Avi Dichter

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Avi Dichter

Avi Dichter (hebräisch: אבי דיכטר‎; * 4. Dezember 1952 in Aschkelon, Israel) ist ein israelischer Politiker, derzeit Mitglied der Knesset in der Kadima-Fraktion.

Leben[Bearbeiten]

Dichter leistete seinen Wehrdienst in der israelischen Armee und diente dort in einer Einheit unter Ehud Barak. Er trat 1974, noch während des Dienstes, in den Inlandsgeheimdienst Shin Bet ein und wurde im Jahr 2000 dessen Direktor. In seine Zeit beim Geheimdienst fallen die staatlich veranlasste Ermordung mehrerer Hamas-Aktivisten. Dazu gehörten z.B. Jahja Ayyash oder Salah Shehade. Größter Misserfolg des Shin Bets war die Tatsache, die Ermordung des Premierministers Jitzhak Rabin 1994 nicht verhindern zu können. 2002 wurde Dichter in den USA erfolglos verklagt. Im Prozess Matar v. Dichter wurde er von Palästinensern wegen einer gezielten Tötungsaktion im Gaza-Streifen, die zum Tode Unbeteiligter führte wegen exralegalen Tötens, Kriegsverbrechen und schwerer Menschenrechtsverletzungen angeklagt. Das US-amerikanische Gericht wies die Klage ab, da Dichter durch den Foreign Sovereign Immunities Act geschützt sei.[1] Im September 2005 ging Dichter in die USA und arbeitete beim Brookings Institute in Washington, D.C. Dichter war Minister für Innere Sicherheit von 2006 bis 2009 unter Ministerpräsident Ehud Olmert. 2007 verzichtete Dichter auf einen Besuch in Großbritannien, da er einem Prozess wegen Kriegsverbrechen entgehen wollte, im Rahmen dessen man ihn für die Ermordung von Salah Shehades Frau und Kindern hätte verantwortlich machen können [2]. Am 14. August 2012 ernannte Benjamin Netanjahu Avi Dichter zum neuen Heimatschutzminister. Er folgte damit Matan Vilna’i im Amt[3].

Politische Positionen[Bearbeiten]

Dichter vertritt innenpolitisch vor allem anti-arabische Positionen. Er bekämpfte intensiv Versuche der palästinensischen Autonomiebehörde 2009 Kulturveranstaltungen in Ost-Jerusalem durchzuführen[4] und gehörte am 3. August 2011 zu 39 Knessetmitgliedern, die ein Gesetzgebungsverfahren in Gang setzen wollten, das das Recht der Selbstbestimmung auf Juden beschränken wollten. Das Gesetz hätte Arabisch als zweite Amtssprache abgeschafft.

Dokumentarfilm[Bearbeiten]

2012 wurde Dichter für den Dokumentarfilm Töte zuerst (english: The Gatekeepers) des israelischen Filmregisseurs Dror Moreh interviewt. Der Film kam Anfang 2013 in die israelischen Kinos und wurde Anfang März 2013 sowohl vom deutsch-französischen Fernsehsender arte als auch von der ARD ausgestrahlt.[5]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Avi Dichter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ccrjustice.org, Matar et al v Dichter. Ccrjustice.org. Archiviert vom Original am May 20, 2010. Abgerufen am 21. Mai 2010.
  2. Barak Ravid: Haaretz.com,Dichter cancels U.K. trip over fears of 'war crimes' arrest. In: Haaretz. Abgerufen am 21. Mai 2010.
  3. "Israel setzt Obama unter Druck" in: Süddeutsche Zeitung (Online-Ausgabe) vom 14. August 2012
  4. Israel bans Palestinian cultural events. 20. März 2009. Archiviert vom Original am March 23, 2009. Abgerufen am 22. März 2009. 
  5. Die Schlacht gewinnen, den Krieg verlieren? in FAZ vom 5. März 2013, Seite 31