Automatisierter Externer Defibrillator

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Halbautomatischer externer Defibrillator (AED)

Ein Automatisierter Externer Defibrillator (AED, ugs. Laiendefibrillator oder Defi) ist ein medizinisches Gerät zur Behandlung von defibrillierbaren Herzrhythmusstörungen durch Abgabe von Stromstößen. Im Gegensatz zu Defibrillatoren aus dem Rettungsdienst oder Kliniken sind AEDs wegen ihrer Bau- und Funktionsweise besonders für Laienhelfer geeignet.

Anwendung, Aufbau und Funktion[Bearbeiten]

Die beiden Klebeelektroden, auch Defibrillationselektroden oder Fast-Patches genannt, werden bei Jugendlichen und Erwachsenen unter dem rechten Schlüsselbein und unter der linken Achselhöhle in der sogenannten Anterior-Anterior-Position anterolateral angebracht. Nach dem Anlegen der Klebeelektroden analysiert eine Software im AED den Herzrhythmus. Wird Kammerflimmern, eine Ventrikuläre Tachykardie und bei einigen AEDs auch eine supraventrikuläre Tachykardie erkannt, wird die Defibrillation /Kardioversion freigeschaltet. Grundsätzlich unterscheidet man vollautomatische von halbautomatischen AEDs. In der vollautomatischen Bauweise gibt das Gerät den Elektroschock unter ständiger Überwachung der Schockvoraussetzungen eigenständig ab, während in der halbautomatischen Bauweise der Anwender die Schocktaste innerhalb eines definierten Intervalls drücken muss und damit auch die Verantwortung für die Einhaltung der Schockvorausetzungen hat. Wird ein nicht schockbarer Rhythmus erkannt, oder liegen die Messwerte unter den gerätespezifischen Asystoliegrenzen, wird die Defibrillation nicht freigegegeben. Alle 2 Minuten erfolgt eine Anweisung, den Patienten nicht zu berühren, um eine erneute EKG-Analyse und u.U. einen erneuten Schock zu ermöglichen.

Einige AED-Modelle unterstützen den Ersthelfer bei der nötigen Herz-Lungen-Wiederbelebung, das allerdings in sehr unterschiedlichem Maße. Inzwischen sind AEDs auf dem Markt, die auch die Qualität der Herzdruckmassage durch Sprachansagen zum Verbesserungspotential per Sprach- und Textanweisung (bspw. fester drücken, schneller drücken, langsamer drücken, vollständig entlasten).

Es gibt auch Varianten für die semiprofessionelle Anwendung mit Darstellung einer EKG-Ableitung und einer manuellen Defibrillationsmöglichkeit und/oder mit integriertem Pulsoximeter. Diese Geräte tragen oft ein "PRO" für "professionell" in ihrer Bezeichnung.

Besonderheiten bei Kindern und Kleinkindern[Bearbeiten]

Nicht alle AEDs sind für eine Anwendung bei Kindern unter 8 Jahren zugelassen. Für einige der zugelassenen AEDs gibt es deutlich kleine Pädiatrie-Defibrillationselektroden. Diese werden in der Regel vom Gerät automatisch erkannt und die Energieabgabe für die Defibrillation entsprechend abgesenkt. Eine Variante anderer AEDs ist, durch das Betätigen eines Schiebereglers oder Einstecken eines speziellen Kinderschlüssels in den Kindermodus umzustellen. In diesem Fall nutzt man die vorhandenen Elektroden und klebt diese auf die Brust sowie auf den Rücken – die sogenannte Anterior-Posterior-Position, um eine Berührung der beiden Elektroden zu vermeiden.

Verbreitung[Bearbeiten]

Hinweisschild D-E017 auf Automatisierten Externen Defibrillator
Defibrillator am Flughafen Amsterdam
AED mit angeschlossenen Klebeelektroden

Da die Überlebenschance der Betroffenen mit jeder Minute, die ohne Frühdefibrillation verstreicht, um ca. 10 % sinkt, soll das therapiefreie Intervall bis zur Versorgung des Herzpatienten durch Rettungsdienst und Notarzt durch eine möglichst frühzeitige Defibrillation verkürzt werden. Daher werben seit 2001 alle namhaften Hilfsorganisationen für den Einsatz von AEDs auch im öffentlichen Umfeld. So existieren mittlerweile eine Vielzahl heterogener Inselprojekte mit teilweise öffentlich zugänglichen AED. Diese als Public Access Defibrillators (PAD) eingesetzten öffentlichen AED finden sich etwa in Flughäfen, Bahnhöfen, Fußballstadien und anderen öffentlichen Gebäuden. Meist sind die AED im Eingangsbereich von Gebäuden oder im Sanitätsraum platziert.

