte ohne Bundeshilfe alleine durch den Kanton Luzern.[2][3].

Im Februar 1956 reichen ACS und TCS die Volksinitiative zur Verbesserung des Strassennetzes ein, welche die Verwendung mindestens der Hälfte aller Einnahmen durch die Mineralölsteuer auf Kraftstoffen für den Bau von Autostrassen – im Besonderen für eine West–Ost- und eine Nord–Süd-Verbindung – vorschlägt.[4] Am 6 Juli 1958 wird der Gegenentwurf des Bundes vom Schweizer Volk mit 85 % Ja-Stimmen-Anteil angenommen.[5]

Am 21. Juni 1960 trat das Bundesgesetz über die Nationalstrassen in Kraft, welches die Kompetenzen zur Planung und zum Bau von Strassen mit nationaler Bedeutung dem Bund überträgt. Das Gesetz legt im Artikel 2 fest, dass die höchste Klasse dieser Strassen ausschliesslich für die Benutzung mit Motorfahrzeugen bestimmt ist, nur an besonderen Anschlussstellen zugänglich ist, richtungsgetrennte Fahrbahnen aufweisen soll und andere Strassen nicht höhengleich kreuzt. [6]

Am 10. Mai 1962 wurde die Grauholzautobahn als erstes Teilstück der N1 eröffnet. Das acht Kilometer lange Teilstück dient der Entlastung der Strasse durch Zollikofen.[7]

1963 folgte ein erstes längeres Stück Autobahn, der Abschnitt GenfLausanne der N1. Am 10. Mai 1967 entstand mit der Fertigstellung des Teilstücks Oensingen–Hunzenschwil zwischen BernLenzburg ein 85 km langer Abschnitt der N1. Es war damals die längste zusammenhängende Autobahn der Schweiz.

1965 beschliessen die Eidgenössischen Räte die Planung des Nationalstrassennetzes durch den Gotthard-Strassentunnel zu ergänzen. Baubeginn des Tunnels ist 1970, Eröffnung am 5. September 1980. [8]

Nummerierung[Bearbeiten]

Die Autobahnen der Schweiz tragen zwei Nummerierungen, eine Nummerierung aus dem Nationalstrassennetz mit der Bezeichnung N und eine Nummerierung mit der Bezeichnung A des Autobahnnetzes, welche aber erst 1996 eingeführt wurde.

Bis Ende 1996 trugen Autobahnen, Autostrassen und Hauptstrassen des Nationalstrassennetzes dieselben Bezeichnungen und liessen sich anhand dieser nicht voneinander unterscheiden. Kantonale Autobahnen und Autostrassen hatten meist nur inoffizielle Bezeichnungen. Hinzu kam, dass neben der N-Nummer des Projekts (N1b, N1c) die fertige Autobahn gelegentlich eine zweite N-Nummer (N20, N11) erhielt, mit der sie ausgeschildert wurde.

Um Verwechslungen zu vermeiden, wurde ab Ende 1996 die N-Nummerierung nur noch von Behördenseite und im Zusammenhang mit dem Nationalstrassennetz verwendet. Die Autobahnen und Autostrassen erhielten eine neue – an die alte Nummerierung angelehnte – A-Nummerierung. Diese wird funktional vergeben und ordnet Teilstücken, welche von mehreren Strecken verwendet werden, alle notwendigen Nummern zu. Man hat dabei aber versäumt, die Nomenklatur für Autobahn-Zweige (Zubringer etc.) verbindlich festzulegen. Diese werden nun von den Kantonen individuell benannt, was die Übersicht erschwert.

Auf praktisch allen Autobahnen wurde zwischenzeitlich die Signalisation auf den aktuellen Stand gebracht, allerdings wird man abseits der Autobahnen auf etlichen Schildern noch auf die alte N-Nummerierung stossen. Diese wird in der Regel erst dann aktualisiert, wenn die Tafeln ausgetauscht werden müssen.

Projekte[Bearbeiten]

Nach Angaben des Bundesamts für Strassen.[9]

Autobahn Abschnitt Eröffnung geplant
A5 NeuchâtelYverdon Lückenschluss 2013
A5 Umfahrung Biel/Bienne Ostast 2016 / Westast 2020
A8 SarnenInterlaken Letzter Lückenschluss 2018
A9 SierreBrig 2015
A16 Biel/BienneJura–Frankreich Umfahrung Moutier: 2011, bis F: 2016

Militärische Bedeutung[Bearbeiten]

Bei der Planung des Autobahnnetzes wurde die Forderung der Fliegertruppe nach Ausweichlandepisten berücksichtigt. Auf verschiedenen Autobahnabschnitten wurde eine gerade Linienführung von etwa 2 km Länge gewählt. Die Leitplanken wurden durch Stahlseile ersetzt und konnten bei Bedarf innerhalb weniger Stunden von der Truppe entfernt werden. Nach einer Reinigung der Fahrbahnen, dem Aufmalen der Landezeichen und dem Einrichten der Funkverbindungen konnte ein solches Autobahnteilstück von Flugzeugen benutzt werden. Die meisten Mittelstreifen sind heute wieder befestigt.

Das vorerst letzte «landetauglich» erstellte Stück Autobahn dürfte das in den 1990ern eröffnete A1-Teilstück Murten – Payerne sein, parallel zur Piste des Militärflugplatzes Payerne.

Der Einsatz von Flugzeugen wurde sporadisch durch WK-Einheiten (Flpl Abt) praktisch erprobt.[10] Das erste Teilstück bei Oensingen wurde am 16. September 1970 von 12 bis 15 Uhr für eine militärische Übung eingesetzt, die charakteristisch war für den Kalten Krieg. Die Geheimhaltung im Vorfeld war dementsprechend gross. Alle unnötigen Bekanntmachungen waren daher zu vermeiden, dennoch wohnten viele Zuschauer dem Spektakel bei, und die Medien berichteten darüber.

