Autohof

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Seit 2001 in Deutschland gültiges Autobahnschild
Autobahnschild aus dem Jahr 1947

Als Autohöfe (auch Rasthöfe) werden in Deutschland und Teilen Österreichs Tank- und Rastanlagen bezeichnet, die – im Gegensatz zu den Raststätten – keine eigene und unmittelbare Zu- und Abfahrt zur Autobahn haben, sondern über eine reguläre Autobahn-Anschlussstelle erschlossen sind.

Autohof Lohfeldener Rüssel an der A 7, Lohfelden
Kapelle auf dem Autohof Lohfeldener Rüssel, Lohfelden

Entwicklung in Deutschland[Bearbeiten]

Eine erste Einrichtung mit diesem Namen entstand noch vor dem Ausbau der Autobahnen für 50 Wagen in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre am Botanischen Garten in Berlin-Lichterfelde. Autohöfe an Autobahnen waren von Anfang an hauptsächlich als Abstellanlagen für den Güterfernverkehr gedacht. Sie boten gegen Ende der 1930er Jahre günstige Übernachtungsmöglichkeiten für die Fahrer sowie Wartungs-, Tank- und Waschmöglichkeiten für die Fahrzeuge. 1938 gab es zusätzlich bereits 43 Laderaumverteilstellen an den Autohöfen. Ziel war es zum damaligen Zeitpunkt, das Umladen von Gütern auf die Autohöfe zu verlegen, damit der Verkehr in den Innenstädten nicht noch zusätzlich durch die Fernlastzüge belastet würde. Ein Autohof sollte zum einen die Nähe zu den Geschäftszentren berücksichtigen, zum anderen an einer wichtigen Ausfallstraße liegen. Der Anschluss an eine Autobahn war dabei nicht oberstes Auswahlziel.[1] Dennoch entwickelten sich die Autohöfe mit dem Ausbau des Fernstraßennetzes insbesondere an den Autobahnen, da diese zunehmend die Rolle bedeutender Ausfallstraßen übernahmen.

Ausbau[Bearbeiten]

Das Bundesverkehrsministerium hat in den letzten Jahren den (privaten) Neu- und Ausbau von Autohöfen abseits der Autobahn favorisiert, da man zunehmend das Problem sah, dass LKW-Fahrer die vorgeschriebenen Ruhezeiten nicht einhalten konnten. Der Ausbau der damals bundeseigenen Park- und Rastflächen an der Autobahn hielt mit dem rasanten Wachstum des Straßen-Güterverkehrs nicht mehr Schritt, zudem war der Anspruch der Fahrer an Komfort und Sicherheit gestiegen.

Voraussetzungen[Bearbeiten]

Anfang 2001 wurden der Begriff „Autohof“ und seine Bedeutung für die Benutzer der Bundesautobahnen und Fernstraßen in die StVO aufgenommen und damit festgelegt. Bis eine Raststätte sich als Autohof bezeichnen darf und Anspruch auf eine Hinweisbeschilderung im Autobahnnetz hat (Zeichen 448.1), müssen besondere Voraussetzungen erfüllt sein, die in den Verwaltungsvorschriften zur StVO (VwV-StVO) zum Zeichen 448.1- Autohof aufgeführt sind. Hierbei handelt es sich um nachfolgende Kriterien:

  • Der Autohof ist höchstens einen Kilometer von der Anschlussstelle entfernt.
  • Die Straßenverbindung ist für den Schwerverkehr baulich und unter Berücksichtigung der Anliegerinteressen Dritter geeignet.
  • Der Autohof ist ganzjährig und ganztags (24 Stunden) geöffnet.
  • Es sind mindestens 50 LKW-Stellplätze an schwach frequentierten (durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke bis 50.000 Kfz) und 100 LKW-Stellplätze an stärker frequentierten Autobahnen vorhanden. PKW-Stellplätze sind davon getrennt ausgewiesen.
  • Tankmöglichkeit besteht rund um die Uhr; für Fahrzeugreparaturen werden wenigstens Fachwerkstätten und Servicedienste vermittelt.
  • Von 11 bis 22 Uhr gibt es ein umfassendes Speiseangebot, außerhalb dieser Zeit werden Getränke und Imbiss angeboten.
  • Sanitäre Einrichtungen sind sowohl für Behinderte als auch für die besonderen Bedürfnisse des Fahrpersonals vorhanden.

Auf Autohöfe wird somit kurz vor der nächstgelegenen Autobahn-Anschlussstelle durch Zeichen 448.1 (Schriftzug Autohof über dem Ausfahrtsymbol auf blauem Grund) der StVO hingewiesen.

Aufgrund der bis Anfang 2001 undeutlichen Gesetzgebung und der seitdem noch nicht konsequenten Vorgehensweise der Genehmigungsbehörden ist es derzeit durchaus möglich, dass Betriebe, die als Autohof ausgeschildert sind, die o. g. Kriterien nicht oder nur zum Teil erfüllen. Die VEDA (Vereinigung Deutscher Autohöfe e. V.) setzt sich dafür ein, dass hier Abhilfe geschaffen wird.

Unterschiede[Bearbeiten]

Aus Sicht der Mineralölgesellschaften ist ein Autohof eine Tankstelle mit Tankstellenshop und Restaurant und/oder Bistro. Insoweit wird oft von ESSO–, ARAL- oder SHELL-Autohöfen gesprochen. Diese Darstellung ist ein wenig irreführend, da die Mineralölgesellschaften die Autohöfe in der Regel nicht selbst betreiben, sondern diese verpachtet haben oder lediglich die Kraftstoffbelieferung vornehmen. Somit gibt es zwei Gruppen von Autohof-Betreibern:

  • Pächter der Mineralölgesellschaften
  • selbstständige, mineralölkonzernunabhängige Betreiber

Aus der Sicht eines Autohof-Betreibers ist ein Autohof ein gastronomischer Betrieb mit Tankstelle und/oder weiteren Einrichtungen. Der Tankstellenshop wird, was die Positionierung angeht, der Tankstelle untergeordnet. Im Gegensatz zu einer Autobahnraststätte können sich bei einem Autohof noch über die Raststättenfunktion hinausgehende zusätzliche Einrichtungen befinden, wie Konferenzräume, Waschanlage oder eine Diskothek. Auch Spieleinrichtungen sind nicht selten. Einer der größten Unterschiede zwischen einem Autohof und einer Autobahnraststätte ist der, dass der gastronomische Betrieb eines Autohofes meistens mit Bedienung stattfindet, wobei eine Autobahnraststätte in der Regel auf Selbstbedienung setzt.

Autohöfe können aufgrund der Lage auch städtebaulich angeschlossen sein und etwa auch ein Industriegebiet oder gar Wohngebiete mitbedienen, ohne dass ein Befahren der Autobahn notwendig ist.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Truck stops – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Bauabsichten: Autohöfe für den Güterfernverkehr. In: Deutsche Bauzeitung 1 (1938). S. 18.