Auvillar

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Auvillar
Wappen von Auvillar
Auvillar (Frankreich)
Auvillar
Region Midi-Pyrénées
Département Tarn-et-Garonne
Arrondissement Castelsarrasin
Kanton Auvillar (Hauptort)
Koordinaten 44° 4′ N, 0° 54′ O44.0691666666670.89972222222222115Koordinaten: 44° 4′ N, 0° 54′ O
Höhe 52–166 m
Fläche 15,60 km²
Einwohner 954 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 61 Einw./km²
Postleitzahl 82340
INSEE-Code
Website http://www.auvillar.fr/

Die Kirche St. Pierre

Die Gemeinde Auvillar befindet sich in der französischen Region Midi-Pyrénées im Département Tarn-et-Garonne. Der 954 Einwohner (Stand 1. Januar 2011) zählende mittelalterliche Ort liegt im Gebiet der Gascogne an der Garonne und ist Hauptort des gleichnamigen Kantons. Durch ihn führt der Fernwanderweg GR 65, welcher weitgehend dem historischen Verlauf des französischen Jakobsweges Via Podiensis folgt.

Von der Vereinigung Les plus beaux villages de France wurde Auvillar zu einem der schönsten Dörfer Frankreichs erklärt[1].

Geografie[Bearbeiten]

Die Hängebrücke über die Garonne

Das Dorf Auvillar liegt auf einem Felsvorsprung über dem Fluss Garonne zwischen den Städten Agen an der Garonne und Montauban an der Tarn. Der Blick von hier reicht weit über die Garonne in Richtung Küste der Aquitaine und des Quercy. Eine Hängebrücke verbindet den Hafen von Auvillar mit dem Ort Espalais am linken Garonne-Ufer. Die nächsten französischen Großstädte sind Toulouse (68 km) im Südosten, Bordeaux (146 km) im Nordwesten und Montpellier (244 km) im Osten.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Marktplatz

Der Ort, mit dem vom lateinischen Alta Villa hergeleiteten Namen Auvillar, war ursprünglich eine befestigte römische Siedlung.

Im 10. Jahrhundert wurde der Ort durch zahlreiche Überfälle der Normannen, die mit ihren Schiffen vom Atlantik über die Garonne hereinbrachen, heimgesucht. Im 11. Jahrhundert war Auvillar Teil der Grafschaft Vicomtes d'Auvillar et de Lomagne, während im 14. und 15. Jahrhundert die Grafen von Armagnac das Gebiet beherrschten. Schließlich gelangte Auvillar unter den Einfluss der Könige von Navarra. 1589 mit dem Regierungsantritt von Heinrich IV. wurde es dem Königreich Frankreich angeschlossen.

Das geschichtliche Erbe von Auvillar ist, dass das Dorf auf dem Weg (GR 65Via Podiensis) nach Santiago de Compostela liegt. Als befestigte Stadt an der Garonne war Auvillar ein wichtiger strategischer Ort und deshalb im Mittelalter von allen Konflikten betroffen, die in dieser Gegend stattfanden. Dazu zählen vor allem der Kreuzzug gegen die Albigenser (1209–1229), der Hundertjährige Krieg gegen die Engländer (1337–1453) und die Religionskriege (1562–1598) in Frankreich.

Vom 17. bis zum 19. Jahrhundert verdankte Auvillar seinen Wohlstand der Fayencemanufaktur (Tonwaren) und der Produktion von Gänsefedern zum Schreiben. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden am Hafen noch bis zu 3000 Schiffe im Jahr abgefertigt. Ab 1836 ist die Bevölkerungsentwicklung aber rückläufig. Erst Ende des 20. Jahrhunderts ist wieder eine Stabilisierung der Einwohnerzahl eingetreten.

Einwohnerentwicklung
(Quelle: [3])
1793 1836 1861 1891 1921 1954 1968 1982 1990 1999 2006
2.220 2.274 1.863 1.319 825 884 837 807 921 876 994
Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz


Jakobsweg (Via Podiensis)[Bearbeiten]

Im Ort gibt es zwei Pilgerherbergen (französisch: Gîte d'étape), Hotels und Privatzimmer (französisch: Chambre d'hôtes), sowie eine Touristeninformation.

Der Weg führt weiter durch die Hügellandschaft der Gascogne über Bäche und kleine Flussläufe durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet über Saint-Antoine nach Lectoure. Weitere Unterkünfte auf dem Weg nach Lectoure befinden sich in Saint-Antoine, Flamarens, Miradoux und Castet-Arrouy. Als Straßenverbindung führt die Strecke D953 - D23 nach Lectoure.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Stadttor von Auvillar
Historischer Kornspeicher

Siehe auch: Liste der Monuments historiques in Auvillar

  • Tour de l'Horloge: Das Stadttor wurde im 17. Jahrhundert erbaut und beherbergt eine ständige Ausstellung über die Schifffahrt auf der Garonne.
  • Der Marktplatz mit Arkaden aus dem 17. und 18. Jahrhundert, sowie die anliegenden Fachwerkhäuser aus dem 16. Jahrhundert mit einem Getreidesilo an der Ostseite unter den Arkaden.
  • Le Port: Der Hafen war in früheren Zeiten ein Schifffahrtszentrum sowie die Zollstelle an der Garonne.
  • Kapelle der hI. Katharina: Die Kapelle der heiligen Katharina, der Schutzpatronin der Seeleute, befindet sich in der Nähe des Hafens. Sie wurde von 1305–1313 von Papst Clemens V. erbaut, an ihrer Fassade befindet sich ein Christusmonogramm aus der Merowingerzeit.
  • Kirche St. Pierre: Ist die Kirche des ehemaliges Priorat der Benediktiner aus dem 12.–14. Jahrhundert und wurde im 17. und 19. Jh. restauriert.


Wirtschaft[Bearbeiten]

Circa 53 % der aktiven Bevölkerung sind im Dienstleistungssektor tätig und noch circa 29 % in der Landwirtschaft beschäftigt.[4] Die landwirtschaftliche Produktion hat die Schwerpunkte: Haltung von Angoraziegen mit der Herstellung von Käse und Mohair, Zucht von Rindern, Schweinen, Schafen und Geflügel und Anbau von Wein und Obst.[5]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bettina Forst: Französischer Jakobsweg. Von Le Puy-en-Velay nach Roncesvalles. Alle Etappen – mit Varianten und Höhenprofilen. Bergverlag Rother, München (recte: Ottobrunn) 2007, ISBN 978-3-7633-4350-8 (Rother Wanderführer).
  • Bert Teklenborg: Radwandern entlang des Jakobswegs. Vom Rhein an das westliche Ende Europas. (Radwanderreiseführer, Routenplaner). 3. überarbeitete Auflage. Verlagsanstalt Tyrolia, Innsbruck 2007, ISBN 978-3-7022-2626-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Auvillar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Auvillar auf Les plus Beaux Villages de France (französisch)
  2. Gemeindeinformation auf annuaire-mairie.fr (französisch) Abgerufen am 21. Januar 2010
  3. Auvillar auf Cassini.ehess.fr (französisch) Abgerufen am 4. Februar 2010
  4. INSEE Tabelle T8 EMP (französisch) Abgerufen am 15. Februar 2010
  5. Gemeindeinformation auf quid.fr (französisch) Abgerufen am 15. Februar 2010. Das Online-Angebot von Quid (Frankreich) wurde im März 2010 eingestellt.