Avantgardefilm

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung. Näheres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.

Unter Avantgardefilm, auch Experimentalfilm, versteht man Filme, die in ihren Motiven und in ihrer Inszenierung abseits der Konventionen des Mediums und der Sehgewohnheiten des Publikums auf avantgardistische Weise neue Ausdrucksmöglichkeiten erforschen.

Das Experiment, als Versuch mit offenem Ausgang verstanden, bedeutet im Film (wie auch in anderen Künsten) ein Abgehen von üblichen – hier in erster Linie kommerziellen – Erwartungen. Das betrifft Inhaltliches – wie etwa im Surrealismus – und die Filmtechnik mit ihren Möglichkeiten, etwa der Abstraktion, durch Schnitt, Kamerabewegung, Doppelbelichtung etc. Auch wenn die Techniken des Films spezifische sind, entwickelte sich der Experimentalfilm doch in enger Beziehung zur bildenden Kunst, vor allem deshalb, weil diese treibende Kraft künstlerischer Entwicklungen war und durch ihren Marktwert mehr wahrgenommen wurde als der Experimentalfilm, der um eine Öffentlichkeit stets kämpfen musste. Das begann sich erst in den 1990er Jahren zu ändern, als der Film insgesamt, spät aber doch, als gleichwertiges künstlerisches Medium wahrgenommen wurde und durch neue Techniken (Video, DVD) Einzug in die Museen und Galerien fand.

Die Position des Nicht-Kommerziellen erlaubte dem Experimentalfilm nicht nur mit seinen filmischen Möglichkeiten zu experimentieren – was ja auch in künstlerisch anspruchsvollen Spiel- und Dokumentarfilmen geschah und ebenso genannt wurde – sondern als Avantgarde- oder Undergroundfilm neue Bereiche gesellschaftlicher Wahrnehmung zu erschließen, welches durch Tabubrüche in der filmischen Wiedergabe von Sexualität und Religion, zu zahlreichen Skandalen führte, so etwa geschehen bei Un chien andalou von Luis Buñuel und Salvador Dalí, Un chant d’amour von Jean Genet oder bei etlichen Werken des New American Cinema und des österreichischen Films der 1960er Jahre. 2013 entstand des postpornographische Filmexperiment „Häppchenweise“ als Debüt der Regisseurin und Kunsthistorikerin Maike Brochhaus.

Der Anspruch der Avantgarde schloss den Wunsch nach Verbreitung der Filme nicht aus, im Gegenteil. Ihr dienten nach dem Krieg das von der Belgischen Cinemathek in Brüssel und Knokke in Abständen von vier Jahren veranstaltete Experimentalfilmfestival, die von den Filmemachern in den 1960er Jahren veranstalteten Filmschauen in München und Hamburg und vor allem ihr Zusammenschluss zu Kooperativen nach dem Vorbild der Amerikaner in London, Wien und Hamburg und schließlich die Gründung von Filmverleihen in Paris (Light Cone), Wien (Sixpack Film) und Osnabrück (Cine Pro), mehr oder weniger nach amerikanischem Vorbild (New York Film-makers’ Cooperative, Canyon Cinema).

Filme, Dokumentationen[Bearbeiten]

  • Die kritische Masse – Film im Underground Hamburg 68, Dokumentarfilm, Deutschland 1998, produziert von Die Thede

Literatur[Bearbeiten]

  • Birgit Hein: Film im Underground. Ullstein, Frankfurt / Berlin / Wien 1971
  • Birgit Hein, Wulf Herzogenrath: Film als Film. 1910 bis heute. Köln 1977
  • Ingo Petzke (Hrsg.): Das Experimentalfilm-Handbuch. Schriftenreihe des deutschen Filmmuseums, Frankfurt am Main 1989
  • Jean Petrolle, Virginia Wright Wexman (Hrsg.): Women and Experimental Filmmaking. University of Illinois Press, Urbana 2005
  • Lauren Rabinovitz: Points of resistance: women, power & politics in the New York avant-garde cinema, 1943-71. 2nd edition. University of Illinois Press, 2003
  • Hans Scheugl, Ernst Schmidt jr.: Eine Subgeschichte des Films. Lexikon des Avantgarde-, Experimental- und Undergroundfilms, Band 1 und 2. Suhrkamp, Frankfurt 1974
  • Hans Scheugl: Erweitertes Kino. Die Wiener Filme der 60er Jahre. Wien 2002
  • P. Adams Sitney: Visionary Film. The American Avant-Garde 1943-1978. Second Edition. Oxford University Press, 1979
  • Peter Weiss: Avantgarde Film. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1995, ISBN 978-3-518-11444-5
  • Hans-Jürgen Tast: 25jhr.emaf. Ein Vierteljahrhundert im medialen Umbruch. Schellerten 2012, ISBN 978-3-88842-039-9