Auw AG

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AG ist das Kürzel für den Kanton Aargau in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Auwf zu vermeiden.
Auw
Wappen von Auw
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Muriw
BFS-Nr.: 4223i1f3f4
Postleitzahl: 5644
Koordinaten: 670302 / 22947747.2124968.366665489Koordinaten: 47° 12′ 45″ N, 8° 22′ 0″ O; CH1903: 670302 / 229477
Höhe: 489 m ü. M.
Fläche: 8,57 km²
Einwohner: 1869 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 218 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 15,0 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.auw.ch
Ortskern

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Auw [ˈaʊ̯ʋ][3][4] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Muri im Südosten des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt an der Grenze zum Kanton Luzern.

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde am Fusse des Lindenbergs besteht aus den Ortsteilen Auw und Rüstenschwil. Die östliche Hälfte des Gemeindegebiets ist flach bis wellig und liegt im Übergangsbereich zwischen Bünztal und Reusstal. Die Hauptsiedlung Auw liegt im Süden. Etwas mehr als einen Kilometer nördlich davon liegt der etwa halb so grosse Ortsteil Rüstenschwil. Dazwischen fliesst der Sembach von West nach Ost. Der südwestliche Teil der Gemeinde, auf dem mehr als ein Dutzend Einzelhöfe verstreut sind, steigt allmählich zum Kamm des Lindenbergs an. Die untere Hälfte des Hangs wird landwirtschaftlich genutzt, während die obere Hälfte fast vollständig mit Wald bedeckt ist.[5]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 861 Hektaren, davon sind 207 Hektaren bewaldet und 81 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 788 Metern im Büelwald auf dem Kamm des Lindenbergs, der tiefste auf 455 Metern an der östlichen Gemeindegrenze.

Nachbargemeinden sind Beinwil (Freiamt) im Norden, Mühlau im Osten, Sins im Süden sowie das luzernische Hohenrain im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ort wird erstmals 924 in einem Zinsrodel des Fraumünsterstifts in Zürich erwähnt (de Houva: Engizo … item de Ouva: iacet 1 geldus), dann erst wieder ab dem 12. Jahrhundert als Ouwa, Owe etc. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen ouwa und bedeutet «wassernahes Land».[3] Im Mittelalter waren das Kloster Muri und die Herren von Reussegg (bei Sins) die wichtigsten Grundherren. Die niedere Gerichtsbarkeit lag in den Händen der Habsburger und der Ritter von Reussegg, während die Habsburger die Blutgerichtsbarkeit allein ausübten. Auw und Rüstenschwil lagen im habsburgischen Amt Meienberg.

1415 eroberte Luzern das Amt Meienberg, musste es aber 1425 an den gemeinsamen Besitz der Eidgenossen zurückgeben. Aus den eroberten Gebieten wurden die Freien Ämter gebildet, eine Gemeine Herrschaft. 1429 verkaufte Henman von Reussegg seine niedergerichtliche Herrschaft Rüssegg an einen Luzerner Bürger, 1502 gelangte die Herrschaft in den Besitz der Stadt Luzern. Die Herrschaft Rüssegg umfasste in Auw einige Häuser und Matten vornehmlich in oberen Dorfteil. Der andere Teil der niedergerichtlichen Herrschaft in Auw ging mit der Eroberung 1415 an die neuen Landesherren über. Für das Dorf Auw ist eine Dorfoffnung aus dem Jahr 1675 belegt, für Rüstenschwil eine aus dem Jahr 1729. Um 1720 musste Meienberg gegen Bezahlung von 375 Gulden grössere Gebiete in der Kalchtarre und am Galgenrain an Auw abtreten.[6]

Kirchlich war Auw bis 1638 eine Filiale der Pfarrei Sins (Urbarium von 1641), danach betreute das Kloster Engelberg bis 1849 die neue Pfarrei. Schliesslich erwarb die Kirchgemeinde 1865 die Kollatur vom Kloster. Die Auwer Kirchgemeinde war bis 1821 Teil des Bistums Konstanz, seither gehört sie zum Bistum Basel. Am 8. Februar 1715 zerstörte ein Grossbrand in Auw 43 Häuser und machte 150 Einwohner obdachlos.

Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Auw und Rüstenschwil (mit Wallenschwil) bildeten je eine Agentschaft und gemeinsam eine Munizipalität im Distrikt Muri des kurzlebigen Kantons Baden. Nach der Gründung des Kantons Aargau im Jahr 1803 wurden Auw und Rüstenschwil zu einer einheitlichen Einwohnergemeinde vereinigt, die Ortsbürgergemeinden, die einige Aufgaben autonom erledigten, jedoch erst 1908.

Seit 1835 besteht in Auw eine Poststelle. 1896 wurde eine Telefonstation mit Telegrafendienst sowie 1921 ein Telefonortsnetz mit Handzentrale errichtet. Der Ortsteil Rüstenschwil verfügte von 1855 bis 1982 über eine eigene Poststelle. Seit 1909 ermöglicht die Elektra Auw die elektrische Versorgung.[7] In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm die Einwohnerzahl um über 20 Prozent ab, da viele Bewohner aufgrund zunehmender Armut auswandern mussten. Danach pendelte sie bis etwa 1970 stets zwischen 700 und rund 850. Mitte der 1970er Jahre setzte, durch die Nähe zu den Städten Luzern und Zug begünstigt, eine verstärkte Bautätigkeit ein. Die Gemeinde wuchs innerhalb von dreissig Jahren um mehr als die Hälfte.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Pfarrkirche St. Nikolaus befindet sich am südlichen Dorfrand. In ihr wurde die heiliggesprochene Maria Bernarda Bütler getauft. Kirchenschiff und Chor entstanden 1705 im barocken Stil, 1749/1750 kam an der Nordostseite ein Kirchturm hinzu. Gegenüber auf der anderen Strassenseite steht das Pfarrhaus, ein schlichter verputzter Fachwerkbau aus dem Jahr 1834.[8]

Im Falk östlich von Auw, gegen Reussegg hin, liegt die «Rüssegger Mauer», eine mehrere hundert Meter lange Reihung von Megalithen, deren Bedeutung unbekannt ist.[7] Das Haus an der Käsereistrasse 13 gilt als bislang ältester bekannter Profanbau des Freiamts. Der Kern dieses Ständerbaus mit Tätschdach stammt von 1469/1470. Das Haus an der Sinserstrasse 3 ist ein typologisch seltener dreigeschossiger Bohlenständerbau, der nach dem Dorfbrand von 1715 erstellt wurde. Auf der Strassenseite gegenüber besitzt der Gasthof «Hirschen» ein Rokoko-Wirtshausschild von 1798. Beim Doppelhaus an der Sinserstrasse 19/21 handelt es sich um einen Innerschweizer Bautypus mit altertümlichem Tätschdach von 1666. Das 1723/1724 errichtete Sigristenpfrundhaus an der Mühlauerstrasse 3 weist einen Bohlenständer-Wohnteil mit Tätschdach auf. Die Alte Mühle an der Alikonerstrasse 6 wurde 1766 als giebelbetonter Ständerbau auf einem massiven Sockelgeschoss errichtet.[9]

In der St. Josefskapelle in Rüstenschwil (Baujahr 1755) befinden sich reizvolle Deckengemälde von Joseph Keller. Daneben steht einer der wenigen übrig gebliebenen Speicher der Gemeinde, ein turmartiger Blockbau aus dem Jahr 1618.[9]

Bilder[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Weiss ausgerissene grüne Linde mit fünf Blättern.» Das Wappen wurde um 1920 eingeführt, wobei man sich wahrscheinlich von einem alten Grenzstein zwischen Auw und Reussegg (bei Sins) inspirieren liess, der eine Linde zeigt. Das Wappen von Beinwil (Freiamt) besitzt das gleiche Motiv, allerdings auf gelbem Grund.[10]

Bis etwa 1950 war das Wappen des Amtes Meienberg gebräuchlich, welches aus einer grünen Linde auf einem grünen Dreiberg vor einem weissen Hintergrund bestand. Dieses Wappen ist heute noch auf dem Gewölbe der Pfarrkirche, auf der alten Vereinsfahne der Musikgesellschaft Auw (1938) und auf dem Dorfbrunnen beim Gasthaus Linde (1947) präsent.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[11]

Jahr 1798 1837 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 645 772 881 703 715 856 815 853 956 1048 1239 1690

Am 31. Dezember 2013 lebten 1869 Menschen in Auw, der Ausländeranteil betrug 15 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 79,8 % römisch-katholisch, 10,7 % reformiert und 1,2 % muslimisch; 1,3 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[12] 94,0 % gaben Deutsch als ihre Hauptsprache an, 2,3 % Albanisch, 0,9 % Französisch.[13]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre, er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Muri zuständig. Auw gehört zum Friedensrichterkreis Sins.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Auw gibt es gemäss der eidgenössischen Betriebszählung 2008 rund 380 Arbeitsplätze, davon 26 % in der Landwirtschaft, 30 % in der Industrie und 44 % im Dienstleistungssektor.[14] Mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen sind jedoch Wegpendler, die mehrheitlich in den Agglomerationen von Luzern und Zug arbeiten.

Verkehr[Bearbeiten]

Durch die Gemeinde verläuft die Hauptstrasse 25 von Lenzburg über Sins nach Zug. Auw ist mit Sins durch eine Linie der Busbetriebe Seetal-Freiamt (seit 2004 Teil der Zugerland Verkehrsbetriebe) verbunden, während Rüstenschwil durch die Postautolinie MuriBeinwil (Freiamt) erschlossen wird. Zwischen den beiden Ortsteilen gibt es hingegen keine öffentliche Verkehrsverbindung.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und eine Primarschule. Sämtliche Oberstufen der obligatorischen Volksschule (Realschule, Sekundarschule, Bezirksschule) können in Sins besucht werden. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Wohlen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Niklaus Bütler (1786–1864), Kirchenmaler
  • Anton Bütler (1819–1874), Kunstmaler, Sohn von Niklaus Bütler, Bruder von Joseph Niklaus Bütler
  • Joseph Niklaus Bütler (1822–1885), Kunstmaler, Sohn von Niklaus Bütler, Bruder von Anton Bütler
  • Frowin Conrad (1833–1923), Benediktiner, Abt von Conception (USA), Bruder von Peter Conrad
  • Ignatius Conrad (1846–1926), Benediktiner, Abt von Neu-Subiaco (USA), Bruder von Peter Conrad
  • Maria Bernarda Bütler (1848–1924), kath. Heilige, Ordensschwester
  • Peter Conrad (1850–1914), Politiker, Regierungsrat des Kantons Aargau

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Auw – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. Historische Quellen und sprachwissenschaftliche Deutungen. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Jahresschrift der Historischen Gesellschaft des Kantons Aargau. Band 100/II, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 68f. Angegebene Lautschrift: áu̯w.
  4. Andres Kristol: Auw AG (Muri) in: Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen – Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS|LSG). Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel, Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, p. 110. Angegebene Lautschrift: [ˈaʊʋ].
  5. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1110 und 1130, Swisstopo
  6.  Pfarramt Sins, Gerechtigkeitsverein Alikon (Hrsg.): Alikon am Lindenberg. Sins 1985.
  7. a b Schweizer Lexikon 91, Mengis+Ziehr, Luzern
  8.  Georg Germann, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Band V: Bezirk Muri, Birkhäuser Verlag, Basel 1967, S. 24–34.
  9. a b  Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Kunstführer durch die Schweiz. Band 1, Bern 2005, ISBN 3906131955.
  10.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 108.
  11. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  12. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  13. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  14. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.