Die durch das Flieger- und Flugplatzregiment 3 mit der DH-112 Venom durchgeführte Übung stellte grosse Ansprüche an die Infrastruktur und an das Können der Piloten. Die Übung verlief erfolgreich und mit guten Erfahrungen, die als Lehrstück für weitere Lande- und Startübungen auf anderen Abschnitten des schweizerischen Autobahnnetzes dienten, letztmals 1991 im Tessin.

Datum Übungsname Ort Autobahn Truppe Inhalt
16. Sep. 1970 «U STRADA» Oensingen N1 Flpl Abt 9 Militärflugplatz Alpnach-de Havilland Venom: Start von 12 Venom
26. Sep. 1974 «U STRADA» Münsingen N6 Flpl Abt 12 & 13 INT-de Havilland Venom,Militärflugplatz Meiringen-Hawker Hunter
28. Sep. 1977 «U NOLA» Flums N13 Flpl Abt 9 Militärflugplatz Alpnach-Hawker Hunter
1. Juni 1978 «U NOSTA» Alpnach N8 Flpl Abt 9 Militärflugplatz Alpnach--Hawker Hunter: Start von 6 Hunter ab Autostrasse
6. Mai 1980 «U ABEX» Aigle-Bex N9 Flpl Rgt 1 Raron-Hawker Hunter, Turtmann-Hawker Hunter, Flughafen Sion-Hawker Hunter: Start von 36 Hunter
24. März 1982 «U TAUTO» Münsingen N6 Flpl Rgt 2 Militärflugplatz Meiringen-Hawker Hunter,F-5 Tiger II , Flugplatz Interlaken-Hawker Hunter
15. Okt. 1985 «U TAUTO» Flums N13 Flpl Abt 8 Ambri-Hawker Hunter, Militärflugplatz Alpnach-F-5 Tiger II: 9, Militärflugplatz Mollis-Hawker Hunter: 11
29. Sep. 1988 «U TUTTI» Alpnach N8 Flpl Abt 9 Militärflugplatz Alpnach-F-5 Tiger II: Start von 12 Tiger ab Autostrasse
16. Nov. 1988 «U NOSTASIO» Sion N9 Flpl Abt 4 Flughafen Sion-F-5 Tiger II: Start von 8 Tiger
14. Nov. 1991 «U STRADA» Lodrino N2 Flpl Abt 8 Ambri-Hawker Hunter, Alpnach-F-5 Tiger II: 9, Mollis-Hawker Hunter 11

Nie erprobt wurden folgende Autobahnabschnitte:

  • Stans A2, Kurzstrecke für Not-Start der Dassault Mirage III mit JATO.
  • Payerne A1, letzter erbauter Abschnitt – theoretisch noch operationell

Mit dem Ende des Kalten Kriegs und den Restrukturierungen der Schweizer Armee werden laufend Objekte aus dem Inventar der militärischen Infrastruktur entlassen, darunter auch verschiedene Nationalstrassen-Bauten. Mit der Armeereform 1995 wurde das Konzept der Autobahn-Flugplätze aufgegeben. Es wird kein Unterhalt mehr betrieben und kein Einsatz mehr erprobt.

Eine ebenfalls aufgegebene Doppelnutzung von Autobahn-Objekten ist der Sonnenbergtunnel der A2 bei Luzern. Dieser wurde als grösster ziviler Schutzbunker der Schweiz und einer der grössten der Welt konzipiert und jährlichen Funktionstests unterzogen, bis er 2005 aufgrund zunehmender Unterhaltskosten in seiner Kapazität als Zivilschutzanlage stark reduziert wurde. Er bot vormals Platz für 17'000 Menschen, heute hat er eine Kapazität von 2'000 Personen.

Schliesslich wurde auch der Gotthardtunnel der A2 aus dem Inventar strategischer Bauten entlassen. Nach dem schweren Brandunfall 2001 und die dadurch unumgängliche Totalsanierung des Abschnitts nutzte man die Zeit der Sperrung, um den beim Bau installierten Sprengstoff aus einer Nebenkammer im Innern des Tunnels zu entfernen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatFabian Finocchio: Semesterarbeit. Institut für Verkehrsplanung und Transportsysteme der ETH Zürich, Februar 2004, abgerufen am 4. Januar 2013 (PDF; 537 kB).
  2. Erster Autobahnabschnitt der Schweiz. Gemeinde Horw, abgerufen am 24. Dezember 2012.
  3.  30 Jahre Ausfallstrasse Luzern-Süd. In: Schweizerische Bauzeitung. 103, Nr. 26, 1985, S. 664 (digitalisierte zeitschriften).
  4. Eidgenössische Volksinitiative Verbesserung des Strassennetzes. Abgerufen am 4. Januar 2013.
  5. Liste der eidgenössischen Volksabstimmungen 35. Legislatur (1955–1959)
  6. SR 725.11 Bundesgesetz über die Nationalstrassen. Abgerufen am 23. Dezember 2012.
  7. Eröffnung Grauholz-Autobahn im Mai 1962. Schweizer Radio und Fernsehen, abgerufen am 23. Dezember 2012.
  8. Gotthard-Strassentunnel: Chronologie. Abgerufen am 4. Januar 2013.
  9. Bundesamt für Strassen (Astra)
  10. Kalter Krieg: Die erste Autobahnpiste im Test auf der offiziellen Website der Schweizer Luftwaffe

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Autobahnen in der Schweiz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien