Bevacizumab

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Bevacizumab

Größe 149 kDa
Bezeichner
Externe IDs CAS-Nummer216974-75-3
Arzneistoffangaben
ATC-Code L01XC07
DrugBank DB00112
Wirkstoffklasse Zytostatikum, Monoklonaler Antikörper
Handelsnamen

Avastin® (D, CH)

Verschreibungspflicht ja

Bevacizumab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper. Es ist ein Angiogenese-Hemmer, also ein Wirkstoff, der die Gefäßneubildung (Angiogenese, Vaskulogenese) hemmt.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Wirkungsweise

Bevacizumab ist ein monoklonaler Antikörper aus der Gruppe der Immunglobuline (IgG1). Er bindet an den Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF), einen Wachstumsfaktor der Gefäßneubildung (Angiogenese). Durch die Ausschüttung von VEGF regen die Tumoren die Bildung neuer Blutgefäße an, über die sie mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Durch die gezielte Blockade dieses Faktors bilden sich neu entstandene aber noch unreife Blutgefäße zurück und die Bildung neuer Gefäße wird unterbunden. Dadurch wird die Versorgung des Tumors mit Sauerstoff und Nährstoffen gemindert - der Tumor wird regelrecht ausgehungert und in seinem Wachstum gehemmt. Ausserdem normalisiert sich die Durchlässigkeit bereits ausgereifter Blutgefäße und die in Kombination mit Bevacizumab eingesetzten Chemotherapeutika können den Tumor besser erreichen und damit gezielter wirken[1][2][3].

[Bearbeiten] Indikation

Bevacizumab ist unter dem Handelsnamen Avastin® (Roche) als Medikament zur Therapie verschiedener Krebserkrankungen zugelassen[4]:

  • Zur First-Line-Behandlung von inoperablem, fortgeschrittenem, metastasiertem oder rezidviertem Lungenkrebs (nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom, außer Plattenepithel-Karzinom) in Kombination mit platinhaltigen Chemotherapeutika.
  • Zur First-Line-Behandlung von metastasiertem und fortgeschrittenem Brustkrebs in Kombination mit Paclitaxel. Die Zulassung in Kombination mit Docetaxel ist bei der EMEA beantragt.
  • Die Zulassung für die Behandlung des rezidivierten Glioblastoms (aggressive Form des Hirntumors) wurde 2009 in den USA erteilt und ist bei der EMEA für Europa beantragt.

Es laufen augenblicklich zahlreiche Studien, die die Wirksamkeit bei anderen Tumoren untersuchen. Hierzu gehören z. B. Studien zur Anwendung von Bevacizumab bei Pankreaskrebs, Magenkrebs, Ovarialkrebs und Prostatakrebs.

[Bearbeiten] Anwendung in der Augenheilkunde

Bevacizumab wird in der Augenheilkunde bei Gefäßneubildungen der Aderhaut des Auges (choroidalen Neovaskularisationen), also bei der feuchten Form der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) sowie bei Makulaödem an diversen größeren Zentren intravitreal (in den Glaskörper des Auges) gespritzt. Dies führt zum Wachstumsstopp der irregulär gewachsenen Gefäße unter der Netzhaut und teilweise sogar zu deren Zurückbildung. Beim Makulaödem hat sich die gefäßabdichtende Wirkung von Bevacizumab mehrfach als nützlich erwiesen. Für die augenärztlichen Indikationen ist das Medikament nicht zugelassen, wird jedoch auf breiter Front angewendet (Off-Label-Use). Es bedarf daher der ausdrücklichen Zustimmung des Patienten zur Behandlung und der ausführlichen Aufklärung über deren Risiken.

