Autoradio

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Ein Autoradio ist ein Hörfunkempfänger, der für den Einbau in ein Kraftfahrzeug entwickelt wurde. Zu diesem Zweck hat es üblicherweise eine Betriebsspannung von 12 V und ein normiertes oder an einen Fahrzeugtyp angepasstes Einbaugehäuse. Gegenüber Heimgeräten ist es besonders robust gegen Erschütterungen und Temperaturschwankungen. Neben dem Rundfunkempfang kann es meist auch bestimmte Tonträger abspielen, im Jahr 2009 wurde durch die Firma Blaupunkt das erste Internet-Autoradio vorgestellt.

Historisches Autoradio in einem Ford Taunus

Eigenschaften[Bearbeiten]

Einbau eines Autoradios
Eingebautes Autoradio

Aktuelle Radios können Sender auf UKW, Mittelwelle, vereinzelt auch über Langwelle und DAB sowie mitunter auf Kurzwelle empfangen. Zur Unterstützung des Autofahrers sind in der Regel Verkehrsfunkdecoder RDS eingebaut. Leistungsfähigere Geräte verfügen auch über Doppeltuner oder TMC zur textlichen Anzeige von Verkehrsfunkmeldungen. Mitunter sind darüber hinaus Navigationssysteme integriert. Eine Diebstahlsicherung ist heute üblich.

Bis Anfang des 21. Jahrhunderts waren zusätzlich integrierte Cassettenspieler Standard. Diese wurden durch die Audio-CDs abgelöst. Viele neue Modelle können auch MP3-CDs und -DVDs lesen und weisen externe Audio- oder USB-Anschlüsse oder Lesegeräte für SD-Karte- oder MMC-Karten auf. Nicht durchsetzen konnten sich dagegen MiniDisc-Player.

In Europa werden frei verkäufliche Autoradios in der Regel in einer genormten Gehäusegröße angeboten, die in entsprechend vorgesehene Aussparungen der Mittelkonsole im Fahrzeug eingebaut werden können. Abweichend davon werden ab Werk eingebaute Autoradios, die möglicherweise gleich mit Navigationssystem ausgerüstet sind, bei mittlerweile den meisten Automobilherstellern direkt in die Mittelkonsole integriert. Die höhere Einbaulage soll das Gerät näher in das Blickfeld des Fahrers bringen, um seine Ablenkung durch den Blickwechsel zu reduzieren. Zur Erhöhung der Verkehrssicherheit wird bei werkseitig eingebauten Radios auch oft eine Fernbedienung in Lenkradnähe vorgesehen, die eine Einstellung des Radios erlaubt, ohne die Hände vom Lenkrad zu nehmen.

Einbaumaße nach ISO[Bearbeiten]

In der internationalen Norm ISO 7736 vom März 1984 sind sowohl Einbauräume als auch Anschlüsse für Autoradios zum Fronteinbau in Straßenfahrzeugen genormt. Während für die Schachttiefe ein Mindestmaß von 160 mm bestimmt ist, wird die Frontpartie bei einer Breite von 180 mm in zwei unterschiedlich hohen Varianten (50 und 100 mm) festgelegt. Diese Norm wurde im April 1984 als DIN ISO 7736 in eine nationale deutsche und im September 1986 als ÖNORM ISO 7736 in eine nationale österreichische Norm umgesetzt (Stand: Mai 2013).

Anschlüsse[Bearbeiten]

Aufwendige Einzelanfertigung: Soundanlage im Heck

Hauptartikel: ISO 10487

Die heute gängigen Autoradios verfügen in der Regel über standardisierte Anschlussstecker nach ISO 10487. Damit lassen sich die Geräte herstellerunabhängig in jedes Fahrzeug mit ISO-Anschlüssen einbauen.

In den letzten Jahren sind viele Fahrzeughersteller dazu übergegangen, ihre werksseitig verbauten Autoradios über spezielle Anschlüsse an den fahrzeuginternen CAN-Bus anzubinden. In diesen Fällen ist der Einbau von Autoradios eines anderen Herstellers mit weiteren Kosten verbunden, die in Form spezieller Adapter anfallen.

Eingänge[Bearbeiten]

  • Masse bzw. Minuspol für die Spannungsversorgung
  • Dauerplus, 12-V-Spannung gegenüber Masse, auch bei abgestelltem Fahrzeug, nötig, um bei abgestellter Zündung Radio hören zu können bzw. bei manchen Geräten, um Einstellungen zu speichern.
  • Zündungsplus, 12 V bei eingeschalteter Zündung, ermöglicht das automatische Ein- und Ausschalten des Radios über die Zündung bzw. Lenkradschloss
  • GALA-Eingang, empfängt das Geschwindigkeitssignal vom Tachometer und ermöglicht eine Geschwindigkeitsabhängige Lautstärkeanpassung
  • Antenneneingang
  • Beleuchtung, 0–12 V, für die Tag-/Nachtumschaltung der Radiobeleuchtung oder bei manchen Modellen Einstellung der Beleuchtungsintensität entsprechend der Beleuchtung der Bordinstrumente des Fahrzeuges.
Antennenadapter ISO <-> DIN

Für Antennenbuchsen in Autoradios existieren zwei Standards, der ältere gemäß DIN und der neuere gemäß ISO:

  • DIN: Wellenwiderstand: 150 Ohm; Stiftdurchmesser: 3,2 mm; Stiftlänge: ca. 13 mm
  • ISO: Wellenwiderstand: 50 Ohm; Stiftdurchmesser: 2,5 mm; Stiftlänge: ca. 5 mm

Daneben gibt es häufig weitere Anschlüsse für CD-Wechsler, Freisprechanlage, Fernbedienung und externe Musikquellen. Ist kein Anschluss für externe Quellen vorhanden, kann eine Adapter-Kassette verwendet werden. Seit 2006 sind auch Minisender im UKW-Bereich zugelassen, die Audiosignale (zum Beispiel eines MP3-Players) per Funk ans Autoradio übertragen. Es gibt aber auch Geräte, die die Audiosignale mittels HF-Modulation in das Antennenkabel einspeisen. Des Weiteren werden mittlerweile speziell für originale Autoradios Adapter angeboten, die einen CD-Wechsler emulieren um daran ein Speichermedium mit Mp3-Dateien oder eine AUX-Quelle anzuschließen.

Modernere Autoradios besitzen oft zusätzlich einen AUX-Eingang an der Front oder Rückseite, um damit direkt externe Quellen wie Mp3-Player per Kabel anschließen zu können. Dieser wird häufig in Form einer 3,5-mm-Klinkenbuchse an der Front, manchmal auch an der Rückseite mit Hilfe eines Cinch Anschlusses realisiert.

Ausgänge[Bearbeiten]

Meistens verfügen moderne Autoradios über vier Lautsprecherausgänge, die eine Leistung von ca. 15 Watt RMS abgeben. Von vielen Herstellern wird die wesentlich höhere Musikleistung angegeben, zum Beispiel (4 x 50 Watt), diese Leistungsangabe ist allerdings nicht genormt und lässt somit viel Interpretationsspielraum. Im Car-HiFi-Bereich werden oft externe Endstufen verwendet, um eine höhere Leistung zu erzielen. Dieser wird mit einem Cinch-Kabel am Vorverstärkerausgang des Radios (englisch Pre-Out) angeschlossen. Werkseitig eingebaute Autoradios besitzen in der Regel keinen Pre-Out, Nachrüstradios hingegen sind, je nach Ausstattung mit bis zu 6 dieser Ausgänge ausgestattet, welche einen Spannungspegel von ca. 1,5 bis 7 Volt aufweisen. Höhere Ausgangspegel versprechen dabei eine störsichere Signalübertragung. Um dennoch einen Verstärker an ein Autoradio ohne Vorverstärkerausgang anschließen zu können, ist es möglich einen sogenannten Hi-Lo-Adapter zu benutzen. Solche Adapter verringern die Spannung vom Lautsprecherausgang des Radios, so dass eine Signalstärke ähnlich eines Vorverstärkerausgangs entsteht.

Probleme[Bearbeiten]

Trotz identisch aussehender Stecker nach ISO 10487 ist die Kontaktbelegung uneinheitlich.

So vertauschen einige Autohersteller Dauerplus und Zündungsplus im Fahrzeugstecker, so dass in diesem Fall Funktionsstörungen des Radios auftreten (in diesem Beispiel ist das Radio dauernd eingeschaltet, und das nur als Signalleitung gedachte Zündungsplus muss die Stromversorgung des Radios übernehmen, was zur Überlastung des Stromkreises führen kann).

Auch ist der Anschluss der Geschwindigkeitsabhängigen Lautstärkeanpassung (GaLa) fahrzeugseitg nicht immer auf den gleichen Pin im Stecker gelegt. Um eine Funktionsstörung der Bremse bzw. des Antiblockiersystems (ABS) und dessen Erweiterungen ASR/ESP auszuschließen, wird dieses Signal jedoch separat zum geschwindigkeitsabhängigen Signal des ABS erzeugt. Sämtliche für das Bremsen zuständigen und damit in Verbindung stehenden elektronischen Signale dürfen aus Sicherheitsgründen grundsätzlich für keine weiteren Funktionen im Fahrzeug genutzt werden. Das bedeutet, dass bei einem in einem älteren Fahrzeug fehlenden GALA-Signal dieses nicht dem ABS-Signal entnommen werden darf.

Es können noch weitere fahrzeughersterstellerspezifische Kontaktbelegungen des ISO-Steckers vorkommen, die beim Anschluss eines Zubehör-Radios zu Störungen der Fahrzeugelektronik führen können.

Somit kann - juristisch gesehen - durch den nicht fach- und sachgerechten Selbsteinbau eines Autoradios die Betriebserlaubnis des Fahrzeuges erlöschen. Einige KFZ-Hersteller untersagen daher in der juristisch verbindlichen Betriebsanleitung der Fahrzeuge den Selbsteinbau von Autoradios.

Dadurch, dass die Fahrzeughersteller ihre Werksradios immer weiter mit dem Fahrzeug vernetzen, kann der Austausch durch ein Radio eines anderen Herstellers auch zum Wegfall von Funktionen führen, die vorher nur über das Werksradio erreichbar waren (z. B. Uhrzeiteinstellung, Zugriff auf den Bordcomputer, Ausfall der Lenkradfernbedienung).

Geschichte[Bearbeiten]

Ab 1920[Bearbeiten]

1922 wurde in ein Ford Modell T in Chicago ein Radio eingebaut, zeitgleich wurde in England ein Daimler mit einem Autoradio von Marconiphone Co ausgerüstet.[1] 1927 wurde das erste, industriell von der Firma Storage Battery Co., Philadelphia hergestellte Autoradio „Philco Transitone“ in den USA von Chevrolet als Zubehör angeboten.[1] Galvin Manufacturing Corporation (GMC) baute 1930 das erste kommerziell erfolgreiche Autoradio der Welt. Entwickler waren William P. Lear und Elmer Wavering. Das Modell 5T71 kostete 110–130 US-Dollar. Das Radio bekam wegen seiner schweren und voluminösen Ausführung die Bezeichnung „Motorola“, eine Wortschöpfung aus Motor (motorcar, motion) und ola (Schall, Welle, la ola) (nach anderen Quellen Brand eins: „Eine Kombination aus Automobil und Victrola, dem legendären Grammofon“). Der Erfolg war so groß, dass es in den USA bald zum Synonym für den Hersteller und für ein Autoradio überhaupt wurde.

