Bevacizumab

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Wikipedia:Redaktion Chemie/ausgeblendete Strukturformel

Allgemeines
Freiname Bevacizumab
Summenformel C6638H10160N1720O2108S44
CAS-Nummer 216974-75-3
ATC-Code

L01XC07

DrugBank DB00112
Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Zytostatikum, Monoklonaler Antikörper

Wirkmechanismus

Hemmung der Angiogenese

Fertigpräparate

Avastin®

Verschreibungspflichtig: Ja
Eigenschaften
Molare Masse 149 kDa
Sicherheitshinweise
Gefahrstoffkennzeichnung
R- und S-Sätze R: ?
S: ?
Bitte beachten Sie die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Bevacizumab (Handelsname Avastin®) ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper. Es ist ein sogenannter Angiogenese-Hemmer, also ein Wirkstoff, der die Gefäßneubildung (Angiogenese, Vaskulogenese) hemmt.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Wirkungsweise

Bevacizumab ist ein monoklonaler Antikörper aus der Gruppe der Immunglobuline (IgG1). Er bindet an den Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF), einen Wachstumsfaktor der Gefäßneubildung. Durch die Blockade dieses Faktors wird das Gefäßwachstum innerhalb solider Tumore gehemmt.

[Bearbeiten] Indikation

Bevacizumab ist seit Frühjahr 2005 unter dem Handelsnamen Avastin® (Roche) als Medikament der ersten Wahl (zur sogenannten First-Line-Therapie) gegen metastasierte kolorektale Karzinome zugelassen. Die Zulassung erfolgte für die Kombination mit 5-Fluorouracil/Folinsäure oder mit 5-Fluorouracil/Folinsäure plus Irinotecan. Ebenso zugelassen ist Avastin® in Kombination mit platinhaltigen Chemotherapeutika zur First-Line-Behandlung von inoperablem, fortgeschrittenen Lungenkrebs (nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom, außer Plattenepithel-CA) sowie in Kombination mit Paclitaxel zur First-Line-Behandlung von Brustkrebs. Es laufen augenblicklich zahlreiche Studien, die die Wirksamkeit bei anderen Tumoren untersuchen. Hierzu gehört z. B. eine Studie zur Anwendung von Avastin in der Chemotherapie in Kombination mit Cisplatin/Gemcitabine bei fortgeschrittenem Lungenkrebs[1].Eine weitere Studie existiert seit 2007 für die Therapie des fortgeschrittenen Lungencarzinoms mit Avastin als Einzeltherapie bis zur Progression.Des weiteren wird Avastin im Rahmen von Studien in Frankreich zur Behandlung des fortgeschrittenen Brust- und Harnblasencarzinoms eingesetzt.

[Bearbeiten] Anwendung in der Augenheilkunde

Seit kurzem wird Bevacizumab in der Augenheilkunde "experimentell" auch bei Gefäßneubildungen der Aderhaut des Auges (choroidalen Neovaskularisationen), also bei der feuchten Form der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) sowie bei Makulaödem an diversen größeren Zentren intravitreal (in den Glaskörper des Auges) gespritzt. Dies führt zum Wachstumsstopp der irregulär gewachsenen Gefäße unter der Netzhaut und teilweise sogar zu deren Zurückbildung. Beim Makulaödem hat sich die gefäßabdichtende Wirkung von Bevacizumab mehrfach als nützlich erwiesen. Für die augenärztlichen Indikationen ist das Medikament nicht zugelassen, wird jedoch auf breiter Front angewendet (Off-Label-Use). Es bedarf daher der expliziten Zustimmung des Patienten zur Behandlung und der ausführlichen Aufklärung über deren Risiken.

Eine mit Bevacizumab verwandte Substanz, das Ranibizumab (Lucentis®), ist in einigen Ländern und mittlerweile auch in Deutschland für die Verwendung in der Augenheilkunde zugelassen. Dieses Medikament soll den Vorteil haben, dass es durch die kleinere Proteinstruktur noch besser durch die Netzhaut dringt. In klinischen Studien ist Lucentis bislang das einzige Medikament, das bei der feuchten altersabhängigen Makuladegeneration bei einem größeren Teil der Patienten zu einer Sehverbesserung führen konnte. Zu Avastin sind diese Studien nicht durchgeführt worden. Da das Medikament in Deutschland erst vor kurzem zugelassen wurde, ist die Kostenerstattungssituation durch die Krankenkassen noch ungeklärt.

[Bearbeiten] Zwangszulassung zur Behandlung altersbedingter Makuladegeneration

Im Oktober 2007 äußerte die Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, eine Zwangszulassung von Bevacizumab (Avastin®) zu erwägen. Dem Avastin-Hersteller Hoffmann-La Roche, der sich zu zirka 30 Prozent im Besitz von Novartis befindet, wurde vorgeworfen, absichtlich keine Zulassung von Avastin für die Behandlung von altersbedingter Makuladegeneration beantragt zu haben. Durch die Anwendung von Bevacizumab könnten die Kosten für eine Jahrestherapie eines AMD-Patienten um den Faktor 45 von 18.000 Euro auf ca. 400 Euro gesenkt werden. Nach Angaben des Verordnungsreport-Herausgebers Ullrich Schwabe entspräche dies einer Senkung der Gesamtbehandlungskosten der 485.000 AMD-Patienten von 8,9 Mrd. auf 32 Mio. Euro.[2]

[Bearbeiten] Pauschalvereinbarungen mit Kassen

Einige Ersatzkassen haben Pauschalvereinbarungen mit Augenärzten in NRW zur Behandlung der AMD geschlossen - wohl von dem off-Label-use wissend.[3] Auch die zuständige Aufsichtsbehörde akzeptierte das.

[Bearbeiten] Nebenwirkungen

[Bearbeiten] Allgemeine

Bei systemischer Verabreichung z. B. als Infusion können als Nebenwirkungen auftreten:

[Bearbeiten] Off-Label-Anwendung am Auge

Es liegen keine verlässlichen Daten aus randomisierten, kontrollierten Studien zur Sicherheit der Off-Label-Anwendung von Bevacizumab am Glaskörper des Auges (intravitreal), zur Behandlung der altersabhängigen Makuladegeneration, vor. Folgende Nebenwirkungen wurden in unkontrollierten Fallstudien beobachtet:

  • Entzündungen, Endophthalmitis
  • Anstieg des Augeninnendrucks
  • Netzhautablösung
  • Einblutung in den Glaskörperraum

Mangels verlässlicher Daten lässt sich die Sicherheit dieser experimentellen Therapieform nicht beurteilen.

[Bearbeiten] Preise

Avastin hat 2007 den Galenus-von-Pergamon-Preis erhalten, einen Wissenschaftspreis für pharmazeutische Forschung in Deutschland.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Avastin(R) Significantly Prolongs Progression Free Survival in Patients With Advanced Lung Cancer[1]
  2. Ministerin für Zwangszulassung, Pharmazeutische Zeitung, 42/2007
  3. Nicola Kurht: Wuchernde Gefäße. In: Die Zeit, 38/2008, 37:38.

[Bearbeiten] Weblinks

Gesundheitshinweis
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