Eine mit Bevacizumab verwandte Substanz, das Ranibizumab (Lucentis®), ist in einigen Ländern und mittlerweile auch in Deutschland für die Verwendung in der Augenheilkunde zugelassen. Dieser Arzneistoff soll den Vorteil haben, dass er durch die kleinere Proteinstruktur noch besser durch die Netzhaut dringt. In klinischen Studien führte Ranibizumab in der Behandlung der feuchten altersabhängigen Makuladegeneration bislang als einziger Arzneistoff bei einem größeren Teil der Patienten zu einer Sehverbesserung. Vergleichsstudien zu Bevacizumab laufen und lassen ab 2010 Ergebnisse erwarten.

[Bearbeiten] Zwangszulassung zur Behandlung altersbedingter Makuladegeneration

Im Oktober 2007 äußerte die Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, eine Zwangszulassung von Bevacizumab zu erwägen. Dem Avastin-Hersteller Hoffmann-La Roche, der sich zu zirka 30 Prozent im Besitz von Novartis befindet, wurde vorgeworfen, absichtlich keine Zulassung von Avastin für die Behandlung von altersbedingter Makuladegeneration beantragt zu haben. Durch die Anwendung von Bevacizumab könnten die Kosten für eine Jahrestherapie eines AMD-Patienten um den Faktor 45 von 18.000 Euro auf ca. 400 Euro gesenkt werden. Nach Angaben des Verordnungsreport-Herausgebers Ullrich Schwabe entspräche dies einer Senkung der Gesamtbehandlungskosten der 485.000 AMD-Patienten von 8,9 Mrd. auf 32 Mio. Euro.[5]

[Bearbeiten] Pauschalvereinbarungen mit Kassen

Einige Ersatzkassen haben Pauschalvereinbarungen mit Augenärzten in NRW zur Behandlung der AMD mit Bevacizumab geschlossen. Die zuständige Aufsichtsbehörde akzeptierte diese Regelung.[6]

[Bearbeiten] Nebenwirkungen

[Bearbeiten] Allgemeine

Bei systemischer Verabreichung z. B. als Infusion können als Nebenwirkungen auftreten:

[Bearbeiten] Off-Label-Anwendung am Auge

Es liegen keine verlässlichen Daten aus randomisierten, kontrollierten Studien zur Sicherheit der Anwendung von Bevacizumab am Glaskörper des Auges (intravitreal), zur Behandlung der altersabhängigen Makuladegeneration, vor. Folgende Nebenwirkungen wurden in unkontrollierten Fallstudien beobachtet:

  • Entzündungen, Endophthalmitis
  • Anstieg des Augeninnendrucks
  • Netzhautablösung
  • Einblutung in den Glaskörperraum, die innerhalb von 10 Stunden resorbiert wird

Mangels verlässlicher Daten lässt sich die Sicherheit dieser experimentellen Therapieform nicht beurteilen. Die Auseinzelung an sich bringt keine neuen Sicherheitsprobleme im Vergleich zu Ranibizumab, da dieses auch vor Anwendung steril in eine Spritze aufgezogen wird.

[Bearbeiten] Preise

Avastin hat 2007 den Galenus-von-Pergamon-Preis erhalten, einen Wissenschaftspreis für pharmazeutische Forschung in Deutschland.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Willet CG et al.: Direct evidence that the VEGF-specific antibody bevacizumab has antivascular effects in human rectal cancer, 2004; Nature Medicine:10:145-7
  2. Mancuso et al.: Rapid vascular regrowth in tumors after reversal of VEGF-inhibition, 2006; The Journal of Clinical Investigation:116:2610-21
  3. Jain et al.: Normalization of tumor vasculature: an emerging concept in antiangiogenic therapy, 2005; Science:307:58-62
  4. Fachinformation Avastinr, März 2009
  5. Ministerin für Zwangszulassung, Pharmazeutische Zeitung, 42/2007
  6. Nicola Kuhrt: Wuchernde Gefäße. In: Die Zeit, 38/2008, 37:38.
  7. Modernes Krebsmittel begünstigt Bildung gefährlicher Blutgerinnsel

[Bearbeiten] Weblinks

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