Auf der Funkausstellung im August 1932 und im Februar 1933 auf der Automobilausstellung wurde das Röhrenautoradio AS5 für den zu jener Zeit genutzten Mittel- und Langwellenbereich vorgestellt. Der Fünf-Röhren-Superhetempfänger war seit Anfang der 1930er Jahre von der Radiotelefon und Apparatefabrik Ideal AG (heute Blaupunkt) in Berlin zusammen mit der Robert Bosch GmbH in Stuttgart entwickelt worden. Er konnte mit Bowdenzügen von der Lenksäule aus ferngesteuert werden, benötigte eine eigene Anodenbatterie oder einen zusätzlichen Umformer für die Anodenspannung und kostete mit einem Preis von RM 465,- ein Drittel eines damaligen Kleinwagens. Nach Tests während einer Sahara-Expedition wurde eine erste Serie von 300 Stück in einer Musterwerkstatt der Firma Bosch gefertigt.[2] Die Antenne wurde als Litze am Dachhimmel (der zu jener Zeit häufig aus Stoff bestand) oder unter den hölzernen Türtrittbrettern verlegt.[3][4] Das erste Blaupunkt 4A75 wurde 1933 für 325 Reichsmark vorgestellt, das jetzt mit allen Komponenten inklusive des Lautsprechers in ein Gehäuse von 9,5 l Inhalt passte und den unhandlichen Generator für die Anodenhochspannung durch einen kleinen Zerhacker ersetzt hatte. Der Superhet verwendet sechs Röhren und sieben Schwingkreise.[4] 1934 stellte Telefunken das T540 für 353 Reichsmark vor.[4] 1936 stellte Blaupunkt das 5A76 (sechs Röhren/sieben Kreise) für 332,75 RM, Körting das ASE6340 in einer Ausführung für 6-V- und einer Ausführung für 12-V-Autobatterie jeweils für 420,- RM und Telefunken das T655 für 450 RM vor,[4], 1938 erschien das Blaupunkt 7A78 mit sieben Röhren und sechs Schwingkreisen mit Schwundregelung und beleuchteter Abstimmskala. Es wurden Stahlröhren verwendet, der Preis betrug 330 Reichsmark. Der Umsatz mit Autoradios verdoppelte sich daraufhin gegenüber dem Vorjahr. Körting stellte das AS7340 für 348 RM, Telefunken das T3877 für 338,- RM vor, von Philips wurden Geräte mit internem oder externem Lautsprecher für 6-V- oder 12-V-Bordnetze angeboten.[4] 1939 gab es erstmals das Blaupunkt 7A79 für 330 RM, das Lorenz AS39 für 298 RM, das Telefunken IA39 für 325 RM. Auch Philips hatte Geräte mit internem und externem Lautsprecher für 6-V- oder 12-V-Bordbatterie im Programm.[4]

Ab 1940[Bearbeiten]

Historisches Autoradio mit Elektronenröhren

1949 gelang es erstmals, das Empfangsteil des Autoradios in das Armaturenbrett einzubauen.[1] Die Firma Becker, (heute: Harman Becker Automotive Systems), in Person von Max Egon Becker stellte das Mittelwellengerät Autophon (5 Röhren/6 Kreise) und den zusätzlich Lang- und Kurzwelle empfangenden Aerophon dem Kunden Mercedes Benz vor, eine lange Geschäftsbeziehung beginnt. Blaupunkt war nach der Demontage des Berliner Betriebs nach Hildesheim umgezogen und stellte den 5A649 vor, der auch in die Instrumententafel eingebaut werden und damit auf den Bowdenzug verzichten konnte.[4] 1951 führte die Firma Becker mit dem Gerät Nürnberg Stationstasten mit induktiver Abstimmung (Variometer) ein.[1][4] 1952 erschienen das A52KU und das A520KU (mit oder ohne Drucktasten) von Blaupunkt, die auch den 1951 eingeführten UKW-Rundfunk empfangen konnten.[4] 1953 hielt der UKW-Bereich (in Mono) und der automatische Sendersuchlauf mit dem Becker Mexico Einzug.[1] Blaupunkt stellte das verbesserte A53KU vor.[4] 1954 präsentierte Blaupunkt das Modell Köln mit automatischem Sendersuchlauf.[4] 1957 begann die Verwendung von Transistoren in der Endstufe und im Gleichspannungswandler (für die verbliebenen Elektronenröhren).[1] 1958 erschien ein unter dem Instrumentenbrett anzubringender 17-cm-Platten-Abspielautomat Automignon von Philips, um dem Wunsch nach eigener Musikgestaltung im Kraftfahrzeug zu entsprechen.[1]

Ab 1960[Bearbeiten]

