Ave Maria (Bach/Gounod)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Ave Maria von „Bach/Gounod“ ist eines der bekanntesten Stücke der klassischen Musik. Es wurde 1852 vom französischen Komponisten Charles Gounod als Méditation sur le premier prélude de Bach komponiert und 1859 mit dem Text des lateinischen Gebets Ave Maria unterlegt. Es entstand aus einer Improvisationsübung während seines Studiums.

Das Werk basiert auf dem Präludium Nr. 1 in C-Dur aus J.S. Bachs Wohltemperiertem Klavier (BWV 846), einer harmonischen Studie aus gebrochenen Akkorden. Gounod übernahm den Satz weitgehend unverändert. Die ersten vier Takte, eine C-Dur-Kadenz, stellte er als Vorspiel voran, um sie dann mit dem Einsatz seiner Melodie zu wiederholen. Hinter dem originalen Takt 22 setzte er einen von Christian Friedrich Gottlieb Schwencke hinzugefügten Takt ein, der zwischen zwei verminderten Septakkorden vermittelt und der Singstimme Raum für ein weiteres expressives „Maria!“ schafft. Weiter ergänzte er eine Tempovorschrift (Moderato), Pedalangaben für das Klavier sowie dynamische Bezeichnungen. Über die so gewonnene Begleitung setzte er seine eigene Melodie mit dem Gebetstext.

Damit steht Gounod in der langen Reihe von Komponisten, die sich Bach nähern, indem sie dessen Werke als Basis für eigene Kompositionen verwenden (weitere Beispiele sind die Zehn Präludien nach dem Wohltemperierten Klavier Opus 137a für Violoncello und Klavier von Ignaz Moscheles oder die Fantasia Contrappuntistica von Ferruccio Busoni).

Die hybride Komposition stellt also eine Kombination dar aus der harmonischen Entwicklung und dem Bewegungsmuster von Bachs Präludium, das zu einer reinen Begleitung degradiert wird, und Gounods Melodie mit ihrem weiten Tonumfang und ihrer weitgespannten Dynamik, die das Ergebnis stilistisch stark in das romantische Idiom drängt. Als Komponist wird hier meist „Bach/Gounod“ angegeben – auch, um die Komposition so von Gounods eigener Ave-Maria-Vertonung zu unterscheiden.

Gounod's Ave Maria, Klavier und Cello, gespielt von John Michel

Rezeption[Bearbeiten]

Das Werk erfreut sich bis heute großer Beliebtheit gerade auch bei Menschen, die sonst wenig Zugang zu klassischer Musik haben. So sind neben der Originalversion für Klavier und Gesangsstimme bis heute zahlreiche Bearbeitungen für praktisch jede denkbare Instrumentenkombination entstanden. Insbesondere haben viele Popmusiker und Gesangssolisten das Stück in ihr Repertoire aufgenommen.

Weblinks[Bearbeiten]