Im amerikanischen Raum sind AED schon weit verbreitet, aber auch in Europa ist eine Tendenz zur Implementierung von AEDs zu erkennen. In Deutschland sind AEDs in immer mehr Unternehmen, aber auch im öffentlichen Raum zum Beispiel in den Haltestellen der Münchner U-Bahn, auf großen Flughäfen und in öffentlichen Einrichtungen (beispielsweise im Landtag in Nordrhein-Westfalen, in den Katasterämtern in Rheinland-Pfalz) vorhanden.

Um richtlinienkonform zu lehren haben alle ausbildenden Stellen sich geeinigt, dass seit 2011 in jedem Erste-Hilfe-Kurs auch ein AED vorgestellt wird. Die Tendenz zu regelmäßigen Schulungen an AEDs ist stärker ausgeprägt in den industriellen Nachbarländern Deutschlands wie Belgien, Dänemark, Frankreich, Luxemburg, Niederlande, Schweiz und Österreich zu beobachten.

Rechtliche Situation[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Beschilderung in München mit Piktogramm für AED

Der Einsatz eines Automatisierten Externen Defibrillators (AED) durch Laien im Rahmen der Ersten Hilfe ist rechtlich unbedenklich. Grundsätzlich ist eine AED ein aktives Medizinprodukt, d.h. für die Organisation im Rahmen der betrieblichen Erste-Hilfe sind das Medizinproduktegesetz (MPG) und die Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV) maßgeblich. Es ist 1. ein Medizinproduktebuch zu führen, es darf 2. nur der Hersteller bzw. von diesem autorisierte Personen den AED vor Ort in Betrieb nehmen und es muss 3. ein Gerätebeauftragter im Unternehmen benannt und im sachkundigen Betrieb des Geräts unterwiesen werden. Dieser Gerätebeauftragte kann dann das übrige betriebliche Personal unterweisen. In der Praxis allerdings findet die Erstunterweisung zumeist in einem umfänglicheren Rahmen für möglichst viele betriebliche Ersthelfer statt. Im Notfall – sprich im rechtfertigenden Notstand (§ 34 StGB) – darf ein AED auch von nicht eingewiesenem Personal bedient werden. In der Praxis allerdings trauen sich nur sehr wenige Ersthelfer ohne Übung diese Chance zu nutzen.

AEDs sind nicht kennzeichnungspflichtig, daher manchmal schwer zu finden. Es empfiehlt sich eine Ausschilderung analog zu den Feuerlöschern. Für AED-Besitzer, deren Mitarbeiter bei den Berufsgenossenschaften versichert sind, gilt eine jährliche Unterweisungspflicht.

Weitere Länder Europas[Bearbeiten]

  • Belgien: Der Königliche Beschluss vom 21. April 2007 regelt den Gebrauch von Automatisierten Externen Defibrillatoren der Kategorie 1 und 2. Die AEDs der Kategorie 1 dürfen von Professionellen und von jedem Bürger eingesetzt werden.
  • Frankreich: Das Dekret n° 2007-705 vom 4. Mai 2007 erlaubt jedem, auch Nicht-Medizinern, einen AED zu betätigen.
  • Großbritannien: Im Vereinigten Königreich ist der Gebrauch des AED ebenfalls gesetzlich geregelt. Mehr als 600 Defibrillatoren hängen an viel besuchten öffentlichen Stellen.
  • Luxemburg: Seit dem 19. November 2008 ist der Gebrauch eines AED gesetzlich geregelt. AEDs dürfen nun in öffentlichen Gebäuden und an öffentlichen Orten angebracht werden und von jedem genutzt werden.[1]
  • Monaco: Im Fürstentum stehen über 80 Defibrillatoren an öffentlichen Orten zum Einsatz bereit.
  • Niederlande: Jedem Menschen steht es zu, einen AED zu bedienen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Gruner: Frühdefibrillation. Stumpf + Kossendey Verlag, Edewecht 2006, ISBN 3-938179-33-3.
  • GRC-Leitlinien zu Lebensrettenden Basismaßnahmen für Erwachsene und Verwendung von AED. Hier diverse PDF-Dokumente zum Thema
  • BÄK-Empfehlungzur Frühdefibrillation durch medizinische Laien
  • BAGEH-Empfehlung zur Aus- und Fortbildung in Defibrillation durch Ersthelfer pdf
  • DGUV-Information zur Automatisierten Defibrillation im Rahmen der Ersten Hilfe pdf
  • RICHTLINIE 93/42/EWG über Medizinprodukte und ihre Klassifizierung (ANHANG IX) pdf
  • Informationsplattform „Automatisierte externe Defibrillation in Bayern“ hier online das Projekt wurde im März 2005 eingestellt, Informationen weiterhin teilweise veraltet online.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Defibrillator – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Automatisierter Externer Defibrillator – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Règlement grand-ducal du 19 novembre 2008 relatif à l’utilisation des défibrillateurs externes automatiques (PDF-Datei; 81 kB)
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