Das erste vollständig mit Transistoren bestückte Autoradio wurde 1961 von Philips vorgestellt[1], 1963 gab es von Becker das Monte Carlo[5], 1965 zog Grundig mit dem AS40 nach.[4] 1968 kamen Autoradios mit eingebautem Kassettenspieler auf (Philips).[1] 1969 brachte Blaupunkt das erste Stereo-Autoradio Frankfurt auf den Markt.[1][3] Becker stellte ein Stereo-Kassettenradio Mexico Olympia Stereo (mit Mono-Empfang und Stereocassette)[1][4][5] und das Stereoradio Europa Stereo vor.[5] 1973 stellte Blaupunkt das Vollstereo-Kassettengerät Berlin vor, die Bedienung erfolgte über einen abgesetzten Schwanenhals, der die Bedienungselemente näher zum Fahrer rücken sollte.[4] 1974 wurde am 1. Juni das Autofahrer-Rundfunk-Informationssystem ARI eingeschaltet, was die automatische Erkennung von Verkehrsmeldungen im Autoradio ermöglichte. Das erste ARI-Autoradio wurde von Blaupunkt vorgestellt.[1][3] 1975 erschien das Becker Mexico Cassette Vollstereo Reverse für Kassettenbetrieb mit Autoreverse[5], das letzte in mechanischer Bauweise (i. e. Abstimmung, Reversebetrieb).[4] 1976 kamen die beiden Becker Europa Kurier und Monza Cassette Kurier auf den Markt, Kurier steht für die Kennzeichnung von Verkehrsfunksendern (ARI).[4] 1977 brachte Blaupunkt das Koblenz CB auf den Markt, mit integriertem CB-Funkgerät, alles im DIN-Schacht.[4] 1979 wurde das Becker Mexico Electronic mit einem Mikroprozessor gesteuert[5], Blaupunkt lieferte das Bamberg QTS mit LED 7-Segment-Digitalanzeige für die Empfangsfrequenz und Quarz-Tuning-System.[4]

Ab 1980[Bearbeiten]

1980 verzichtete Becker beim Mexico Cassette Electronic 385 auf Drehknöpfe für Lautstärke und Abstimmung[4] und man kann Autoradios zum Diebstahlschutz herausnehmen. 1982 stellte Blaupunkt das Berlin IQR 83 vor, mit mehrzeiliger LC-Anzeige, automatischer PCI-Senderidentifikation und Sprachausgabe, Grundig brachte das WkC3867VD mit einem Kassettenlaufwerk und LC-Digitalanzeige auf den Markt.[4] 1983 wurden integrierte CD-Spieler statt der Kassettenlaufwerke vorgestellt[1][3], 1985 erschienen die Geräte mit integriertem CD-Spieler von Philips[1] und Becker (das Mexico Compact Disc 860)[5], später mit CD-Wechslern ergänzt. Autoradios konnten mit einer Codezahl gegen Diebstahl geschützt werden, Geräte von Philips suchten sich den am besten einfallenden Sender innerhalb einer Senderkette.[1] 1987 erschien das Becker Mexico Diversity mit zwei Empfängern, einer für den Radioempfang, der andere zur Überwachung eines RDS-Senders.[5] Am 1. April 1988 wurde das Radio Data System (RDS) zur automatischen Verarbeitung von Verkehrsfunkmeldungen im Autoradio, Übermittlung von Sendernamen und weiteren Zusatzinformationen in Betrieb genommen[6]. Das erste Autoradio mit RDS war das gegen Aufpreis in Volvos erhältliche Volvo-Radio vom Typ SR-701. Die ersten Geräte zeigten den Sendernamen (RDS-PS) an und schalteten automatisch auf die beste Frequenz (RDS-AF)[1], zum Beispiel auch das Blaupunkt Montreux RDR 49.[4] 1989 konnte man bei Geräten von Grundig die Frontblende des Radios als Diebstahlschutz abnehmen, bei Blaupunkt wurde dafür eine Keycard benutzt.[1]

Ab 1990[Bearbeiten]

1991 wurde RDS-EON eingesetzt, d. h., Verkehrsfunk konnte auch empfangen werden, wenn der eingestellte Sender keinen Verkehrsfunk verbreitet, aber via RDS-EON mitteilt, welcher andere das tut.[1] 1992 wurde mit dem Blaupunkt Stockholm die Option TIM (Traffic Memo) verfügbar gemacht, die Verkehrsmeldungen auch aufzeichnet, wenn der Fahrer abwesend und das Radio ausgeschaltet war.[1] Die maximale Aufzeichnungsdauer betrug vier Minuten. 1993 begann die Verknüpfung von Navigationssystemen mit dem Autoradio, später wurden sie direkt integriert (Philips CARIN (Car Information and Navigation System)).[1] 1997 wurden von Blaupunkt Radios mit DAB-Empfang[3] und Integration von Mobiltelefonen[3] vorgestellt. Auch der Traffic Message Channel (TMC) konnte jetzt über RDS Verkehrsnachrichten unabhängig vom Rundfunkprogramm auf dem Radiodisplay darstellen.[3] Becker stellte mit dem Traffic Star eine integrierte Kombination aus Autoradio, CD-Spieler und Navigationssystem vor.[5]

