Avi Shlaim

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Avraham „Avi“ Shlaim (* 31. Oktober 1945 in Bagdad, Irak) ist ein britisch-israelischer Historiker und emeritierter Professor für Internationale Beziehungen jüdisch-irakischer Herkunft.

Leben[Bearbeiten]

Avi Shlaim wurde in Bagdad geboren und wuchs ab 1950 im israelischen Ramat Gan auf, nachdem seine wohlhabende jüdisch-arabische Familie in den zwei Jahre zuvor gegründeten Staat ausgewandert war.[1] Mit 16 ging er 1962 auf Initiative seiner Mutter nach London, wo sein Onkel lebte, und besuchte dort eine jüdische Privatschule. Noch vor der israelischen hatte er bereits die britische Staatsangehörigkeit besessen.[2] 1964 kehrte er nach Israel zurück, um dort bis 1966 seinen Wehrdienst abzuleisten. Von 1966 bis 1969 studierte Shlaim am Jesus College der Universität Cambridge Geschichte (Abschluss: B. A.) und erwarb 1969/70 an der London School of Economics den M.Sc. in Internationale Beziehungen. Nach einer Promotion an der Universität Reading lehrte er dort von 1970 bis 1987 Politikwissenschaften mit dem Schwerpunkt Europäische Union.[3][4] 1987 wechselte er an das St Antony’s College der Universität Oxford, wo er bis zu seiner Emeritierung 2006 als Professor für Internationale Beziehungen tätig war. 2006 wurde er zum Fellow der British Academy gewählt.[5] Sein hauptsächliches Forschungsinteresse galt zunächst dem europäischen Integrationsprozess. Sein Interesse für die jüngere Geschichte Israels war insbesondere durch die Dissertationsschrift Ilan Pappes geweckt worden, die er an der Universität Oxford als Gutachter zu lesen bekam. Mit seinen in Großbritannien veröffentlichten wissenschaftlichen und publizistischen Texten zum israelisch-arabischen Konflikt wurde er schließlich einer größeren Öffentlichkeit bekannt – zwischen 2000 und 2005 wurden von seinem Buch Behind the Iron Wall: Israel and the Arab World rund 45.000 Ausgaben verkauft. Dies war 2005 sein erstes Buch, das in Israel in einer hebräischen Übersetzung erschien.[2]

Shlaim, der israelischer und britischer Staatsbürger ist, schreibt regelmäßig für den Guardian und wird zu den Neuen Israelischen Historikern gezählt, die zwar mit unterschiedlichen Schwerpunkten, aber wie er unter Nutzung von Originaldokumenten aus zuvor nicht zugänglichen staatlichen Archiven, wichtige etablierte Grundsätze der offiziellen Geschichtsschreibung in Frage stellen und teilweise widerlegen.[2]

Politische Ansichten[Bearbeiten]

Avi Shlaim hat bei einem Besuch in Norwegen zu Sanktionen gegen Israel aufgerufen, denn 40 % des israelischen Außenhandels sei mit der EU und nicht den USA. Er erklärte, dass die einzige Hoffnung auf eine Zukunft zwischen Israel und den Palästinensern ist, dass Europa eine entscheidende Rolle spielt. Ökonomische Sanktionen sind ein Mittel.[6]

Publikationen[Bearbeiten]

als Autor
als Herausgeber

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Avi Shlaim: In Ishmael’s House, in: Financial Times vom 30. August 2010, abgerufen am 3. August 2014 (englisch)
  2. a b c Meron Rapoport: No peaceful solution, in: Haaretz vom 11. August 2005, abgerufen am 3. August 2014 (englisch)
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatGoverning Body Fellows. St Antony's College, abgerufen am 25. September 2009 (englisch).
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatCurriculum Vitae (Avi Shlaim). St Antony's College, abgerufen am 25. September 2009 (englisch).
  5. Avi Shlaim, Kurzbiografie auf der Webseite der Universität Oxford, abgerufen am 3. August 2014 (englisch)
  6.  Line Fransson: Innfør sanksjoner mot Israel. In: Dagbladet. 27. Oktober 2005 (norwegisch).

Weblinks[Bearbeiten]