2000 bis heute[Bearbeiten]

Multifunktionsgerät
Fernbedienung für Radio und Mobiltelefon an einem Lenkrad

2001 gab es von Blaupunkt ein Autoradio mit MP3-Decoder und Multimedia Card Slot.[3] 2003 konnte das Autoradio mit MP3-Decoder und Multimedia Card Slot dann auch das empfangene Radioprogramm aufzeichnen.[3] 2006 brachte Sony das Autoradio MEX-1GP heraus, in dessen Bedienteil ein 1 Gigabyte großer Flash-Speicher integriert ist. Das Bedienteil lässt sich mittels USB-Kabel mit dem PC verbinden. So kann man MP3-Musik vom PC auf das Bedienteil kopieren.

In den höheren Preisklassen findet man auch Autoradios mit integriertem DVD-Spieler. Diese verfügen meistens über einen TFT-Bildschirm mit LCD-Technik, auf dem Filme angeschaut werden können. Ein Großteil dieser Geräte ist mit einem Navigationssystem ausgestattet. Je nach Ausstattung können auch zusätzliche Bildschirme (zum Beispiel im hinteren Bereich des Fahrzeugs) angeschlossen werden. Oft ist es auch möglich, zum Beispiel über einen AV-Eingang ein DVB-T-Empfangsmodul oder eine Spielekonsole anzuschließen.

Teurere, moderne Autoradios verfügen auch über zahlreiche sonstige Anschlussmöglichkeiten, zum Beispiel einen Eingang für ein Rückfahrsystem, das sich eventuell beim Einlegen des Rückwärtsganges automatisch einschaltet. Zudem sind auch vermehrt Autoradios mit Bluetooth-Schnittstelle erhältlich, deren Funktionsprofile Freisprechen oder den Zugriff auf die Mediendateien von Mobiltelefonen oder ähnlichem erlauben.

Die früher üblichen Standardschächte für Autoradios werden heute nur noch vereinzelt in Neuwagen eingebaut. Üblich sind heute größere Geräte, deren Maße und Formen je nach Hersteller und Modell variieren.

Übertragungswege[Bearbeiten]

Die Übertragung der Sendungen kann sowohl terrestrisch (analog oder digital), per Internet oder Satellit erfolgen. Letzteres ist vorrangig in Nordamerika verbreitet.

Sendungen für Autoradios[Bearbeiten]

Für das Autoradio werden spezifische Hörfunkprogramme ausgestrahlt. Sie sollen die autofahrenden Pendler während der Hauptverkehrszeit erreichen. Die Hauptsendezeit liegt zwischen 06:00 und 09:00 Uhr und 16:00 bis 18:00 und wird als „Drive Time“ bezeichnet. Sendungen, die einen Sendeplatz in jenem Zeitraum erhalten, können mit den höchsten Einschaltquoten rechnen. Dazwischen befindet sich die Zeitspanne der „daytime“.[7] Jede Sendung außerhalb dieses Kernprogrammbereichs erreicht nur einen relativ kleinen Teil des Publikums.[8] Während der „drive time“ werden im Radio zielgruppenspezifische Sendungen ausgestrahlt. Dazu gehören neben Musik der Verkehrsfunk, häufige Zeitansagen oder spezifische Radiowerbung wie Autowerbung; vermieden werden stark ablenkende oder langatmige Interviews. Typisch ist auch der Intervall von Nachrichtensendungen, die oft im halbstündigen Abstand folgen. Auch in den USA ist die „drive time“ ein wichtiger Teil der täglichen Nachrichtensendungen, zumal es die einzige Zeitspanne ist, wo die Zuschauerzahlen bei den Radionachrichten diejenigen der Fernsehnachrichten übersteigen.[9]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Autoradio – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Autoradio – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t Geschichte des Autoradios
  2. Die erste Autoradio von Ideal / Bosch
  3. a b c d e f g h i Unternehmensgeschichte Blaupunkt Unternehmen / Innovationen
  4. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u Ausführliche Geschichte des Autoradios
  5. a b c d e f g h Historie Becker Autoradios
  6. Autoradio und RDS
  7. Stewart Clark Rogers, Marketing Strategies, 2001, S. 104
  8. Mosheh Tsuikerman, Medien-Politik-Geschichte, 2003, S. 261
  9. Brad Schultz, Broadcast News Producing, 2004, S. 124